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Wetteraussichten: Herbststürme, ein zarter Hauch von Winter und der Spätsommer

| M. Hoffmann

Schneefall über den Alpen, Herbst über Deutschland - wie aber steht es um den Spätsommer - kommt da noch was? Ein Störimpuls hat in den vergangenen Tagen über der Südhälfte mit Dauerregen und Temperaturen um die +10-Grad-Marke einen Vorgeschmack auf den Vollherbst geben können. Doch wandelt sich das Wetter in den kommenden Stunden und ein Hochdrucksystem lässt die Wolken auflockern und die Sonne häufiger zum Vorschein kommen. Dabei keilt ein Hoch zu schnell nach Norden auf und meridionalisiert das Strömungsmuster, was eine spätsommerliche Wetterlage Anfang Oktober doch noch in eine andere Richtung kippen lassen kann.

Im Oktober - ein Vorgeschmack auf den Vollherbst mit einem Hauch von Winter über den höheren Lagen nicht auszuschließen © Martin Bloch
Im Oktober - ein Vorgeschmack auf den Vollherbst mit einem Hauch von Winter über den höheren Lagen nicht auszuschließen © Martin Bloch

Der Regen verliert heute weiter an Einfluss auf das Wettergeschehen über Deutschland, kann jedoch am Nachmittag über dem Süden von Baden-Württemberg und über Teilen von Bayern noch für nennenswerten Niederschlag sorgen. Über den Alpen rieseln bis knapp unter die 2.000-Meter-Grenze die ersten Schneeflocken nieder und verpassen der Bergwelt ein winterliches Kleid. Sonst herrscht starke bis wechselnde Bewölkung vor und hin und wieder lassen sich sonnige Momente genießen (Wolkenradar). Die Temperaturen erreichen +14 bis +18 Grad. Mit Sonnenschein sind bis +20 Grad und bei Regen oder dichtem Nebel bis +10 Grad möglich.

Unsichere Wettervorhersage - Im Oktober ist der nächste Störimpuls nicht abwegig

So ist es. Am Wochenende strebt ein Hochdruckkeil weit nach Norden und positioniert sich bis Ende September mit seinem Kern über Skandinavien, während ein Keil des Azorenhochs eine Querverbindung zum Skandinavienhoch aufbauen kann. Dieser Prozess verstärkt ein meridionales Verlaufsmuster, was am östlichen Gradienten des Hochdrucksystems den nächsten Störimpuls über Osteuropa nach Süden absacken lassen kann. Ob das so kommt, bleibt noch abzuwarten, doch hat dieser Prozess eine unsichere Wettervorhersage Ende September und Anfang Oktober zur Folge. Nach der aktuellen Vorhersage kommt das Wetter bei aufgelockerter Bewölkung, zeitweiligem Sonnenschein, nur geringer Niederschlagsaktivität und Temperaturen von +14 bis +18 Grad dem goldenen Oktober sehr nahe. Wer es genauer wissen möchte: Wetter Oktober.

Fraglich, ob sich der goldene Oktober durchsetzen kann
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Fraglich, ob sich der goldene Oktober durchsetzen kann © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Herbststürme statt goldenes Oktoberwetter

Gestern hatte die Wetterprognose des europäischen Wettermodells eine Variante berechnet, bei der ein weiterer Störimpuls am östlichen Hochdruckgradienten weit über Osteuropa nach Süden geführt werden konnte. Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten an, so wird diese Variante - wenn auch in unterschiedlicher Position - heute bestätigt. Der Störimpuls macht das, wozu er definiert ist - er stört den Aufbau einer nachhaltig stabilen Wetterlage und bedient sich dabei der feucht-warmen Luftmassen über der Mittelmeerregion.

Polarwirbel dreht auf und drängt nach Skandinavien

Das Hoch über Skandinavien gibt sich zwar alle Mühe und wird auch noch von einem Keil des Azorenhochs beim Aufbau einer stabilen Hochdruckbrücke gestützt, doch destabilisiert der Störimpuls die Wetterentwicklung. Das führt dazu, dass zwischen dem östlichen Kanada und Grönland polare Luftmassen weit auf den warmen Atlantik geführt werden und aufgrund der Temperaturgegensätze mächtige Tiefdrucksysteme entstehen können. Der Vorstoß der kalten Luft ist derart heftig, dass auch Schnellläufersysteme und Randtiefentwicklungen zur Folge haben können.

Wildes Herbstwetter: Herbststürme drängen das Hoch zurück

Da der Hochdruckkeil über Mittel- und Nordeuropa durch den Störimpuls geschwächt wird, ist es für die Frontensysteme auf dem Atlantik ein Leichtes, sich bis über Skandinavien durchzusetzen. Dieser Prozess geht mit einer hohen Dynamik einher, was auch über Deutschland zu stürmischen Winden führen kann. Über den Küsten und exponierten Lagen sind nach dieser Wettervorhersage schwere Sturmböen nicht auszuschließen und sollte sich zudem noch ein Schnellläufer entwickeln, so wäre der erste Orkan in diesem Herbst nicht auszuschließen.

Auf den nachfolgenden Wetterkarten erkennt man zudem eine weitere Wirkung des Störimpulses über Osteuropa. Er ist der Wegbereiter dafür, dass die atlantischen Frontensysteme von Nordwest nach Südost über Mitteleuropa hinwegrauschen. Infolge daraus stellen sich mit einer nordwestlichen Grundströmung ab dem 5. Oktober allmählich herbstliche Temperaturen ein.

Also ja, der Oktober kann mit viel Sonnenschein, warmem und trockenem Wetter starten, doch nachhaltig stabil ist diese Wetterentwicklung nicht.

Die Grundströmung kippt auf Nordwest - windiges bis stürmisches Herbstwetter
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Die Grundströmung kippt auf Nordwest - windiges bis stürmisches Herbstwetter © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Kaltluftvorstöße mit absinkender Schneefallgrenze

Der Störimpuls ist nach der Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells breiter aufgestellt und bedient sich mehr an der Energiequelle über der Mittelmeerregion. Er liegt dadurch aber südlicher, was zur Folge hat, dass der Wirkkreis mehr über Süddeutschland, den Alpen und Norditalien liegen wird.

Lücke über Deutschland - ein Hauch von Winterluft

Durch seinen größeren Wirkkreis gelingt es dem Störimpuls, das Skandinavien nach Osten – über das westliche Russland – abzudrängen und gleichzeitig den Keil des Azorenhochs zum Rückzug zu zwingen. Es folgt eine Lücke über Mitteleuropa, in welche Tiefdruckausläufer aus nördlichen Richtungen vorstoßen und kalte Luftmassen arktischen Ursprungs über Deutschland hinweg in Richtung der Alpen führen können.

Schneefall? Nicht auszuschließen!

Erreichen die Temperaturen am 5. Oktober noch +15 bis +20 Grad, so stellt die Temperaturprognose am 6. Oktober über Teilen von Deutschland nur noch +4 bis +8 Grad in Aussicht, was dem nasskalten Bereich gleichkommt. Die Schneefallgrenze könnte in diesem Fall unter die 1.000-Meter-Grenze absinken.

Gradientenschwaches Wetter

Doch schließt sich die Lücke über Deutschland zügig und es stellt sich vom 7. bis 10. Oktober eine gradientenschwache Wetterlage ein. Bei einem Mix aus Wolken, Nebel und Sonnenschein sind auch ein paar Regentropfen möglich. Die Temperaturen pendeln sich auf +15 bis +20 Grad ein.

Gradientenschwaches Wetter mit einer kurzzeitig absinkenden Schneefallgrenze
Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Gradientenschwaches Wetter mit einer kurzzeitig absinkenden Schneefallgrenze © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Zwischen goldenem Herbstwetter, ersten Wintereinflüssen und stürmischen Wetterlagen

Die Vorhersagemodelle zeigen heute eindringlich, wie sich mit einem weiter intensivierenden Polarwirbel die Wetterlage im Oktober auf den Kopf stellen lassen kann. Vom ersten zarten Hauch von Winterluft und Schneefall in den höheren Lagen bis hin zu Herbststürmen und dem goldenen Oktober mit viel Sonnenschein ist alles dabei.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Was fällt im Vergleich zu den vergangenen Tagen auf? Richtig! Eine nachhaltig stabile Wetterentwicklung rückt weiter in den Hintergrund, was auch an dem Störimpuls in der kommenden Woche liegen mag. Dieser führt zudem zu hohen Unsicherheiten, was die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle auch widerspiegelt.

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe macht deutlich, dass der Hauch von Winter mit Temperaturen in 1.5000 Meter Höhe von bis -4 Grad ein kalter Ausreißer ist. Dennoch wurden in den vergangenen 24 Stunden Korrekturen in der Temperaturprognose vorgenommen, was um den 2. Oktober eine Anomalie von -2 bis -1 Grad und vom 4. bis 12. Oktober von -0,5 bis +1,0 Grad zur Folge hat. Der Störimpuls leistet ganze Arbeit!

Die Regenprognose

Das gilt logischerweise auch für die Niederschlagsprognose, welche bis zum 5. Oktober schwacher Ausprägung ist und einen weitgehend trockenen Witterungsabschnitt verspricht. Nachfolgend steigen die Niederschlagssignale in den leicht erhöhten Bereich an. Nachhaltig stabiles Wetter ist vorerst nicht zu erwarten und die Großwetterlage neigt sich mehr dem Herbst zu, was spätsommerlich warmes Wetter weniger wahrscheinlich, aber auch nicht unmöglich macht. Schaun mer mal.

Der Mittelwert aller Kontrollläufe lässt nach dem europäischen Wettermodells dem Spätsommer noch eine Chance, während nach dem amerikanischen Prognosemodell sich die Großwetterlage allmählich dem Herbst zuwendet
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Mittelwert aller Kontrollläufe lässt nach dem europäischen Wettermodells dem Spätsommer noch eine Chance, während nach dem amerikanischen Prognosemodell sich die Großwetterlage allmählich dem Herbst zuwendet © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
2. Oktober +6 bis +22 Grad +11 bis +17 Grad
6. Oktober +4 bis +20 Grad +13 bis +16 Grad
11. Oktober +5 bis +25 Grad +13 bis +16 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)