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Auswirkungen auf den Winter: Major-Warming erreicht Mitte Februar seinen Höhepunkt

| M. Hoffmann
Bringt ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe noch einmal den Winter nach Deutschland? © Martin Bloch

Hoher Luftdruck dominiert das Wetter über Deutschland noch mindestens Mitte Februar. Währenddessen setzt sich in Stratosphärenhöhe ein Prozess in Gang, was das Wetter in der letzten Februar-Dekade noch einmal auf den Kopf stellen kann.

Der Sonnenschein wird in den nächsten Stunden von Norden langsam eingetrübt und bereitet ein weniger sonniges Wochenende vor. Etwas Regen ist möglich, doch sollte man nicht zu viel erwarten - verbreitet bleibt es trocken. Stürmische Windböen sind in der Nacht auf Samstag über den Küstenregionen nicht auszuschließen (Windprognose)

Grau und trüb oder Sonnenschein - Nebellotto

Ab Sonntag setzt sich über einigen Landesteilen mehr und mehr die Sonne durch, was einem Hochdrucksystem zu verdanken ist. Das Hoch zentralisiert sich zum Start in die neue Woche direkt über Deutschland und so können sich bei schwachen Winden zähe Nebelfelder ausbilden, die sich am Tage mancherorts nicht mehr auflösen werden oder in eine hochnebelartige Bewölkung übergehen können. Die Temperaturen werden in den Nächten zunehmend frostfrei, wobei der Nachtfrost zum Start in die neue Woche wieder eine Rolle spielen kann. Am Tage einigen sich die Temperaturen auf +6 bis +12 Grad und mit Sonnenschein sind über dem Westen bis +14 Grad möglich. Herrscht Dauernebel vor, ist es mit +2 bis +4 Grad frischer. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Februar.

Ein Omegahoch über Deutschland
Wetterprognose nach dem deutschen (li.) und europäischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Omegahoch über Deutschland © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Markanter Wetterumschwung

Beeindruckend ist die Omegaformation des Hochdrucksystems (Ω) und für gewöhnlich handelt es sich um ein langlebiges Konstrukt, dass nach der Wetterprognose der Europäer das Wetter über Deutschland noch bis zum 16. Februar wird dominieren können.

Atlantische Frontalzone gewinnt an Dynamik - das Hoch zieht sich zurück

Die Vorhersage der Europäer favorisiert einen Wetterwechsel ab der zweiten Monatshälfte seit einigen Tagen und bestätigt heute diesen Trend. Der Polarwirbel greift über Kanada und Grönland weiter nach Süden aus und befeuert die atlantische Frontalzone zum 16. Februar im Bereich von Neufundland und Island. Bereits zum 18. Februar greift ein Sturmtief über das europäische Nordmeer auf Skandinavien über und zwingt das Hoch über Deutschland in die Defensive.

Bis zum 19. Februar positioniert sich das Hoch im Bereich zwischen den Azoren, Island, Frankreich und Spanien auf dem Atlantik. Die atlantische Frontalzone festigt ihre Position zwischen der Barentssee und Skandinavien. Da das Hoch westlich von Mitteleuropa liegt, kippt die Grundströmung über Deutschland, Österreich und der Schweiz auf nordwestliche Richtungen.

Wechselhaftes, windiges und für die Jahreszeit zu warmes Wetter

Deutschland ist von diesem Umbauprozess sekundär betroffen und es dauert seine Zeit, bis sich der hohe Luftdruck vollständig zurückgezogen hat. Doch werden die Wolken aus nordwestlichen Richtungen nicht nur zahlreicher, sie werden auch dichter und bringen etwas Niederschlag nach Mitteleuropa. Der Wind frischt auf und es nur eine Frage der Zeit, bis der Wind mithilfe von Randtiefentwicklungen zu stürmischen Windböen führen kann. Die Temperaturen bleiben vorerst mit +6 bis +12 Grad und mit Sonnenschein bis +14 Grad für die Jahreszeit zu warm.

Erst, wenn sich das Hoch auf dem Atlantik als Blockadehoch positioniert, kann die Grundströmung über Mitteleuropa auf Nord kippen und eine nasskalte Witterung einläuten, was den Winter ab den mittleren Lagen optional machen kann.

Das Omegahoch bekommt von Norden einen Dämpfer verpasst
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Das Omegahoch bekommt von Norden einen Dämpfer verpasst © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Das Hoch will nicht weichen

Aber auch die Amerikaner bleiben ihrer Prognose der letzten Tage treu. Das Hoch erweist sich als stabil und wandelt seine Form bis zu 21. Februar.

Omegawetterlage geht in ein Displacement des Polarwirbels über

Der Polarwirbel zeigt sich bis zum 18. Februar in Bestform und rotiert in einem Bereich, der sich von Kanada über das europäische Nordmeer bis über die Barentssee erstreckt. Weiter nach Süden herrscht das Omegahoch, das sich bis zum 19. Februar weiter abflacht, doch mächtig gegen den Polarwirbel drückt, was letztlich eine Verschiebung des Aktivitätsradius des Polarwirbels zur Folge hat. Und so bleibt nach dem Wettertrend der Amerikaner der hohe Luftdruck bis zum 23. Februar erhalten.

Die Hochdruckzone dominiert das Wetter über Deutschland noch bis in die letzte Februar-Dekade hinein
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Die Hochdruckzone dominiert das Wetter über Deutschland noch bis in die letzte Februar-Dekade hinein © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Stabiler Polarwirbel oder zunehmende Unsicherheiten - welche Rolle spielt der Winter noch?

Beeindruckend ist in den obenstehenden Wetterkarten die Stabilität des Polarwirbels, was mit einem Major-Warming in Stratosphärenhöhe derzeit infrage gestellt werden kann. Die kommenden Tage werden zeigen, was tatsächlich möglich ist und was nicht.

Instabiler Polarwirbel?

Kurz zum Major-Warming in Stratosphärenhöhe, das seine 3. Phase zum 15. Februar erreicht und die Windgeschwindigkeiten in der Stratosphärenhöhe von aktuell +111 km/h bis zum 15. Februar auf +0 km/h absinken und zum 17. Februar mit -18 km/h in die entgegengesetzte Richtung drehen lässt. Auf andere Art formuliert, bricht der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe in sich zusammen und dreht sich in eine entgegengesetzte Richtung (Ost-West), als es die unteren Luftschichten (West-Ost) tun.

Erfahrungsgemäß setzt sich der Wirkmechanismus mit einem Zeitversatz von 4 bis 7 Tagen in den unteren Luftschichten durch, was im Zeitraum vom 19. bis 22. Februar der Fall sein sollte. Da stehen ein paar spannende Tage bevor, zumal sich der Polarwirbel in Stratosphärenhöhe von dieser Erwärmung nicht mehr erholt und ein Final-Warming ins Spiel bringen kann.

Major-Warming Phase 3 mit nachfolgendem Übergang in ein Final-Warming
Major-Warming Phase 3 mit nachfolgendem Übergang in ein Final-Warming © www.meteociel.fr

Und der Winter?

Sagen wir mal so - bis zum 17. Februar ist mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein hochdruckdominierter und für die Jahreszeit viel zu warmer Wettercharakter zu erwarten. Daran hat sich in den vergangenen 24 Stunden nichts geändert und ist auch nichts Neues. An diesem Umstand wird auch ein Major-Warming nichts ändern können. Im nachfolgenden Zeitraum aber nehmen die Unsicherheiten zu.

Ob daraus noch einmal eine winterliche Wetterlage wird entspringen können, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen sind mit einem Major-Warming gegeben, doch die Grundlagen sind mit einem bislang viel zu warmen Winter, einem zu warmen Atlantik, Nord- und Ostsee alles andere als gut. Es bedarf schon einer ganz besonderen Wetterlage, um den Winter in seiner Schlussphase noch einmal wirken zu lassen.

Schaun mer mal - nachfolgend haben wir solche Winter-Kracher einmal gegenübergestellt. Auffällig ist - und darauf sollten Freunde des Winterwetters achten - das Hoch auf dem Atlantik, welches in Blockadeformation nach Norden aufstrebt und so erst einen Arctic Outbreak ermöglichen kann.

Mögliche Auswirkungen eines Major-Warmings auf den Polarwirbel
Mögliche Auswirkungen eines Major-Warmings auf den Polarwirbel © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
15. Februar +6 bis
+12 Grad
+8 bis
+10 Grad
19. Februar +1 bis
+13 Grad
+8 bis
+10 Grad
24. Februar -2 bis
+14 Grad
+7 bis
+9 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Nächste Aktualisierung

© Bild - Martin Bloch

Update der Wetterprognose von 20:24 Uhr

Heute Abend keine wesentlichen Veränderungen in den Prognosen. Das Hoch bleibt bis mindestens dem 17. Februar in einer für Deutschland dominanten Position. Darin stimmen die Wetterprognosen des deutschen, des amerikanischen und des europäischen Wettermodells überein.

Für die Jahreszeit viel zu warm und zu trocken

In den meist klaren Nächten ist mit leichtem Frost zu rechnen. Am Tage steigen die Temperaturen verbreitet auf +6 bis +10 Grad an und können über dem Westen bis +12 Grad und phasenweise bis +14 Grad ermöglichen. Dem Frühling damit näher als dem Winter.

Bis zum 17. Februar dominiert ein Hochdrucksystem das Wetter über Deutschland
Wetterprognose nach dem deutschen (li.) europäischen (mi.) und amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Bis zum 17. Februar dominiert ein Hochdrucksystem das Wetter über Deutschland © www.meteociel.fr

Wetterwechsel

Bestätigt wird heute Abend ein noch differenzierter Wetterwechsel, der sich zwischen dem 18. und 20. Februar vollziehen kann.

Westwetterlage

Die Wettervorhersage der Amerikaner berechnet eine Ausdehnung des Polarwirbels von Kanada und Grönland in Richtung europäisches Nordmeer und der Barentssee. Das sorgt für ein defensives Verhalten des Hochdrucksystems, dass sich weiter nach Süden zurückzieht und weitgehend seinen Einfluss auf das Wettergeschehen verliert. Stattdessen wird die atlantische Frontalzone aktiver und dynamischer. Bis zum 22. Februar gelingt der Durchbruch und nachfolgend setzt sich ein westliches Strömungsmuster durch. Das Wetter wird bis Ende Februar unbeständiger und auch windiger. Bei Temperaturen von +4 bis +8 Grad und örtlich bis +10 Grad ist nicht mit winterlichen Wetterverhältnissen zu rechnen.

Die Westwetterlage
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Westwetterlage © www.meteociel.fr

Kippmuster

Bei der Wettervorhersage der Europäer ergibt sich noch ein Spielraum.

Das Hoch lässt sich nicht so ohne Weiteres nach Süden drücken und strebt zum 19. Februar über dem Atlantik nach Norden auf. Der Frontalzone wird somit etwas entgegengesetzt, was das Strömungsmuster über Deutschland auf nordwestliche Richtungen drehen lassen kann.

Keilt das Hoch etwas weiter nach Norden in Richtung Island und Grönland auf, so kann sich - in der Hypothese - eine nördliche Grundströmung entwickeln. Wir haben das einmal mit einem Kontrolllauf gegenübergestellt.

Ein breiter Interpretationsspielraum
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ein breiter Interpretationsspielraum © www.meteociel.fr

Was erwartbar ist

Das Hoch ist bis zum 17. Februar mit einem trockenen, sonnigen, teils nebligem und warmen Wetter absolut erwartbar. Überdies bleiben die Varianten breit gestreut und lassen einen größeren Interpretationsspielraum zu. Hinzu kommt noch ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe, was die Wetterprognose in den kommenden Tagen vielseitiger und auch sprunghafter werden lässt.

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