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Wetteraussichten: Skandinavienhoch, Sommer, Hitze und der frühe Herbst

| M. Hoffmann

Ein Wechselspiel zwischen einem Atlantiktief und einem osteuropäischen Hoch lenkt weiterhin feuchtwarme Luftmassen nach Mitteleuropa. Maritime Labilität sorgt für Schauer und Gewitter, während zwischendurch auch längere sonnige Abschnitte möglich sind. Die Temperaturen zeigen sich dabei moderat bis spät­sommerlich. Zum Wochenende deutet sich eine weitere Umstellung an: Setzt sich ein Skandinavienhoch mit spätsommerliche stabilem Wetter durch, oder gelingt es den Fronten, das Wetter in den Frühherbst kippen zu lassen?

Stabiles Spätsommerwetter oder doch der frühe Herbst?
Stabiles Spätsommerwetter oder doch der frühe Herbst?

Heute hält sich im Osten noch ein unbeständiger Wettercharakter mit Schauern und einzelnen Gewittern, besonders östlich einer Linie Bodensee–Rostock (Gewitterradar). Im Westen dagegen lockert die Bewölkung auf, und der Sonnenschein gewinnt im Tagesverlauf die Oberhand. Die Temperaturen bewegen sich zwischen +18 und +22 Grad, mit längerer Sonnenscheindauer sind bis +24 Grad möglich. In der Nähe kräftiger Schauer können die Werte dagegen bis auf +16 Grad zurückgehen. Der Wind bleibt schwach und weht aus Südwest.

Frontdurchgang, Rückseitenwetter und ein Wetterumschwung

Im weiteren Verlauf gelingt es einem weiteren Tiefausläufer, Deutschland vollständig zu überqueren. Von Südwesten setzt kräftiger Regen ein, lokal mit eingelagerten Gewittern, die besonders östlich der Linie Hamburg–Stuttgart regional unwetterartig ausfallen können. Mit Abzug der Front stellt sich klassisches Rückseitenwetter ein: wechselnde Bewölkung, Schauer und zurückgehende Temperaturen. Vor der Front sind noch bis +29 Grad erreichbar, danach sinken die Werte auf +16 bis +21 Grad. Zum Wochenende breitet sich das Hoch von Süden her wieder aus. Sonnenschein und Temperaturen zwischen +20 und +27 Grad führen zu spät­sommerlichen Bedingungen.

Wer es genauer wissen möchte: Wetter September.

Ein Hoch dehnt sich zum Wochenende über Deutschland aus und beginnt das Wetter zu stabilisieren
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Ein Hoch dehnt sich zum Wochenende über Deutschland aus und beginnt das Wetter zu stabilisieren © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der Spätsommer steht auf wackeligen Beinen

Beide Vorhersage-Modelle berechnen zum kommenden Wochenende den Aufschwung eines Hochs in Richtung Skandinavien, das über Deutschland, Österreich und die Schweiz für ein spätsommerliches bis sommerliches Wochenende sorgt. Schaut man genauer hin, erkennt man ein paar Schwachstellen im Konstrukt, was eine nachhaltig stabile Spätsommerwetterlage in Frage stellen lässt.

Störimpulse vereiteln eine stabil spätsommerliche Wetterentwicklung

Eine kleinräumige – ja fast schon unscheinbare – Störung drängt sich zwischen Skandinavien und Deutschland in das Hoch hinein und beginnt damit, den stabilen Aufbau des Hochdrucksystems zu verhindern. Geht es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells, entsteht bis zum 11. September ein weiterer Tiefdruckwirbel auf dem Atlantik, der sich zwischen Island und England eindrehen kann. Dieser Wirbel ist deutlich stärker als der über dem westlichen Russland, und aufgrund der fehlenden Stütze wird das Hoch über Skandinavien vom 9. bis 11. September weiter nach Osten abgedrängt.

Südwestwetterlage

Das Tief auf dem Atlantik wird jedoch durch das Hoch zunächst noch blockiert und kommt nicht weiter nach Osten voran. Was folgt, ist eine ähnliche Wetterlage wie die aktuelle: eine Pattsituation, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz zwischen den Fronten liegen. Mit einer südwestlichen Anströmung der Luftmassen steigen die Temperaturen auf +18 bis +22 Grad und können in sonnigen Momenten bis +24 Grad erreichen. In Schauernähe sinken die Werte hingegen auf bis zu +16 Grad ab. Apropos Schauer – deren Schwerpunkt liegt über dem Norden und Nordwesten, sie setzen sich aber auch über dem Rest von Deutschland durch, wenngleich sich über einigen Regionen nicht der erwünschte Niederschlag in ausreichender Menge einstellen kann.

Es bleibt dabei - keine stabilen Wetterverhältnisse
Es bleibt dabei - keine stabilen Wetterverhältnisse © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Spätsommer bekommt seine Chance

Die heutigen Prognosen der Vorhersagemodelle sind fast identisch mit den gestrigen Berechnungen. Während das europäische Vorhersagemodell nichts von einer nachhaltig stabilen Wetterentwicklung wissen will, hält das amerikanische Prognosemodell dagegen und lässt das Hoch nicht nur in Richtung Skandinavien aufsteigen, sondern berechnet es bis zum Ende der Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern in einer halbwegs stabilen Position.

Temperaturen von +30 Grad und mehr - Hitze möglich

Das Hoch stemmt sich gegen das Tief auf dem Atlantik. Das gelingt jedoch nur deshalb, da sich das Tief östlich des Hochs weit nach Süden in Richtung Südosteuropa ausdehnt und so ein Abkippen des Hochs verhindert. Zudem ist das atlantische Frontensystem bei weitem nicht so stark, wie es von den Europäern berechnet wird. So kann das Hoch über Mitteleuropa bis zum 14. September verweilen.

Die Temperaturen erreichen meist sommerliche Werte von +24 bis +28 Grad, können jedoch zwischen dem 7. und 10. September Werte von +25 bis +30 Grad und örtlich bis +32 Grad möglich machen. Hochsommerwetter ist noch einmal – unter diesen speziellen Bedingungen – möglich.

Ein Schwenk in den Frühherbst

Der Hochsommer ist eigentlich seit dem 20. August vorbei. Und ja, das, was die Vorhersage des amerikanischen Wettermodells da berechnet, ist ein Extrem. Temperaturen von mehr als +30 Grad zum Ende der zweiten September-Dekade sind zwar möglich, doch äußerst selten und entsprechen einer Anomalie von +10 bis +14 Grad. Und noch einmal ja – sollte sich das Hoch über Skandinavien tatsächlich festigen und stabilisieren können, so wird das auch für den Oktober noch ein Thema werden. Im Moment aber ist es so, dass die atlantische Frontalzone in der zweiten September-Dekade an Fahrt aufnimmt und das Hoch sukzessive zurückdrängt.

Troggebilde über Mitteleuropa

Nach und nach dehnen sich die Tiefdruckgebiete nach Mitteleuropa aus. Doch anstatt dass sich eine zonal geführte Wetterlage einstellt, positioniert sich das Azorenhoch auf dem Atlantik und das ehemalige Skandinavienhoch über dem westlichen Russland. Zwischen den beiden Hochdruckgebieten entsteht eine Lücke, welche die Tiefdruckgebiete für sich nutzen und so über Deutschland, Österreich und die Schweiz eine frühherbstliche Wetterlage einleiten können.

Erst hochsommerlich heiß, dann der Frühherbst
Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Erst hochsommerlich heiß, dann der Frühherbst © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Ungewöhnlich warm, jedoch wenig stabil

Das Hoch kommt und sorgt für einen Temperatursprung, welcher im Mittelwert aller Kontrollläufe mit einer Anomalie von +5 bis +8 Grad gestützt wird. Doch keines der Vorhersagemodelle lässt das Hoch in der Art nach Norden aufstreben, als dass sich daraus eine nachhaltig stabile Wetterentwicklung ergeben kann, und so wiederholt sich das Muster, welches man bereits vom Sommer her kennt. Ungewöhnlich warm, doch bevor sich die Lage stabilisiert, kippt das Wetter in die andere Richtung.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Die Kontrollläufe stützen das erneute Abkippen jedoch nur bedingt. Die Temperaturanomalie geht zwar zum Beginn der zweiten September-Dekade zurück, bleibt jedoch mit einer Differenz von +2 bis +4 Grad für die Jahreszeit viel zu hoch. Mit anderen Worten formuliert, stützen die Kontrollläufe keine frühherbstliche Wetterentwicklung, sondern favorisieren stattdessen erneut die Südwestwetterlage.

Die Regenprognose

Südwestwetterlagen passen auch gut ins Schema der aktuellen Großwetterlage. Zu warm, aber wenig stabil. Die Niederschlagsprognose ist um den 5. und 10. September herum leicht erhöht, sonst schwach ausgeprägt. Ein nachhaltiger Wetterumschwung in den frühen Herbst sieht definitiv anders aus. Kumuliert man die Temperaturprognose bis zum 18. September, so kann sich ein Temperaturüberschuss von +3,5 bis +4,5 Grad aufbauen. Schaun mer mal.

Die erste Septemberhälfte wird zu warm ausfallen
Der Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Die erste Septemberhälfte wird zu warm ausfallen © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
8. September +11 bis +34 Grad +24 bis +26 Grad
12. September +14 bis +30 Grad +21 bis +23 Grad
17. September +11 bis +30 Grad +20 bis +22 Grad
Diagramm Temperaturen September 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)