Wettertrend Herbst und Winter 2021/2022: Wird der Spätsommer blockiert?

| M. Hoffmann
Zwischen Herbst und Spätsommer

Ein Störimpuls macht das, was er soll und stört eine spätsommerliche Wetterentwicklung mit möglicherweise gravierenden Folgen den September.

Erneut Regenwetter. Der Sommer gibt in den kommenden 48 Stunden nochmals sein Bestes, um für so etwas wie Spätsommer zu sorgen. Im Ansatz gelingt das auch, aber nur im Ansatz. Bereits ab Donnerstag verdichtet sich die Bewölkung von Osten (!) und nachfolgend setzt Niederschlag ein, der sich zum Wochenende intensiviert und über dem Osten länger andauernd und ergiebig ausfallen kann.

Zwischen spätsommerlich warm und frühherbstlich frisch

Die Temperaturen erreichen zur Wochenmitte +17 bis +23 Grad und örtlich bis +25 Grad und gehen bis zum Sonntag auf +16 bis +21 Grad zurück. Mit Dauerregen werden kaum mehr die +15 Grad erreicht. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage August 2021.

Ab der zweiten Wochenhälfte unbeständiges und mäßig warmes Wetter
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ab der zweiten Wochenhälfte unbeständiges und mäßig warmes Wetter
© www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem europäischen Wettermodell: die Blockade des Spätsommers

Der Störimpuls hält sich nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells hartnäckig und ist zugleich der wesentliche Faktor, auf den es in der weiteren Wetterentwicklung ankommen wird.

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Standorttreue

Dem Störimpuls fehlt die Eigendynamik und wird gewissermaßen vom Hoch an Ort und Stelle gehalten. Es entsteht eine Art Pattsituation. Das Tief regnet im Zeitraum vom 28. August bis 1. September über Deutschland, Österreich und der Schweiz ab und sorgt so für einen unbeständigen und leicht unterkühlten Wettercharakter. Die Temperaturen pendeln sich auf +14 bis +18 Grad ein.

Spätsommer? Möglich!

Ab dem 1. September verliert der Störimpuls weiter an Dynamik und wird für die weitere Wetterentwicklung weniger relevant. Das Hoch auf dem Atlantik rückt weiter in Richtung Mitteleuropa vor und sorgt mit einer zunehmenden Sonnenscheindauer über Deutschland für nachlassende Niederschläge und ansteigende Temperaturen. Bis zum 3. September können +18 bis +24 Grad erwartet werden.

Erst die herbstlich anmutende Pattsituation, dann ein Vorstoß des Spätsommers
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: erst die herbstlich anmutende Pattsituation, dann ein Vorstoß des Spätsommers
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Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: ein herbstlich anmutender Wettercharakter

Deutlich zu kalte und deutlich zu warme Varianten berechnete die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells in den letzten 96 Stunden in schöner Regelmäßigkeit. Doch so exotisch die Simulationen auch waren, so haben diese eine absolute Berechtigung und zeigen, dass es im Grunde für den Spätsommer um Hop oder Top geht. Für den Moment ist es eher Hop, als Top!

Tief Skandinavien

Ein Hoch westlich von Europa versucht sich nach Osten zu verlagern, scheitert aber an dem schwachgradientigen, jedoch wetterwirksamen Störimpuls. Dem Hoch bleibt für seine neue Positionierung nicht viel Zeit und da der Weg nach Osten blockiert ist, konzentriert sich zum 1. September der Hochdruckkern zwischen Island und England.

Zum einen wird der Weg für ein weiteres Tiefdrucksystem in Richtung Skandinavien frei und zum anderen fördert das Hoch eine weiterhin anhaltende meridionale Großwetterlage, bei der Deutschland, Österreich und die Schweiz auf der östlichen Seite des Hochdruckgradienten liegen. Der Spätsommer hat es in diesem Fall außerordentlich schwer, schafft es aber die Temperaturen vom 1. bis 3. September auf +19 bis +24 Grad und örtlich auf bis +26 Grad ansteigen zu lassen.

Vom 3. bis 5. September dreht die Grundströmung auf nördliche Richtungen und führt mit +14 bis +18 Grad spürbar frischere Luftmassen nach Deutschland. Regnet es noch dazu, so können kaum mehr als +12 Grad erwartet werden. Diese Werte sind dem Herbst näher als dem Spätsommer.

Pattsituation

Im Zeitraum vom 6. bis 9. September schwächelt das Skandinavientief etwas, was das Hoch auf dem Atlantik ausnutzt, um einen Keil in Richtung Mitteleuropa auszudehnen. Zumindest über dem Süden und Westen nimmt dieser Hochdruckkeil Einfluss auf das Wetter und die Temperaturen steigen bei einem weiterhin unbeständigen Wettercharakter auf +17 bis +23 Grad an. Anders formuliert: windiger und wolkiger Norden, sonniger und gemäßigt warmer Süden.

Das Spätsommerhoch tut sich schwer
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Das Spätsommerhoch tut sich schwer
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Auf den Punkt gebracht: Normales Herbstwetter mit spätsommerlichen Ambitionen

Wie bereits weiter oben und auch in der Wetterprognose September näher erläutert, berechnen die Amerikaner derzeit Lösungen, die im Vergleich zum Mittelwert aller Kontrollläufe zu den mit Abstand kühlsten Varianten zählen.

In den meisten Fällen ist ein Trog für die Zufuhr herbstlich frischer Luftmassen aus Skandinavien in Richtung Deutschland verantwortlich. Doch betrachtet man die Kontrollläufe, so sind diese Varianten gegenüber dem Mittelwert um 5 bis 9 Grad zu kalt. Möglich ja, wahrscheinlich nein.

Der Mittelwert aller Kontrollläufe bewegt sich vom 26. bis 30. August in einem Bereich, der für die Jahreszeit normal bis leicht zu kühl ist. Vom 31. August bis 9. September pendelt sich der Mittelwert in einen Bereich ein, der im Vergleich zum Durchschnittswert von 1961 und 1990 um +1 bis +2 Grad zu warm ist (91/20: +0,5 bis +1,5 Grad).

Das ein stabiles Spätsommerhoch nicht die besten Chancen hat, zeigt sich in der Niederschlagsprognose, die überwiegend im leicht bis mäßig erhöhten Bereich liegt und lediglich im Zeitraum vom 30. August bis 3. September einen weitgehend trockenen Abschnitt simuliert. Stabiles Wetter sieht anders aus.

Durchwachsenes Wetter
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Durchwachsenes Wetter
© www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur-Spektrum Temperatur-Mittelwert
30. August +13 bis
+24 Grad
+16 bis
+19 Grad
3. September +14 bis
+28 Grad
+18 bis
+20 Grad
8. September +13 bis
+25 Grad
+18 bis
+20 Grad
Diagramm Temperaturen September 2021
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2021 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Langfristprognose Herbst und Winter 2021/2022

In der Langfristprognose hat sich für den September, Oktober und November in den letzten 48 Stunden etwas verändert. Der Herbst soll mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm ausfallen können. Nach dem - wärmeren - Mittelwert von 1991 und 2020 liegt die Abweichung bei +0,5 bis +1,5 Grad. Der September ist noch der gemäßigtere Herbstmonat, während der Oktober und der November wärmer ausfallen können.

Die Niederschlagsprognose fällt insbesondere für den Oktober deutlich zu trocken aus, während der September nur im Trend, der November jedoch überwiegend zu trocken berechnet wird.

Für den Winter 2021/22 kam es zu Verschiebungen in die zu warme Richtung. Besonders der Januar sticht mit einer Abweichung von bis +3 Grad hervor, aber auch der Februar 2022 hat mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad eine deutliche Bewegung in die zu warme Richtung gemacht. Die Abweichung für den Winter liegt zwischen +1,5 bis +2,5 Grad. (91/20: +0,3 bis +1,3 Grad).

Die Niederschlagsprognose ist durchwachen und im Trend etwas zu nass, was im Winter erneut den Rückschluss auf eine Zonalisierung (Westwetterlage) zulässt.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 und in Klammern der wärmere Mittelwert (1991-2020)
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2021 +0,5 bis +1,5 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: etwas zu trocken
Oktober 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,6 bis +1,6 Grad)
Trend: deutlich zu trocken
November 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: etwas zu trocken
Dezember 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,0 bis +1,0 Grad)
Trend: etwas zu nass
Januar 2022 +2,0 bis +3,0 Grad
(+0,6 bis +1,6 Grad)
Trend: etwas zu nass
Februar 2022 +1,0 bis +2,0 Grad
(-0,1 bis +0,9 Grad)
Trend: normal
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022  vom 24.08.2021
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst / Winter 2021/2022 vom 24.08.2021

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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