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Winterprognose: Ein Orkan wirbelt das Wetter durcheinander

| M. Hoffmann

Starkwind mit erhöhtem Unwetterpotential und absinkender Schneefallgrenze. Ein Orkan nimmt Kurs auf Deutschland und wird am Wochenende zu chaotischen Wetterverhältnissen führen können. Mit verantwortlich für das Starkwindereignis ist der reaktive Polarwirbel. Dessen Zustand wird darüber hinaus entscheiden, ob der Vollherbst mit stürmischen Winden, oder ein Hoch mit ungewöhnlich warmen Luftmassen das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz dominieren wird.

Turbulentes Herbstwetter am Wochenende, dann Wetterberuhigung © Martin Bloch
Turbulentes Herbstwetter am Wochenende, dann Wetterberuhigung © Martin Bloch

Eine schwache Niederschlagsfront hat zwischenzeitlich die Alpen erreicht und wird in deren Stau am Nachmittag abregnen, was insbesondere über den Gebieten südlich der Donau zu zeitweiligem Niederschlag führen kann. Weiter nach Norden klingt die Schaueraktivität ab und bei auflockernder Bewölkung kommt häufiger die Sonne zum Vorschein. Die Temperaturen erreichen bei schwachem Wind aus überwiegend östlichen Richtungen +14 bis +18 Grad und sind bei Regen und starker Bewölkung mit +12 Grad etwas frischer.

Herbststurm - Ein Orkan zieht auf

Wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, der weiß, dass der Polarwirbel im Moment eine reaktive Phase hat, bei der zwischen dem östlichen Kanada und Grönland kalte Luftmassen arktischen Ursprungs auf den warmen Atlantik geführt wird. Schlagartig entsteht zum 3. Oktober bei Island ein Sturmtief, dass zügig nach Osten schwenkt und Deutschland, Österreich und die Schweiz am 4. Oktober erreicht. So wechseln sich am 1. und 2. Oktober Sonne, Wolken- und Nebelfelder ab und mit Niederschlag ist bei Temperaturen von +12 bis +16 Grad nicht zu rechnen. Am 3. Oktober nimmt die Bewölkung von Westen zu, der Wind frischt aus südlichen Richtungen kommend auf und die ersten Regentropfen können zum Nachmittag über dem Westen möglich sein. Am Wochenende rauscht das Sturmtief über Deutschland hinweg und kann zu Windböen von 40 bis 80 km/h und über exponierten Lagen von bis 100 km/h führen. Der Kern des Sturmtiefs aber positioniert sich über der Nordsee, was an den Küsten mit 90 bis 150 Km/h zu orkanartigen Winden führen. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Oktober.

Ein Herbststurm über Deutschland mit orkanartigen Winden am Wochenende

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Ein Herbststurm über Deutschland mit orkanartigen Winden am Wochenende © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Dem Herbststurm folgt der goldene Oktober

Die Entwicklung des Herbststurmes ist aus meteorologischer Sicht gleich in mehrfacher Hinsicht interessant und bemerkenswert. Es handelt sich nicht um die atlantische Frontalzone im eigentlichen Sinne, also keine Westwetterlage. Dafür schnürt das Azorenhoch den Prozess zu schnell ab und dem Sturmtief wird die Verbindung regenrecht abgerissen. Sieht man nicht oft und es würde nicht verwundern, wenn das Sturmtief noch etwas schneller auffächert und an Intensität verliert. Nach den aktuellen Wetterprognosen berücksichtigt jedes Vorhersage-Modell ein Starkwindereignis mit erhöhtem Unwetterpotential zum Wochenende.

Orkan wird abgeschnürt und löst sich auf

Dieser Prozess geschieht innerhalb 48 Stunden. Von anfänglich orkanartigen Winden bleibt zum 6. Oktober davon nicht mehr viel übrig. Durch den Abschnürprozess verliert das Sturmtief an Energie, fächert auf und zieht zügig nach Osten ab. Von Westen kommt nach der Wettervorhersage des europäischen Wettermodells auch nichts mehr nach. Der Keil des Azorenhochs blockiert die Frontalzone und kippt seinerseits zum 6. Oktober nach Osten ab und legt sich quer über Mitteleuropa.

Ein Hoch mit viel Sonnenschein und ein paar Schauern

Der Hochdruckkeil verstärkt sich bis zum 10. Oktober und wird auch das Wetter bis zum 14. Oktober über Deutschland, Österreich und der Schweiz dominieren können. Es kann sich jedoch kein autark agierender Hochdruckkern ausbilden, sodass es - insbesondere über der Nordhälfte - immer wieder zu Schauern kommen kann. Weiter nach Süden überwiegt der Sonnenschein - sofern sich der Nebel rechtzeitig auflöst. Mit nennenswertem Niederschlag ist nicht zu rechnen.

Die Temperaturen erreichen mit +7 bis +12 Grad am Sonntag ihren Tiefpunkt, was die Schneefallgrenze über den Alpen kurzzeitig bis auf 1.500 Meter absinken lassen kann. Mit entsprechender Intensität ist auch bis auf 1.000 Meter herab mit Schneefall zu rechnen. Darüber hinaus steigen die Temperaturen auf +15 bis +20 Grad an und können mancherorts bis +22 Grad möglich machen.

Turbulente Wetterentwicklung - Herbststurm bringt den warmen und goldenen Oktober

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Turbulente Wetterentwicklung - Herbststurm bringt den warmen und goldenen Oktober © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Zwischen Herbstwetter und Spätsommer

Das Sturmtief vom Wochenende verliert auch in der Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells rasch an Dynamik und Relevanz. Auf dem Atlantik entwickelt sich bereits das nächste Sturmtief, jedoch trogt dies weit nach Süden aus und schiebt einen Keil des Azorenhochs nach Osten. Bis zum 7. Oktober erreicht das Hoch Deutschland kann jedoch nicht viel zu einer Stabilisierung der Großwetterlage beitragen.

Störimpuls verhindert eine stabile Wetterentwicklung

Das kuriose an der Prognose des amerikanischen Wettermodells ist das Verhalten des Sturmtiefs, das nach Osten abzieht und sich zum 10. Oktober erneut intensiviert, sich jedoch von dem Hoch über Europa einkapseln und so in ein Höhentief (Störimpuls) umwandeln lässt. Deutschland liegt vom 9. bis 11. Oktober am westlichen Gradienten des Störimpulses. Der Wind dreht auf Nord und lässt mit zunehmender Bewölkung und etwas Regen über dem Osten die Temperaturen vom 9. Oktober mit bis +20 Grad zum 11. Oktober auf +10 bis +15 Grad absinken. Mit Sonnenschein sind bis +18 Grad möglich.

Das Wetter stabilisiert sich für ein Moment

Der Störimpuls verhindert, dass sich das Hoch mit einem autark agierenden Kern über Mitteleuropa positionieren kann. Dennoch gelingt es dem Hoch sich weiter nach Norden auszudehnen und erstreckt sich vom 11. bis 14. Oktober von Spanien bis nach Skandinavien. Der Störimpuls bleibt in dieser Zeit über Osteuropa erhalten und so liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten in einer gradientenschwachen Wetterlage. Die Niederschlagsaktivität ist vom 11. bis 14. Oktober als gering einzustufen. Verbreitet bleibt es sonnig und trocken. Zähe Nebelfelder können den Sonnenschein jedoch eintrüben. Die Temperaturen steigen wieder an und pendeln sich auf +14 bis +18 Grad ein. Bei Dauernebel sind kaum mehr als +10 Grad möglich.

Herbstwetter

Kurios ist die Wetterentwicklung auch über den 13. Oktober hinaus. Das Hoch zieht nach Osten - über den Störimpuls - nach Osteuropa in Richtung Russland ab und baut in diesem Zuge gleich eine Hochdruckverbindung zum Azorenhoch auf, welches sich in der Zwischenzeit auf dem Atlantik als Blockadehoch positioniert. Im Bereich zwischen Island, England und Mitteleuropa entsteht eine Lücke, welcher der Störimpuls über Osteuropa mit einer weiteren Störung zwischen Island und England auffüllt. Über Deutschland hat das eine gradientenschwache und wechselhafte Wetterlage zur Folge. Die Temperaturen gehen auf +10 bis +15 Grad zurück und mit dichtem Nebel kann sich herbstlich trübes Wetter einstellen, was die Temperaturen auch unter der +10 Grad-Marke verweilen lassen kann.

Ein Herbststurm, ein Störimpuls, der Altweibersommer und der Herbst

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Ein Herbststurm, ein Störimpuls, der Altweibersommer und der Herbst © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Zwischen wildem Herbstwetter und goldenem Oktober

Zwar sinkt die Schneefallgrenze zum Wochenende unter bestimmten Voraussetzungen auf bis 1.000 Meter ab, doch kann sich eine Wetterlage, welche den Vollherbst mit nasskalten Temperaturen und Schneefall über den höheren Lagen zur Folge hat, nicht durchsetzen. Diese Varianten haben die Vorhersage-Modelle weitgehend aus dem Programm genommen. Was bleibt ist wildes Herbstwetter und der goldene Oktober.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die turbulente Wetterentwicklung wird auch im Mittelwert aller Kontrollläufe bestätigt. Deutlicher zeigt sich das mit einem Auf und Ab der Temperaturen in 1.500 Meter Höhe (Vorder- mit anschließender Rückseitenströmung). Ab dem 6. Oktober steigt das Temperaturniveau an und stabilisiert sich auf eine Anomalie zwischen +0,5 und +1,5 Grad. Großartige Ausreißer, wie sie in den vergangenen Tagen noch zu sehen waren, gibt es heute nicht mehr.

Die Regenprognose

Die Niederschlagssignale sind vom 4. bis 6. Oktober deutlich erhöht und sinken darüber hinaus in den schwach erhöhten Bereich ab. Damit bestätigen die Kontrollläufe im Grunde genommen die gradientenschwache Wetterentwicklung, was eine nur geringe Niederschlagsaktivität bei etwas erhöhten Temperaturen zur Folge hat. Schaun mer mal.

Ein Polarwirbelsplit sorgt für Turbulenzen beim Wetter

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Ein Polarwirbelsplit sorgt für Turbulenzen beim Wetter © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
6. Oktober +7 bis +19 Grad +11 bis +15 Grad
10. Oktober +9 bis +20 Grad +14 bis +16 Grad
15. Oktober +5 bis +24 Grad +13 bis +15 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)