Winterprognose: Der Blick auf die Randfaktoren - Schnee für alle oder droht ein Supermildwinter?

Ein kalter Winter über Deutschland mit viel Schnee? © Martin Bloch

Wie wird der das Wetter im Herbst und wie im Winter 2022/23? Noch ist es zu früh, um ausführlich darüber zu spekulieren, aber was spricht nach einem extremen Frühling und Sommer für eine zu warme und was für eine normale oder gar zu kalte Wintersaison?

Das Wetter war nicht nur im Frühjahr, sondern auch im Sommer außergewöhnlich. Außergewöhnlich deshalb, da zum aktuellen Stand die Monate März, Mai, Juni, Juli und August erheblich zu warm und extrem trocken ausgefallen sind. Über Deutschland herrscht momentan eine Dürre, wie man sie so noch nicht gesehen hat.

Bilanziert man den Sommer 2022, so ist das - zum aktuellen Stand - mit einer Sollerfüllung von 42 Prozent der trockenste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und lässt den Dürresommer aus dem Jahre 2018 (Sollerfüllung 53 Prozent) weit hinter sich. Doch noch sind ein paar Tage Zeit, um das extreme Defizit noch etwas abzuschwächen. Abwarten (Wetter Sommer 2022). Die durchschnittliche Temperatur lag bei 19,02 Grad und weist eine Abweichung gegenüber dem Mittelwert von 1961 und 1990 um +2,8 Grad auf. Der Rekordsommer aus dem Jahre 2003 brachte es auf eine durchschnittliche Temperatur von +19,67 Grad (Abweichung: +3,38 Grad). Die Sommer aus dem Jahre 2003 (+3,4 Grad), 2018 (+3,03 Grad) und 2019 (2,95 Grad) waren noch wärmer. Doch auch hier ist das letzte Wort noch nicht getippt und viel hängt davon ab, ob es die Erhaltungsneigung in der letzten Augustdekade schafft, für eine weitere Hitzeperiode zu sorgen.

Großwetterlagen dauern länger an

Mit ein Grund, warum das Wetter in diesem Jahr so außergewöhnlich war, lag an der meridionalen Grundströmung, was die Luftmassen überwiegend aus südlichen und kurzzeitig aus nördlichen Richtungen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führte. Außergewöhnlich ist zudem, dass die Großwetterlagen zunehmend länger andauern (Klimaerhitzung: Mehr Hitze und Trockenheit aufgrund eines schwachen Golfstromes und meridionalen Großwetterlagen?) und eine Westwetterlage (zonale Grundströmung) - die über Europa eigentlich einmal normal ist/war hat es letztmalig in ausgeprägter und nachhaltiger Form im Winter 2019/2020 gegeben.

Wie wird der Winter 2022/23?

Hat der Wetterverlauf in diesem Jahr Auswirkungen auf das Wetter im Winter, wird es einen schneereichen Winter geben? Ein paar wenige Experten glauben, dass der Winter außergewöhnlich kalt wird, einige wiederum glauben, dass es einen erneuten Supermildwinter geben wird. Glauben heißt aber nicht Wissen. Wir haben uns das einmal näher angeschaut.

Zu warmes Winterwetter

Was spricht für einen zu warmen Winter? Zwei Faktoren sind zu benennen. Der erste Faktor ist, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz in einer gemäßigten Klimazone liegen. Extrem kalte Wetterverhältnisse sind im Winter selten anzutreffen - ein richtiger Eiswinter kommt nicht so häufig vor. Vielmehr sind die Winter von nasskalten Temperaturen geprägt und in Zeiten der Klimaerhitzung pendeln sich die Werte meist zwischen +0 bis +5 Grad ein. Damit es passt und der Winter tatsächlich zu kalt wird, müssen gleich mehrere Faktoren zusammenkommen - dazu aber später mehr.

Der zweite Faktor ist die Klimaerhitzung - und der ist zugleich der gewichtigste Faktor. Der letzte - normale - Winter stammte aus dem Jahre 2011/12. Die letzten neun Winter sind deutlich zu warm ausgefallen. Im Schnitt waren die letzten 20 Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 etwa um +1,3 Grad zu warm. Wenn man zu einer Schlussfolgerung kommt, dass der Winter 2022/23 zu warm ausfallen wird, so hätte man der Statistik nach eine Trefferquote von 65 Prozent (zu kalt 20 Prozent) - das ist signifikant.

Im Winter 2020/21 gab es zwar ausreichend Schnee - auch im Flachland - doch am Ende war dieser für manch einen Winterfan erfreuliche Winter um +1,6 Grad zu warm (91/20: +0,4 Grad). Der letzte Winter 2021/22 war in Sachen Flachlandschnee hingegen ein Totalausfall.

Winter 2022/23 normal oder gar zu kalt?

Es gibt sie, die Phasen, in denen der Winter zu kalt ausfällt (2010/11). Auffällig dabei ist, dass diese zu kalten bis normalen Winter, mit, bzw. unmittelbar nach dem Erreichen des Minimums der Sonnenaktivität auftraten. Und um gleich bei den Auffälligkeiten zu bleiben. Im ersten Jahr nach Durchgang des Minimums gab es selten einen stabilen Sommer und in Zeiten vor der Klimaerhitzung war der Sommer im ersten Jahr nach Durchgang des Minimums auffällig zu kühl und zu nass (Schwache Sonnenaktivität - durchschnittlicher Sommer?). Der Sommer 2021 war leicht zu nass und am Ende deutlich zu warm. Der darauffolgende Winter, ein Totalausfall.

Und dabei war das der Winter im Jahr eins nach Durchgang des Sonnenminimums. Eine Ausnahme einer Regel, oder stimmt diese in Zeiten der Klimaerhitzung einfach nicht mehr?

Sonnenaktivität mit Auswirkungen auf den Winter?

Wir haben einmal die Daten der letzten Jahre zusammengefasst und mit der Temperaturabweichung in den jeweiligen Wintern +/- 1 Jahr vergleichen.

Zusammenhang von kalten Wintern und der Sonnenaktivität über Deutschland
Zusammenhang von kalten Wintern und der Sonnenaktivität über Deutschland

Eine zwingende Kausalität für einen zu kalten Winter kann nicht erkannt werden. Es gab auch deutlich zu warme Winter. Was sich aber ableiten lässt, dass die Winter um ein Sonnenfleckminimum eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine kältere bis normale Ausprägung aufwiesen. In Zeiten der Klimaerhitzung aber muss +1,3 Grad hinzugerechnet werden. Und schnell wird klar, dass diese scheinbare Regel in Zeiten der Klimaerhitzung außer Kraft gesetzt wurde. Eher das Gegenteil wird der Fall sein, wenn die Sonne an Aktivität wieder zunehmen wird.

Noch ein Zusammenhang: schwächelt die Sonne, so gab es auffällig viele meridionale Großwetterlagen zu beobachten, welche mehr oder minder das Wettergeschehen seit Februar 2018 beeinflussen. Schaun mer mal, ob die Westwetterlagen mit ansteigender Sonnenaktivität wieder zunehmen werden.

Major-Warming und QBO-Ost

Ein Major-Warming gab es im Winter 2019/20 und ein möglicher QBO-Ost ist zwar in dieser Wintersaison möglich, doch wohl erst Mitte oder zum Ende des Winters zu erwarten. Beide Randfaktoren sind in dieser Wintersaison viel gewichtiger als die Sonnenaktivität. Denn beide zusammen sprechen für eine Fortführung der meridionalen Großwetterlagen und trifft ein Trog Mitteleuropa, so kann es richtig Einwintern.

Doch zum Wesen einer Meridionalität gehört auch, dass es mit einer Südwest- oder Südströmung sehr warme Phasen geben kann. Das macht es in diesem Winter so spannend.

Kommt die Westwetterlage, ist der Winter vorbei, bevor er überhaupt begonnen hat

Weniger spannend wird es hingegen, wenn sich die meridionale Wetterlage Monate verabschiedet und sich im Herbst und Winter die Westwetterlage einstellt. Noch schlimmer wird es aus Sicht der Winterfreunde, wenn sich über dem östlichen Kanada frühzeitig ein Kaltluftzustrom auf dem Atlantik einstellt. Sollte das der Fall sein, ist das ein klares Zeichen eines klassischen Mildwinters, wie man ihn in den letzten 9 Jahren hat häufiger beobachten können.

Aus Sicht der Natur aber wäre eine Westwetterlage mit viel Wind und Regen wünschenswert, dass zumindest ein Teil der Dürre aus dem Frühling und Sommer abgemildert werden kann. Denn meridionale Wetterlagen sind nicht gerade für viel Niederschlag bekannt.

Die Hochdruckbrücke zwischen Sibirien und Kanada/Alaska führt kalte Luftmassen nach Kanada
Die Hochdruckbrücke zwischen Sibirien und Kanada/Alaska führt kalte Luftmassen nach Kanada © www.meteociel.fr

Der Wettertrend für den Winter 2019/2020 der Langfristmodelle

Langfristprognose nach dem Deutschen Wetterdienst

Die Langfristprognose des Deutschen Wetterdienstes liegt momentan für den Zeitraum von Oktober bis Dezember vor. Die Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert beträgt in diesem Zeitraum +1,0 bis +2 Grad. Tendenziell zu warm.

Die Niederschlagsprognose fällt durchschnittlich und im Trend etwas zu trocken aus.

Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Das Langfristmodell der NASA berechnet die Monate September, Oktober und November mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad deutlich zu warm. In der Niederschlagssimulation werden die Herbstmonate unauffällig und im Trend leicht zu trocken berechnet.

Für die Wintermonate von Dezember 2022 bis Februar 2023 wird eine Abweichung der Temperatur gegenüber dem vieljährigen Mittelwert (61/90) von +1,5 bis +2,5 Grad deutlich zu warm simuliert. Die Niederschlagsprognose ist im Trend leicht zu nass zu bewerten.

Wetterprognose Herbst und Winter nach dem CFSv2 Modell

Der Herbst fällt nach dieser Wetterprognose mit einer Differenz zum langjährigen Mittelwert von +1,5 bis +3,0 Grad erheblich zu warm aus. Die Niederschlagsbilanz aber ist gegenüber dem Sollwert als unauffällig zu bewerten.

Der Winter 2022/23 wird mit einer Abweichung von +1,5 bis +3,0 Grad extrem zu warm simuliert. Die Niederschlagsleistung wird gegenüber dem Sollwert als unauffällig bewertet.

Herbst und Winter nach dem europäischen Langfristmodell

Der Herbst soll mit einer Differenz von +1,0 bis +2,0 Grad zu warm ausfallen. Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem Sollwert unauffällig.

Der beiden Wintermonate Dezember 2022 und Februar 2023 sollen mit einer Abweichung +1,0 bis +2,0 Grad und im Trend von bis +3,0 Grad zu warm ausfallen können, während für den Januar eine Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad eine hochwinterliche Wetterphase nicht auszuschließen ist. Die Niederschlagsprognose ist durchwachsen und in Summe gegenüber dem vieljährigen Mittelwert unauffällig.

Was auffällt, sind die durchweg zu hohen Temperaturen, die jedoch nicht im Einklang mit einer Westwetterlage stehen, sondern vielmehr auf eine Fortsetzung der meridionalen Großwetterlage hindeuten, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der warmen Vorderseitenanströmung liegen können - die nicht enden wollende Südwestwetterlage, hervorgerufen durch einen steten Zustrom kalter Luftmassen über dem östlichen Kanada.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2022 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis etwas zu trocken
Oktober 2022 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
November 2022 +2,0 bis +4,0 Grad Trend: normal bis etwas zu nass
Dezember 2022 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis etwas zu trocken
Januar 2023 +2,0 bis +4,0 Grad Trend: normal bis etwas zu nass
Februar 2023 +2,0 bis +4,0 Grad Trend: normal bis etwas zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2022/2023  vom 13.08.2022
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2022/2023 vom 13.08.2021

Sicherlich werden sich die Prognosen der Langfristmodelle in den kommenden Wochen noch mehrmals verändern, die Berechnungen zeigen aber auch, dass rein vom rechnerischen die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter höher liegt.

Und wie schätzen wir den Winter 2022/23 ein?

Die Winter der letzten 20 Jahre waren mit einer Abweichung von knapp +1,3 Grad deutlich zu warm und in 65 Prozent der Fälle gab es einen zu warmen Winter. Man braucht kein Prophet oder Experte zu sein, um die winterliche Jahreszeiten als zu warm einzustufen. So ist es allein schon bemerkenswert, dass die letzten 25 Sommer allesamt zu warm ausgefallen sind und dieser Sommer in nichts nachstehen wird. Der Winter aber schafft es noch in Phasen sich durchzusetzen und damit ist der Winter nicht gleich zu den Akten zu legen.

Ob eine normale oder gar zu kalte Wintersaison möglich sein wird, bleibt abzuwarten. Das meridionale Strömungsmuster sollte manchen Freunden der kalten Witterung den Puls in die Höhe schnellen lassen. Liegt die Wahrscheinlichkeit doch hoch, dass das auch im Winter der Fall sein wird. Der QBO-Ost und ein mögliches Major-Warming sorgen dann für den Rest.

Um auf den Punkt zu kommen, ist ein wechselhafter und unbeständiger Winter zu erwarten, der ein Auf und Ab bei den Temperaturen zeigen wird. Längere Kaltphasen sind weniger wahrscheinlich, doch kurze Kaltlufteinbrüche sollten machbar sein. Am Ende aber wird wohl ein erneut zu milder Winter herauskommen. Die Klimakatastrophe ist einfach ein zu gewichtiger Faktor. Schaun mer mal.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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