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Wettertrend: Aus Hochsommer wird Spätsommer - oder?

| M. Hoffmann

Temperaturen von mehr als +30 Grad sind im September zwar möglich, doch ungewöhnlich. Ungewöhnlich auch deshalb, da diese sommerliche bis hochsommerliche Wetterlage seit dem 1. September Bestand hat und noch bis zum 12. September anhalten wird. Ein Wetterwechsel beendet zur Mitte der kommenden Woche die Hitzewelle und ob es in diesem Jahr noch einmal hochsommerliche Werte zu bestaunen gibt, bleibt abzuwarten - wie aber steht es um den Spätsommer - und wie um den Frühherbst?

Wetterwechsel -. Vom Hochsommer in den Spätsommer - oder doch in den Frühherbst?
Wetterwechsel -. Vom Hochsommer in den Spätsommer - oder doch in den Frühherbst?

Temperaturen von +26 bis +32 Grad und örtlich von bis +34 Grad ist noch bis Dienstag zu rechnen. Die Schwüle nimmt ab Sonntag zu und begünstigt die Ausbildung von Quellwolken. Doch rücken die Schauer und Gewitter nur zögerlich vor und so ist bis einschließlich Montag noch mit einem verbreitet trockenem Wettercharakter zu rechnen.

Wetterwechsel mit Unwetter

Die ersten Gewitter werden am Montagnachmittag über dem äußersten Nordwesten für etwas Abwechslung sorgen können. Die Gewitter gehören zu einer Unwetterfront, die sich in der Nacht auf Dienstag intensiviert und bis Mittwoch auch die östlichen Landesteile erreicht. Die Temperaturen kühlen sich bis Donnerstag auf +17 bis +23 Grad ab. Das gleicht einem Temperatursturz von bis zu 10 Grad. In der Übergangsphase ist mit unwetterartigen Wetterereignissen in Form von Blitz- und Hagelschlag, stürmischen Windböen und Platzregen zu rechnen. Da es sich um eine breit aufgestellte Front handelt, lassen sich für den Moment keine Schwerpunkte der Unwetteraktivität ausmachen. Bis Donnerstag aber sind die Unwetter durch und von Westen lassen die Schauer nach, die Bewölkung lockert auf und die Sonne kommt wieder vermehrt zum Vorschein. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter September.

Links die Prognose des deutschen Wettermodells, rechts die Niederschlagsprognose bis einschließlich dem 14. September
Links die Wetterprognose des deutschen Wettermodells, rechts die Niederschlagsprognose bis einschließlich dem 14. September © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Der Spätsommer und ein Störimpuls

Störimpulse - und das haben wir in diesem Jahr häufiger beschrieben - sind kleinräumige Tiefdruckakteure, deren Aufgabe darin besteht, eine nachhaltige Wetterentwicklung zu stören. Doch gelingt es den Störimpulsen in der Regel nicht, eine nachhaltige Veränderung der Großwetterlage herbeizuführen. Wie das funktionieren kann, zeigen die Wetterprognose der Europäer heute eindrucksvoll.

Südwestwetterlage mit sommerlichen Temperaturen

Der Wetterwechsel zur Wochenmitte verpufft regelrecht. Das Tief zieht - ohne sich weiter zu intensivieren - nach Osten ab und auf dem Atlantik beginnt von Island aus ein Tief nach Süden auszutrogen. So kommt Deutschland nur kurzzeitig in den Genuss einer kühleren Rückseitenströmung. Bereits zum Ende der kommenden Woche baut sich die nächste Vorderseitenströmung auf und befördert aus südlichen Richtungen warme Luftmassen nach Norden. Die Temperaturen steigen über Deutschland bis zum Wochenende auf +22 bis +26 Grad an und über dem Südwesten werden +28 Grad ins Spiel gebracht.

Der Störimpuls

Doch anstatt sich die Wetterlage stabilisiert und eine spätsommerliche Wetterphase einläutet, kapselt sich im Bereich vom europäischen Nordmeer und England ein Teil des Trogvorgangs ab und driftet in Form eines kleinräumigen Tiefdrucksystems über den Süden von Skandinavien, der Nord- und der Ostsee nach Osten. Deutschland wird von diesem Tief gestreift, was erneut zu unwetterartigen Wetterereignissen führen kann. Eine spätsommerlich stabile Wetterentwicklung aber wird gestört und die Temperaturen pendeln sich bis Montag auf +16 bis +21 Grad ein.

Links die spätsommerliche Wetterentwicklung im Aufbau, rechts der Störimpuls
Die Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Links die spätsommerliche Wetterentwicklung im Aufbau, rechts der Störimpuls © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Störimpulse ziehen an Deutschland vorbei

Die Wetterprognose der Amerikaner stützen die Entwicklung der Störimpulse, doch agieren diese in einer völlig anderen Art und Weise, wie es die Europäer simulieren.

Hochdruckkeil

Der Wetterwechsel ist bis zur Wochenmitte abgeschlossen und kann sich aufgrund fehlender Dynamik nicht weiter intensivieren. Bei Island entsteht bis zum 14. September ein weiteres Tiefdrucksystem, welches zum 15. September einen starken Impuls nach Süden setzt. Zur gleichen Zeit strebt über Mitteleuropa ein Hochdruckkeil nach Norden auf und festigt sich als Konterpart zum Trog. Was folgt, ist ein meridional ausgerichtetes Strömungsmuster, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz in eine südliche Anströmung der Luftmassen gelangen.

Südwestwetterlage - Störimpulse werden blockiert

Das Hoch ist kräftig strukturiert und hält dem Anrennen der Tiefdrucksysteme Stand. In Kombination dieser beiden Wettersysteme etabliert sich bis zum 25. September eine Südwestwetterlage. Zwar werden die Tiefdrucksysteme im zeitlichen Ablauf mächtiger und stärker, doch gelingt es nicht, die Hochdruckdominanz abzuschwächen. Mit der Zuführung feucht-warmer Luftmassen aus südwestlichen Richtungen ist mit einer erhöhten Schauer- und Gewitteraktivität zu rechnen. Die Temperaturen pendeln sich auf +20 bis +25 Grad und örtlich auf bis +27 Grad in den spätsommerlichen Bereich ein.

Tiefdruckdynamik wird blockiert - Warmluftzufuhr bis Ende September
Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Tiefdruckdynamik wird blockiert - Warmluftzufuhr bis Ende September © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Das Ende des Hochsommers

Daran hat sich auch heute nichts geändert. Der Hochsommer endet bis Mitte kommender Woche. Zu kräftig ist der Impuls, gegen den sich das Hoch nicht erwehren kann. Bestätigt wird der Wetterwechsel nicht nur von den Vorhersage-Modellen, sondern auch von den Kontrollläufen, welche zwischen dem 12. und 14. September einen Temperatursturz von 6 bis 8 Grad stützen.

Die wahrscheinliche Wetterlage

Ob der Wetterwechsel aber ausreicht, um in eine frühherbstliche Witterung überzuleiten, ist nach wie vor infrage zu stellen. Die Temperaturprognose der Kontrollläufe favorisiert im Zeitraum vom 15. bis 25. September ein Temperaturniveau, welches im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert über dem Norden um +0,5 bis +1,5 Grad und über dem Rest von Deutschland mit +1,5 bis +2,5 Grad zu warm ausfallen kann. Zwar bildet die Wetterprognose der Amerikaner im Vergleich zu den Kontrollläufen eine der wärmsten Varianten ab, doch Wettertrend der vergangenen Tage war ebenfalls zu warm, was eine südwestliche Ausprägung der Großwetterlage sehr wahrscheinlich macht. Deutlicher wird das auf der nachfolgenden Wetterkarte vom Mittelwert aller Kontrollläufe. Auf andere Art formuliert, ist ein Absturz in den Herbst so schnell nicht zu erwarten.

Die Niederschlagsprognose

Vom 12. bis 14. September ist die Niederschlagsneigung erhöht, wurde in den vergangenen 24 Stunden von den Kontrollläufen nach unten korrigiert. Ein erstes Indiz auf eine Erhaltungsneigung. Das zweite Indiz ist die nachfolgend niederschlagsarme Periode vom 14. bis 17. September. Überdies steigen die Niederschlagssignale in den leicht erhöhten Bereich an, was den Rückschluss auf eine ansteigende und lokal agierende Schauer- und Gewitteraktivität schließen lässt. Ein nachhaltiger Wetterwechsel in den Herbst lässt sich auch hieraus nicht ableiten. Schaun mer mal.

Kippmuster auf eine Südwestwetterlage
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kippmuster auf eine Südwestwetterlage © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
15. September +16 bis
+27 Grad
+19 bis
+21 Grad
19. September +11 bis
+29 Grad
+19 bis
+21 Grad
24. September +11 bis
+26 Grad
+18 bis
+20 Grad
Diagramm Temperaturen September 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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