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Wetterprognose: Polarwirbel dreht auf - Ein Herbststurm und absinkende Schneefallgrenze

| M. Hoffmann

Polarwirbel dreht auf - Herbststürme möglich. Die Großwetterlage ändert sich im Verlauf der Woche. Der Grund ist der sich zwischen Kanada und Grönland weiter intensivierende Polarwirbel, welcher von dort aus kalte Luftmassen polaren Ursprungs auf den Atlantik treibt und dort kräftige Tiefdrucksysteme entstehen lässt. Ob daraus die ersten Herbststürme mit Schneefall und winterlichen Bedingungen über höheren Lagen, oder der Spätsommer folgen, hängt letztlich davon ab, ob eine Hochdruckzone den anrennenden Frontensystemen noch etwas entgegensetzen kann.

Ein Sturmtief erreicht Deutschland zum Wochenende und lässt die Schneefallgrenze über den Alpen weiter absinken © Martin Bloch
Ein Sturmtief erreicht Deutschland zum Wochenende und lässt die Schneefallgrenze über den Alpen weiter absinken © Martin Bloch

Eine schwache Störung überquert Deutschland im Moment von Nord nach Süd und bleibt am Dienstag über den Alpen hängen. So ist heute entlang eines breiten Streifens zwischen Bremen und München mit einer leicht erhöhten Schauerneigung zu rechnen. Die Schauer ziehen am Dienstag weiter nach Süden, stauen sich an den Alpen an und führen über dem südlichen Baden-Württemberg und Bayern zu nennenswertem Niederschlag. Über dem Rest von Deutschland bleibt es nach Auflösung frühmorgendlicher Nebelfelder sonnig und trocken. Die Temperaturen erreichen +15 bis +20 Grad.

Ein Herbststurm nähert sich Deutschland

Deutschland liegt in den kommenden Tagen zunächst noch in einer gradientenschwachen Wetterzone zwischen den Fronten eines Hochdrucksystems , dass sich allmählich nach Osten verlagert und einer sich weiter intensivierenden Frontalzone auf dem Atlantik. So ist bis zum 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit) mit einem Wechselspiel aus Sonne, Wolken und Nebel zu rechnen. Zwar sind lokal begrenzte Schauer möglich, doch bleibt es verbreitet trocken. Die Temperaturen gehen bis Freitag auf +12 bis +16 Grad zurück und können mit viel Sonnenschein bis +18 Grad möglich machen. Klart es in den Nächten auf, sinken die Temperaturen mit -2 bis +8 Grad ab, was insbesondere über dem Südosten von Deutschland Frost nicht ausschließen lässt. Schaut man sich die untenstehenden Wetterkarten an, kann man mit dem herannahenden Sturmtief schon erahnen, wie das Wetter am Wochenende ausfallen wird. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Oktober.

Ein Sturmtief nähert sich am Wochenende Deutschland

Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Ein Sturmtief nähert sich am Wochenende Deutschland © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Ein Sturm bringt den Vollherbst

Der Oktober ist der Übergangsmonat vom Altweibersommer in den Herbst und leitet in der zweiten Monatshälfte allmählich in den Vollherbst über. Der Vollherbst ist definiert durch eine Wetterlage mit viel Wind, Regen und vergleichsweise kühlen Temperaturen. Kurzum: Schmuddelwetter.

Polarwirbel dreht auf, Sturm über Deutschland

Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten beider Vorhersage-Modelle noch einmal genauer an, erkennt man die sich weiter intensivierende Tiefdruckdynamik bei Island, während das Hoch sich weiter nach Osten verabschiedet, jedoch über Russland nach Norden in Richtung der Karasee aufsteigt. Mit dieser Verschiebung der Wettersystem entsteht über Mitteleuropa eine Lücke, welche die Frontalzone auf dem Atlantik dankend annimmt und mit ihren Ausläufern direkt nach Deutschland drängt.

Das hat bereits zum kommenden Wochenende über Deutschland unmittelbare Konsequenzen zur Folge. Die Wolken werden dichter und löst sich die erste Niederschlagsfront am Freitag noch über dem Westen auf, so gelingt es der zweiten Front am Wochenende Deutschland mit kräftigem Niederschlag und stürmischen Windböen zu überqueren. Die Temperaturen sinken mit +12 bis +16 Grad bis Sonntag weiter ab und können bei kräftigen Niederschlag um die +10 Grad-Marke herum schwanken.

Sturmtief setzt sich über Deutschland fest

Das Hoch zieht sich zwar nach Osten zurück, blockiert jedoch mit seinem aufstrebenden Keil in Richtung der Karasee die Frontalzone. Nach der aktuellen Vorhersage des europäischen Wettermodells wird das Sturmtief sogar direkt über Deutschland blockiert. Infolge daraus bleiben stürmische Winde und zeitweilig kräftiger Regen mindestens noch bis zum 11. Oktober erhalten. Die Temperaturen sinken mit +8 bis +12 Grad weiter ab. Vollherbst über Deutschland.

Polarwirbelsplit

Wer bei uns schon eine Weile zu Gast ist, der weiß, dass der Polarwirbel seit einigen Tagen bereits mit einer hohen Aktivität auf sich aufmerksam macht. Das Hoch aber, dass sich nach Osten abdrängen lässt und anschließend in Richtung der Karasee aufstrebt, dringt bis zum 11. Oktober weiter in die Polarregion vor und teilt den Polarwirbel in zwei Cluster auf. Der eine Cluster liegt zwischen den Aleuten und dem östlichen Russland, der zweite dreht zwischen Kanada und Grönland seine Runden.

Der Split nimmt die Dynamik aus der Wetterentwicklung, da Deutschland, Österreich und die Schweiz jedoch in den Einflussbereich der Frontalzone gelangen, setzt sich das herbstlich wechselhafte Wetter zunächst einmal weiter fort.

Schneefall an und über den Alpen möglich

Durch die Dynamik sinkt die Schneefallgrenze über den Alpen phasenweise unter die 1.000 Meter-Grenze ab, was an und über den Alpen kräftigen Schneefall und winterliche Wetterverhältnisse zum aktuellen Stand nicht ausschließen lässt.

Turbulente bis chaotische Wetterentwicklung: Herbststurm über Deutschland mit nachfolgendem Polarwirbelsplit

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Turbulente bis chaotische Wetterentwicklung: Herbststurm über Deutschland mit nachfolgendem Polarwirbelsplit © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Herbststurm, absinkende Schneefallgrenze und der Altweibersommer

Kurios auch die Wettprognose des amerikanischen Wettermodells. Das Sturmtief erreicht Deutschland am Wochenende und wird bis zum 6. Oktober das Wetter über Deutschland mit stürmischen Winden, zeitweiligem Niederschlag und Temperaturen von +10 bis +15 Grad einen herbstlichen Charakter verpassen. Das Hoch über dem westlichen Russland keilt in der Zwischenzeit nach Norden in Richtung der Polarregion weiter vor, kippt jedoch mit seiner Achse etwas weiter ab. Da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, hat das eine blockierende Wirkung auf die Frontalzone und damit auch auf die Wetterentwicklung über Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Folge.

Polarwirbel blockiert, Azorenhoch nimmt Kurs auf Mitteleuropa

Der Polarwirbel zentralisiert sich bis zum 10. Oktober weiter im Bereich zwischen Kanada und Grönland, doch durch den Hochdruckkeil, der sich immer weiter dem polaren System aufdrängt, zieht sich die Frontalzone aus Mitteleuropa zurück und schiebt in diesem Prozess einen Keil des Azorenhochs in Richtung Mitteleuropa.

Goldener Oktober statt Vollherbst

Aus dem Hochdruckkeil wird bis zu 15. Oktober ein autark agierender Hochdruckkern, der sich im Bereich zwischen England und Deutschland positioniert. Bis zum 10. Oktober erhält sich das wechselhafte Wetter. Darüber hinaus klingt die Niederschlagstätigkeit ab und bei auflockernder Bewölkung überwiegt der Sonnenschein, sofern sich die nächtlichen Nebelfelder rechtzeitig auflösen. Die Temperaturen erreichen +15 bis +20 Grad und können mancherorts noch spätsommerliche Werte möglich machen. Bei Dauernebel sind kaum mehr als +10 Grad zu erwarten.

Zunächst turbulentes Wetter, doch wird die Frontalzone durch ein Hoch zwischen England und Deutschland blockiert und so der Altweibersommer möglich gemacht

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Zunächst turbulentes Wetter mit Schneefall und winterlichen Wetterverhältnissen über den Alpen. Doch wird die Frontalzone durch ein Hoch zwischen England und Deutschland blockiert und so der Altweibersommer möglich gemacht © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Spätsommer, Herbst- und Winterwetter

Die Vorhersage-Modelle haben im Moment noch so ihre Probleme mit der korrekten Erfassung des reaktiven Polarwirbels und der damit zusammenhängenden Aktivität der atlantische Frontalzone. Wahrscheinlich ist, dass ein Herbststurm zum kommenden Wochenende das Wetter über Deutschland beeinflussen kann. Ob daraus jedoch eine windige, nasse und kühle Westwetterlage folgt (Vollherbst), muss jedoch infrage gestellt werden.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Warum kann man eine Westwetterlage infrage stellen? Das liegt an dem Hoch, welches weit in den Polarwirbel hinein vordringt und so einen Polarwirbelsplit provoziert. Das blockiert die Frontalzone und entzieht dem System die Energie, was nachhaltiges Herbstwetter zum aktuellen Stand mit einem gesunden Maß an Skepsis bewerten lässt.

Nichtsdestotrotz wird die gradientenschwache Wetterlage zunächst einmal ausgeräumt, was sich im Mittelwert aller Kontrollläufe mit einem Temperaturanstieg zum 4. Oktober und einem Temperaturrückgang zum 5. Oktober bestätigt (Vorderseite; Rückseite). Ab dem 6. Oktober steigt das Temperaturniveau wieder an und pendelt sich bis zum 15. Oktober mit einer Anomalie von +0,5 bis +1,5 Grad in den etwas zu warmen Bereich ein.

Die Regenprognose

Sieht man einmal vom leichten Niederschlag heute und am Dienstag ab, bleibt es bis zum 4. Oktober nach der Niederschlagsprognose der Kontrollläufe verbreitet trocken. Zwischen dem 4. und 6. Oktober zeichnet sich eine mäßig erhöhte Niederschlagsentwicklung ab, die darüber hinaus in den leicht und ab dem 10. Oktober in den schwach erhöhten Bereich absinkt. Der Herbststurm wird zum kommenden Wochenende bestätigt, doch wird dieser sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit nicht durchsetzen können, was den Altweibersommer bis Mitte Oktober wahrscheinlicher macht. Schaun mer mal.

Ein Polarwirbelsplit sorgt für Turbulenzen beim Wetter

Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Ein Polarwirbelsplit sorgt für Turbulenzen beim Wetter © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
5. Oktober +5 bis +16 Grad +10 bis +14 Grad
9. Oktober +9 bis +25 Grad +16 bis +18 Grad
14. Oktober +6 bis +22 Grad +13 bis +16 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2025

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)