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Wettertrend: Herbststurm, Spätsommer und die gestörte Zirkulation

| M. Hoffmann

Der erste Herbststurm zieht von England nach Skandinavien und streift mit seinen Ausläufern Deutschland, was insbesondere über Norddeutschland eine herbstliche Witterung anklingen lässt. Nach Süden lassen sowohl die Niederschlags- als auch die Windintensität nach, und bis auf ein paar wenige Stunden passen die Temperaturen nicht so recht zum Herbst. Zum Ausklang der Woche rückt auch schon ein spätsommerliches Hoch nach und lässt die Temperaturen bis knapp an den hochsommerlichen Bereich ansteigen. Ist das der Start in eine nachhaltig stabile Wetterlage, die bis in den Oktober hinein wirken kann?

Bereit für eine spätsommerliche Wetterentwicklung?
Bereit für eine spätsommerliche Wetterentwicklung?

Ein Tief verlagert sich im Moment von England nach Skandinavien und dreht sich bis Mitte der Woche über Nordeuropa ein. Für einen kurzen Moment stellt sich eine Westströmung ein, die jedoch in der zweiten Wochenhälfte in eine völlig andere Richtung kippt. Der Grund ist ein Keil des Azorenhochs, der sich nach Deutschland ausdehnt und mit einem Temperatursprung zu sommerlichen Werten führt.

Der Herbst wird nur angetäuscht

Die kommende Wetterlage muss differenziert bewertet werden. Ja, der Norden wird es vermehrt mit den Ausläufern des Sturmtiefs zu tun bekommen, und so sind von Montag bis Donnerstag über den Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern stürmische Windböen zu erwarten, die am Dienstag auch über exponierten Lagen der Landesmitte die Frisuren durcheinanderwirbeln können. Der Wind treibt immer wieder Schauerfelder von West nach Ost, die sich jedoch überwiegend nördlich einer Linie zwischen dem Saarland und Sachsen und im Schwerpunkt über den Küsten austoben werden. Weiter nach Süden schwächt sich der Wind ab, und bei nachlassender Niederschlagsaktivität kommt häufiger die Sonne zum Vorschein. Das macht sich auch in den Temperaturen bemerkbar: Zum Start in die neue Woche werden +20 bis +25 Grad erwartet und sinken mit dem Regen bis Mitte der Woche auf bis +14 Grad ab, während über dem Südwesten weiterhin bis +22 Grad möglich sein können. Ab Donnerstag steigen die Temperaturen kräftig an und ermöglichen bis Freitag mit +22 bis +26 Grad und örtlich mit bis +28 Grad sommerliche Werte. Wer es genauer wissen möchte: Wetter September.

Der erste Herbststurm, gefolgt ein einem spätsommerlichen Hoch
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Der erste Herbststurm, gefolgt ein einem spätsommerlichen Hoch © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Aufbau einer wenig stabilen Großwetterlage

Die obenstehenden Wetterkarten unterstreichen es wieder einmal sehr deutlich. Hatten die Vorhersage-Modelle in den vergangenen Tagen noch eine Westwetterlage favorisiert, so wurde diese in den vergangenen 48 Stunden stets korrigiert, bis fast nichts mehr davon übrig geblieben ist. Doch damit nicht genug – geht es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells, so findet im Verlauf der letzten Septemberdekade mit einer gestörten Zirkulation ein weiterer Umbau der Großwetterlage statt, was eine Westwetterlage mitsamt funktionierender Tiefdruckrinne auf dem Atlantik erst einmal unmöglich macht.

Aufbau einer gestörten Wetterlage

Das Azorenhoch dehnt sich am kommenden Wochenende nach Deutschland aus und lässt einen weiteren Tiefdruckausläufer auf dem Atlantik auflaufen. Infolge dessen intensiviert sich die Südwestanströmung, was die Temperaturen auf ein Maximum von bis zu +30 Grad treiben kann.

Doch gelingt es dem Hoch im ersten Versuch nicht, sich zu stabilisieren, und es lässt den Tiefdruckwirbel zum 21. September passieren, was über Deutschland, Österreich und der Schweiz erneut zu wechselhaftem und windigem Wetter führen kann.

Autarkes Hoch über Skandinavien

Im zweiten Versuch dehnt sich vom 22. bis 24. September ein weiterer Hochdruckkeil von den Azoren in Richtung Skandinavien aus und etabliert bis zum 24. September ein autark agierendes Hochdrucksystem. Die Frontalzone löst sich vollständig auf und wird von der Hochdruckzone als Höhentief eingeschlossen. Mit anderen Worten: eine gestörte Zirkulation, bei der Westwindwetter keine Rolle mehr spielt.

Stabiles Spätsommerwetter?

Abwarten – seit 2024 vereiteln Störimpulse (Höhentief; Katlufttropfen) immer wieder den Aufbau einer nachhaltig stabilen Wetterlage. So auch die Prognose des europäischen Wettermodells. Worauf es ankommen wird, ist die Positionierung der Störung. Grundsätzlich aber hat das Hoch das Potenzial, eine nachhaltig stabile und spätsommerliche Wetterentwicklung über Deutschland zu etablieren.

Die gestörte Zirkulation: ob sich nachhaltig stabiles Spätsommerwetter einstellen kann, bleibt fraglich - die Grundlagen hierfür sind jedoch vorhanden
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Die gestörte Zirkulation - ob sich nachhaltig stabiles Spätsommerwetter einstellen kann, bleibt fraglich - die Grundlagen hierfür sind jedoch vorhanden © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Polarwirbel beeinflusst das Wetter über Deutschland

Mit dem September beginnt auch der Aufbau des Polarwirbels, der sich nach dem Wettertrend des amerikanischen Prognosemodells nicht in Richtung Kanada und Grönland verlagert, sondern sich zwischen der Karasee und Skandinavien erstreckt. Das hat über Nordeuropa Schneefall und die ersten winterlichen Wetterbedingungen zur Folge. Über Deutschland, Österreich und die Schweiz hängt der Spätsommer hingegen von einer Hochdruckbrücke ab, die sich der herbstlichen Polarluft entgegenstellt.

Spätsommer nur kurz

Das Hoch wölbt sich zum Wochenende über Deutschland auf, und so stimmen beide Vorhersagemodelle in der Kurzfrist weitgehend überein. Das Maximum der Temperaturen wird mit hochsommerlichen Werten von bis +32 Grad für den 21. September (So.) simuliert. Dazu gibt es trockenes und verbreitet auch sonniges Wetter, wobei von Westen aufziehende Wolken einen weiteren Wetterwechsel bereits ankündigen.

Das Wetter kippt - mehr Wolken, mehr Regen

Dem Hoch gelingt es nicht, sich zu stabilisieren, und zieht sich nach Südosten zurück. Das Hoch erhält jedoch seinen Einfluss in Form einer Hochdruckzone, die sich von der westlichen Mittelmeerregion (Portugal und Spanien) bis über Südosteuropa erstreckt. Zur gleichen Zeit intensiviert sich über Skandinavien die Tiefdruckaktivität und drängt mit ihren Luftmassen polaren Ursprungs in Richtung der Alpen. Die Kaltluft lässt die Temperaturen über Nordlappland unter den Gefrierpunkt absinken (Kiruna: -1 Grad Tag; -5 Grad Nacht), und mit zeitweiligem Schneefall kann sich eine Schneedecke ausbilden.

Ob die Kaltluft auch Deutschland erreichen wird, hängt vom Zustand der Hochdruckzone ab. Nach der aktuellen Vorhersage hält das Hoch dagegen und belässt die Temperaturen mit +17 bis +22 Grad und örtlich bis +24 Grad weitgehend im spätsommerlichen Bereich. Erst zum Oktober schleichen sich mit +14 bis +18 Grad allmählich frühherbstliche Temperaturen an.

Die stabile Wetterphase endet zum 22. September, und mit einer schönen Regelmäßigkeit werden Tiefdruckausläufer über Deutschland, die Schweiz und Österreich hinweggeführt. Dazu kommt ein böiger Wind. Der Ansatz einer Westwetterlage ist bei den Amerikanern deutlicher erkennbar, jedoch letztlich nicht mit dem Polarwirbel zwischen der Karasee und Skandinavien umsetzbar.

Nach Durchzug einer Störung, überwiegt in der letzten Septemberdekade eine sommerliche bis spätsommerliche Wetterentwicklung
Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Nach Durchzug einer Störung, überwiegt in der letzten Septemberdekade eine sommerliche bis spätsommerliche Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Anzeichen für stabiles Spätsommerwetter

Nein, in trockenen Tüchern ist eine nachhaltig stabile und spätsommerlich warme Wetterlage noch lange nicht. Was sich aber im Wettertrend der vergangenen 72 Stunden feststellen lässt, ist der Hochdruckaufbau über Skandinavien und die sich abschwächende bis kaum mehr wirksame Frontalzone. Zudem ist von Mitte September bis Mitte Oktober der Statistik nach die Zeit der stabilen Wetterlagen, insofern sind die Eintreffwahrscheinlichkeiten für spätsommerliche Temperaturen als mäßig bis hoch zu bewerten.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die Kontrollläufe ziehen jedoch nicht mit. Zwar kann sich vom 18. bis 22. September über Deutschland eine Temperaturanomalie von +2 bis +6 Grad aufbauen und so zu spätsommerlich bis sommerlich warmem Wetter führen, doch sinken die Werte darüber hinaus bis Anfang Oktober auf eine Anomalie von +0,5 bis +1,5 Grad ab. Es bleibt für die Jahreszeit zu warm, doch eine Hochdruckzone über Mitteleuropa oder Skandinavien hätte eine viel höhere Anomalie zur Folge.

Die Regenprognose

Dass die Wetterlage nicht stabil sein wird, spiegelt sich auch in der Regenprognose wider. Der Zeitraum vom 16. bis 22. September wird weitgehend trocken berechnet. Vom 22. bis 23. September steigen die Niederschlagssignale in den leicht bis mäßig erhöhten Bereich an und verweilen darüber hinaus bis zum Ende des Septembers in einem schwach bis leicht erhöhten Bereich. Stabiles Spätsommerwetter sieht anders aus – Herbstwetter aber auch. Es bleibt abzuwarten, wie die Großwetterlage auf das Hoch vom kommenden Wochenende reagieren wird. Schaun mer mal.

Zwischen Spätsommer und Herbstwetter
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Zwischen Spätsommer und Herbstwetter © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
20. September +16 bis +30 Grad +23 bis +26 Grad
24. September +5 bis +25 Grad +15 bis +17 Grad
29. September +7 bis +27 Grad +15 bis +17 Grad
Diagramm Temperaturen September 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)