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Wetterprognose: Atlantische Frontalzone oder Skandinavienhoch - Frühherbst oder Spätsommer

| M. Hoffmann

Die Großwetterlage über Mitteleuropa zeigt sich erneut in Bewegung. Nach Abzug eines Skandinavientiefs gewinnt ein Atlantiktief zwischen Island und England an Bedeutung. In Verbindung mit einem Hochdruckkeil werden feuchtwarme Luftmassen nordwärts geführt, die über Deutschland bis Mitte der Woche örtlich zu hochsommerlichen Temperaturen führen können. In der Spitze können regional +30 Grad erreicht oder überschritten werden. Mit Annäherung einer markanten Front setzt ab Donnerstag eine Strömungsumstellung ein, die den Zustrom maritimer Kaltluft aus West bis Nordwest einleitet. Diese Entwicklung bedeutet einen deutlichen Temperaturrückgang und wechselhafteres Rückseitenwetter. Nachhaltiger Wetterumschwung in den Herbst, oder kippt die Wetterlage doch noch in den Spätsommer?

Welche Richtung schlägt das Wetter ein - Frühherbst oder Spätsommer?
Welche Richtung schlägt das Wetter ein - Frühherbst oder Spätsommer?

Aktuell prägt der Zufluss hochreichender Warmluft das Wettergeschehen. Unter schwachem Hochdruckeinfluss bleibt es zunächst überwiegend trocken, lediglich einzelne Schauer oder regionale Gewitter treten auf. Die Temperaturen steigen verbreitet in den sommerlichen Bereich von +24 bis +28 Grad an, während es über dem Nordosten mit +20 bis +24 Grad etwas kühler bleibt. Der Wind dreht von nördlichen auf südliche Richtungen. In der zweiten Wochenhälfte gerät das Wetter zunehmend unter Spannung, bevor eine herannahende Unwetterfront die Umstellung einleitet.

Strömungsumstellung und Luftmassenwechsel

Mit dem Eintreffen einer markanten Gewitterfront erreicht die feuchtwarme Südwestströmung ihren Höhepunkt. Kräftige Schauer und örtlich unwetterartige Gewitter sind ab Mittwochabend Folge. Nach Frontdurchgang setzt am Freitag und Samstag ein Schwenk der Strömung auf West bis Nordwest ein. Daraus resultiert klassisches Rückseitenwetter mit wechselnder Bewölkung, Schauern und mäßigem bis böigem Wind. Die Temperaturen sinken verbreitet auf +18 bis +22 Grad, regional auch darunter. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

Erst der Sommer, dann Unwetter mit nachfolgendem Temperaturrückgang
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Erst der Sommer, dann Unwetter mit nachfolgendem Temperaturrückgang © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ein weiterer Rückschlag für den Spätsommer

Das Tief über Skandinavien zieht in den kommenden Tagen nach Nordosten ab und verliert seinen Einfluss auf das Wettergeschehen über Deutschland. Von Westen nähert sich das nächste Tief und schwächt die Hochdruckzone weiter ab, die sich noch bis zum 30. August über Deutschland behaupten kann. Doch ihre Tage scheinen gezählt – zumindest nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells.

Kritische Phase für den Spätsommer - Tief greift auf Skandinavien über

Zum Monatswechsel in den September tritt der Spätsommer in eine kritische Phase. Das Tief über dem Atlantik ist breit aufgestellt und drängt das Hoch über Mitteleuropa weit nach Osten. Dort wölbt es sich über Osteuropa und das westliche Russland nach Norden auf und blockiert die atlantischen Tiefausläufer. Ab diesem Moment kommt die Wetterentwicklung in eine entscheidende Phase, welche auch als Hop-oder-Top-Prinzip bezeichnet wird.

Erst ein Hauch von Frühherbst, dann der Spätsommer

Warum dies so ist, zeigt die aktuelle Vorhersage des europäischen Wettermodells. Das Tief läuft auf das Hoch auf und verliert Energie. Es gelingt ihm nicht, sich über Skandinavien zu positionieren, sondern greift lediglich über. Dies geschieht zwischen dem 31. August und dem 3. September. Über Deutschland bedeutet das starke Bewölkung, eine deutlich geringere Sonnenscheindauer sowie zeitweilige Niederschläge, die kräftig und nennenswert ausfallen können. Der Wind weht böig aus westlichen Richtungen, die Temperaturen erreichen +17 bis +22 Grad. Bei länger anhaltendem Regen können sie auch unter +15 Grad absinken. Ein Hauch von Frühherbst.

Während das Tief nicht weiter nach Osten vorankommt, entwickelt sich zwischen östlichem Kanada und Grönland bereits das nächste Tief. Es nimmt jedoch nicht Kurs auf Skandinavien, sondern trogt über den Atlantik nach Süden aus. Daraus ergibt sich eine Kombination aus tiefem Luftdruck über dem Atlantik und hohem Luftdruck über Osteuropa, der sich bis nach Mitteleuropa ausdehnen kann – eine Pattsituation. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen zwischen diesen beiden Systemen. Dadurch dreht die Grundströmung von West auf Südwest bis Süd und führt mit +20 bis +25 Grad wärmere Luftmassen nach Norden. Der Himmel trübt sich nicht dauerhaft ein, sondern zeigt sich wechselnd bewölkt, oftmals mit Sonnenschein. Ganz stabil bleibt die Lage dennoch nicht: Bis zum 8. September ist wiederholt mit Schauern und Gewittern zu rechnen.

Die Wetterlage kippt gleich zwei Mal - einmal in Richtung Frühherbst, dann in Richtung Spätsommer
Die Wetterlage kippt gleich zwei Mal - einmal in Richtung Frühherbst, dann in Richtung Spätsommer © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Spätsommerliche Temperaturen überwiegen

Das atlantische Tief wird auch in der Vorhersage des amerikanischen Wettermodells berücksichtigt. Im Gegensatz zum europäischen Wettermodell hält die Hochdruckzone jedoch stärker dagegen und belässt den Tiefdruckkern zum Monatswechsel zwischen England und Frankreich. Deutschland, die Schweiz und Österreich liegen bis zum 3. September in einer südwestlichen Anströmung der Luftmassen, wodurch sich die Temperaturen auf +20 bis +25 Grad einpendeln. Ja, Schauer sind zu erwarten und stabiles Wetter stellt auch nicht ein. Dennoch zeigt diese Prognose deutlich, wie unsicher die Wetterentwicklung Anfang September bleibt.

Hoch Skandinavien

Wird das Tief blockiert, steht der Hochdruckzone nichts im Weg, sich weiter nach Skandinavien auszudehnen und so spätsommerliche Fakten zu schaffen. Der Hochdruckkern positioniert sich bis zum 5. September direkt über Skandinavien und verstärkt sich weiter. Das entspricht im klassischen Sinn nicht nur einer Omegawetterlage, sondern auch einer hochsommerlichen Wetterentwicklung.

Hochsommerliche Temperaturen im September?

Abwarten, aber ja, mit einem Hoch über Skandinavien ist das nicht ausgeschlossen. Nach der Prognose des amerikanischen Wettermodells steigen die Temperaturen weiter an und erreichen bis zum 8. September Spitzenwerte von +24 bis +28 Grad. Über dem Westen lässt sich die hochsommerliche +30 Grad-Marke nicht ausschließen. Meist jedoch bewegen sich die Temperaturen mit +22 bis +26 Grad, örtlich auch bis +28 Grad im sommerlichen Bereich. Wolken und Schauer sind möglich, doch überwiegt ein sonniger und weitgehend trockener Wettercharakter.

Tief wird blockiert, Spätsommer hält Einzug
Die Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Hochdruckzentren liegen weit auseinander und ermöglichen so auch frühherbstliche Konstellationen © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Spätsommer und der frühe Herbst

Es ist so und es bleibt so. Das Hop-oder-Top-Prinzip treibt es heute auf die Spitze, wobei beide Vorhersagemodelle eine spätsommerliche Wetterentwicklung im September favorisieren – jedoch in unterschiedlichen Zeitabfolgen. Entscheidend ist in den kommenden Stunden das Abziehen des Tiefdrucksystems über Skandinavien und wie sich die Hochdruckzone dazu verhält.

Welches Wetter wahrscheinlich ist

Der Mittelwert der Kontrollläufe spiegelt die Prognosen der Modelle gut wider. Die Temperaturen steigen in den kommenden Stunden kräftig an und führen zu einer Anomalie von +4 bis +8 Grad. Vom 29. bis 31. August sinkt die Differenz zum vieljährigen Mittelwert auf +0,5 bis +1,5 Grad ab und steigt ab dem 5. September auf eine Anomalie von +1 bis +3 Grad an. Der Norden zeigt sich frischer als der Süden. Zur erwarten ist ein Mittelwert der Tageswerte von +18 bis +20 Grad bei einem Spektrum von +16 bis +26 Grad.

Die Regenprognose

Nicht nur die Temperaturprognose bestätigt den Ablauf, auch die Regenvorhersage zeigt sich im Zeitraum vom 28. August bis 1. September mäßig und bis zum 5. September leicht erhöht. Darüber hinaus sind nur noch schwache Niederschlagssignale erkennbar. Ein weiterer Wetterwechsel Ende August ist unvermeidbar, fraglich bleibt lediglich, wie nachhaltig er sein wird. Der Mittelwert aller Kontrollläufe favorisiert weiterhin die wechselhafte, aber vergleichsweise warme Südwestwetterlage. Schaun mer mal.

Der südwestlich orientierte Wettertrend ist auch heute der Favorit
Der südwestlich orientierte Wettertrend ist auch heute der Favorit © www.meteociel.fr
Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
31. August +13 bis +24 Grad +19 bis +21 Grad
4. September +12 bis +26 Grad +19 bis +21 Grad
9. September +12 bis +30 Grad +21 bis +23 Grad
Diagramm Temperaturen September 2025
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2025 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)
Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)