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Wetterprognose: Chaotisches Wetter - von einem Extrem ins andere

| M. Hoffmann

Eine unwetterartige Wetterentwicklung baut sich bis Mitte der Woche über Deutschland auf und kann mit einer Luftmassengrenze zu Starkschneefall mit teils chaotischen Witterungs- und Straßenbedingungen sorgen. Darüber hinaus stellt sich die Großwetterlage erneut auf den Kopf.

Eine turbulente Wetterentwicklung steht bevor
Eine turbulente Wetterentwicklung steht bevor

Die Wetterentwicklung der kommenden Tage ist tückisch. Von Skandinavien dehnt sich in der Höhe der Ausläufer des Polarwirbels nach Deutschland aus. Bemerkbar macht sich das mit aufziehender Bewölkung und einem auflebenden Wind. Zeitweiliger - zumeist leichter - Niederschlag dehnt sich von Nord nach Süd aus und erreicht zum Montag die Alpen. Nach Norden kann der Niederschlag bei leichten Plusgraden von Regen oder Schneeregen durchmischt sein. Etwa südlich einer Linie von Münster und Berlin ist durchweg mit Schneeschauern bis auf tiefere Lagen herab zu rechnen.

Luftmassengrenze mit unwetterartigem Schneefall über Deutschland

Die in der Höhe polar-gefrostete Luftmasse löst auf dem Atlantik ein Tiefdrucksystem aus, welches zur Wochenmitte Deutschland erreicht und auf seiner Vorderseite milde Luftmassen nach Norden führt. Wie weit die milde Luft tatsächlich nach Norden vorankommt, bleibt noch abzuwarten und wird in den sogenannten Nowcastbereich fallen. Als wahrscheinlich gilt eine Milderung mit bis +12 Grad etwa südlich einer Linie von Köln und dem südlichen Brandenburg. So ist südlich davon mit kräftigem Regen und entlang der Luftmassengrenze - entlang eines breiten Streifens zwischen Essen/Frankfurt und Berlin/Dresden, mit teils unwetterartigem Dauerschneefall zu rechnen.

Binnen weniger Stunden können Neuschneemengen von 10 bis 20 cm und örtlich bis 40 cm zusammenkommen. Mit entsprechend chaotischen Witterungs- und Straßenbedingungen kann gerechnet werden. Zieht das Tief durch, so werden rückseitig die kalten Luftmassen an die Alpen geführt und der restliche Niederschlag geht auch über dem Süden wieder bis auf die tieferen Lagen in Schnee über. Weiter nördlich des Streifens hält sich die Niederschlagsausbeute in Grenzen, ist aber bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schwankend durchweg in Form von Schnee zu erwarten. Mehr dazu: Wetter Januar.

Die Entwicklung der Großwetterlage bis zum 19. Januar
Die Entwicklung der Großwetterlage bis zum 19. Januar © www.meteociel.fr

Chaotische Straßenverhältnisse durch Starkschneefall

Es bleibt nach wie vor abzuwarten, was die höhenkalte Luftmasse tatsächlich an Reaktionen auslösen wird. Zum aktuellen Stand zeigen die Vorhersage-Modelle zwar noch immer unterschiedliche Berechnungen der zu erwartenden Schnee- und Regenmengen, doch wird der Verlauf der möglichen Luftmassengrenze einheitlicher simuliert.

Unwetterartiger Starkschneefall?

Auch das bleibt abzuwarten und kommt auf die Eigendynamik des Tiefdrucksystems an, welches Deutschland von Mittwoch bis Donnerstag von West nach Ost überquert. Entscheidend wird auch sein, wie die feucht-warme Luftmasse zu Hebungsvorgängen führen und so den Starkschneefall auslösen kann.

Entsprechend sollten die Schneeprognosen der Vorhersage-Modelle nicht 1:1 interpretiert und mit einem gesunden Maß an Skepsis bewertet werden. Sie dienen lediglich zur Schwerpunktbestimmung. Dennoch - die Luftmassengrenze wird seit Tagen in einem ähnlichen Umfang simuliert - lediglich das Prognose-Modell der Deutschen schwächen das Schneefallgebiet ab - und bestätigt die Unsicherheiten. Dass es jedoch zu einer Luftmassengrenze kommt, ist sehr wahrscheinlich.

Erheblich statische Last und chaotische Zustände

Sollten die Neuschneemengen nur annähernd so zusammenkommen, wie berechnet, so entsteht binnen kürzester Zeit eine erheblich statische Last auf den Dächern und den Bäumen. Auf den Straßen kann es entlang der Luftmassengrenze zu chaotischen Zuständen kommen und wer auf die Straße muss, sollte sich entsprechend vorbereiten.

Die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle bis zum 21. Januar
Die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle bis zum 21. Januar © wxcharts.com

Die Großwetterlage wird auf den Kopf gestellt

Vorstoß des Polarwirbels, Luftmassengrenze und unwetterartiger Starkschneefall. Was sich erst einmal wie eine Einwinterung anhört, ist tatsächlich eine Umstellung der Großwetterlage. Der Vorstoß der kalten Luftmassen endet abrupt und das dafür verantwortliche Hoch zwischen dem Atlantik und Grönland zieht sich weiter in Richtung Alaska zurück und kippt zum 20. Januar - um 90 Grad - in Richtung Sibirien ab. Der Polarwirbel wird durch die Drehbewegung des Hochdrucksystems von Skandinavien in Richtung Kanada transferiert. Das hat für den Winter über Deutschland unmittelbare Konsequenzen.

Regenerierung der atlantischen Frontalzone

Der Polarwirbel dreht sich über Kanada ein und befördert über dem östlichen Kanada kalte Luftmassen polaren Ursprungs bei Neufundland auf den Atlantik. Dort angekommen entsteht ein Tief nach dem anderen, welche ab dem 20. Januar auf Deutschland, Österreich und die Schweiz zusteuern.

Starkes Tauwetter, unwetterartiger Regen, Hochwasser und Überflutungen

Vorderseitig führen die Tiefdrucksysteme ungewöhnlich warme Luftmassen nach Norden, was die Temperaturen über Deutschland vom 20. Januar mit -3 bis +3 Grad (die höheren Werte über den Küstenregionen) bis zum 22. Januar auf +8 bis +12 Grad und örtlich auf bis +14 Grad ansteigen lassen kann.

Die atlantische Frontalzone prallt mit voller Wucht auf Mitteleuropa und so wird auch der Niederschlag eine gewichtige Rolle spielen können. Die Wetterprognose der Amerikaner berechnen bis zum 24./28. Januar teils erhebliche Regensummen, welche über der Südhälfte auch unwetterartig ausfallen können.

Da starkes Tauwetter und kräftiger Regen zusammen auftreten, der Boden aber noch vielerorts (insbesondere über dem Süden) gefroren ist, kann der Boden die Wassermassen nur bedingt aufnehmen und kompensieren. Der erste Schwung wird größtenteils in die Flüsse abgeleitet und setzt die Bäche und Flüsse zunehmend unter Druck. Der Winter zieht sich bis Ende Januar zurück und Hochwasser sowie regionale Überflutungen werden zum Thema.

Die Unsicherheiten

Die Europäer berechnen die Niederschlagssummen nur im Ansatz. Der Polarwirbel zentralisiert sich zu stark und wirbelt mit einem Hauptcluster um Island herum. An dessen südlichen Gradienten bildet sich eine Hochdruckzone aus, welche sich über Mitteleuropa ausdehnen und so zu einer ruhigeren und weniger turbulenten Südwestwetterlage führen kann. Hochwasser wäre demnach kein Thema - starkes Tauwetter hingegen schon.

Das Kippmuster der Großwetterlage in Richtung West bis Südwest
Wetterprognose der Vorhersage-Modelle: Das Kippmuster der Großwetterlage in Richtung West bis Südwest, kräftiges Tauwetter und weiterer Niederschlag können die Flusspegel anstiegen lassen © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Eine für die Jahreszeit zu warme Wetterentwicklung

An einem für die Jahreszeit zu warmen Wettertrend hat sich in den vergangenen Tagen wenig verändert. Nach der unwetterträchtigen Wetterentwicklung kippt die Großwetterlage auf West bis Südwest und wird das Wetter über Deutschland beeinflussen können.

Welche Wetterentwicklung wahrscheinlich ist

Die Temperaturen erreichen in der Höhe von 1.500 Meter bereits am 21. Januar mit +0 bis +2 Grad leicht positive Werte und diese Entwicklung zieht sich nach der Temperaturprognose der Kontrollläufe bis Ende Januar hin. Die Temperaturen steigen über tieferen Lagen auf ein Spektrum von +4 bis +8 Grad an und phasenweise kann die +10 Grad-Marke auch überschritten werden. So ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine zu warme letzte Januar-Dekade zu erwarten.

Die Niederschlagsprognose

Mit der Milderung und dem starken Tauwetter rückt auch die Niederschlagsprognose wieder in den Vordergrund. Im Zeitraum vom 20. bis 22. Januar ist mit einer schwachen Niederschlagsentwicklung zu rechnen, die im Zeitraum vom 22. bis 25. Januar in den mäßig erhöhten Bereich ansteigt und sich darüber hinaus wieder abschwächt. Die Wetterprognose der Amerikaner berechnen - mit Abstand - die höchsten Niederschlagssummen, was so wahrscheinlich nicht eintreten wird. Die Prognose der Amerikaner ist - zumindest für den Moment - mit einer hohen Skepsis zu bewerten. Schaun mer mal.

Kaum mehr Chancen für den Winter. Der Polarwirbel setzt sich über Kanada fest
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kaum mehr Chancen für den Winter. Der Polarwirbel setzt sich über Kanada fest © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
20. Januar -4 bis
+3 Grad
-1 bis
+2 Grad
24. Januar +3 bis
+15 Grad
+7 bis
+9 Grad
29. Januar +1 bis
+14 Grad
+6 bis
+8 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

  • 17:00 Uhr: Was vom Wetter im März zu erwarten ist
  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:17 Uhr

Die Luftmassengrenze - welche sich Mitte der Woche über Deutschland aufbaut - ist das Hauptthema auf mittlerweile allen Medien. Kein Wunder - handelt es sich doch um eine extreme Wetterentwicklung mit einem hohen Unwetterpotential. Die Vorhersage-Modelle lassen die Luftmassengrenze überwiegend im Bereich von Essen/Frankfurt und Berlin/Dresden verlaufen. Das deutsche Vorhersage-Modell schwächt die Luftmassengrenze insgesamt ab, was an einem etwas südlicheren Verlauf des Störimpulses liegt. Dennoch - nach allen drei Vorhersage-Modellen stellt sich südlich einer Linie von Essen und Berlin eine zu Unwettern neigende Wetterlage ein, welche regional zu chaotischen Witterungs- und Straßenbedingungen führen kann.

Die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle
Die Schneeprognose der Vorhersage-Modelle © wxcharts.com

Ungewöhnlich warm mit starkem Tauwetter

Die Wetterprognose der Amerikaner hat heute Abend die zu erwartende Korrektur vorgenommen. Die Großwetterlage kippt zum 21. Januar auf Südwest. Die Tiefdrucksysteme drücken das Azorenhoch in Richtung Mitteleuropa und führen auf diese Art und Weise ungewöhnlich warme Luftmassen nach Norden.

Nah dran am Frühling

Sind am 21. Januar noch Tageshöchstwerte von -3 bis +3 Grad möglich, so steigen die Werte bis zum 25. Januar auf +5 bis +10 Grad und örtlich auf bis +12 Grad an. So schnell wie die Schneedecke kommt, so schnell verschwindet diese auch wieder. Im Vergleich zu den vergangenen Stunden aber schiebt sich das Azorenhoch nach Norden und blockiert die Ausläufer der atlantische Frontalzone über Deutschland. So ist unter Hochdruckeinfluss mit einem weitgehend trockenem Wettercharakter zu rechnen. Unter dem schwachgradientigen Einfluss kühlen die Nächte mit -5 bis +0 Grad aus und der Sonnenschein sorgt am Tage für Werte von +4 bis +8 Grad und über dem Westen von örtlich bis +12 Grad.

In eine ähnliche Richtung geht auch die Wetterprognose der Europäer.

Nach dem Starkschneefall setzt sich eine markante Milderung mit starkem Tauwetter durch
Nach dem Starkschneefall setzt sich eine markante Milderung mit starkem Tauwetter durch © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Welche Optionen hat der Winter?

Kommt das Hoch in einer auch nur annähernden Variante, wie es die Amerikaner und Europäer simulieren, so handelt es sich um ein Betonhoch, welches bis in den Februar hinein das Wetter über Deutschland, der Schweiz und Österreich dominieren kann. Vom Winter ist bei Tageswerten von +5 bis +10 Grad nicht viel zu erwarten.

Auch heute Abend sind wir auf die Suche nach winterlichen Wetterentwicklungen gegangen und konnten ein paar mehr wie gestern Abend finden. Die sich daraus ableitende These ist ein sich über Mitteleuropa aufbauendes Hoch, welches den Winter zunächst einmal vollständig blockiert und von Deutschland fernhält.

So klappt das mit dem Winter

Der Winter hat in den Prognosen immer nur dann eine Chance, wenn sich das Hoch weit nach Norden aufwölben kann und das hängt wiederum unmittelbar mit der Entwicklung des Polarwirbels über Kanada zusammen. Aber ja, ein solches Hoch ist Winterverhinderer und Winterbringer zugleich. Die Position ist entscheidend. Das zeigt, dass man den Winter weiterhin nicht abschreiben sollte, auch wenn er vom 22. bis 31. Januar nicht mehr in markanter oder gar nachhaltig Gestalt in Erscheinung treten wird.

Die Kontrollläufe bestätigen heute Abend vom 21. bis 30. Januar eine Temperaturanomalie von +2 bis +4 Grad im dann doch deutlich zu warmen Bereich.

Das Hoch kann mit entsprechender Position auch ein Winterbringer sein
Das Hoch kann mit entsprechender Position auch ein Winterbringer sein © www.meteociel.fr

Warming in Stratosphärenhöhe

Das zweite Warming in dieser Wintersaison ist kräftiger als das Erste und erreicht seinen Höhepunkt zum 18. Januar. Die Windgeschwindigkeiten betragen aktuell rund 79 km/h und sinken zwischen dem 16. und 18. Januar auf +0 km/h ab. Knapp am Major-Warming vorbei und nachfolgend stabilisiert sich der Stratosphärenwirbel bereits wieder und hat zum 23. Januar Windgeschwindigkeiten von +108 km/h vorzuweisen. Die Rotationsgeschwindigkeit wird auch den Polarwirbel in den unteren Schichten weiter stabilisieren und so sind von oben herab weiterhin keine Wunder zu erwarten. Nach dem Spektakel kommender Woche ist der Winter vorerst auf dem Rückzug und ob er im Februar wieder kommt - Schaun mer mal.

Der Stratosphärenwirbel erfährt zum 18. Januar ein weiters - kräftiges - Minor-Warming. Nachfolgend stabilisiert sich der Stratosphärenwirbel jedoch wieder
Der Stratosphärenwirbel erfährt zum 18. Januar ein weiteres - kräftiges - Minor-Warming. Nachfolgend stabilisiert sich der Stratosphärenwirbel jedoch wieder © www.meteociel.fr

Regenradar
Regenradar Deutschland
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)