Wetterprognose: Mit Hochdruck und Hitze in den Herbst?

Ein hochsommerlich heißer Start in den Herbst?

Baut sich nach den Unwettern über Deutschland eine weitere Hochdruckzone über Mitteleuropa auf und dominiert das Wetter bis in den September hinein?

Schwachgradientiges Wetter. Eine schwache Störung hat Deutschland erreicht und sorgt in den kommenden Tagen immer wieder für Schauer und Gewitter, die im Schwerpunkt am Donnerstag und Freitag unwetterartig ausfallen und regional für Überflutungen und Sturzfluten sorgen können (Gewitterradar).

Die Temperaturen erreichen anfangs noch verbreitet die +30 Grad-Marke und können über dem Osten noch bis +34 Grad ermöglichen, doch kühlt es mit den Schauern und Gewittern auf +20 bis +25 Grad ab und mit einer länger andauernden Niederschlagsleistung können die Werte auf bis +17 Grad zurückgehen, während mit Sonnenschein bis +27 Grad möglich sein können. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter August 2022.

Nach den Unwettern dehnt sich ein Hochdruckkeil in Richtung Europa aus
Die Wetterprognose des europäischen und amerikanischen Wettermodells: Nach den Unwettern dehnt sich ein Hochdruckkeil in Richtung Europa aus © www.meteociel.fr

Wo sind die Unwetter zu erwarten?

Die Cluster sind kleinteilig und konzentrieren sich in Schwerpunkten auf die Gebiete südlich der Donau, sowie über den östlichen Landesteilen, während über dem Westen und Norden die Niederschlagssignale weiter nach unten korrigiert wurden, sodass weite Teile von Deutschland trocken bleiben können. Gleichwohl bleibt über dem Süden und Osten das Potential von regionalen Überflutungen und Sturzfluten aufgrund des harten und trockenen Bodens auf einem hohen Niveau.

Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Über dem Süden und Osten teils unwetterartiger Starkregen mit regionaler Sturz- und Überflutungsgefahr
Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Über dem Süden und Osten teils unwetterartiger Starkregen mit regionaler Sturz- und Überflutungsgefahr © windy.com

Wie startet das Wetter in den meteorologischen Herbstanfang?

Mit dem September endet der meteorologische Sommer und die herbstliche Jahreszeit nimmt ihren Anfang. Das Wetter aber ist bis weit in den September hinein noch vom Spätsommer geprägt und kann auch im Oktober noch zum Altweibersommer führen.

Geprägt sind diese Wetterlagen von hohem Luftdruck, der sich in der letzten August-Dekade einstellt. Je nach Ausrichtung und Stabilität des Hochdrucksystems kann das Wetter bis weit in den Oktober hinein beeinflusst werden. Warum das so ist? Die Temperaturen der Land- und Wassermassen gleichen sich September und Oktober immer weiter an und dieser Effekt nimmt die Dynamik aus dem System. Manch einer wird sich sicherlich fragen: Welche Dynamik?, doch die aktuelle Wetterlage ist und war geprägt von steten Vorstößen atlantischer Frontensysteme in Richtung Europa, von denen es aber keiner weit gebracht hat.

Tiefdruckstörung mit Potential

Das aktuelle Tief, was in den kommenden Stunden zu unwetterartigen Starkniederschlägen führen kann, war so ein Kandidat, der die Großwetterlage hätte, mit einem Trogprozess in eine frühherbstliche Richtung hätte kippen lassen können, doch das Hoch positioniert sich zwischen Skandinavien und dem westlichen Russland, was ein Austrogen wenig und ein Auflaufen sehr wahrscheinlich macht.

Übergangsweise die Südwestwetterlage

Da die Tiefdruckdynamik auf das Hoch aufläuft, entsteht zwischen den Fronten eine Südwestwetterlage, die bis zum 24. August schwül-warme Luftmassen nach Deutschland führen und so für weitere Schauer und Gewitter sorgen kann.

Hochdruckaufbau

Im Zeitraum vom 24. bis 26. August verlieren die Tiefdrucksysteme an Dynamik und schwächen sich ab, was das Hoch zwischen Skandinavien und dem westlichen Russland kräftiger werden lässt und Kontakt zum Azorenhoch aufbauen kann.

Hochsommerlich heiß

Diese Hochdruckzone ist - je nach Vorhersage-Modell - als stabil bis instabil zu bewerten. Doch es ist egal, wie man es betrachtet, das Wetter über Deutschland wird vom 22. August an erneut von hohem Luftdruck dominiert werden können, was ein ansteigendes Temperaturniveau zur Folge haben wird. Simuliert werden bspw. für den 23. August +26 bis +32 Grad und für den 26. August örtlich bis +34 Grad - Hitze ist und bleibt somit ein Thema.

Hoher Luftdruck dominiert das Wetter in der letzten August-Dekade
Die Wetterprognose des europäischen und amerikanischen Wettermodells: Hoher Luftdruck dominiert das Wetter in der letzten August-Dekade © www.meteociel.fr

Eingelagerte Störimpulse

Der - mächtige - Hochdruckkern liegt jedoch zu weit östlich, um das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz allumfassend und dauerhaft dominieren zu können. Zudem zeigen die Vorhersage-Modelle in den obenstehenden Wetterkarten, wie eingelagerte Störungen - trotz der Hochdruckdominanz - immer wieder für Schauer und Gewitter sorgen können.

Mit Hochdruck und Hitze in den Herbst?

Doch die Störimpulse sorgen lediglich für regionale Schauer und Gewitter. Und betrachtet man die Wetterprognose der Amerikaner, so verlängert sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die Hochdruckdominanz bis in den September hinein. Bspw. werden von den Amerikanern für den 2. September Tageshöchstwerte von +30 bis +35 Grad und örtlich bis +38 Grad in Aussicht gestellt, was ungewöhnlich heiß für den September ist und sogar weitere Wüstentage ermöglichen kann.

Zudem fehlen die flächendeckenden Niederschläge vollständig, was die Dürre über weite Teilen von Deutschland weiter verschärfen wird.

Eine extreme Hitze-Variante
Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Eine extreme Hitze-Variante © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Wie wahrscheinlich sind Hitze und Dürre zum Herbstbeginn?

Schon seit Tagen berechnet die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle dieses Hochdrucksystem, bei dem die Tiefdrucksysteme nur unter bestimmten Voraussetzungen Chancen auf Erfolg hätten. In der gestrigen Prognose der Kontrollläufe wurde der Einfluss der Tiefdrucksysteme auf das Wetter über Deutschland auf null gesetzt.

Heute nun eine leichte Korrektur, bei der zumindest eingelagerte Störimpulse mitsamt ihren instabilen Luftmassen in Form von Schauern und Gewittern für etwas Abwechslung sorgen können. Viel an Niederschlag ist jedoch nicht zu erwarten, darin ist sich die Mehrheit der Kontrollläufe einig.

Erheblich zu warm

Das Temperaturspektrum in rund 1.500 Meter Höhe erstreckt sich im Mittelwert aller Kontrollläufe am 26. August zwischen +12 bis +17 Grad, was über tieferen Lagen die Temperaturen - im Mittel - auf +26 bis +28 Grad ansteigen lassen kann. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert ist das Temperaturniveau um +4 bis +6 Grad und regional um bis +8 Grad für die Jahreszeit zu warm.

Die Wetterprognose der Amerikaner und der Europäer sind bis zum 28. August im Einklang mit den Kontrollläufen, was über Deutschland, der Schweiz und Österreich eine hochsommerliche Wetterlage mit weiteren Hitze-Tagen sehr wahrscheinlich macht. Zudem sind weitere Wüstentage mit mehr als +35 Grad nicht auszuschließen.

Nach dem 28. August geht der Wettertrend der Kontrollläufe und der des amerikanischen Wettermodells auseinander. Die Amerikaner bilden mit Abstand die wärmste Variante ab, während der Mittelwert der Kontrollläufe den Temperaturüberschuss auf +3 bis +5 Grad und örtlich bis +2 Grad etwas abmildert. Das ändert aber nichts an einem für die Jahreszeit zu warmen Temperaturtrend.

Eine weitere Hochdruckwetterlage zeichnet sich ab, ob diese aber bis zum meteorologischen Herbstbeginn nachhaltig das Wetter über Deutschland dominieren kann, bleibt für den Moment noch infrage zu stellen
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine weitere Hochdruckwetterlage zeichnet sich ab, ob diese aber bis zum meteorologischen Herbstbeginn nachhaltig das Wetter über Deutschland dominieren kann, bleibt für den Moment noch infrage zu stellen © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
24. August +21 bis
+34 Grad
+25 bis
+27 Grad
28. August +18 bis
+36 Grad
+25 bis
+27 Grad
2. September +19 bis
+38 Grad
+23 bis
+25 Grad
Diagramm Temperaturen August 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Der Herbst- und Wintertrend des Langfristmodells

Der September und auch der Dezember bilden mit einer Temperaturabweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem Klimamittelwert von 1961 und 1990 die kältesten Monate im Herbst und Winter ab. Der Oktober, November, Januar und Februar werden mit einer Abweichung von +2 bis +4 Grad erheblich zu warm simuliert, was am Ende zu einem um +1 bis +3 Grad zu warmen Herbst (91/20: +0,5 bis +2,5 Grad) und Winter (91/20: -0,2 bis +1,8 Grad) führen kann.

Die Niederschlagsprognose ist im September und Februar leicht positiv, sonst sind die Herbst- und Wintermonate neutral, mit einem etwas zu trockenen Trend besetzt.

August auf Rekordkurs

Noch ein kleiner Nachtrag zum Schluss. Der heißeste August seit Beginn der Wetteraufzeichnungen stammt aus dem Rekordsommer 2003, bei dem der August eine durchschnittliche Temperatur von +20,54 Grad erzielte und nach dem Klimamittelwert um +4,05 Grad zu warm ausfiel. Der August 2022 hat aktuell eine Durchschnittstemperatur von +20,98 Grad und eine Abweichung von +4,48 Grad vorzuweisen. Kumuliert man die letzten August-Tage, so kommt am Ende eine Differenz von +4,17 bis +4,57 Grad zustande. Somit ist der August 2022 auf Rekordkurs!

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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