Wettertrend: Welche Richtung schlägt der Winter im Februar ein?

| M. Hoffmann
Wie stehen die Chancen auf einen winterlichen Februar?

Die Großwetterlage steht von einem strukturellen Umbau, doch in welche Richtung das gehen wird, ist noch nicht klar, doch zeichnete sich in den letzten Stunden eine zunehmend wahrscheinliche Entwicklung ab.

Die Wetterprognose von heute Nachmittag sah zunächst einmal mit einem Trogvorstoß über Mitteleuropa vielversprechend aus und hätte den Winter über der Südhälfte bis in den Februar hinein verlängern können.

Doch mit dem 1. Februar füllte sich über dem Bereich von Kanada, Grönland, Island und dem europäischen Nordmeer ein Kaltluftsee auf, der mit seinem südlichen Gradienten auf den Atlantik gelangt. Das hat in der ersten Februar-Dekade unmittelbare Auswirkungen auf die Entwicklung der Großwetterlage. Warum das so ist, zeigt sich auch in der Wettervorhersage von heute Abend - dazu gleich mehr.

Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag - Trog über Mitteleuropa mit nachfolgender Hochdruckzone
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag - Trog über Mitteleuropa mit nachfolgender Hochdruckzone © www.meteociel.fr

Displacement des Polarwirbels

Zunächst einmal die Grundlagen. Man beachte einmal die gewaltige Zentralisierung des Polarwirbels, der mit aller Macht versucht, den Hochdruckeingriff zu verhindern. Seit einigen Tagen spielt ein Displacement des Polarwirbels die Favoritenrolle für die weitere Wetterentwicklung. Die Verschiebung des Polarwirbels findet meist mithilfe einer gewaltigen Hochdruckzone von den Azoren- bis zum Kontinentalhoch statt, bei der ein Hoch über der Polarregion noch den letztlichen Impuls setzen kann.

Major-Warming

Die Ursache für ein Displacement ist in den meisten Fällen ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe, das seinen ersten Höhepunkt am 23. Januar und einen weiteren Anfang Februar hat. Nachfolgend ist von Polarwirbel in Stratosphärenhöhe nicht mehr viel übrig.

Die Windgeschwindigkeiten

Aktuell betragen die Windgeschwindigkeiten in Stratosphärenhöhe +162 km/h und sinken bis Anfang Februar auf +18 bis +36 km/h ab. Die Winde bleiben für den Moment im positiven Bereich und damit fehlt der letzte - aber maßgebliche Indikator für ein Major-Warming. Der negative Trend von bis zu -18 km/h der letzten Tage wurde heute nicht bestätigt! Die unteren Luftmassen aber werden mit einer höheren Wahrscheinlichkeit dennoch beeinflusst werden können.

Schaut man sich die nachfolgenden Berechnungen der Stratosphäre an, so kann man die Frage stellen, ob der Polarwirbel in den oberen Schichten sich überhaupt noch einmal erholen kann - Schaun mer mal.

Das Warming in Stratosphärenhöhe in seinen unterschiedlichen Phasen
Das Warming in Stratosphärenhöhe in seinen unterschiedlichen Phasen © www.meteociel.fr

Druckanomalien

Doch trotz eines Displacements können sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz winterliche Wetterlagen ergeben. Mehrheitlich ist das dann der Fall, wenn die Hochdruckzone weiter nördlich gelagert ist.

Ostwetterlage

Mit einer Hochdruckzone, die über dem europäischen Nordmeer ihren Ursprung hat und sich bis über die Karasee hinweg ausdehnen kann, hätte eine blockierende Wirkung auf den Polarwirbel und zugleich würde am südlichen Hochdruckgradienten die Grundströmung auf östliche Richtungen drehen können. Der Blick auf die Druckanomalien lässt diesen - engen - Spielraum zu.

Links und in der Mitte die Druckanomalien - rechts ein Displacement eines ausgesuchten Kontrolllaufes mit einer Ostwetterlage über Deutschland
Links und in der Mitte die Druckanomalien - rechts ein Displacement eines ausgesuchten Kontrolllaufes mit einer Ostwetterlage über Deutschland © www.meteociel.fr

⁣Das, was wahrscheinlich ist

Neben einem Displacement des Polarwirbels tauchen auch immer wieder Varianten in den Kontrollläufen auf, die einen Polarwirbelsplit oder einen völligen Zusammenbruch des Polarwirbels berechnen. Rückblickend aber haben diese Varianten in den letzten 24 Stunden an Bedeutung verloren.

Wahrscheinlicher ist nach wie vor ein Wettertrend, der sich in den letzten 7 Tagen schon abzeichnete. Der Trogansatz zum Start in den Februar kommt, doch kippt das System im letzten Moment nach Osten ab. Eine rein meridional verlaufende Nord-Süd-Zufuhr kalter Luftmassen polaren Ursprungs (Arctic Outbreak) wird so nicht möglich sein. Und wenn doch, so hätte das über dem Norden durch die warme Nord- und Ostsee eine nasskalte Wetterentwicklung zur Folge. Der Favorit aber ist und bleibt die nasskalte Nordwestwetterlage.

Ansteigender Temperaturtrend

Die Temperaturen erreichen Ende Januar südlich einer Linie von Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern +2 bis -2 Grad, was die winterliche Landschaft dort oberhalb etwa 300 bis 500 Meter erhalten sollte. Weiter nach Norden steigen die Temperaturen mit +3 bis +6 Grad und über dem Nordwesten bis +8 Grad in den durchweg nasskalten Bereich an.

Das Kälteaggregat hält über dem Süden von Baden-Württemberg und Bayern sowie über dem östlichen Mittelgebirgsrand mit Werten von +0 bis +4 Grad noch bis zum 4. Februar durch, während über dem Westen die +10 Grad-Marke überschritten werden kann. Nach und nach weicht auch der Winter über dem Süden.

Das ist die im Moment wahrscheinlichste Wetterentwicklung, doch zeigt sich ab dem 30. Januar in den Kontrollläufen eine höhere Diskrepanz, bei der die Temperaturen in 1.400 Meter im Bereich von +4 bis -12 Grad schwanken. Der Mittelwert der Höhentemperaturen liegt am 4. Februar zwischen -4 und -7 Grad. Für den Flachlandwinter werden Anfang Februar zwischen -5 und -7 Grad benötigt. Also ja, der Wettertrend bleibt bis auf weiteres nasskalt besetzt, bei der sich der Winter ab den mittleren Lagen alle Optionen offen hält - abwarten!

Der Klops über Kanada und Grönland aber spricht eine sehr deutliche Sprache!

Kommt der Hochdruckkeil zum Ende des Monats über dem Atlantik zustande, bekommt der Winter eine Chance - andernfalls wird der Kaltluftsee zwischen Kanada und Grönland eine dominierende Rolle spielen können
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kommt der Hochdruckkeil zum Ende des Monats über dem Atlantik zustande, bekommt der Winter eine Chance - andernfalls wird der Kaltluftsee zwischen Kanada und Grönland eine dominierende Rolle spielen können © www.meteociel.fr

Was die Vorhersage-Modelle heute Abend berechnen

Die Amerikaner lassen den Trog bis zum 1. Februar zustande kommen, nachfolgend aber kippt dieser nach Osten ab und das Azorenhoch verlagert sich in Richtung Europa. In diesem Prozess gelingt es dem Hoch nicht nach Norden aufzukeilen und liegt mit seinem Kern direkt über Deutschland, was bis zum 7. Februar mit bis +14 Grad eine frühlingshaft warme Witterung ermöglichen kann.

Zunächst der Trog Ende Januar, gefolgt von einer Hochdruckblase im Februar
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Zunächst der Trog Ende Januar, gefolgt von einer Hochdruckblase im Februar © www.meteociel.fr

Die Wetterprognose der Europäer lässt den Trog ein Stück weit westlicher niedergehen, was das Potential von Starkwindereignissen zum Monatswechsel erheblich ansteigen lässt. Schwere Sturmböen, bis hin zu orkanartige Winde wären nicht auszuschließen. Durch den Umstand, dass der Trog westlicher niedergeht, gelangen die kalten Luftassen für einen kurzen Moment direkt nach Deutschland, zudem lässt sich auf dem Atlantik ein nach Norden aufkeilendes Hochdrucksystem beobachten, dass jedoch - ähnlich wie bei den Amerikanern - abkippt und nachfolgend eine nordwestliche Ausrichtung der Grundströmung ermöglicht. So wird das nichts mit dem Winter!

Eine nasskalte Wetterentwicklung im Februar, welche den Winter bis auf die höheren mittleren Lagen zurückweichen lässt
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Eine nasskalte Wetterentwicklung im Februar, welche den Winter bis auf die höheren mittleren Lagen zurückweichen lässt © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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