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Wetter: Skandinavische Kaltluft erreicht Deutschland - wo es Schnee gibt und wie sich das Wetter bis Dezember entwickelt

| M. Hoffmann

Die Warmluft aus Afrika wird in den kommenden 48 Stunden durch kühlere Luftmassen aus Skandinavien ersetzt. Die Temperaturen sinken in den nasskalten Bereich ab und lassen die Schneefallgrenze teils bis auf die mittleren Lagen absinken. Mancherorts wird man es mit winterlichen Wetterbedingungen zu tun bekommen. Ist das der Auftakt in den Winter oder nur ein frühwinterliches Geplänkel? Abhängig ist die kommende Wetterentwicklung auch vom Zustand des Polarwirbels, welcher nach einer kurzen Erholung bis in den Dezember hinein erneut eklatante Schwächen vorweist. Das ist für die Jahreszeit äußerst untypisch.

Wie weit kommt der Winter runter und wie beeinflusst der schwache Polarwirbel das Wetter bis Dezember?
Wie weit kommt der Winter runter und wie beeinflusst der schwache Polarwirbel das Wetter bis Dezember?

Mithilfe eines noch wetteraktiven Hochdrucksystems über Grönland setzen sich im Verlauf der Woche polare Luftmassen von Skandinavien aus nach Deutschland in Bewegung und erreicht zum Start in die neue Woche auch den Süden von Deutschland. Die kalte Luftmasse lässt zwischen England, Frankreich und Deutschland ein Tiefdrucksystem entstehen, dessen Position entscheidend sein wird, ob der Winter ab den mittleren Lagen ein Signal setzen kann.

Kaltluft aus Skandinavien erreicht Deutschland

Die Temperaturen erreichen über dem Süden heute noch bis +18 Grad, während es über dem Norden mit +5 bis +10 Grad deutlich frischer geworden ist. Bis Montag sinken die Werte auf +4 bis +8 Grad ab und am Dienstag können über Teilen von Deutschland nur noch +2 Grad erreicht werden. Die Schneefallgrenze sinkt auf 500 bis 800 Meter ab und oberhalb etwa 600 bis 900 Meter kann sich mancherorts auch eine dünne Schneedecke ausbilden. Viel Schnee ist bis Donnerstag jedoch nicht zu erwarten, da die Tiefdruckposition zunächst noch westlich von Deutschland ist. Der meiste Niederschlag ist nördlich der Linie von Köln und Dresden sowie südlich einer Linie von Stuttgart und München. Die Nächte bleiben über dem Norden frostfrei, während über dem Süden die Tiefstwerte auf +2 bis -4 Grad und bei Aufklaren in Richtung der Alpen auf bis -6 Grad absinken können. Wer es genauer wissen möchte: Wetter November.

Kaltluft strömt von Skandinavien in Richtung Deutschland und bringt eine wechselhafte und nasskalte Novemberwoche

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Kaltluft strömt von Skandinavien in Richtung Deutschland und bringt eine wechselhafte und nasskalte Novemberwoche © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Die Schneeprognose

Waren die Schneeprognosen der Vorhersage-Modelle in den vergangenen Tagen noch imposant, so ist von der möglichen Schneedecke bis auf die mittleren Lagen nicht mehr viel übrig geblieben. Man spricht von Modellschnee, der zunächst den Puls der Freunde des Winterwetters beschleunigt, dann aber zur Enttäuschung führt. Nicht umsonst gilt bei uns stets der Hinweis, dass man Regen- und insbesondere Schneeprognosen mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten muss und dass aus der Erfahrung heraus ein solcher Vorstoß polarer Luftmassen über Deutschland häufig in einer nasskalten Witterung endet, bei der winterliche Wetterverhältnisse erst oberhalb etwa 600 bis 800 Meter optional werden.

Schaut man sich die nachfolgende Schneeprognose der beiden Vorhersage-Modelle an, so ist in der Tat vom Schnee nicht mehr viel übriggeblieben und beschränkt sich auf die Mittelgebirge, den Bayerischen Wald, den Schwarzwald, das Alpenvorland, die Alpen und unter bestimmten Voraussetzungen über dem Nordosten von Deutschland. Sollte das Tief doch noch ein Stück weit südlicher ziehen, dann wird mehr Kaltluft advehiert und drückt die Schneefallgrenze weiter nach unten. Davon ist im Moment mit dem sich korrigierenden Trend der Vorhersage-Modelle nicht zu rechnen. Nasskalt bleibt die Maßgabe der kommenden Woche. Nachfolgend die Schneeprognose der beiden Vorhersage-Modelle bis zum 23. November.

Die Schneeprognose der Vorhersage-Modell bis zum 23. November 2025

Die Schneeprognose der Vorhersage-Modell bis zum 23. November 2025 © wxcharts.com

Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle - Schwacher Polarwirbel

Das Grönlandhoch verliert zum 20. November seine Wetterwirksamkeit. Seinerstatt wölbt sich auf dem Atlantik das Azorenhoch weit nach Norden auf und stellt sich als Konterpart dem aktiver werdenden Polarwirbel gegenüber. Bereits zum 23. November hat der Polarwirbel den Bereich zwischen Kanada und Grönland vollständig für sich vereinnahmt. Kaltluftmassen arktischen Ursprungs strömen über dem Osten von Kanada nach Süden und lassen auf dem Atlantik Tiefdrucksysteme entstehen. Die Regenerierungsphase der Frontalzone beginnt.

Sturm- und Drangphase

Für einen Moment stabilisiert sich der Polarwirbel und die aktiv-dynamische Frontalzone kann sich im Bereich zwischen Neufundland und Skandinavien durchsetzen. Über Deutschland hat das vom 23. bis 26. November nasskaltes und windiges bis stürmisches Herbstwetter zur Folge. Wäre die Vorgeschichte der absolut gestörten Zirkulation nicht, wäre das jetzt der Beginn einer Phase der Westwindwetterlage, welche für 7 bis 14 Tage Bestand hätte.

Polarwirbelsplit wird angedeutet

Doch noch während der Polarwirbel versucht für normale Verhältnisse zu sorgen, erfolgen auch schon die nächsten Hochdruckeinschübe und bringen den Wirbel ins Schlingern. Nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells deutet sich bis Dezember ein Polarwirbelsplit an und auch die Prognose des amerikanischen Wettermodells ist von einem Split nicht weit entfernt.

Ein Split bringt nicht immer Winterwetter

Vor rund 48 Stunden noch hatten die Vorhersage-Modelle den sich stilisierenden Polarwirbel und die reaktive Frontalzone bis in den Dezember hinein simuliert. Seit 2018 aber lässt sich eine im Aufbau befindliche Westwetterlage grundsätzlich infrage stellen. Wird zwar häufiger simuliert, genauso häufig aber wieder verworfen. Das scheint auch dieses Mal der Fall zu sein. Dennoch - die nachfolgenden Prognosekarten sind ein Extrem und machen mit aller Deutlichkeit klar, wie außergewöhnlich labil und schwach der Polarwirbel zum Beginn der Wintersaison ist.

Prinzipiell ist mit einem Polarwirbelsplit Winterwetter über Deutschland, der Schweiz und auch Österreich möglich, doch muss dafür die Splitachse entsprechend ausgerichtet sein. Perfekt wäre für den Winter im Dezember ein Verlauf der Hochdruckachse zwischen den Azoren und Alaska. Doch die Vorhersage-Modelle berechnen heute etwas anderes - die Hochdruckachse etabliert sich über Mitteleuropa und strebt durch den Polarwirbel in Richtung der Aleuten und Alaska. Somit verbleiben Deutschland, Österreich und die Schweiz vom 27. November bis 1. Dezember in einer wetterruhigen Hochdruckzone. Viel Nebel, wenig Niederschlag und Temperaturen von +4 bis +8 Grad und mit Sonnenschein von bis +12 Grad wären die Folgen hieraus.

Polarwirbel bliebt schwach - im Ansatz ein Polarwirbelsplit

Wetterprognose nach der Vorhersage-Modelle: Polarwirbel bliebt schwach - im Ansatz ein Polarwirbelsplit © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: die anhaltende Schwäche des Polarwirbels

Die Schwäche des Polarwirbels hängt stark mit dem schwindenden arktischen Meereis zusammen. Das Meereis muss jetzt erst einmal aufgebaut werden, damit der Albedo-Effekt vollständig zum Tragen kommt. Früher war das bereits Anfang November der Fall, mit fortschreitender Klimaerhitzung wird die Stabilisierung des Polarwirbels wohl erst im Dezember erfolgen und ob der Polarwirbel in ferner Zukunft dann noch eine Rolle spielen kann, bleibt abzuwarten (Was ist, wenn der Polarwirbel sich nicht mehr aufbauen kann?).

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Der frühe Winter endet mit einer hohen Wahrscheinlichkeit in der zu erwartbaren nasskalten Witterung. Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe schwanken im Zeitraum vom 18. bis 23. November zwischen -3 und -7 Grad. Das reicht - zumindest für einen kurzen Moment - für Schneefall bis auf die mittleren Lagen herab (400 bis 800 Meter). Der Mittelwert aller Kontrollläufe berechnet den Tiefpunkt mit +0,6 Grad am 22. November - Dauerfrost kann oberhalb etwa 500 bis 800 Meter eine Rolle spielen und damit auch die Ausbildung einer Schneedecke. Über tieferen Lagen (100 bis 400 Meter) können dank der Höhenkälte aber auch Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer möglich sein und gehen diese in der Nacht nieder, so kann die Ausbildung einer temporären Schneedecke nicht ausgeschlossen werden.

Vom 23. November bis 1. Dezember steigt das Temperaturniveau wieder an und festigt mit +6 bis +8 Grad die nasskalte Witterung über Deutschland.

Die Niederschlagsprognose

Die Niederschlagssignale sind vom 16. bis 17. November mäßig erhöht, vom 18. bis 20. November schwach ausgeprägt und pendeln sich vom 21. November bis 28. November in den leicht bis mäßig erhöhten Bereich ein. Keine stabilen Wetteraussichten. Ein Hauch von Winter ist ab den mittleren Lagen nicht auszuschließen, doch zeigt sich bis Anfang Dezember eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine nasskalte Witterung. Schaun mer mal.

Kommt der Polarwirbel in Schwung, oder erhält er einen neuen Dämpfer?

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kommt der Polarwirbel in Schwung, oder erhält er einen neuen Dämpfer? © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
21. November -2 bis +6 Grad +2 bis +5 Grad
25. November -1 bis +12 Grad +4 bis +6 Grad
30. November -2 bis +15 Grad +6 bis +8 Grad
Diagramm Temperaturen Dezember 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:35 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:38 Uhr

Heute Nachmittag noch hatten wir einen für den Winter optimalen Verlauf einer Polarwirbelsplittachse thematisiert und prompt wird dieser heute Abend vom amerikanischen Wettermodell simuliert.

Überraschend dabei ist jedoch nicht der Achsverlauf, sondern dass das Extrem eines Polarwirbelsplits zu einer Zeit, wo der Polarwirbel eigentlich auf Hochtouren laufen sollte, erneut bestätigt wurde. Zur Folge hat das über Deutschland vom 23. November bis 1. Dezember eine über tieferen Lagen durchweg nasskalte Wetterentwicklung. Phasenweise dringt der Winter bis auf die mittleren Lagen vor, festigt sich jedoch an den höheren mittleren Lagen (400 bis 800 Meter) oberhalb etwa 800 Meter mit einer dann doch imposanten Neuschneedecke.

Dauerfrost und Nachtfrost

Die Temperaturen schwanken mit +4 bis +8 Grad verbreitet im nasskalten Bereich, können aber südlich einer Linie zwischen Köln und Dresden mit +0 bis +5 Grad noch weiter zurückgehen. Über Teilen von Baden-Württemberg und Bayern ist oberhalb etwa 500 bis 800 Meter mit Dauerfrost zu rechnen. In den Nächten kühlt es auf +4 bis +0 Grad ab und über Schnee und bei Aufklaren können bis -4 Grad möglich sein.

Der Polarwirbelsplit wird bestätigt - Achsverlauf dieses Mal weiter westlich, was einer winterlichen Wetterentwicklung ab den höheren Lagen zuträglich ist
Der Polarwirbelsplit wird bestätigt - Achsverlauf dieses Mal weiter westlich, was einer winterlichen Wetterentwicklung ab den höheren Lagen zuträglich ist © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Die Stabilität des Polarwirbels

Entscheidend wird für die Prognose bis Dezember sein, ob der Polarwirbel sich wieder stabilisieren kann oder auch nicht. In der Gesamtstruktur zeigt sich der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe schwach. Die Winde erreichen am 25. November im Minimum +6,5 km/h und sind Anfang Dezember mit +54 km/h nicht sonderlich kräftig. Normalerweise sollte sich der Stratosphärenwirbel mit +120 km/h Anfang Dezember von West nach Ost drehen. Ein positives Vorzeichen bedeutet, dass der Polarwirbel keine Windumkehr auf Ost-West erfährt.

Erst ab dem Moment, wo die Winde umdrehen, wird auch der untere Wirbel massiv geschwächt (gegenteilige Drehbewegung). Ein Major-Warming ist also nicht in Sicht und wird auch nicht bestätigt. Allenfalls ein schwaches Minor-Warming, was aber etwas völlig Normales ist.

QBO-Phase?

Die Schwäche des Polarwirbels kommt also woanders her. Erstens die geringe Ausdehnung und die dünnere Schicht des arktischen Meereises (verzögerte Aktivierung des Polarwirbels durch schwächeren Albedo-Effekt - Abstrahleffekt).

Zweitens: Der QBO wird in diesem Winter eine Rolle spielen und im Moment ist die östliche Phase in vollem Gang aber noch nicht vollzogen. Das wird den Wirbel in Stratosphärenhöhe zu einer Ost-West-Umkehr zwingen, ohne dass es zu einem Major- oder Final-Warming kommen muss (der Zusammenhang ist probabilistisch, nicht deterministisch). Die QBO-Phase kann jedoch nur bedingt vorhergesagt werden und resultiert aus Radiosondenaufstiegen (der aktuelle IST-Zustand und den draus folgenden Schlussfolgerungen). Aber ja, das Muster aus schwachem Polarwirbel und der gesamtstrukturellen Schwäche ist auffällig und kann mit dem QBO in Zusammenhang gebracht werden. Der Beginn einer östlichen QBO-Phase bedeutet: In der tropischen unteren Stratosphäre wehen die Winde momentan in östlicher Richtung. Während einer Ost-Phase sind die äquatorialen zonalen Winde östlich gerichtet. Das beeinflusst u. a. die Dynamik der Tropen-Stratosphäre, Transportprozesse von Ozon und Wasserdampf und damit auch klimatische Rückkopplungen und in der Ost-Phase kann der vertikale Auftrieb Auswirkungen auf Stratosphären-Mixing haben. Der Ostwind „wandert“ typischerweise nach unten im Druck-/Höhenprofil über die Monate hinweg. Vereinfacht ausgedrückt ist das ein Phänomen, welches in den kommenden Tagen und Wochen weiter verifiziert werden muss.

Zustand des Stratosphärenwirbels

Zustand des Stratosphärenwirbels © www.meteociel.fr

Zusammenfassung: Die anhaltende Schwäche des Polarwirbels

Aber auch die Wetterprognose des europäischen Wettermodells bestätigt die Schwäche des Polarwirbels. Die Zufuhr kühler Luftmassen erhält sich bis zum 25. November und kann sich sogar noch intensivieren.

Gleichzeitig strebt das Azorenhoch auf dem Atlantik weit nach Norden auf und kann durchaus eine Querverbindung zum Hoch über Alaska und den Aleuten aufbauen. Somit befindet sich die Hochdruckachse westlich von Mitteleuropa, was Deutschland, Österreich und die Schweiz in den Einflussbereich des Troges bringt. Die Großwetterlage ist und bleibt nasskalt, doch ist der Winter Ende November und Anfang Dezember nicht weit weg.

Eine nasskalte Wetterentwicklung, welche den Winter bis Dezember optional werden lässt

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Eine nasskalte Wetterentwicklung, welche den Winter bis Dezember optional werden lässt © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Die Kontrollläufe folgen dem Wettertrend der beiden Vorhersage-Modelle von heute Abend nicht. Der Temperaturtrend verläuft vom 24. November bis 1. Dezember positiv und lässt das Temperaturspektrum bis Anfang Dezember auf +6 bis +8 Grad ansteigen. Schaun mer mal, was aus den extremen Berechnungen den Polarwirbelsplits morgen wird.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)