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Wetteraussichten: Die absolut gestörte Zirkulation bringt den Winter - oder auch nicht

| M. Hoffmann

Der Nebel wird das Herbstwetter in den kommenden Tagen weiter eintrüben. Hinzu kommt noch eine schwache Störung, welche mit ihrem Gewölk und etwas Regen den Herbstblues anstimmt. Doch während sich das Wetter über Deutschland weiter einlullen lässt, geschehen zwischen dem Atlantik, Grönland und der Polarregion Vorgänge, die so gar nicht zum Herbst passen und neben einem Warmluftschub auch den frühen Winter mit Schnee, Eis und Frost nach Deutschland führen können. Was aber ist wahrscheinlicher und was ist aus den winterlichen Prognosen der Vorhersagemodelle von gestern geworden?

Der frühe Winter mit dem ersten Schnee, oder eine anhaltend warme Südwestwetterlage? © Martin Bloch
Der frühe Winter mit dem ersten Schnee, oder eine anhaltend warme Südwestwetterlage? © Martin Bloch

Ruhiges Herbstwetter. Die Luftmasse ruht, was den Nebel in den Nächten weiter ausbreiten und am Tage zu einer zähen Angelegenheit werden lässt. Kommt heute die Sonne über dem Westen, Südwesten und Nordosten häufiger zum Vorschein, so trübt es sich am Wochenende weiter ein (Wolkenradar). Auf Sonnenschein muss vielerorts verzichtet werden. Zudem erreicht ein schwacher Störimpuls Deutschland am Wochenende und trübt das Wetter weiter ein. Etwas Niederschlag ist möglich und die Temperaturen pendeln sich bei Dauernebel auf +2 bis +6 Grad und mit Bewölkung auf +7 bis +12 Grad ein. Ein Herbstwetter, um es sich zuhause gemütlich zu machen.

Hochdruckwetter mit mehr Sonnenschein und ansteigenden Temperaturen

Die Störung ist eigentlich kaum der Rede wert, doch wabert sie in einem gradientenschwachen Wetterumfeld noch bis zum Start in die neue Woche über Deutschland umher. Zum Montag und Dienstag zieht die Störung ihre Kreise über Ungarn und zieht über Polen nach Nordosten ab. Über Deutschland setzt sich mit einem Hoch wieder häufiger die Sonne durch und es stellt sich bis Mitte der Woche ein Wechselspiel aus Nebel, Hochnebel, Wolken und Sonnenschein ein. Mit nennenswertem Niederschlag ist nicht zu rechnen. Bei Dauernebel bleibt es mit +4 bis +8 Grad vergleichsweise frisch, doch können mit zunehmender Sonnenscheindauer bis +14 Grad erreicht werden. Wer es genauer wissen möchte: Wetter November.

Die absolut gestörte Zirkulation hat mit einem stark meridionalem Verlauf der Grundströmung einen Temperatursprung über Deutschland zur Folge

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Die absolut gestörte Zirkulation hat mit einem stark meridionalem Verlauf der Grundströmung einen Temperatursprung über Deutschland zur Folge © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Prognose-Modell: Desolater Polarwirbel - Winter kommt mit Schnee, Eis und Frost

Wie knifflig die kommende Wetterentwicklung sein wird, zeigt sich bereits in den obenstehenden Wetterkarten. Das Blockadehoch auf dem Atlantik ist mit seiner Ausdehnung über Grönland bis zum Nordpol gesetzt. Daran führt kein Weg mehr vorbei. Gesetzt ist auch der Kaltluftzustrom zwischen dem europäischen Nordmeer, Island und dem Atlantik, was zwischen Island und England bis zum 13. November Tiefdrucksysteme entstehen lässt.

Ungewöhnlich warmes Herbstwetter

Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen bis zum 16. November in den Einflussbereich der warmen Vorderseitenanströmung des Tiefdrucksystems, was die Temperaturen auf ein Maximum von +14 bis +18 Grad ansteigen lassen kann. Über dem Südwesten werden sogar Temperaturen von bis zu +22 Grad simuliert. Das ist mit einer Anomalie von bis zu +12 Grad weit weg von dem, was im November als normal gilt.

Die Südanströmung der Luftmassen drückt den Nebel weg und häufiger kommt wieder die Sonne zum Vorschein. Vorüberziehende Wolkenfelder und ein paar Regenspritzer sind über dem Westen nicht ausgeschlossen, verbreitet aber bleibt es trocken.

Wetterumschwung bringt den Winter bis auf die mittleren Lagen herab

Bereits gestern hatte die Wetterprognose des europäischen Wettermodells eine winterliche Variante im Programm, diese am Abend jedoch verworfen und heute wieder mit aufgenommen. Die Unsicherheiten sind hoch, aber mit dem stark meridionalen Verlauf absolut plausibel. Zwischen warm und kalt fehlt nicht viel und hängt davon ab, wie sich die Systeme zueinander verhalten und positionieren.

Nach der aktuellen Berechnung stabilisiert sich der Hochdruckkern über Grönland und greift durch seine Drehbewegung im Uhrzeigersinn aktiv in das Wettergeschehen ein. Die Zufuhr arktischer Luftmassen reißt auf dem Atlantik nicht ab und befeuert so das Tief zwischen Island und England, welches sich bis zum 20. November weiter nach Osten verlagert und mitsamt der Polarluft über die Alpen bis über die Mittelmeerregion weit nach Süden austrogt. Bemerkenswert ungewöhnlich - nicht der Trog, sondern das wetteraktive Hoch über Grönland, welches mit seiner Achse bis zu den Azoren hinunter nicht nur das Strömungsmuster meridionalisiert, sondern auch eine absolut gestörte Zirkulation zur Folge hat, bei der die atlantische Frontalzone nicht mehr existiert.

Winterliche Wetterbedingungen mit Schneefall und Frost: Nein, nicht überall, doch handelt es sich um Polarluft, welche in der Höhe weit nach Süden transportiert wird. Kaltluft gilt allgemein als instabile Luftmasse, die im Winter gerne zu Schauern und Gewittern neigt. Jedenfalls sinken die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe auf bis -7 Grad ab, was Schneefall oberhalb etwa 600 bis 800 Meter nicht ausschließen lässt. Darunter sind zwar auch Schnee- oder Graupelschauer möglich, doch ist der Temperaturcharakter mit +4 bis +8 Grad mehr als nasskalt zu klassifizieren.

Die Frostgrenze schwankt zwischen 800 und 1.000 Meter - ab diesen Höhenlagen kann es winterlich werden.

Ein absolut gestörtes Zirkulationsmuster lässt arktische Luftmassen von Skandinavien über Deutschland bis an das Mittelmeer rauschen. Der Winter streckt seine Fühler langsam nach Deutschland aus

Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Ein absolut gestörtes Zirkulationsmuster lässt arktische Luftmassen von Skandinavien über Deutschland bis an das Mittelmeer rauschen. Der Winter streckt seine Fühler langsam nach Deutschland aus © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Kuriose Wetterentwicklung, aber kein Winterwetter

Wie kleine Unterschiede ein komplett anderes Setup zur Folge haben, zeigt sich im aktuellen Wettertrend des amerikanischen Wettermodells. Der Hochdruckkern über Grönland entwickelt sich nicht weiter in Richtung Nordpol, sondern kippt nach Westen in Richtung Kanada ab.

Diese Form der absolut gestörten Zirkulation mögen Freunde des Winterwetters überhaupt nicht

Die absolut gestörte Zirkulation ist in den Wintermonaten etwas Besonderes, da diese den Polarwirbel stört und eine Westwetterlage unterbindet oder gar nicht erst aktiv werden lässt. Doch verlagert sich das Hoch über Kanada, so tritt exakt das Gegenteil dessen ein, was Freunde des Winterwetters sich erhoffen. Warum das so ist? Durch die Verlagerung des Hochdrucksystems über Kanada wird auch der Zustrom der polaren Luftmassen weiter nach Westen – und damit auf den Atlantik – verschoben.

Warme Luft aus Südwest

Und so werden zwischen Island und England kräftige Tiefdrucksysteme initialisiert, die jedoch nicht sonderlich weit nach Osten vorankommen und Deutschland, Österreich und die Schweiz in den Einflussbereich einer anhaltend warmen Südwestwetterlage bringen. Anstatt nasskaltes Wetter mit winterlichen Optionen erreichen die Temperaturen mit +12 bis +16 Grad bis weit in die letzte Novemberdekade hinein ungewöhnlich hohe Werte und drohen den Vollherbst im November mit einem Totalausfall.

Absolut gestörte Zirkulation, doch gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz auf die warme Vorderseitenanströmung - kein Winter und auch kein Vollherbst

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Absolut gestörte Zirkulation, doch gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz auf die warme Vorderseitenanströmung - kein Winter und auch kein Vollherbst © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Wie wahrscheinlich ist ein Durchbruch des Winters?

Abwarten - beide Vorhersage-Modelle schwanken zwischen einer nasskalten Witterung mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen und einer ungewöhnlich warmen Vorderseitenanströmung. Dieses Schwanken wird sich in den kommenden Stunden noch fortsetzen. Erst wenn klar ist, wie sich das Hoch über Grönland verhalten und seine Achse ausrichten wird, lässt sich klären, ob der Winter nach Süden austrogt oder ob der Warmluftzustrom aus südwestlichen Richtungen erhalten bleibt. Als nahezu gesichert gilt, dass es bis Mitte November für die Jahreszeit zu warm wird. Darüber hinaus lautet die Devise: abwarten.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die Unsicherheiten werden in den Kontrollläufen bestätigt. Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe erreichen am 14. November einen Mittelwert von bis zu +12 Grad und sinken bis zum 20. November auf -2 Grad ab.

Absinkende Schneefallgrenze - nasskaltes Herbstwetter. Für den Flachlandwinter müssten die Höhenwerte zwischen -7 und -9 Grad und für Winterwetter ab den mittleren Lagen zwischen -5 und -7 Grad liegen. Die Wahrscheinlichkeiten von winterlichen Varianten haben sich in den vergangenen 24 Stunden zwar von 15 auf 24 Prozent erhöht, liegen jedoch noch außerhalb des Relevanzbereichs. Entscheidender ist, dass das Temperaturniveau generell absinkt und der viel zu warmen Witterung ab dem 17. November mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein Ende bereitet.

Die Regenprognose

Der Wetterwechsel lässt sich auch in der Regenprognose der Kontrollläufe erkennen. Bis zum 15. November sind die Niederschlagssignale nur schwach ausgeprägt und steigen darüber hinaus in den leicht bis mäßig erhöhten Bereich an. Das Hoch verliert seine Vormachtstellung und mit den zurückgehenden Temperaturen klopft der nasskalte Vollherbst an die Türe. Schaun mer mal.

Blockadehoch auf dem Atlantik, Herbstwetter über Deutschland

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Blockadehoch auf dem Atlantik, Herbstwetter über Deutschland © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
13. November +8 bis +16 Grad +10 bis +13 Grad
17. November -1 bis +14 Grad +6 bis +8 Grad
22. November -2 bis +12 Grad +4 bis +7 Grad
Diagramm Temperaturen November 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe November 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:19 Uhr

Kommt der Winterknaller oder verpufft das Ganze in einer nasskalten und damit typisch herbstlichen Wetterentwicklung?

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells ist nicht konsistent. So wurde die für die Jahreszeit zu warme Vorhersage von heute Morgen am Nachmittag verworfen und durch eine Struktur ersetzt, die allenfalls eine nasskalte Witterung möglich gemacht hätte. Heute Abend dann eine weitere Korrektur, bei der mithilfe einer Nordwestwetterlage eine nasskalte Wetterlage mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen möglich wäre.

Das Hin und Her ist typisch und mit der kommenden Wetterentwicklung auch so zu erwarten. Der Grund ist das noch immer unklare Verhalten des Hochdrucksystems über Grönland. Es bleibt also spannend.

Im Moment keine stabil verlässliche Wetterentwicklung

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Im Moment keine stabil verlässliche Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Nasskaltes Wetter ist eine wahrscheinliche Entwicklung

Das Hoch über Grönland hat im Grunde genommen zwei Optionen. Entweder es baut über dem Atlantik im Verbund mit dem Azorenhoch eine gut funktionierende Blockade auf oder es weicht nach Kanada aus. Letzteres hätte eine eher milde bis warme Temperaturentwicklung zur Folge.

Sollte sich aber das Blockadehoch auf dem Atlantik etablieren können, so kann ein Trog über Skandinavien nach Süden rauschen. Ob das über Deutschland, Österreich und die Schweiz der Fall sein wird, bleibt abzuwarten, doch steigen damit die Chancen auf den optionalen Winter ab den mittleren Lagen.

So auch die Prognose des europäischen Wettermodells, welche mit Höchstwerten von bis +22 Grad nach der Warmluftzufuhr Mitte November die Temperaturen spürbar absacken lässt. Bis zum 19. November werden kaum mehr als +4 bis +8 Grad zu erwarten sein. Damit normalisieren sich die Temperaturen zum Beginn der letzten Novemberdekade allmählich. Der Grund für den dann doch markanten Temperaturrückgang ist das Blockadehoch, welches im Verbund mit einem Trog die kalten Luftmassen nach Süden zieht und über der Mittelmeerregion zum 17. November ein Tiefdrucksystem initialisiert.

Die Chancen auf Winterwetter

Insbesondere die Ausbildung eines Mittelmeertiefs gilt in Kombination mit einem Trog als Ansaugmotor für kalte Luftmassen, so dass winterliche Wetterverhältnisse ab den höheren mittleren Lagen im Verlauf der letzten Novemberdekade nach der Prognose des europäischen Wettermodells optional bleiben.

Meridional verlaufende Grundströmung mit Trogansatz über Mitteleuropa

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Meridional verlaufende Grundströmung mit Trogansatz über Mitteleuropa © www.meteociel.fr

Zusammenfassung: Temperatursprung und Temperatursturz

Mit dem Hoch über Grönland folgt eine meridional verlaufende Grundströmung, was bis Mitte November einen Temperatursprung und wohl auch neue Temperaturrekorde zur Folge haben wird. Doch von langer Dauer ist das nicht, denn auch heute Abend ist der Temperatursturz von bis zu 10 Grad bis zum 19. November wahrscheinlich. Der Herbst wird zum Vollherbst und eine nasskalte Witterung ist auch heute Abend wieder der Favorit.

Das Temperaturspektrum in 1.500 Metern Höhe liegt am 19. November zwischen +9 und -9 Grad bei einem Mittelwert von -1 Grad. Für den Flachlandwinter sind Ende November Höhenwerte zwischen -7 und -9 Grad eine Grundvoraussetzung. Für mittlere Lagen reichen -5 bis -7 Grad aus. Das Spektrum offenbart zwar die winterlichen Möglichkeiten, doch geht es nach der Wahrscheinlichkeit, schwanken die Temperaturen am 20. November mit +4 und +8 Grad in einem jahreszeittypischen Bereich. Schaun mer mal, in welche Richtung das in den kommenden Tagen kippen wird.

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)