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Wettertrend: Hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront - wie weit senkt sich der Winter ab?

| M. Hoffmann

Eine Sturmtiefserie wirbelt die Großwetterlage durcheinander und zum Wochenende kann mit einem Downstream-Development eine absinkende Schneefallgrenze bestaunt werden. Wie weit sich der Winter absenkt, hängt auch von der Intensität der Frontalzone und einem Hochdruckblock ab.

Wie weit wagt sich der Winter vor? © Martin Bloch
Wie weit wagt sich der Winter vor? © Martin Bloch

Sturm über Deutschland. Bis einschließlich Montag ist auch über tieferen Lagen mit Sturmböen zu rechnen und da viele Bäume noch belaubt sind, sollte man sich von diesen fernhalten - es gilt entsprechende Warnhinweise zu beachten: Unwetterwarnung || Warnlagenbericht || Windprognose. Über exponierten Lagen und den Küstenregionen können schwere Sturmböen auftreten und über höheren Lagen sind orkanartige Winde zu erwarten.

Kurze Wetterberuhigung, dann noch ein Sturm

Am Dienstag beruhigt sich das Wetter kurzzeitig. Der Wind und die Schauer lassen in ihrer Intensität nach. Bei auflockernder Bewölkung sind längere sonnige Momente möglich. Zur Wochenmitte kündigen dichte Wolkenfelder bereits das nächste Sturmtief an, welches Deutschland mit stürmischen Windböen von Mittwochnachmittag bis Donnerstag von West nach Ost überquert. Insbesondere über den Küsten und den exponierten Lagen sind stürmische Winde zu erwarten. Über höheren Lagen und in unmittelbarer Küstennähe sind schwere Sturmböen möglich und orkanartige Winde nicht auszuschließen. Weiter nach Süden schwächt sich der Wind zwar ab, bleibt in seiner Struktur jedoch ruppig. Erst zum Ende der Woche lässt der Wind auch über dem Norden nach, doch kann ein kleinräumiges System direkt über der Nordsee für einen anhaltend ruppigen Wind sorgen. Bei wechselnder Bewölkung kommt es zu weiteren Schauern unterschiedlichster Intensität. Die Temperaturen erreichen zum Start in die neue Woche noch +10 bis +15 Grad und sinken bis Ende der Woche auf +8 bis +12 Grad ab. Mehr dazu der aktuellen Wetterprognose zum Wetter November.

Stürmische Zeiten - Eine weiterhin aktiv-dynamische Wetterentwicklung
Die Windprognose: Stürmische Zeiten - Eine weiterhin aktiv-dynamische Wetterentwicklung © wxcharts.com

Wetterprognose der Europäer: Ein Schwall kühler Luftmassen

Der Sturm lässt zum Wochenende nach und die Wetterdynamik reißt ab. Der Grund ist ein Hoch, welches sich auf dem Atlantik nach Norden aufwölbt, die Tiefdruckrinne in ihrer Entwicklung stört und mit dem nach Osten abziehenden Sturmtief ein sog. Downstream Development in Gang setzt.

Schnee- und Graupelschauer dank frischer Luft vom europäischen Nordmeer

Das ehemalige Sturmtief dehnt sich bis zum 12. November über Osteuropa nach Süden aus und führt in Kombination mit dem Hochdruckkeil kühlere Luftmassen nach Süden. Die Temperaturen gehen über Deutschland, Österreich und der Schweiz auf +4 bis +8 Grad und örtlich auf bis +2 Grad zurück. Die Schaueraktivität bleibt erhalten und oberhalb von 600 bis 1.000 Meter können Schneeschauer erwartet werden. Da der Wind aus nördlichen Richtungen kommt, können die Schneeschauer über den Staulagen länger andauernd ausfallen und etwa oberhalb 1.000 Meter für die Ausbildung einer Schneedecke sorgen. Mit einer entsprechenden Schaueraktivität sind über tieferen Lagen Graupelschauer und vereinzelte Gewitter nicht auszuschließen.

Für die Jahreszeit zu warm

Über dem östlichen Kanada strömen in der Zwischenzeit kalte Luftmassen polaren Ursprungs in Richtung Neufundland. Infolge daraus bildet sich vom 12. bis 15. November ein imposanter Cluster des Polarwirbels aus, der sich von Kanada über Grönland bis nach Skandinavien erstreckt und an seinem südlichen Gradienten bis nach England reicht. Der Störimpuls auf dem Atlantik in Form eines Hochdruckkeils hat da wenig zu melden und wird bis Mitte November rasch nach Osten gedrückt.

Der Trog über Osteuropa löst sich auf und Deutschland gelangt voll in den Einflussbereich des Hochdruckkeils. Die Tiefdruckableger der Frontalzone laufen auf den Hochdruckkeil auf und die Kombination der beiden Wettersysteme sorgt für eine südwestliche Anströmung der Luftmassen. Die Temperaturen steigen bei einer nachlassenden Niederschlagsaktivität und einer zunehmenden Sonnenscheindauer auf +8 bis +12 Grad an. Örtlich können bis +14 Grad möglich sein. Kein Winterwetter.

Ein Downstream-Development lässt die Schneefallgrenze kurzzeitig bis auf die mittleren Lagen absinken, nachfolgend stellt sich jedoch eine für die Jahreszeit zu warme Südwestwetterlage ein
Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: Ein Downstream-Development lässt die Schneefallgrenze kurzzeitig bis auf die mittleren Lagen absinken, nachfolgend stellt sich jedoch eine für die Jahreszeit zu warme Südwestwetterlage ein © www.meteociel.fr

Wettertrend der Amerikaner: Downstream-Development mit Schneefall bis auf tiefere Lagen herab

Der Störimpuls auf dem Atlantik in Form eines Hochdruckkeils findet sich auch in der Wetterprognose der Amerikaner wieder. So beginnt das Sturmtief bereits zum 9. November von England aus nach Süden auszutrogen und erreicht - unter Abschwächung - Deutschland zum 10. November.

Winter über höheren, Graupelschauer über tieferen Lagen

Der Hochdruckkeil blockiert die Frontalzone über dem Atlantik bis mindestens zum 13. November und so bleibt dem Tief ausreichend Zeit, um sich über Mitteleuropa einzudrehen. Die Temperaturen erreichen am 10. November +7 bis +12 Grad und gehen bis zum 13. November auf +4 bis +8 Grad und örtlich auf bis +2 Grad zurück. In den Nächten ist mit Frost zu rechnen. Die Schneefallgrenze sinkt kurzzeitig auf 600 bis 800 Meter ab und oberhalb etwa 800 bis 1.000 Meter kann der Winter bestaunt werden. Über tieferen Lagen stellt sich eine nasskalte Witterung ein, wobei auch hier mit einer entsprechenden Dynamik und Intensität auch Graupelschauer nicht auszuschließen sind. Gehen die Schauer in der Nacht nieder, so ist eine angezuckerte Landschaft im Bereich des Möglichen.

Hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront

Der Trog hält sich aber auch in der Prognose der Amerikaner nicht sonderlich lange und driftet als Höhentief bis Mitte November über die östliche Mittelmeerregion ab. Von Westen drücken weitere Ausläufer der Frontalzone gegen den Hochdruckkeil, der sich bis Mitte November direkt über Mitteleuropa verlagert. Die Schaueraktivität lässt bei einer zunehmenden Sonnenscheindauer nach und mit einer südwestlichen Anströmung der Luftmassen erreichend die Temperaturen +8 bis +12 Grad und können mit einer entsprechenden Sonnenscheindauer auf bis +14 Grad ansteigen. Für die Jahreszeit ist das deutlich zu warm und an dieser Vorderseitenanströmung ändert sich bis zum 16. November wenig.

Durchbruch der Frontalzone - nasskaltes Wetter aus Nordwest

Im Zeitraum vom 17. bis 19. November gelingt einem weiteren Cluster der Frontalzone, sich über Skandinavien zu positionieren. Der Hochdruckkeil verlagert sich über das westliche Russland und über Spanien drängt der nächste Hochdruckkeil nach Norden. Insgesamt lässt sich eine hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront ausmachen, was in diesem Fall nasskalte Luftmassen aus nordwestlichen Richtungen nach Deutschland führt. Die Temperaturen gehen bis zum 20. November auf +4 bis +8 Grad zurück und können regional auf bis +2 Grad absinken. Das winterliche Geplänkel senkt sich wieder bis auf die höheren mittleren Lagen ab und mit einer entsprechenden Dynamik sind Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab möglich.

Hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront mit einem Auf und Ab der Temperaturen
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Hohe Wellenbewegung entlang der Polarfront mit einem Auf und Ab der Temperaturen © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Winter wird ab den höheren mittleren Lagen optional

Ein Durchbruch des Winters lässt sich auch aus den heutigen Prognosen nicht ableiten. Vielmehr sprechen die Vorhersagen für eine hohe Wetterdynamik, mit einem für den November so typisch abwechslungsreichem Wetter, was auch kurzzeitig zu einer Absenkung der Schneefallgrenze samt winterlichen Wettererscheinungen führen kann. Nachhaltig ist das aber alles nicht und nasskaltes Herbstwetter ist die bessere Definition der kommenden Großwetterlage.

Welches Wetter zu erwarten ist

Die Kontrollläufe stützen den überwiegend novembertypischen Wettercharakter. Bestätigt wird auch ein Auf und Ab der Temperaturen. Das Temperaturniveau in 1.500 Meter Höhe schwankt zwischen -1 und +5 Grad, was nochmals unterstreicht, dass der Winter unterhalb etwa 1.000 Meter - abgesehen von kurzzeitig winterlichem Geplänkel - keine Rolle spielen wird. Überdies aber setzt sich der Winter so langsam fest.

Die Gemeinsamkeiten der Kontrollläufe liegt heute erneut in einer wechselhaften und unbeständigen Wetterlage, welche bis zum 16. November eine erhöhte Schaueraktivität ermöglicht. Ferner nehmen mit ansteigendem Luftdruck die Niederschlagssignale ab. Der Wettertrend der vergangenen Tage mit einer lebhaften Westwetterlage in der zweiten November-Dekade und einer Wetterberuhigung zur letzten November-Dekade bestätigt sich heute. Schaun mer mal.

Das unbeständige Wetter hält an
Wettertrend nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Das unbeständige Wetter hält an © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
11. November +4 bis
+14 Grad
+8 bis
+10 Grad
15. November +4 bis
+16 Grad
+9 bis
+11 Grad
20. November +2 bis
+14 Grad
+7 bis
+9 Grad
Diagramm Temperaturen November 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe November 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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