Wetteraussichten: Frühling kippt, dann der Frühwinter und Stürme folgen bald
Mit Temperaturen von bis oder knapp über +20 Grad macht sich in den kommenden 48 Stunden warme Luft aus Afrika über Deutschland bemerkbar. Doch bereits zum Ende der Woche setzt sich von Norden ein imposanter Kaltlufttrog über Skandinavien in Bewegung und wird über Deutschland mit einer absinkenden Schneefallgrenze das Wetter in eine völlig andere Richtung kippen lassen. Der frühe Winter macht sich bemerkbar. Wie viel Schnee zu erwarten ist und wie sich das Wetter darüber hinaus entwickeln kann, schauen wir uns heute einmal genauer an.
Mit Temperaturen von +14 bis +18 Grad und örtlich bis zu +22 Grad sind heute und auch am 14. November (Fr.) zwei Frühlingstage
über Deutschland zu erwarten. Die Ausnahme zeigt sich über dem Norden, wo Ausläufer des Kaltlufttroges eine Luftmassengrenze provozieren, die ab heute Abend bis Freitagabend nördlich einer Linie zwischen Münster und Berlin mäßigen, dafür aber länger andauernden Niederschlag bringen kann. Weiter nach Süden bleibt es trocken und nach Auflösung von Nebelfeldern verbreitet sonnig, wobei Saharastaub den Sonnenschein eintrüben, dafür aber für einen tollen Sonnenuntergang sorgen kann.
Kaltlufttrog dehnt sich nach Deutschland aus
Der Trog setzt sich am Wochenende in Bewegung und schiebt in der Höhe kalte Luftmassen in Richtung der Mittelgebirge, was die Temperaturen nördlich davon auf +5 bis +10 Grad zurückgehen lassen kann. Weiter nach Süden hält sich mit +10 bis +15 Grad die vergleichsweise warme Luftmasse. Erst zu Beginn der neuen Woche erreicht die Höhenkälte die Alpen und lässt die Temperaturen am Dienstag auf +4 bis +8 Grad absinken. Das Wochenende gestaltet sich mit dichtem Gewölk und zeitweiligen Schauern unbeständig, während zum Start in die neue Woche die Höhenkälte die Wolken auflockert und häufiger die Sonne zum Vorschein bringen kann. Wer es genauer wissen möchte: Wetter November.

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Zum Wochenende setzt sich kalte Luft aus Skandinavien in Richtung Deutschland in Bewegung © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Wettervorhersage nach dem europäischen Prognose-Modell: Der frühe Winter und die Inversionswetterlage
Die kalte Luftmasse, die zum Start in die neue Woche nach Deutschland gelangt, intensiviert ihren Zustrom im Wochenverlauf, was die Temperaturen bis zum 23. November auf +5 bis -2 Grad absinken lassen kann. In den Nächten werden Tiefstwerte von -1 bis -8 Grad simuliert. Der frühe Winter macht sich bemerkbar, was nicht nur ab den mittleren Lagen, sondern auch über tieferen Lagen - zumindest temporär - die Ausbildung einer Schneedecke möglich machen kann.
Wettermaschine wird in Gang gesetzt
Während über Deutschland ein paar Schneeflocken herabrieseln, ändert sich das Wetter auf dem Atlantik grundlegend. Das Grönlandhoch verliert seine Wetteraktivität. Der Polarwirbel setzt sich zwischen Kanada und Grönland fest und katapultiert im Zeitraum vom 23. bis 28. November polare Luftmassen weit raus auf den Atlantik nach Süden.
Blockadehoch Europa
Der Vorstoß der Kaltluftmassen ist derart heftig, dass die Tiefdrucksysteme sich weit südlich ausbilden und auf ihrer Vorderseite das Azorenhoch dazu nötigen, sich über Mitteleuropa zu positionieren. Und wer die Sonntagsanalyse noch im Gedächtnis hat, der weiß, dass die Clusteranalyse eine Westwetterlage nahezu ausgeschlossen, dafür aber ein Blockadehoch auf dem Atlantik (aktueller Zustand) und ein Blockadehoch über Mitteleuropa (möglich zukünftiger Zustand) simuliert hat.
Die Inversionswetterlage
Das Hoch legt sich in einem gradientenschwachen Zustand über Mitteleuropa, sodass der Wind nahezu vollständig zur Ruhe kommt. Die Luftmassen kühlen aus und es bildet sich im Zeitraum vom 24. bis 28. November zäher Nebel und Hochnebel über Deutschland aus. Sonnenschein ist dann nur noch regional und über den höheren Lagen möglich. Entsprechend niedrig fällt mit Werten von +0 bis +6 Grad das Temperaturniveau aus. Über höheren Lagen können mit Sonnenschein bis +12 Grad möglich gemacht werden. In den Nächten kühlt es auf +4 bis -4 Grad ab.

Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Der Polarwirbel kommt in Schwung und drückt über Mitteleuropa das Azorenhoch weit nach Norden. Die Folge daraus ist eine herbstlich trübe Inversionswetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Wettervorhersage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Der Polarwirbel dreht auf
Der schwache Polarwirbel erlaubt es einem Hoch über Grönland wetteraktiv zu werden - oder auch andersherum - das Grönlandhoch schwächt den Polarwirbel. Einerlei - das Phänomen der absolut gestörten Zirkulation schwächt nicht nur den Polarwirbel, sondern setzt die atlantische Frontalzone vollständig außer Kraft und lässt über Deutschland den imposanten Trog des Polarwirbels nach Süden rauschen.
Der frühe Winter mit Schneefall
Die Kaltluftzufuhr erreicht zwischen dem 19. und 22. November ihren Höhepunkt und lässt die Temperaturen auf +2 bis +6 Grad und über dem Süden örtlich auf bis -1 Grad absinken. Dauerfrost ist über dem Süden ab den mittleren Lagen somit möglich, während sich über dem Rest von Deutschland der nasskalte Vollherbst präsentiert.
Wo und wieviel Schnee kann erwartet werden? Dank der Höhenkälte und der entsprechenden Dynamik des Troges können bis auf tiefere Lagen herab Graupelschauer oder gar Graupelgewitter erwartet werden und da die Temperaturen in den Nächten auf +2 bis -4 Grad absinken, kann der Niederschlag in den Nächten bis auf tiefere Lagen in Schnee übergehen und den frühen Morgen in einem winterlichen Kleid präsentieren. Jetzt ist also eine gute Zeit, sich um die Winterreifen zu kümmern.
Simuliert werden oberhalb etwa 500 bis 800 Meter Neuschneemengen von 1 bis 4 cm. Über Lagen oberhalb 800 Meter können bis 8 cm und in Richtung der Alpen, des Bayerischen Waldes und über dem Schwarzwald können bis 10 cm und über den Alpen bis 40 cm zusammenkommen.
Polarwirbel gewinnt an Dynamik - die Zeit der Stürme bricht an
Das Grönlandhoch verliert seine Wetterwirksamkeit bereits zum 21. November. Das nutzt der Polarwirbel, um sich seinen angestammten Platz zwischen Kanada und Grönland für sich zu gewinnen. Somit werden die normalen
Verhältnisse wieder hergestellt und der Polarwirbel beginnt damit, sich zu stabilisieren.
Frontalzone dreht auf
Und sobald der Polarwirbel über zwischen Kanada und Grönland Position bezogen hat, geht alles ganz schnell. Polarluft strömt bei Neufundland auf den Atlantik und löst eine Kettenreaktion aus, welche die atlantische Frontalzone in Schwung versetzt und ein Tief nach dem anderen in Richtung Europa entsendet. Das Azorenhoch wehrt sich anfangs noch, kippt dann aber nach Süden ab und macht den Weg für die Frontalzone nach Mitteleuropa frei.
Infolge daraus wird das Wetter ab dem 24. November über Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Temperaturen von +5 bis +10 Grad und phasenweise bis +12 Grad wieder etwas wärmer, doch deutlich unbeständiger und mit den mächtigen Tiefdruckwirbel steigt das Potenzial von Starkwindereignissen an.

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Polarwirbel dreht auf, Frontalzone kommt in Schwung, was Stürme über Deutschland möglich macht © www.meteociel.fr || wxcharts.com
Auf den Punkt gebracht: Frühwinter, Herbststürme und die Inversionswetterlage
Die nasskalte Witterung kommt mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit und kann bis zum 23. November mancherorts bis auf die tieferen Lagen herab zu Schneefall und zur Ausbildung einer Schneedecke führen. Ab den mittleren Lagen oberhalb etwa 500 bis 800 Meter kann es winterlich werden. Doch von langer Dauer ist der frühe Winter nicht. Nach beiden Vorhersage-Modellen intensiviert sich der Polarwirbel und kann sich zwischen Kanada und Grönland positionieren. Das hat über Deutschland entweder eine hochdruckdominierte Südwestwetterlage (häufig mit Inversion), oder aber eine aktiv-dynamische Westwetterlage zur Folge, bei der auch Starkwindereignisse eine Rolle spielen können.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Der Mittelwert der Kontrollläufe liegt in 1.500 Meter Höhe vom 18. bis 22. November zwischen -5 und -6 Grad. Für den Flachlandwinter sind Ende November Höhenwerte zwischen -7 und -9 Grad eine Grundvoraussetzung. Für mittlere Lagen reichen -5 bis -7 Grad aus. Winterliche Wetterbedingungen sind ab den mittleren Lagen somit durchaus in Betracht zu ziehen.
Darüber hinaus steigt das Temperaturniveau in 1.500 Metern auf bis +2 Grad an. Ob sich über tieferen Lagen eine Inversionswetterlage wird einstellen können, bleibt abzuwarten. Der Tagesmittelwert hat jedoch mit Höchstwerten von bis +14 Grad und Tiefstwerten von bis +0 Grad ein breites Spektrum, was die Inversion nicht ausschließen lässt.
Die Regenprognose
Die Niederschlagsignale sind vom 15. bis 18. November von Nord nach Süd mäßig erhöht und sinken mit der einfließenden Kaltluft auf ein schwach erhöhtes Niveau ab. Nasskaltes Schauerwetter ist vom 19. bis 22. November zu erwarten. Darüber hinaus steigen die Niederschlagssignale in den leicht bis mäßig erhöhten Bereich an, was eine Hochdruckdominanz zunächst einmal weniger wahrscheinlich macht. Ein reaktiver Polarwirbel mit einer zunehmend aktiv-dynamischen Frontalzone ist im Moment wahrscheinlicher, wobei man - sobald diese simuliert werden - Westwetterlagen mit einem gesunden Maß an Skepsis begegnen sollte. Festhalten lässt sich jedenfalls, dass der Polarwirbel zwischen Kanada und Grönland wieder Fuß fassen und so einen Beitrag zur Normalisierung der Grundströmung beitragen kann. Schaun mer mal, was in den kommenden Stunden daraus wird.

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine ab der zweiten November-Hälfte nasskalte Wetterentwicklung © www.meteociel.fr
| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 19. November | -1 bis +7 Grad | +2 bis +5 Grad |
| 23. November | -2 bis +12 Grad | +4 bis +6 Grad |
| 28. November | -2 bis +13 Grad | +5 bis +7 Grad |

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe November 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Nächste Aktualisierung
- 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle
Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr
Wir haben heute viele Zuschriften erhalten, ob mit dem Vorstoß kalter Luftmassen aus Skandinavien tatsächlich auch Schneefall und nicht nur Modellschnee
zu erwarten ist. Wir schauen uns das im Abendupdate einmal genauer an.
Zunächst einmal die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle bis zum 23. November. Was sofort auffällt: Das amerikanische Wettermodell ist deutlich progressiver, die Europäer konservativer. Schneefall mitsamt Ausbildung einer Schneedecke ist insbesondere ab den mittleren Lagen möglich. Doch sollte man Modellberechnungen hinsichtlich Niederschlag und im Speziellen die Schneeprognosen mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten. Deutlicher wird das, wenn man sich die dazugehörigen Temperaturen in 1.500 Meter anschaut. Denn diese schwanken vom 18. bis 24. November zwischen -4 und -6 Grad. Das reicht in der Theorie für Schneefall bis auf Höhenlagen zwischen 400 und 800 Meter herab. Über tieferen Lagen stellt sich bei +2 bis +6 Grad eine eher nasskalte Witterung ein, bei der zwar auch Schnee- oder Schneeregenschauer möglich sein können, doch findet Winterwetter weiter oben statt.
Wahrscheinlichkeitsanalyse
Bewertet man die Wahrscheinlichkeiten, so liegt die Schneefallwahrscheinlichkeit nördlich der Linie zwischen Köln und Dresden bei 30 bis 40 Prozent und steigt nach Süden 50 bis 80 Prozent und über Baden-Württemberg und Bayern bis 60 bis 90 Prozent an. Da über dem Süden die mittleren Lagen überwiegen, überraschen die Wahrscheinlichkeiten nicht - im Gegenteil - sie stützen das, was sich aus den Höhenwerten hat ableiten lassen.
Wie viel Schnee ist möglich?
Wie bereits erwähnt, ist die Schneeprognose mit Vorsicht zu genießen. Nimmt man den aktuellen Lauf des amerikanischen Wettermodells, so können ab den mittleren Lagen Neuschneemengen von 1 bis 10 cm zusammenkommen. Ab den höheren mittleren Lagen bis 15 cm. Südlich der Donau können nach dem amerikanischen Wettermodell 15 bis 30 cm und über den Alpen bis 50 cm an Neuschnee erwartet werden.
Nach den Europäern ist eine insgesamt nasskalte Witterung zu erwarten, bei der sich über höheren Lagen sowie südlich der Donau eine Schneedecke ausbilden könnte.

Polarwirbel kommt in Schwung?
Hinter dem Trend von heute Morgen eines sich stabilisierenden Polarwirbels mitsamt einer regenerativen Frontalzone gilt es auch heute Abend ein Fragezeichen zu setzen. Das wetterwirksame Grönlandhoch löst sich zum 21. November auf und der Polarwirbel bezieht zwischen Kanada und Grönland Stellung. Das ist im Grunde genommen der Klassiker eines sich stabilisierenden Polarwirbels, welcher im weiteren Verlauf auch eine Frontalzone auf dem Atlantik zur Folge hat.
Hochdruckwetter zwischen Inversion und ungewöhnlich warm
Beide Vorhersage-Modelle stützen bis zum 25. November den sich stabilisierenden Polarwirbel, als auch die Frontalzone. Doch anstatt sich die Westwetterlage durchsetzt, kippt die Grundströmung auf südwestliche Richtungen und schiebt einen Hochdruckkeil des Azorenhochs über Mitteleuropa. Häufiger führen im November und Dezember Hochdruckwetterlagen zu Dauernebel, der sich erst ab den höheren Lagen lichtet. Durch den fehlenden Luftmassenaustausch kühlen die Temperaturen ab und pendeln sich auf +2 bis +8 Grad ein, während in den höheren Lagen bis +12 Grad möglich sein können.
Fehlt aber die Inversion, so können die Temperaturen auf +8 bis +14 Grad und mit einer entsprechenden Sonnenscheindauer auf +14 bis +18 Grad ansteigen.

Ein sich stabilisierender Polarwirbel mit regenerativer Frontalzone und einem Hoch über Mitteleuropa © wxcharts.com
Zusammenfassung: Der optionale Frühwinter und der sich stabilisierende Polarwirbel
Das lässt sich heute Abend feststellen. Der Frühwinter wird optional und kann ab den mittleren Lagen für winterliche Wettererscheinungen sorgen. Von langer Dauer wird das aber nicht sein, denn mit dem Verlust des wetteraktiven Grönlandhochs wird sich - zumindest für eine Phase - der Polarwirbel stabilisieren können. Ob dabei dann auch eine funktionierende Frontalzone zustande kommt, bleibt noch abzuwarten.
Das erkennt man bspw. in der Niederschlagsprognose bis Ende November, die über dem Norden und Nordwesten deutlich höher ist, als über dem Rest von Deutschland. Das wäre dann die klassische Südwestwetterlage, bei der die atlantischen Frontensysteme auf ein Hoch über Mitteleuropa auflaufen. Schaun mer mal. .

