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Wetter: Der Polarwirbel steht kurz vor einem Split, arktische Kaltluft sammelt sich über Skandinavien

| M. Hoffmann

Ein Hoch strebt in den kommenden Tagen in den Polarwirbel hinein vor und sorgt für erhebliche Turbulenzen. Der Polarwirbel steht kurz vor einem Split und über Skandinavien formieren sich kalte Luftmassen, um nach Süden auszutrogen. Der Winter formiert sich, doch wie weit kann dieser tatsächlich nach Süden vorstoßen und welche Konsequenzen ergeben sich für das Wetter über Deutschland?

Luftmassengrenze Schnee, Schneeregen und Regen
Luftmassengrenze Schnee, Schneeregen und Regen

Ein Hochdrucksystem dominiert gegenwärtig das Wetter über Deutschland. Der böige Ostwind schwächt sich ab und die Luftmasse kommt zur Ruhe. Die mittlere Tiefsttemperatur der vergangenen Nacht lag bei -8,42 Grad und die tiefste Temperatur wurde mit -17,2 Grad über Bad Berka in Thüringen registriert. Der Frost schwächt sich in den kommenden Tagen von Norden her ab und in den Nächten können sich zähe Nebel- und Hochnebelfelder ausbilden, welche über dem Süden und ganz über dem Norden den Sonnenschein weitgehend eintrüben können.

Der Polarwirbel über Skandinavien dehnt sich nach Süden aus

Ab Donnerstag nimmt die Bewölkung von Norden zu, doch kommt die dazugehörige Front nur langsam nach Süden voran. Erst zum Sonntag ist auch über dem südlichen Baden-Württemberg und Bayern mit einer minimierten Sonnenscheindauer zu rechnen. Ist bis einschließlich Freitag mit einem weitgehend trockenem Wetter zu rechnen, so setzt am Samstag von Norden Niederschlag ein, der sich bis Montag nach Süden durchsetzen kann. Der Wind dreht auf westliche bis nordwestliche Richtungen und lässt die Temperaturen nördlich einer Linie von Münster und Berlin auf +0 bis +3 Grad ansteigen, was den Niederschlag teils als Schnee, Schneeregen oder Regen niedergehen lassen kann. Weiter nach Süden hält sich mit -5 bis +0 Grad verbreitet der Dauerfrost, sodass der wenige Niederschlag bis auf tiefere Lagen als Schnee erwartet werden kann. Mehr dazu: Wetter Januar.

Die Entwicklung der Großwetterlage bis zum 16. Januar
Die Entwicklung der Großwetterlage bis zum 16. Januar © www.meteociel.fr

Blockierter Vorstoß arktischer Kaltluft: Schnee, Schneeregen und Regen liegen eng beieinander

Schaut man sich die oben stehenden Wetterkarten noch einmal genauer an, so erkennt man die Herausforderung für die Meteorologen. Der Vorstoß arktischer Kaltluft (zunächst in der Höhe) wird direkt über Deutschland blockiert. Entsprechend unterschiedlich fallen die Prognosen aus. Von kräftigem Dauerschneefall hin zu nasskaltem Regenwetter ist im Moment noch vieles möglich.

Kippmuster West bis Südwest

Auch im weiteren Verlauf der kommenden Woche gibt es noch viele Unsicherheiten in der Wetterentwicklung. Warum? Die Kaltluft kommt nicht nach Süden voran und wird voraussichtlich über dem Norden blockiert. Die Europäer berechnen zudem ein Kippmuster des Systems zum 17. Januar auf West und zum 18. und 19. Januar auf Südwest.

Kaltluft nicht weit entfernt

Trotz des Kippmusters ist die Kaltluft nicht weit entfernt. Zudem zwängt sich in diesem Zeitraum ein kleinräumiges Randtief dazwischen und zieht über Baden-Württemberg und Bayern von West nach Ost über Deutschland hinweg.

Die Temperaturen erreichen am 18. Januar kurzzeitig Werte von +4 bis +8 Grad, sinken nachfolgend mit -1 bis +3 Grad in den nasskalten Bereich ab. Das bedeutet, dass der Niederschlag oberhalb etwa 400 bis 600 Meter als Schnee niedergehen kann. Mit einer entsprechenden Intensität und einer guten Durchmischung kann in den Nächten auch über tieferen Lagen mit Schneefall gerechnet werden.

Ein hohes Maß an Skepsis ist angebracht

Die Wetterprognose der Europäer ist heute ein Paradebeispiel für eine Wetterlage, bei der wenige Meter zwischen einem Winterwunderland und tristem Herbstwetter entscheidend sein können. Zudem handelt es sich um eine Momentaufnahme, die sich in den kommenden Stunden noch in die eine oder andere Richtung verändern kann. Abwarten ist angesagt.

Kaltluft wird über Deutschland blockiert, teils kräftiger Schneefall ist ab den mittleren Lagen möglich
Wetterprognose dem europäischen Wettermodell: Kaltluft wird über Deutschland blockiert, teils kräftiger Schneefall ist ab den mittleren Lagen möglich © www.meteociel.fr

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Ein Auf und Ab mit winterlichen Phasen

Die Wetterprognose der Amerikaner nimmt heute Abstand vom frühlingshaften Witterungstrend der vergangenen Tage. Der Kaltluftvorstoß wird auch nach dieser Wetterprognose unmittelbar über Deutschland blockiert und kippt nach Westen ab.

Gradientenschwäche als Chance für den Winter

Durch die Blockade fehlt es auch an Dynamik. Der Wind dreht ab dem 16. Januar auf westliche und zum 18. Januar auf südwestliche Richtungen und lässt die Temperaturen mit +4 bis +8 Grad und über dem Südwesten mit bis +12 Grad rasant ansteigen, doch kann sich die Kaltluft über Teile von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mit -1 bis +2 Grad behaupten. Eine markante Luftmassengrenze ist somit möglich.

Nachfolgend schwächt sich die Dynamik weiter ab, was die Temperaturen etwa nördlich einer Linie von Münster und Berlin um den Gefrierpunkt herum schwanken lässt, während weiter nach Süden mit +0 bis +4 Grad nasskalte Werte zu erwarten sind.

Eine über tieferen Lagen nasskalte Witterung - Kein durchgängiges Winterwetter

Temperaturen um den Gefrierpunkt schwankend, dazu eine hohe Tiefdruckaktivität sind im Winter die Schneebringer - hauptsächlich für die mittleren Lagen. Durch das Auf und Ab der Temperaturen wird es keine beständig winterliche Wetterlage geben und die Schneehöhe wird täglich anders performen. Entsprechend eng werden Freud und Leid bei den Freuden des Winterwetters beieinander liegen.

Ein Auf und Ab, keine beständige und nachhaltige Winterwetterlage
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Ein Auf und Ab, keine beständige und nachhaltige Winterwetterlage © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Möglichkeit von (hoch)winterlichen Wetterlagen

Das Resümee hat sich in den vergangenen 384 Stunden (16 Tage) kaum verändert. Das ist und bleibt bemerkenswert. Zum Hochwinter fehlt nicht viel und die Möglichkeit hierfür bleibt bestehen, doch haben sich die Wahrscheinlichkeiten in den vergangenen 48 Stunden in eine andere Richtung verschoben.

Welche Wetterentwicklung wahrscheinlich ist

Auch wenn die Vorhersage-Modelle eine Möglichkeit für den Winter offenbaren, so ist es nur eine Möglichkeit. Die Wahrscheinlichkeiten sind nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe für eine über tieferen Lagen nasskalten Wetterentwicklung deutlich höher einzustufen.

Die Temperaturen in 1.500 Meter Höhe gehen zum 15. Januar über dem Süden kurzzeitig auf bis -5 Grad zurück und pendeln sich darüber hinaus auf +0 bis -2 Grad ein. Etwas anders die Situation über dem Norden, wo mit Höhenwerten von -5 bis -7 Grad die Luftmassengrenze deutlicher zum Vorschein kommt und sich die Höhenkälte bis zum 20. Januar behaupten kann. Nachfolgend steigen die Werte auf bis -3 Grad an.

Die Höhenwerte sind ein Indikator für die Temperaturen über den tieferen Lagen. Insbesondere im Hinblick auf Winterwetter. So sind für den Flachlandwinter Höhenwerte von -5 bis -7 Grad und für den Winter ab den mittleren Lagen von -3 bis -5 Grad Voraussetzung. Das unterstreicht mehr als deutlich, wie knapp die kommende Wetterentwicklung im Hinblick auf Schnee, Regen, Winter und Milderung sein wird. Unter dem Strich aber ist für tiefere Lagen eine nasskalte Witterung sehr wahrscheinlich. Der Winter hat - mit Ausnahme der südlichen Regionen - eine gute Voraussetzung ab den mittleren Lagen. Schaun mer mal.

Keine winterliche Wetterentwicklung - erst recht keine hochwinterliche
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Keine winterliche Wetterentwicklung © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
16. Januar -4 bis
+6 Grad
+1 bis
+3 Grad
20. Januar -9 bis
+8 Grad
-1 bis
+2 Grad
25. Januar -7 bis
+14 Grad
+3 bis
+5 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2024
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2024 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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