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Wetteraussichten: Frontalzone lässt den Spätsommer kippen - der frühe Herbst als Option

| M. Hoffmann

Deutschland verbleibt in einer Übergangslage zwischen Tiefdruckeinfluss über dem Westen und Hochdruck über dem Osten. Damit setzt sich zunächst ein unbeständiger Witterungscharakter fort, begleitet von zeitweilig kräftigem Wind. Zum Beginn des Wochenendes greift ein Hochdruckgebiet nach Skandinavien aus und versucht, die Großwetterlage zu stabilisieren. Ob sich das Hoch jedoch gegen die atlantische Tiefdruckaktivität durchzusetzen vermag, bleibt noch offen. Und so steht die Frage im Raum - kommt der Spätsommer noch mit Hitze und kann sich stabilisieren, oder greifen die atlantischen Frontensysteme auf Deutschland über und geben einen Vorgeschmack auf den Herbst?

Der erste Vorgeschmack auf dem Herbst?
Der erste Vorgeschmack auf dem Herbst?

Heute zeigt sich der Himmel aufgelockert bewölkt mit zeitweiligem Sonnenschein, bevor dichte Wolkenfelder aus Südwesten aufziehen. Im Tagesverlauf entwickeln sich von dort kräftige Schauer und örtlich auch Gewitter (Gewitterradar), die sich in der Nacht nordostwärts ausbreiten und unwetterartig ausfallen können (Warnlagenbericht). Der Schwerpunkt der Gewitteraktivität liegt östlich einer Linie zwischen dem Saarland und Rostock. Vor Eintreffen der Gewitterfront steigen die Temperaturen noch auf bis zu +28 Grad, nachfolgend kühlt es auf +18 bis +22 Grad ab. Der Wind lebt aus südwestlichen Richtungen auf und kann in Gewitternähe zeitweise stürmische Böen erreichen.

Rückseiten- und Sommerwetter mit unbekanntem Ausgang

Am Freitag dominiert Rückseitenwetter der Abziehenden Gewitterfront das Geschehen über Deutschland. Besonders über dem Osten und Nordosten treten noch kräftige Schauer und einzelne Gewitter auf, bevor die Bewölkung nachmittags auflockert. Im übrigen Bundesgebiet bleibt es wechselhaft mit wiederholten Schauern, zeitweiligem Sonnenschein und einem frischen bis starken Westwind. Die eingeflossene Frischluft begrenzt die Höchstwerte auf +16 bis +20 Grad, bei kräftigen Schauern sind auch niedrigere Werte möglich. Zum Wochenende setzt sich ein Zwischenhoch durch. Der Samstag verläuft vielfach sonnig bei +19 bis +23 Grad, am Sonntag steigt die Temperatur bei schwachem Südwind auf +22 bis +26 Grad, im Westen lokal bis +29 Grad. Ob sich im weiteren Verlauf die atlantische Tiefdruckzone mit neuen Niederschlagsfeldern behauptet oder eine südliche Strömung erneut sehr warme Luftmassen nach Mitteleuropa führt, bleibt jedoch die zentrale Frage der Kurzfristprognose. Wer es genauer wissen möchte: Wetter September 2025.

Spätsommer oder Frühherbst - in welche Richtung kippt das Wetter?
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Spätsommer oder Frühherbst - in welche Richtung kippt das Wetter? © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der frühe Herbst

Das europäische Vorhersage-Modell war in den vergangenen Tagen im Hinblick auf eine spätsommerlich stabile Wetterentwicklung so etwas wie der erhobene Zeigefinger. Schaut man sich die obenstehenden Wetterkarten noch einmal an, weiß man warum. Das Hoch baut sich weiter in Richtung Norden auf und bildet somit den klassischen Ansatz einer stabilen Großwetterlage ab, was im September und Oktober den Spät- und Altweibersommer bringen kann.

Störungen verhindern eine stabile Wetterentwicklung

Dem Hoch aber fehlt nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells die Stütze über Osteuropa und während die Frontalzone auf dem Atlantik sich gegen das Hoch stemmt, weicht dieses einfach nach Osten aus und positioniert sich zum Beginn der zweiten Septemberdekade über dem westlichen Russland, was für das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz gravierende Folgen hat.

Windiges Regenwetter

Die Frontalzone dehnt sich von Island in Richtung England aus und beginnt mit ihren Ausläufern das Wetter über Mitteleuropa zu beeinflussen. Das gelingt zunächst mit einem auffrischenden Wind aus südwestlichen Richtungen und dem Aufzug von starker Bewölkung. Bis zum 12. September dehnt sich das Tief über Deutschland weiter in Richtung Skandinavien aus und lässt den weiterhin böigen Wind auf westliche Richtungen drehen und aus den Wolken setzt sich vermehrt Niederschlag ab. Die simulierten Regenmengen sind beachtlich und können über der Westhälfte von Deutschland unwetterartig ausfallen.

Frühherbstliche Temperaturen

Doch damit nicht genug. Der Wind führt deutlich frischere Luftmassen nach Mitteleuropa, was die Temperaturen vom 9. September mit +22 bis +26 Grad und örtlich mit bis +28 Grad bis zum 13. September auf frühherbstliche +14 bis +18 Grad absacken lässt.

Kippmuster auf Südwest

Weiter aber wie bis über das westliche Russland lässt sich das Hoch nicht zurückdrängen und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Frontmassen nach Nordosten abgleitet und das Azorenhoch von Südwesten einen Hochdruckkeil nachschieben kann. Geht es nach der Prognose des europäischen Wettermodells, so wird sich diese Wetterentwicklung ab dem 17. September vollziehen können. Das Wetter bleibt zwar mit einer leicht erhöhten Schaueraktivität wechselhaft, doch steigen die Temperaturen mit +20 bis +25 Grad in den spätsommerlichen Bereich an.

Ein Vorgeschmack auf den Herbst - viel Wind und viel Regen
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ein Vorgeschmack auf den Herbst - viel Wind und viel Regen © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Kippmuster in Richtung Frühherbst

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells war in den vergangenen Tagen für alle Freunde des Spätsommers der Fels in der Brandung. Stets wurden Wetterlagen simuliert, die nicht nur eine spätsommerlich stabile Wetterlage zur Folge gehabt hätten, sondern phasenweise auch noch einmal hochsommerliche Temperaturen jenseits der +30-Grad-Marke. Im Vergleich zu den Kontrollläufen jedoch bildete das amerikanische Vorhersagemodell die mit Abstand wärmste Variante ab. Es war nur eine Frage der Zeit, bis eine Korrektur der Prognose erfolgt – und die kommt heute, ziemlich brachial sogar.

Spätsommer nur angetäuscht

Die spätsommerliche Wetterentwicklung vom Wochenende hält sich nach der aktuellen Prognose noch bis zum 10. September. Nachfolgend zieht sich das Hoch über Mitteleuropa und Skandinavien nach Osten zurück und lässt der Frontalzone auf dem Atlantik größeren Spielraum. Bis zum 13. September setzt sich die Frontalzone zwischen Island, England und Skandinavien fest und erreicht mit böigem Wind, starker Bewölkung und zeitweiligem Niederschlag Deutschland.

Tiefdruckwirbel über Skandinavien – Vorboten des Herbstes

Vom 13. bis 18. September verlagert sich der Kern der Tiefdruckaktivität weiter nach Osten und dreht sich mit seinem Kern über Skandinavien ein. Der Wind über Deutschland bleibt böig und dreht zunächst auf West und im weiteren Verlauf auf Südwest. Die Temperaturen sacken regelrecht ab – sind am 9. September noch +24 bis +28 Grad möglich, so werden am 13. September +16 bis +21 Grad und am 18. September +11 bis +16 Grad berechnet, in den sonnigen Momenten noch bis +20 Grad. Frühherbstliche Temperaturen.

Die Amerikaner vollziehen mit einer frühherbstlichen Wetterlage eine 180-Grad-Wende
Die Wettertrend nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Amerikaner vollziehen mit einer frühherbstlichen Wetterlage eine 180-Grad-Wende © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Frühherbst und der Spätsommer stehen sich gegenüber

Das ist so und das bleibt auch heute so. Mit dem aufstrebenden Hoch zum kommenden Wochenende stellt sich die Großwetterlage zwar um, doch löst sich die Pattsituation zwischen den Fronten nicht auf – sie verschiebt sich nur, was die Unsicherheiten erhöht. Vieles wird in der kommenden Wetterentwicklung davon abhängen, wie sich das Hoch gegenüber den anrennenden Tiefdrucksystemen verhalten wird. Im Prinzip bleibt es heute nach wie vor bei dem Hop-oder-Top-Prinzip der vergangenen Wochen.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Der Mittelwert aller Kontrollläufe berechnet zum 8. September ein Maximum der Temperaturanomalie von +6 bis +9 Grad über dem, was sonst im September üblich ist. Ab dem 10. September korrigiert sich das Temperaturniveau auf eine Anomalie von +1 bis +2 Grad und geht damit stärker als in den vergangenen Tagen zurück (+2 bis +4 Grad). Das Kippen der Wetterlage kommt auch in den Kontrollläufen an, wenngleich das Temperaturniveau noch nichts mit dem Frühherbst gemein hat – mit dem Spätsommer aber auch nicht mehr. Der Mittelwert der Tagestemperaturen schwankt vom 10. bis 20. September zwischen +16 und +20 Grad.

Die Regenprognose

In der Regenprognose zeigt sich um den 5. September eine erhöhte und nachfolgend bis zum 10. September eine nur schwache Aktivität. Vom 10. bis 20. September berechnen die Kontrollläufe leicht erhöhte Niederschlagssignale. Der Rückschluss auf nachhaltig stabiles und warmes Spätsommerwetter lässt sich auch heute nicht machen. Frühherbst ist jedoch zu weit gegriffen, vielmehr läuft das heute erneut auf eine wechselhafte und für die Jahreszeit zu warme Südwestwetterlage hinaus. Schaun mer mal.

Der Spätsommer wankt, der frühe Herbst bekommt heute einen größeren Spielraum
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Spätsommer wankt, der frühe Herbst bekommt heute einen größeren Spielraum © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
10. September +14 bis +30 Grad +20 bis +22 Grad
14. September +9 bis +23 Grad +18 bis +20 Grad
19. September +9 bis +31 Grad +18 bis +20 Grad
Diagramm Temperaturen September 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)