Wetteraussichten: Erneutes Kippen möglich - der Spätsommer wird in die Zange genommen
Die eingeflossene, hochreichende Kaltluft polaren Ursprungs gerät zunehmend unter den Einfluss eines sich verstärkenden Hochdruckgebiets. Damit schwächt sich die konvektive Aktivität ab, die Wolkendecke lockert auf und der Sonnenschein gewinnt an Dominanz. In diesem Umfeld steigen die Temperaturen nach einem vergleichsweise kühlen Beginn mit Werten um +14 bis +18 Grad schrittweise wieder an und erreichen zum Beginn der neuen Woche in vielen Regionen +20 bis +25 Grad, lokal auch bis +28 Grad. Die Wetterlage bleibt jedoch labil, da von Südwesten eine Zufuhr feuchtwarmer, labil geschichteter Luftmassen einsetzt. Dies führt in der Südhälfte neben starker Bewölkung auch zu erneutem Regen. Die Frage steht im Raum - kippt die Wetterlage erneut, oder kann sich der Spätsommer doch noch durchsetzen? Soviel sei vorab schon verraten - es wird spannend und drei Systeme spannen ein breites Feld an möglichen Varianten aus.

Heute lockert die Bewölkung unter Hochdruckeinfluss weiter auf, sodass sich vermehrt sonnige Abschnitte durchsetzen. Nur an den Küsten bleiben Schauer durch den anhaltenden Einfluss maritimer Labilität möglich, das Binnenland zeigt sich dagegen überwiegend trocken. Mit böigem Wind aus nördlichen Richtungen stellt sich eine mäßig warme Witterung ein, die mit +17 bis +22 Grad eher verhaltene Werte aufweist. Im weiteren Verlauf gewinnt das Hoch an Dominanz, die Schauerneigung klingt fast vollständig ab und die Temperaturen steigen mit nachlassendem Wind spürbar an. Damit setzt sich bis Dienstag für kurze Zeit eine ruhige und sommerlich geprägte Phase durch.
Umstellung auf feuchtwarme Südwestströmung
Nach dieser vorübergehend sommerlichen Entwicklung dreht die Strömung und führt schwül-warme Luftmassen über den Süden und Südwesten von Deutschland. Dort verdichtet sich die Bewölkung, bevor nennenswerter Regen einsetzt. In diesem Bereich werden Temperaturmaxima von zunächst bis zu +28 Grad erreicht, ehe durch den einsetzenden Regen ein deutlicher Rückgang erfolgt und nur noch Werte um +20 Grad erzielt werden können. Im nördlichen Bundesgebiet bleibt die Luftmasse trockener, sodass sich dort überwiegend sonniges Wetter behaupten kann. Die Temperaturen pendeln sich nördlich des Regens zwischen +20 und +25 Grad ein. Wer es genauer wissen möchte: Wetter August.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Kleiner Impuls, große Wirkung - Zwischen Spätsommer und Frühherbst
Das Tief über Skandinavien, welches in den kommenden Stunden weiterhin hochreichend kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Süden in Richtung Alpen führt, zieht nicht wie üblich nach Nordosten ab. Stattdessen setzt es sich über Finnland fest, dreht dort seine Runden und sorgt über Skandinavien für einen wechselhaften und leicht unterkühlten Wettercharakter. In Kiruna (Nordlappland, Schweden) liegen die Tageshöchstwerte zwischen +7 und +12 Grad und sinken in den Nächten unter +0 Grad ab. Dort hat der Herbst bereits Einzug gehalten. Weicht das Tief nicht, wird es auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine frühherbstliche Witterung auslösen.
Zwei Tiefdrucksysteme und ein Hoch
Ein Blick auf die Wetterkarten zeigt links und rechts vom Hoch zwei Tiefdrucksysteme. Das Tief über Skandinavien verharrt an Ort und Stelle, während das über dem Atlantik nach Osten drängt. Das Hoch wird von den beiden Tiefdrucksystemen regelrecht in die Zange genommen und verliert dadurch Energie. Nach der Prognose des europäischen Wettermodells kippt die Großwetterlage erneut – jedoch nicht im Sinne der Freunde des Sommerwetters
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Hoch zieht sich zurück, Tief dehnt sich aus
Ende August zieht sich das Hoch weit nach Norden zurück und positioniert sich zwischen Grönland, Island und Skandinavien. Das Tief auf dem Atlantik beginnt, das Hoch zu unterwandern, und baut zugleich eine Tiefdruckrinne zum ehemaligen Tief über Finnland auf. Die Tiefdruckaktivität verlagert sich über Mitteleuropa und verhält sich quasistationär. Die Regengebiete entladen sich vor Ort und können zu erheblichen, teils unwetterartigen Regensummen führen. Die Temperaturen erreichen meist +20 bis +24 Grad, liegen bei Dauerregen jedoch auch darunter. Hochsommer, Sommer oder Spätsommer sehen anders aus.

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Nach frühherbstlicher Witterung mit viel Regen, kommt der Spätsommer im September
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells stimmt in der erweiterten Mittelfrist bis zum 2. September mit der Vorhersage des europäischen Modells nahezu komplett überein. Das Hoch zieht sich nach Norden (!) zurück, während Tiefdrucksysteme dessen südliche Gradienten unterwandern und versuchen, eine Tiefdruckrinne aufzubauen.
Gestörte Zirkulation - Viel Regen, wenig Spätsommer
Was heute beide Modelle berechnen, ist eine meteorologische Besonderheit. Normalerweise zieht sich ein Hoch nach Süden und nicht nach Norden zurück. Das Blockadepotential bleibt bestehen, und die Tiefdruckrinne kann sich durch die Drehbewegung des Hochdrucksystems im Uhrzeigersinn nicht nachhaltig nach Mitteleuropa ausbilden. Daraus folgt ein quasistationäres Verhalten der Regengebiete, das von Ende August bis zum 3. September zu kräftigem und teils länger anhaltendem Niederschlag führen kann. Die Temperaturen liegen in diesem Zeitraum mit +14 bis +18 Grad näher am Frühherbst als am Spätsommer. Bei Dauerregen sind Werte um +12 Grad möglich, während in sonnigen Phasen bis zu +20 Grad erreicht werden können.
Anfang September kippt das Wetter erneut
Da sich die Tiefdrucksysteme nicht mithilfe der atlantischen Frontalzone über Mitteleuropa behaupten und das Hoch sich weiter nach Norden verlagert, wird ein Cluster des frühwinterlichen Polarwirbels zwischen östlichem Kanada und Grönland verankert. Dieses Tief lenkt durch seine Drehbewegung gegen den Uhrzeigersinn einen Keil des Azorenhochs nach Mitteleuropa und begünstigt damit eine Südwestwetterlage.
Der Spätsommer kommt aus Südwesten
Durch die Südwestströmung erreichen deutlich wärmere Luftmassen Deutschland. Die Temperaturen steigen bis zum 5. September auf +20 bis +25 Grad, örtlich sogar bis +27 Grad und erreichen damit spätsommerliches Niveau. Ein Blick auf die nachfolgenden Wetterkarten zeigt zudem, dass sich der Warmlufttransport noch intensivieren kann.

Auf den Punkt gebracht: Sommer, Spätsommer und der frühe Herbst
Dieser Wirbel über Skandinavien bereitet den Vorhersage-Modellen erhebliche Probleme. Nicht in der Erfassung desselbigen, sondern in seinem Verhalten. Denn wie bereits erwähnt, ziehen diese Tiefdruckgebiete entweder über Osteuropa nach Süden oder nach Nordosten ab, verweilen jedoch selten an Ort und Stelle. Einerlei – das Tief ist vorhanden und lenkt kühle Luft nach Süden. Gleichzeitig etabliert sich auf dem Atlantik ein weiteres Tief, und beide Vorhersage-Modelle stimmen darin überein, dass die Tiefdrucksysteme bis September zueinander finden können. Ein weiterer Rückschlag für den Spätsommer, und es wird zunehmend klar, dass der Hochsommer mit dem 20. August wohl sein Ende gefunden hat. Zwar sind weiterhin Werte von bis zu +30 Grad und mehr möglich, doch eine ausgeprägte Hitzewelle ist - für den Moment jedenfalls - ein fast auszuschließende Entwicklung.
Welches Wetter wahrscheinlich ist
Der NAO-Index (Verhältnis von Islandtief zu Azorenhoch) ist deutlich negativ und erreicht aktuell seinen Tiefpunkt, was die meridional verlaufende Nord-Süd-Strömung zur Folge hat. Anschließend zeigt sich ein positiver Verlaufstrend, der jedoch Ende August und Anfang September im neutralen Bereich verbleibt. Der NAO-Index gibt somit keine klare Trendrichtung vor, was sich in den Vorhersagen der Prognose-Modelle widerspiegelt.
Die Kontrollläufe bestätigen einen Temperaturanstieg bis zum 28. August, was sommerliche Temperaturen ermöglicht. Danach sinkt das Temperaturniveau ab und pendelt sich mit einer Anomalie von +1 bis +2 Grad in einem für September zu warmen Bereich ein. Im direkten Vergleich zu den Kontrollläufen bilden beide Vorhersage-Modelle kühlere Entwicklungen ab, die von den Kontrollläufen nur teilweise gestützt werden.
Die Regenprognose
Zwischen dem 28. und 30. August wird eine erhöhte Niederschlagsaktivität simuliert, die ab dem 2. September von Süden her zurückgeht und nur noch schwach sowie über dem Norden leicht erhöht bleibt. Auch hier bilden beide Vorhersage-Modelle die mit Abstand nassesten Varianten ab. Da die berechnete Wetterlage für sich genommen ungewöhnlich ist, sind in den kommenden Stunden in den Prognose-Modellen weitere Korrekturen zu erwarten. Der Favorit für den meteorologischen Herbstbeginn ist und bleibt die zu warme, jedoch wechselhafte Südwestwetterlage. Schaun mer mal.

| Tag | Temperaturspektrum | Temperaturmittelwert |
|---|---|---|
| 28. August | +14 bis +32 Grad | +20 bis +23 Grad |
| 1. September | +12 bis +28 Grad | +19 bis +21 Grad |
| 6. September | +14 bis +30 Grad | +20 bis +22 Grad |













