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Wetteraussichten - Schnee, Eis und Frost - Der Winter bekommt seine Chance

| M. Hoffmann

Der Polarwirbel hat sich in der Zwischenzeit mit voller Wucht über Skandinavien durchsetzen können. Die Ausläufer des Wirbels bekommt Deutschland derzeit zu spüren. Ferner sorgt der Polarwirbel über Skandinavien für die Grundlage einer möglich nasskalten bis winterlichen Witterung über Deutschland.

Hat der Winter noch etwas zu melden?
Hat der Winter noch etwas zu melden?

Das Tief über Skandinavien noch für unwetterartige Starkwindereignisse und rapide absinkende Temperaturen, was den kräftigen Niederschlag in Form von Schnee niedergehen lässt. Während sich der Winter über dem Norden austobt, bekommt man über Deutschland von den teils chaotischen Zuständen nicht viel mit.

Viele Wolken, Regen und kräftiger Wind
Deutschland wird lediglich von den Ausläufern gestreift. Bemerkbar macht sich das bereits heute mit dem Regengebiet über dem Süden und der auflockernden Bewölkung nördlich von Baden-Württemberg und Bayern. In den kommenden Tagen überwiegt jedoch die Bewölkung und nördlich einer Linie von Köln und Dresden ist mit zeitweiligem Niederschlag zu rechnen, welcher mancherorts länger andauernd und ergiebig ausfallen kann. Weiter nach Süden lässt die Niederschlagstätigkeit nach und über dem südlichen Baden-Württemberg und Bayern kann sich häufiger die Sonne zeigen. Der Wind frischt stark böig auf und kann am Sonntag und Montag über den Küstenregionen von Nord- und Ostsee, sowie über exponierten Lagen für stürmische Windböen sorgen. Die Temperaturen erreichen +8 bis +12 Grad und können am 5. Februar über dem Süden bis +17 Grad ermöglichen. Mehr dazu: Wetter Februar.

Tiefdruckausläufer streifen Deutschland und sorgen für einen unbeständigen und ungewöhnlich warmen Witterungscharakter
Wettervorhersage der Prognose-Modelle: Tiefdruckausläufer streifen Deutschland und sorgen für einen unbeständigen und ungewöhnlich warmen Witterungscharakter © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Kaltluft strömt nach Süden aus - eine Chance für den Winter

Der Polarwirbel führt auf seiner Rückseite kalte Luftmassen polaren Ursprungs weit nach Süden und prallen im Bereich zwischen Island und England auf den Atlantik und provozieren - bedingt durch die Temperaturgegensätze - ein Tiefdrucksystem.

Warme Luft aus südwestlichen Richtungen.
Dieses Tief über England führt auf seiner Vorderseite wiederum warme Luftmassen aus südwestlichen Richtungen nach Norden, was die Temperaturen über Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum 9. Februar auf +10 bis +15 Grad ansteigen lassen kann. Ganz über dem Südwesten blitzen sogar die +17 Grad auf - alles andere als winterlich - doch das ändert sich.

Winterwetter ist möglich

Aus Sicht der Freunde des Winterwetters hat sich die Hochdruckachse innerhalb des Polarwirbels in den vergangenen 24 Stunden verschoben und erstreckt sich zwischen Sibirien und Grönland. Das begünstigt den Kaltluftzustrom über das europäische Nordmeer in Richtung England und befeuert die Tiefdruckdynamik weiter.

Dem Tief bleibt durch seine Rotationsbewegung gar nichts anderes übrig, als sich weiter nach Osten zu verlagern und in den Cluster des Polarwirbels überzugehen. Rückseitig strebt das Azorenhoch nach Norden auf und lässt den Cluster über Skandinavien nach Süden austrogen.

Der Wind dreht auf nördliche Richtungen und führt kühlere Luftmassen nach Deutschland, was die Temperaturen mit +0 bis +5 Grad und örtlich mit bis +7 Grad in den nasskalten Bereich zurückgehen lässt. Der Winter senkt sich bis auf die mittleren Lagen ab.

Flachlandwinter - mit Schnee, Eis und Frost?

Abwarten - schaut man sich die nachfolgenden Wetterkarten an, so erkennt man die Abschwächung der Wetterdynamik. Das Blockadehoch ist auf dem Atlantik gerade in der Entstehung und es fehlt nicht mehr viel, dass der gesamte Cluster des Skandinavientiefs nach Süden austrogt. Wäre das der Fall, so würde die zweite Februar-Dekade winterlich - auch über dem Flachland - beginnen können.

Viel Niederschlag
Da Deutschland permanent zwischen den unterschiedlich temperierten Luftmassen - und zudem noch unter dem Einfluss von Tiefdrucksystemen - liegt, ist mit einer ungewöhnlich hohen Niederschlagsaktivität zu rechnen. Bis zum 10. Februar wird so viel an Niederschlag berechnet, dass das Monatssoll bereits frühzeitig erfüllt sein kann.

Die Hochdruckachse innerhalb des Polarwirbels verläuft im Hinblick auf den Winter über Deutschland günstig - zudem kann sich auf dem Atlantik ein Blockadehoch formieren
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Die Hochdruckachse innerhalb des Polarwirbels verläuft im Hinblick auf den Winter über Deutschland günstig - zudem kann sich auf dem Atlantik ein Blockadehoch formieren © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells: Eine nasskalte Witterung mit optionalem Winterwetter

Der Wettertrend der Amerikaner ist dem der Europäer bis zum 11. Februar ähnlich. Kalte Luft polaren Ursprungs wird über das europäische Nordmeer nach England geführt und provoziert dort ein kräftiges Tiefdrucksystem.

Der Hauptcluster positioniert sich westlicher.
Der wesentliche Unterschied aber liegt in der Positionierung des Wirbels. Nach den Europäern liegt dieser zwischen Skandinavien, England und Deutschland. Nach den Amerikanern liegt der Schwerpunkt mehr zwischen Island, Skandinavien und England. Deutschland aber gelangt zunehmend in den Einflussbereich des Clusters.

Markanter Temperaturrückgang mit absinkender Schneefallgrenze

Erreichen die Temperaturen am 9. Februar mit +10 bis +15 Grad noch frühlingshafte Werte, so kommt es bis zum 11. Februar mit Werten von +0 bis +5 Grad zu einem markanten Temperatursturz, welcher den Winter bis auf die mittleren Lagen absinken lassen kann. Zwar sind auch über tieferen Lagen winterliche Wettererscheinungen in Form von Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer nicht auszuschließen, doch überwiegt eine nasskalte Witterung.

Cluster trogt weiter nach Süden aus - Flachlandwinter möglich

Nachfolgend geschieht etwas Ungewöhnliches. Anstatt sich der Wirbel in Richtung Skandinavien verlagert, stockt er und dreht nach Norden ab und positioniert sich bis zum 15. Februar im Bereich von Kanada und Grönland. Der Grund für dieses Blockadeverhalten ist ein mächtiges Hochdrucksystem über Sibirien, welches sich nicht nur in den Polarwirbel hinein ausdehnt, sondern sich auch bis über das westliche Russland erstreckt. Zur gleichen Zeit dehnt sich das Hoch auf dem Atlantik weiter nach Osten aus und geht bis zum 16. Februar über Skandinavien eine Querverbindung zum Kontinentalhoch ein.

Kaltlufttropfen über Deutschland.
Dieser Prozess geht zügig vonstatten und ist binnen 48 Stunden abgeschlossen. Durch die hohe Dynamik wird ein Teil des Clusters abgetrennt und wabert ab dem 14. Februar in Form eines Kaltlufttropfens über Deutschland, Österreich und der Schweiz umher. Die Temperaturen kommen mit -2 bis +2 Grad dem Dauerfrost sehr nahe, können jedoch über dem Westen und Norden mit +3 bis +7 Grad im positiven Bereich verweilen. Für einen nachhaltigen Durchbruch des Winters bis auf das Flachland herab reicht es nicht - doch ab den mittleren Lagen kann sich nach dieser Wettervorhersage eine ordentliche Schneedecke ausbilden.

Ein Cluster des Polarwirbels wird durch eine Hochdruckzone abgeschnürt und sorgt über Deutschland für die Ausbildung eines Kaltlufttropfens
Wetterprognosenach dem amerikanischen Wettermodell: Ein Cluster des Polarwirbels wird durch eine Hochdruckzone abgeschnürt und sorgt über Deutschland für die Ausbildung eines Kaltlufttropfens © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Nasskalt mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen

Die Vorhersage-Modelle verinnerlichen den Wettertrend der vergangenen Tage zunehmend und trotz einer optimalen Grundlage reicht es nicht für den Durchbruch des Winters bis auf tiefere Lagen. Woran das liegt? Ganz einfach - es liegt an der Vorgeschichte des Winters. Kaum Frost und die Temperaturen sind dem Frühling näher als dem Winter. Und in dem Moment, wenn die kalte Luftmasse nach Süden vorstößt, wird viel Energie darauf verschwendet, die Luftmassen in den nasskalten Bereich abzukühlen. Anders sähe das aus, wenn sich über Deutschland bereits eine dicke Schneedecke befinden würde.

Was wahrscheinlich ist

Im direkten Vergleich zu den Kontrollläufen bildet die Prognose der Amerikaner eine der kältesten Varianten ab, was einen Flachlandwinter weniger wahrscheinlich macht. Deutlicher zeigt sich das in der Entwicklung der Temperaturen in 1.500 Meter Höhe, welche bis zum 10. Februar eine Anomalie von +3 bis +6 Grad und phasenweise von bis +10 Grad vorweisen können - wohlgemerkt eine Anomalie. Überdies normalisiert sich das Temperaturspektrum und die Höhenwerte pendeln sich auf -3 bis -5 Grad ein.

Für den Flachlandwinter sind Mitte Februar Höhenwerte von -7 bis -9 Grad eine Grundvoraussetzung - erst recht mit der Vorgeschichte des Winters. Für die mittleren Lagen reichen -4 bis -7 Grad aus. Das unterstreicht noch einmal deutlich eine hohe Relevanz einer nasskalten Witterung, bei der ein Durchbruch des Winters ab den mittleren Lagen möglich ist. Schaun mer mal.

Eine nasskalte Wetterentwicklung mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen ist nach wie vor eine wahrscheinliche Wetterentwicklung
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine nasskalte Wetterentwicklung mit optionalem Winterwetter ab den mittleren Lagen ist nach wie vor eine wahrscheinliche Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
6. Februar +2 bis
+15 Grad
+6 bis
+9 Grad
10. Februar -3 bis
+13 Grad
+5 bis
+7 Grad
15. Februar -2 bis
+12 Grad
+4 bis
+6 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:24 Uhr

Schlägt der Winter noch einmal zu?
Das ist die zentrale Frage - denn sollte es dem Winter nicht mehr gelingen, sich bis Mitte Februar in einer Form zu zeigen, so geht die Jahreszeit in eine spätwinterliche Phase über und da ist - aufgrund der warmen Vorgeschichte des Winters - nicht mehr viel im Hinblick auf Schnee und Frost zu erwarten.

Vor diesem Hintergrund betrachten wir heute Abend die Rahmenbedingungen noch einmal genauer - was spricht für den Winter, was spricht gegen den Winter? Zunächst einmal die Gegenüberstellung der Entwicklung der Großwetterlage bis zum 9. Februar und schnell wird klar, dass mit einer winterlichen Wetterentwicklung bis zum Ende der ersten Februar-Dekade nicht mehr zu rechnen ist. Das aber ist nichts Neues.

Kippmuster innerhalb des Polarwirbels, zunächst keine winterliche Wetterentwicklung in der ersten Februar-Dekade
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Kippmuster innerhalb des Polarwirbels, zunächst keine winterliche Wetterentwicklung in der ersten Februar-Dekade © www.meteociel.fr

Ein Blick auf die Randfaktoren

Auch wenn die Wetterprognosen im Hinblick auf die Wetterentwicklung über Deutschland sich fundamental unterscheiden, so ist die Entwicklung der Großwetterlage nahezu identisch. Ob Winterwetter oder nicht, hängt davon ab, in welcher Achse der Kaltluftzustrom auf dem Atlantik verläuft. Je flacher die Achse, desto unwahrscheinlicher der Winter.

Kippt die Achse rechtzeitig ab, so stellt sich ein zunehmend meridional verlaufendes Strömungsmuster ein, bei der im Nachgang ein Blockadehoch auf dem Atlantik eine gewichtige Rolle spielen kann. Das hätte dann einen negativen NAO-Index zur Folge. Und tatsächlich hat es in den vergangenen 24 Stunden eine leichte Korrektur gegeben. Der NAO-Index wird vom 5. bis 15. Februar leicht negativ simuliert. Ein Hoch wird somit auf dem Atlantik eine Rolle spielen - ob das als Blockadehoch oder als Störimpuls der Fall sein wird, bleibt noch abzuwarten.

Die Schlussfolgerung daraus aber ist, dass die Witterung über Deutschland zum Beginn der zweiten Februar-Dekade zunehmend in die nasskalte Richtung kippen wird.

Die Instabilität des Polarwirbels nimmt zu

Winterwetter ist aber auch mit einem leicht negativen NAO-Index möglich, bedarf jedoch einer anderen Struktur innerhalb des Polarwirbels. Und ja, da gibt es einige interessante Ansätze, welche wir nachfolgend einmal gegenübergestellt haben. Die Bedingung hierfür aber ist, dass der AO-Index deutlich in die negative Richtung geht und das ist heute Abend der Fall. Die unten stehenden Wetterkarten zeigen jeweils ein Szenario mit einem leicht negativen NAO- und deutlich negativen AO-Index.

Auch die Kombination aus einem leicht negativen NAO- und einem deutlich negativen AO-Index kann den Winter nach Deutschland führen
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Auch die Kombination aus einem leicht negativen NAO- und einem deutlich negativen AO-Index kann den Winter nach Deutschland führen © www.meteociel.fr

Polarwirbel vor dem Zusammenbruch: Major-Warming in Stratosphärenhöhe?

Mit Beginn der Spätwintersaison nimmt mit dem ansteigenden Sonnenstand zwangsläufig die Instabilität des Polarwirbels zu. Häufiger tritt in dieser Zeit ein Minor-Warming in Stratosphärenhöhe auf, welches aber noch nicht wetterwirksam in Aktion tritt. Die zweite Stufe eines Warmings ist das Major-Warming, welches den Polarwirbel in den unteren Luftschichten von oben herab schwächt, bevor es in ein Final-Warming übergeht und das Ende des winterlichen Polarwirbels - meist im April - besiegelt (deshalb auch das phasenweise noch abwechslungsreiche Aprilwetter). Je früher das Warming in Erscheinung tritt, desto höher die Chancen auf Winterwetter - eine Gesetzmäßigkeit ist das aber nicht!

Signale eines Major-Warmings nehmen zu

Bereits seit rund fünf Tagen zeichnet sich in Stratosphärenhöhe ein Warming ab. Der Ansatz zu einem Major-Warming ist bis Mitte Februar klar zu erkennen und wurde in den vergangenen 24 Stunden deutlicher herausgearbeitet. Das sieht - zumindest der Erfahrung nach - nach einem Major-Warming aus, auch wenn die Windgeschwindigkeiten im Moment das so noch nicht bestätigen.

Denn erst wenn sich der Wind in Stratosphärenhöhe von West-Ost auf Ost-West dreht, wird der Polarwirbel in den unteren Schichten einer massiven Schwächung unterzogen. Die Windgeschwindigkeiten in Stratosphärenhöhe erreichen zum 5. Februar mit +126 km/h einen vorläufigen Höhepunkt und sinken bis zum 17. Februar auf +36 km/h ab. Zum Vergleich: gestern waren es noch +70 km/h.

Im Ansatz ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe
Im Ansatz ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe © www.meteociel.fr

Dem Winter nicht abgeneigte Randfaktoren

Also ja, die Randfaktoren bestätigen primär eine nasskalte Wetterentwicklung mit einem optionalen Winter ab den mittleren Lagen. Es mehren sich aber auch die Signale, einer generellen Umstellung der Großwetterlage, bei der ein schwacher Polarwirbel und eine meridional verlaufende Grundströmung eine höhere Eintreffwahrscheinlichkeit hat und das wiederum einen Flachlandwinter im Verlauf der zweiten und letzten Februar-Dekade nicht gänzlich ausschließen lässt. Schaun mer mal.

Die Wetterprognose der Amerikaner und die des europäischen Vorhersage-Modells bestätigen einen instabilen Polarwirbel mit optionalem Winterwetter über Deutschland
Die Wetterprognose der Amerikaner und die des europäischen Vorhersage-Modells bestätigen einen instabilen Polarwirbel mit optionalem Winterwetter über Deutschland © www.meteociel.fr

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