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Wetteraussichten: Zusammenbruch des Polarwirbels - Frühwinter, Vollherbst und der Spätsommer

| M. Hoffmann

Der Polarwirbel dreht im Moment ordentlich auf und lässt in den kommenden 48 Stunden ein Sturmtief von der Nord- über die Ostsee ziehen, was über Deutschland zu schweren Sturmböen und über den Küsten von Nord- und Ostsee sowie über den höheren Lagen zu orkanartigen Windböen führen kann. Doch bevor der Polarwirbel sich weiter eindrehen und stabilisieren kann, wird er von Hochdruckeinschüben massiv gestört, was letztlich zum kompletten Zusammenbruch des Polarwirbels führt. Die Folge: ein mäandrierendes Muster, das neben Spätsommer auch Vollherbst und unter bestimmten Voraussetzungen die ersten winterlichen Wetterscheinungen nach Deutschland bringen kann.

Der Polarwirbel steht kurz vor dem Zusammenbruch, was den Spätsommer und frühwinterliche Wetterereignisse über Deutschland eng beieinander liegen lässt © Martin Bloch
Der Polarwirbel steht kurz vor dem Zusammenbruch, was den Spätsommer und frühwinterliche Wetterereignisse über Deutschland eng beieinander liegen lässt © Martin Bloch

Turbulentes Wochenendwetter. Das Sturmtief hat mit seiner Kaltfront Deutschland erreicht und dehnt sich mit seinem Niederschlagsfeld bis zum Nachmittag über die östlichen Landesteile aus. Der Wind intensiviert sich und wird über dem Flachland mit kräftigen bis stürmischen und über exponierten Lagen mit schweren Sturmböen einiges umherwirbeln können. Über den Küsten von Nord- und Ostsee sowie über den höheren Lagen lassen sich orkanartige Winde nicht ausschließen (Windprognose || Warnlagenbericht). Ist die Kaltfront durch, lockert die Bewölkung auf und die Sonne kommt häufiger zum Vorschein. Zwischendurch sind immer wieder Schauer möglich. Am Sonntag dehnt sich das Sturmfeld von der Nordsee weiter nach Süden aus und verlagert sein Kerngebiet zum Nachmittag über die Ostsee. Der Wind bleibt am Sonntag ruppig bis stürmisch und über den Küsten, den exponierten und höheren Lagen ist weiterhin mit schweren Sturmböen und örtlich auch mit orkanartigen Windböen zu rechnen. Der Himmel zeigt sich über dem Norden stark bewölkt und im Schwerpunkt über Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern ist zeitweiliger Niederschlag möglich. Weiter nach Süden lockert die Bewölkung auf und ein Mix aus Sonnenschein, Wolken und gelegentlichen Schauern sorgt für Abwechslung. Die Temperaturen erreichen heute +14 bis +18 Grad und bei Regen bis +10 Grad. Am Sonntag lassen sich +10 bis +15 Grad erwarten.

Deutschland zwischen den Fronten - wechselhaftes Herbstwetter

Das Sturmtief zieht zum Start in die neue Woche nach Osten ab und von Westen rückt ein Keil des Azorenhochs nach. Doch gelingt es dem Hoch nicht, sich weiter nach Osten zu entwickeln und so liegt Deutschland im Verlauf der kommenden Woche zwischen den Fronten der beiden Wettersysteme. In der ersten Wochenhälfte überwiegt starke Bewölkung, aus der bei weiter nachlassendem Wind gelegentliche Schauer hervorgehen können. Ab der Wochenmitte macht sich der Hochdruckeinfluss mit auflockernder Bewölkung und zunehmender Sonnenscheindauer bemerkbar, sofern sich die frühmorgendlichen Nebelfelder rasch genug auflösen können. Der schwache Wind dreht von West auf Nord und bis Freitag auf östliche Richtungen. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Oktober.

Nach dem stürmischen Wochenende gelangt Deutschland in der neuen Woche zwischen die Fronten

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Nach dem stürmischen Wochenende gelangt Deutschland in der neuen Woche zwischen die Fronten © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Polarwirbelsplit

Wie unsicher die kommende Wetterentwicklung ist, lässt sich bereits gut auf den obenstehenden Wetterkarten der Kurzfristprognose erkennen. Der Polarwirbelsplit wird zum Wechsel in die zweite Oktober-Dekade angedeutet, indem sich das Kontinentalhoch weiter in den Polarwirbel hinein ausdehnt und bis zum 11. Oktober eine Querverbindung zum Hoch über Alaska aufbauen kann. Zeitgleich schiebt das Azorenhoch einen Impuls nach Norden und verdrängt die atlantische Frontalzone nahezu vollständig, was unmittelbare Konsequenzen für das Wetter über Deutschland, Österreich und die Schweiz haben wird.

Absolut gestörte Zirkulation

Das Hoch blockt auf dem Atlantik nicht nur alles ab, was nach Tiefdrucksystemen aussieht, sondern verhindert auch die Neubildung dergleichen. So lässt sich am 13. Oktober im Bereich zwischen dem östlichen Kanada, dem Atlantik und Skandinavien nur ein schwaches Höhentief ausmachen. Eigentlich sollte zu dieser Jahreszeit die atlantische Frontalzone mit ihren Sturmfronten den Atlantik beherrschen und da das noch nicht einmal im Ansatz der Fall ist, spricht man von einer absolut gestörten Zirkulation, was zugleich die höchste Stufe ist. Mehr kann die Grundströmung nicht gestört sein.

Vollherbst mit Graupelschauern oder doch der Spätsommer

Mehr noch - der Polarwirbel erleidet durch den Einschub der Hochdrucksysteme einen Kollaps - er bricht für einen Moment vollständig zusammen, was zu dieser Jahreszeit zwar häufiger passiert, doch ist die Heftigkeit ungewöhnlich. Kurzum - das Strömungsmuster mäandriert (verschlungen). Entscheidend wird ab diesem Moment sein, wo sich das Azorenhoch mit seiner Blockade positioniert und wo die Cluster des Polarwirbels nach Süden rauschen werden.

Nach der aktuellen Wetterprognose des europäischen Wettermodells liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz im Zeitraum vom 10. bis 18. Oktober in einer meridional verlaufenden Grundströmung exakt zwischen den Fronten eines Troges, der über Osteuropa niedergeht und dem Blockadehoch auf dem Atlantik.

Nachtfrost, Nebel und Graupelschauer

Da sich Hochdrucksysteme und Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn drehen, kommt der Wind aus nördlichen Richtungen. Die Temperaturen gehen mit +8 bis +14 Grad in den herbstlichen Bereich zurück und können mit Sonnenschein über dem Süden bis +16 Grad erreichen. Da die Luftmasse instabil geschichtet ist, lassen sich vereinzelt und regional agierende Schauerfelder nicht ausschließen, welche unter bestimmten Voraussetzungen ab den mittleren Lagen auch als Graupelschauer niedergehen können. Die Nächte verlaufen meist klar und die Temperaturen sinken auf +0 bis +8 Grad ab. Örtlich kann mit bis zu -3 Grad Bodenfrost gerechnet werden.

Die absolut gestörte Zirkulation - Polarwirbel bricht für einen Moment zusammen und lässt ein mäandrierendes Strömungsmuster zu

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Die absolut gestörte Zirkulation - Polarwirbel bricht für einen Moment zusammen und lässt ein mäandrierendes Strömungsmuster zu © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Zusammenbruch des Polarwirbels - Spätsommer und Frühwinter liegen dicht beieinander

Die Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells berechnet bis zum 13. Oktober einen ganz ähnlichen Aufbau der Großwetterlage. Der Polarwirbel wird durch zwei Hochdruckeinschübe massiv geschwächt, kann sich zunächst aber noch im Bereich zwischen Kanada, Alaska und den Aleuten erhalten. Auf der anderen Seite dominieren mächtige Hochdruckgebiete die Großwetterlage.

Blockade auf dem Atlantik und ein Tief über Skandinavien

Der Polarwirbel wird einerseits durch das Kontinentalhoch und andererseits durch ein nach Norden aufstrebendes Azorenhoch in arge Bedrängnis gebracht. Für das Wetter über Deutschland, Österreich und die Schweiz ist das Azorenhoch auf dem Atlantik von Relevanz, welches sich zunächst als Blockadehoch positioniert und im weiteren Verlauf in Richtung Grönland und östliches Kanada verlagert. Die absolut gestörte Zirkulation stellt sich auch nach dieser Prognose ein.

Mehr noch - das Hoch intensiviert sich derart, dass ein Brückenschlag zum Kontinentalhoch möglich ist. Ein Polarwirbelsplit an anderer Stelle mit einem ebenfalls mäandrierenden Muster.

Eine Wetterlage wie im Winter

Die Heftigkeit, mit der das Azorenhoch agiert, ist ungewöhnlich und man kennt diese Reaktionen mehr vom Winter, wenn der Polarwirbel mit einem Major-Warming von oben herab zusammenbricht. Die Verlagerung über Grönland setzt die Frontalzone vollständig außer Gefecht, da sich das Hoch jedoch im Uhrzeigersinn dreht, werden kalte Luftmassen arktischen Ursprungs zwischen dem europäischen Nordmeer und Island weit nach Süden geführt. Da der Atlantik vergleichsweise warm ist, entstehen die Tiefdrucksysteme nicht - wie üblicherweise über Neufundland - sondern über Island, was über Deutschland vom 13. bis 17. Oktober einen wechselhaften, windigen und mit Temperaturen von +10 bis +15 Grad herbstlichen Wettercharakter zur Folge hat.

Doch führt diese Konstellation langfristig dazu, dass die Tiefdruckdynamik bei Island zunimmt, jedoch mit einem meridional verlaufenden Strömungsmuster weit nach Süden austrogt und auf seiner Vorderseite warme Luftmassen aus Süden nach Deutschland führt.

Der Spätsommer macht sich bemerkbar

Die warmen Luftmassen gelangen ab dem 18. Oktober unter Hochdruckeinfluss und mit viel Sonnenschein erreichen die Temperaturen Höchstwerte von +18 bis +23 Grad. Örtlich kann die sommerliche +25 Grad-Marke anvisiert werden. Mit Niederschlag ist nicht mehr zu rechnen, dafür mit teils zähen Nebelfeldern.

Der Zusammenbruch des Polarwirbels mit mäandrierendem Verlaufsmuster und einer meridionalen Grundströmung - der Vollherbst und der Spätsommer liegen eng beieinander

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Zusammenbruch des Polarwirbels mit mäandrierendem Verlaufsmuster und einer meridionalen Grundströmung - der Vollherbst und der Spätsommer liegen eng beieinander © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Zwischen wildem Herbstwetter und goldenem Oktober

Auch nach 144 Stunden bleibt das Resümee unverändert bestehen. Es hat sich nichts geändert und die obenstehenden Wetterkarten zeigen eindrücklich, wie nah der Vollherbst und der Spätsommer sich gegenüberstehen. Sollte sich die Blockade auf dem Atlantik nur etwas anders positionieren, dann wären mit einem Trog über Mitteleuropa ab den mittleren Lagen frühwinterliche Wetterereignisse möglich.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Feststellen lässt sich, dass der Polarwirbel erhebliche Probleme mit seiner Stabilität bekommen wird. Ein Polarwirbelsplit oder auch ein Displacement (Verschiebung) ist sehr wahrscheinlich und damit ein zum Beginn der zweiten Oktoberdekade erwartbares Ereignis. Damit einhergehend ist auch mit einer absolut gestörten Zirkulation und einem meridional verlaufenden Strömungsmuster zu rechnen.

Die Temperaturprognose vom Mittelwert aller Kontrollläufe ist vom 5. bis 6. Oktober für die Jahreszeit etwas zu kühl, steigt nachfolgend jedoch auf eine Anomalie von +2 bis +4 Grad in den zu warmen Bereich an und normalisiert sich ab dem 15. Oktober. Ausschläge in den Vollherbst mit teils frühwinterlichen Wettererscheinungen ab den mittleren Lagen sind zwar zu erkennen, jedoch die Ausnahme. Gleiches gilt auch für die spätsommerlich warmen Wetterentwicklungen.

Die Regenprognose

Die Regenprognose aber lässt ein klares Resümee der kommenden Großwetterlage zu. Nach Abzug des Sturmtiefs stellt sich vom 7. bis 20. Oktober mit hoher Wahrscheinlichkeit eine hochdruckdominierte und damit trockene Wetterlage ein. Der goldene Oktober wird - der ganzen Turbulenzen und chaotischen Entwicklungen zum Trotz - zunehmend wahrscheinlicher. Schaun mer mal.

Der ganzen chaotischen Wetterentwicklung zum Trotz - Überwiegend hochdruckdominiertes Wetter

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der ganzen chaotischen Wetterentwicklung zum Trotz - Überwiegend hochdruckdominiertes Wetter © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
10. Oktober +10 bis +19 Grad +15 bis +17 Grad
14. Oktober +8 bis +20 Grad +14 bis +16 Grad
19. Oktober +3 bis +23 Grad +12 bis +14 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)