Winterprognose: Polarwirbel verliert an Schwung und eröffnet neue Optionen
Das Wetter dümpelt im Moment vor sich hin. Bei wechselnder bis starker Bewölkung kommt es zu gelegentlichen Niederschlägen, mancherorts trübt sich das Wetter durch zähe Nebelfelder zusätzlich ein. Die Temperaturen steigen an und machen Schnee, Eis und Frost zum Beginn des meteorologischen Winters unmöglich. Der Grund ist ein sich stabilisierender Polarwirbel, der jedoch an Schwung verliert und auch wenn das Wetter im Dezember wenig winterlich startet, so ergeben sich nach Nikolaus wieder Möglichkeiten für andere Wetterlagen.
Niederschlagfronten überqueren Deutschland bis zum 1. Advent von West nach Ost. Prinzipiell schwächen sich die Fronten auf ihrem Weg nach Osten ab, sodass heute über dem Südosten noch ein verbreitet sonniger Wintertag möglich ist. Doch während mit einer Schneedecke ab den mittleren Lagen über dem Südosten die Temperaturen heute nur knapp über den Gefrierpunkt ansteigen, so können über dem Nordwesten mit +8 bis +12 Grad bereits deutlich höhere Werte erwartet werden. Bis zum 1. Advent setzt sich die Milderung mit +5 bis +10 Grad über ganz Deutschland durch. Der Wind kommt meist schwach aus südlichen Richtungen und kann am 1. Advent über dem Nordwesten zu kräftige und an den Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein stürmische Böen bringen. Schwere Sturmböen lassen sich nicht ausschließen.
So startet der meteorologische Winter
Die Wetteraktivität verstärkt sich mit einem stabilisierenden Polarwirbel auf dem Atlantik. So entsteht vom 1. bis 3. Dezember ein kräftiger Tiefdruckwirbel zwischen Island und England, dessen Ausläufer Deutschland erreichen. So ist bei starker bis wechselnder Bewölkung immer wieder mit etwas Regen zu rechnen. Zwischendurch gibt es auch sonnige Momente zu bestaunen. Der Wind frischt aus südlichen Richtungen kommend auf und die Temperaturen pendeln sich bis zum 3. Dezember auf +6 bis +12 Grad ein. Frischer bleibt es mit +0 bis +5 Grad über den Regionen mit einer Schneedecke über dem Südosten. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Dezember.

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Wenig Winterwetter Anfang Dezember © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Wettervorhersage des europäischen Wettermodells: Polarwirbel wird geschwächt
Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells der vergangenen 24 Stunden in Frage zu stellen war richtig. Zu stark war der Polarwirbel, was die Randfaktoren nicht bestätigen konnten. Heute jetzt eine Variante, welche der Analyse der Randfaktoren näher kommt. Der Polarwirbel schwächt sich wieder ab und ermöglicht unter bestimmten Voraussetzungen sogar einen winterlichen Ansatz.
Blockadehoch bremst den Polarwirbel
Beginnend mit dem 5. Dezember intensiviert sich das Kontinentalhoch über dem westlichen Russland und dehnt sich bis zum 7. Dezember über Skandinavien weiter nach Westen aus. Die Frontalzone auf dem Atlantik läuft auf das Hoch auf, findet jedoch einen Weg in Richtung der Mittelmeerregion. Das Hoch wird an seinen südlichen Gradienten unterwandert.
Kahlfrost oder Warmluftzufuhr?
An dieser Struktur ändert sich bis zum 13. Dezember wenig. Das Hoch dominiert mit Sonne, Wolken und teils zähem Nebel und Hochnebel das Wetter über Deutschland. Von Süden mehren sich die Wolken und können über den Alpen etwas Niederschlag bringen. Die Grundströmung aber kippt von Süd auf Südost und sollte sich das Hoch noch weiter nach Westen verlagern dann auch auf Ost.
Nach der aktuellen Wetterprognose bleibt es bei einer Südostanströmung, was die Temperaturen auf +6 bis +12 Grad und mit einer längeren Sonnenscheindauer auf bis +14 Grad ansteigen lassen kann. Über den Regionen mit Nebel oder Hochnebel verweilen die Temperaturen unter der +5 Grad-Marke. Ist der Nebel besonders dicht, kann sich über dem Südosten von Deutschland auch Dauerfrost einstellen.
Die Besonderheit an dieser Wetterlage ist, dass diese ohne Probleme auch auf Ost abkippen und so für frostige Verhältnisse sorgen kann. Da das Wetter jedoch hochdruckdominiert ist, ist auch nicht mit sonderlich viel an Niederschlag zu rechnen.

Blockadehoch - Frostige Temperaturen sind unter speziellen Bedingungen mit einem solchen Setup möglich © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Blockadehoch mit Folgen für das Wetter über Deutschland
Interessant ist, dass die Vorhersage-Modelle heute wieder einmal der These eines schwächelnden Polarwirbels folgen. Die große Wetteraktivität
wird auch in der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells vorerst abgesagt - der Winter aber auch. Der Grund ist die Ausbildung eines Blockadehochs über dem westlichen Russland, welches sich bis zum 6. Dezember weiter nach Westen verlagert. Doch positioniert sich die Hochdruckachse nördlicher, sodass Deutschland mehr in den Einflussbereich einer südlichen bis südwestlichen Anströmung gelangt.
Für die Jahreszeit viel zu warmes Wetter
Bedingt durch die warme Vorderseitenanströmung können die Temperaturen vom 6. bis 12. Dezember auf +6 bis +12 Grad ansteigen und mit Sonnenschein bis +14 Grad möglich machen. Das ist weit weg von winterlichen Wetterverhältnissen und erneut nah dran am Frühling.
Interessant aber ist auch in dieser Prognose die Entwicklung des Polarwirbels. Bedingt durch die Hochdruckzone, die sich vom Kontinentalhoch über dem westlichen Russland bis in Richtung Grönland aufbauen kann, wird das Grönlandhoch wieder wetteraktiv. Durch die Drehbewegung im Uhrzeigersinn werden die kalten Polarluftmassen zwischen dem europäischen Nordmeer und Island auf den Atlantik geführt, während der Cluster des Polarwirbels sich zwischen Kanada und Grönland abschwächt.
Spielt man dieses Setup kurz durch, so würde sich die Tiefdruckdynamik bis zum 14. Dezember weiter in Richtung Mitteleuropa verlagern, während das Grönlandhoch eine Blockade auf dem Atlantik aufbauen kann. Das Strömungsmuster meridionalisiert und auf diese Art und Weise kann aus einer unwinterlichen Grundlage dann der Winter doch noch optional werden.

Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Gestörter Polarwirbel mit Aufbau eines wetteraktiven Hochs über Grönland © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Auf den Punkt gebracht: Der schwächer werdende Polarwirbel
Der Polarwirbel und seine Stabilität spielt auch nach 144 Stunden noch die Hauptrolle. Über mehrere Tage hinweg stabilisiert sich das System bis zum 5. Dezember, doch wie bereits in der Sonntagsanalyse näher erläutert, kann man die Nachhaltigkeit der Stabilisierung in Frage stellen. Warum das so ist, zeigen heute die Vorhersage-Modelle. Dabei spielt es vorerst keine Rolle, welche Wetterlage dabei herauskommt, sondern zunächst einmal, dass die Schwäche des Polarwirbels erhalten bleibt.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Und noch etwas ist interessant. Immer dann, wenn die Vorhersage-Modelle die Temperaturprognose in Richtung der +15-Grad-Marke ansteigen lassen, ziehen die Kontrollläufe nicht mit. Stattdessen etabliert sich ein Temperaturspektrum, welches mit einer Anomalie von +0,5 bis +1,5 Grad nah an dem dran ist, was für den Dezember typisch ist, was Temperaturen von +3 bis +6 Grad zur Folge hat. Kein Winterwetter, aber auch kein Sprung in den Frühling. Nasskaltes Spätherbstwetter trifft es besser.
Die Niederschlagsprognose
Apropos nasskalt. Die Niederschlagsprognose ist vom 30. November bis zum 5. Dezember schwach ausgeprägt und verbreitet stellt sich trockenes Wetter ein. Vom 6. bis 12. Dezember nimmt die Niederschlagstätigkeit wieder zu, was die These eines Blockadehochs über Mitteleuropa nicht stützt. Deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Mittelwert aller Kontrollläufe. Schaun mer mal, in welche Richtung das bis heute Abend kippen mag.

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Südwest oder Nordwest - der Wirbel zwischen Grönland und Island gibt den Takt vor © www.meteociel.fr
| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 4. Dezember | +1 bis +8 Grad | +5 bis +7 Grad |
| 8. Dezember | -2 bis +11 Grad | +5 bis +7 Grad |
| 13. Dezember | -2 bis +9 Grad | +4 bis +6 Grad |

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:21 Uhr
Der Polarwirbel schwächelt nach der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Abend zum 6. Dezember. Dabei baut das Kontinentalhoch eine Brücke in Richtung Grönland und eine weitere in Richtung der Aleuten auf. Die Hochdruckzone erstreckt sich über Nordeuropa, während die Frontalzone auf dem Atlantik versucht das Hoch an seinem südlichen Gradienten zu unterwandern. Deutschland gelangt zunächst in eine Art Pattsituation
und liegt zwischen den Fronten in einer vergleichsweise warmen Südwestanströmung. Die Temperaturen erreichen bis zum 7. Dezember +5 bis +10 Grad und über dem Westen bis +12 Grad.
Polarwirbel erholt sich
Im Zeitraum vom 7. bis 13. Dezember schließen sich die Lücken innerhalb des Polarwirbels und dessen Zentrum verlagert seinen Schwerpunkt direkt über den Nordpol. Runder kann ein Wirbel nicht verlaufen, was auf dem Atlantik in einer reaktiven Frontalzone eine Kettenreaktion auslöst und ein Tief nach dem anderen in Richtung Skandinavien ziehen lässt. Mit anderen Worten formuliert stellt sich nach der aktuellen Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells bis zum 13. Dezember eine Westwetterlage ein. Die Folge: unbeständiges und windiges Wetter bei Temperaturen, welche mit +8 bis +14 Grad weit weg vom Winter sind.

Kontrollläufe ziehen nicht mit
Ob der Polarwirbel - samt einer funktionierenden Frontalzone und einer reaktiven Tiefdruckrinne auf dem Atlantik - in Schwung kommt und sich dann in absoluter Bestform präsentieren wird, bleibt weiterhin infrage zu stellen. Da sind die Prognosen des amerikanischen Wettermodells zu optimistisch und wäre seit 2018 ein Novum.
Und ja, vergleicht man die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells mit dem Mittelwert aller Kontrollläufe, so bilden die Amerikaner heute Abend mit einer Abweichung von +8 Grad die mit Abstand wärmste Variante ab. Möglich ja, wahrscheinlicher aber ist der weiterhin nasskalte Fahrplan, welchen die Kontrollläufe schon eine ganze Weile favorisieren. Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe sind jedoch mit -2 bis -4 Grad zu hoch, als dass sich der Winter bis auf die mittleren Lagen wird bemerkbar machen können. Das spiegelt sich auch in der Schneefallwahrscheinlichkeit wider.

Der Mittelwert aller Kontrollläufe: Nasskaltes Dezemberwetter © ecmwf.int
Zustand des Polarwirbels
Wurde der NAO- und AO-Index gestern noch neutral bewertet, so haben diese heute Abend einen positiven Trend. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für einen weiter stabilisierenden Polarwirbel höher liegt, als für eine Schwächung, oder gar einen Zusammenbruch des Wirbels. Unter dem Strich sind das für den Winter in der ersten und möglicherweise aus zweiten Dezember-Dekade keine guten Voraussetzungen.
Geht es nach der Prognose des europäischen Wettermodells von heute Abend, so schwächelt der Polarwirbel weiterhin bis Mitte Dezember. Dabei kann sich ein Trog vor oder auch über Mitteleuropa ausbilden, was über Deutschland eine nasskalte Nordwestwetterlage zur Folge hat.

Nasskaltes Dezemberwetter - Trogansatz mit nordwestlicher Ausrichtung © www.meteociel.fr
Auch heute zeigt sich keine Konsistenz in den Berechnungen, was an dem volatilen Polarwirbel liegt. Erst wenn klar ist, ob dieser sich wird nachhaltig stabilisieren können, oder erneut in eine Schwächephase übergeht, wird der Trend bis Mitte Dezember klarer. Bis dahin ist der Favorit die nasskalte Witterung, bei der sich der Winter bis auf die höheren mittleren Lagen zurückzieht. In diesem Sinne, Ihnen einen wunderbaren Start in das Wochenende.
