Wetteraussichten Winter 2022: Der Polarwirbel formiert und positioniert sich

War es das mit dem Winter, oder kommt da noch was? © Martin Bloch

Abwechslungsreiches, windiges und in Phasen stürmisches Wetter ist bis einschließlich Montag über Deutschland zu erwarten. Was hingegen nicht zu erwarten ist, ist der Winter - wie aber steht es um einen Störimpuls auf dem Atlantik, der sich in den Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle immer wieder angedeutete hatte - Ist das die letzte Chance für den Winter?

Schauerstaffel. Eine Schauerfront zieht heute von Nordwest nach Südost und erreicht zum Abend den Südosten von Bayern. Die Schauerlinie selbst ist nicht sehr breit, doch trennt diese in der Höhe milde von kühlen Luftmassen, was entlang der Schauerfront zu Turbulenzen führen kann. Kräftige Schauer, örtlich von Gewittern (Gewitterradar) und von heftigen Windböen begleitet. Über exponierten Lagen sind schwere Sturmböen (Windprognose) möglich. Ist die Schauerstaffel durch, beruhigt sich das Wetter rasch.

Am Sonntag Sauwetter

Am Sonntag liegt Deutschland im Einflussbereich eines Tiefdrucksystems und bereits in der Nacht setzt Niederschlag ein, der am Tage anhält und sich zum Nachmittag über dem Westen verstärkt. So sind ergiebige und länger andauernde Niederschläge möglich, die von einem stürmischen Wind begleitet werden können (Niederschlagsprognose). Erst im Verlauf der neuen Woche beruhigt sich der Wettercharakter und die Sonne kommt häufiger zum Vorschein. Mehr dazu in der Wetterprognose zum Wetter Februar 2022

Nach einem turbulenten Freitag und Sonntag beruhigt sich das Wetter im Verlauf der neuen Woche
Wetterprognose des europäischen und amerikanischen Prognosemodells: Nach einem turbulenten Freitag und Sonntag beruhigt sich das Wetter im Verlauf der neuen Woche © www.meteociel.fr

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Wetterprognose des europäischen Wettermodells: der Polarwirbel über Kanada

Die Hochdruckachse zwischen Sibirien und Kanada bleibt nach der Wettervorhersage des europäischen Prognosemodells bis zum 14. Februar intakt und damit ist das Fundament der Großwetterlage bis Mitte Februar gesetzt.

Kein Winterwetter möglich

Mithilfe der Hochdruckzone werden kalte Luftmassen nach Kanada transferiert und der Polarwirbel zentralisiert sich im Bereich von Kanada, Grönland, Island und dem europäischen Nordmeer.

Da sich Hochdrucksysteme im und Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn drehen, bleibt die Anströmung der Luftmassen aus westlichen Richtungen über Deutschland intakt. Doch mit einer lupenreinen Westwetterlage ist nicht zu rechnen. Da stört ein Hochdruckimpuls, dass sich immer wieder dazwischenschiebt und so vom 8. bis 14. Februar für einen weitgehend ruhigen und - abgesehen von ein paar Schauern - für einen weitgehend trockenen Wettercharakter sorgen kann. Damit bestätigt sich der Wettertrend der letzten Tage, dass der Winter bis Mitte Februar kaum eine Rolle spielen wird. Schlimmer noch für alle Freunde des Winterwetters ist die anhaltende Dominanz des Wirbels über Kanada, was für eine Erhaltungsneigung spricht, bei der sich das System immer wieder neu formieren kann.

So ist kein Winterwetter möglich
Wetterprognose des europäischen Prognosemodells: So ist kein Winterwetter möglich © www.meteociel.fr

Wettertrend nach dem amerikanischen Wettermodell: Zentralisierender Polarwirbel

Ungewöhnlich heftig ist die Entwicklung des Polarwirbels. Scheint fast so, als ob es die Zonalisierung wissen will und beeindrucken möchte. Die Wetterprognose der Amerikaner spielt sich in einem ähnlichen Spektrum ab, wie es die Europäer berechnen, doch in der letzten Konsequenz einfach beeindruckender.

Das Kippmoment

Doch bevor sich der Polarwirbel über Kanada so richtig festsetzen kann, sorgt ein Teil des Wirbels über der Barentssee noch für Unsicherheiten, die den Plan einer nachhaltigen Zonalisierung bis Ende Februar umwerfen kann. Warum das so ist? Ganz einfach - zum 10. Februar ist der Polarwirbel noch nicht zentralisiert und hat einen Teilbereich über Kanada und Grönland und einen Zweiten über der Barentssee positioniert. Dazwischen ergibt sich eine Lücke, in welche das Azorenhoch auf dem Atlantik nach Norden aufkeilen und als Störimpuls das Vorhaben der nachhaltigen Zonalisierung vereiteln kann.

Nordwestwetterlage

Und so ist vom 10. bis 12. Februar mit einer Nordwestwetterlage zu rechnen, bei der die Temperaturen zwischen +0 und +5 Grad schwanken können. Zeitweilige Schauer können bis auf tiefere Lagen als Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer niedergehen und mit winterlichen Wetterverhältnissen kann oberhalb etwa 500 bis 700 Meter gerechnet werden.

Hochdruckdominanz

im Zeitraum vom 12. bis 16. Februar setzt sich über Deutschland, der Schweiz und Österreich ein Hochdrucksystem durch und sorgt für einen ruhigen und weitgehend trockenen Wettercharakter. Die Temperaturen erreichen milde +8 bis +12 Grad und mit einer längeren Sonnenscheindauer sind bis +14 Grad möglich.

Südwestwetterlage

Im Zeitraum vom 16. bis 20. Februar festigt sich der Polarwirbel über Kanada und Störimpulse spielen keine Rolle mehr. Die Tiefdruckachse kippt auf dem Atlantik nach Süden ab und drückt das Azorenhoch nach Osten - in Richtung Mitteleuropa. In Kombination der beiden Wettersysteme ergibt sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Südwestwetterlage. Mit einem unbeständigen Wettercharakter wären Tageshöchstwerte von +8 bis +12 Grad und mit Sonnenschein bis +15 Grad zu diskutieren. Kein Winter möglich!

Die Hochdruckachse zwischen Sibirien und Kanada zentralisiert den Polarwirbel über Kanada
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Hochdruckachse zwischen Sibirien und Kanada zentralisiert den Polarwirbel über Kanada © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Die Chancen des Winters

Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle ist klar strukturiert und lässt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit bis zum Ende der zweiten Februar-Dekade kein Winterwetter zu.

Doch das gilt nur auf den ersten Blick. Interessant ist, dass die Kontrollläufe den Prognosen der Hauptläufe nicht folgen und eine andere Dynamik vorschlagen. Die Wettervorhersage der Amerikaner ist im Vergleich zu den Kontrollläufen mit Abstand die wärmste Variante. Dennoch - der Mittelwert der Kontrollläufe schwankt in 1.400 Meter Höhe am 9. Februar zwischen +4 bis +6 Grad. Das ist schon als erster Gruß des Frühlings zu verstehen.

Temperatursturz

Im Zeitraum vom 10. bis 12. Februar gehen die Temperaturen in 1.400 Meter auf -4 bis -7 Grad zurück, was einem Temperatursturz von bis zu 13 Grad entspricht. Das ist zugleich der Zeitraum, den wir weiter oben als Kipppunkt definiert haben, bei der das Hoch die Möglichkeit bekommt, als Störimpuls die Bühne zu betreten. Nachfolgend pendeln sich die Kontrollläufe auf eine nasskalte Witterung ein, die sich mit einer nordwestlichen Grundströmung bereits in den letzten Tagen abgebildet hatte.

Der Winter

Wie aber sehen diese winterlichen Wetterlagen aus und was führt dazu? Nun, es handelt sich hierbei stets um den gleichen Ansatz, bei der sich das Azorenhoch auf dem Atlantik als Blockadehoch positioniert und Kontakt zum Hoch über Kanada/Alaska aufnimmt. Dieser Prozess beendet die Hochdruckzone nach Sibirien und die Achse innerhalb des Polarwirbels beginnt sich zu verändern. Was folgt ist eine meridionale Grundströmung, bei der mithilfe eine Arctic Outbreaks die kalten Luftmassen nach Süden - in Richtung Deutschland - geführt werden können. Das ist im Moment mehr eine These, doch gut möglich, dass in den kommenden Stunden sich in den Prognosen wieder vermehrt kühlere Varianten zeigen werden.

Wir haben diese kalten Varianten einmal gegenübergestellt.

So kann es mit dem Winter im Februar noch was werden
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: So kann es mit dem Winter im Februar noch was werden
© www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
10. Februar +2 bis
+12 Grad
+6 bis
+8 Grad
14. Februar -3 bis
+10 Grad
+2 bis
+5 Grad
19. Februar -1 bis
+14 Grad
+3 bis
+6 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Alles bleibt, wie besprochen. Mild dominiert auch die Wetterprognose der Amerikaner von heute Nachmittag. Die atlantische Frontalzone ist äußerst aktiv, was einen unmittelbaren Wintereinbruch bis auf das Flachland herab fast unmöglich macht.

Kein Winterwetter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell von heute Nachmittag: Kein Winterwetter
© www.meteociel.fr

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:06 Uhr

Es geht zur Sache - anders lässt sich die Wetterprognose der Amerikaner vom Tage nicht interpretieren. Der Polarwirbel formiert sich bis zum Beginn der zweiten Februar-Dekade über Kanada und Grönland und dehnt sich im Verlauf der zweiten Dekade bis über das europäische Nordmeer aus.

Die Frontalzone in Zeitlupe

Langsam, ganz langsam nähert sich das Hauptzentrum des Polarwirbels dem europäischen Nordmeer und Skandinavien und drückt bei dieser Gelegenheit das Azorenhoch weit nach Süden. Zwischen den beiden Wettersystemen verdichten sich die Gradienten zueinander und so steigt im Zeitraum vom 15. bis 20. Februar das Starkwindpotential über Mitteleuropa an. Winterwetter ist auf diese Art und Weise nicht einmal im Ansatz zu erkennen.

Vielmehr handelt es sich um eine ausgesprochen nachhaltige Zonalisierung, die durch eine Hochdruckachse zwischen Sibirien und Kanada gestützt und weiter befeuert wird. Sollte sich diese Erhaltungsneigung tatsächlich so einstellen können, so wäre vom Winter so gut wie nichts mehr zu erwarten.

Da ist kein Platz für den Winter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Da ist kein Platz für den Winter
© www.meteociel.fr

Warum so unwinterlich?

Dazu zwei sogenannte Anomalie Karten. Links die Temperaturen, rechts die Druckanomalien. Was man erkennt, ist das Kältereservoir über dem östlichen Kanada, das in Richtung Neufundland auf den warmen Atlantik ausströmt und für die Entfesselung der atlantische Frontalzone sorgt.

Die Druckanomalien bestätigen die Hochdruckzone zwischen Sibirien und Alaska und Kanada. Und da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, werden kalte Luftmassen in Richtung Kanada transportiert. Das erhält die hohe Tiefdruckdynamik auf dem Atlantik aufrecht und so erneuert sich das System immer wieder von Neuem. Man spricht von einer Erhaltungsneigung. Erst wenn dies Systematik unterbrochen wird, ist eine andere Entwicklung der Großwetterlage möglich.

Manchmal kann eine Wettervorhersage auch einfach sein. Kommt die Hochdruckzone zwischen Sibirien und Kanada, wird der Winter über Deutschland auf das Abstellgleis gestellt
Links die Temperatur-, rechts die Druckanomalie © climatereanalyzer.org

Das Kippmuster

Damit der Winter überhaupt in dieser Saison zum Zuge kommen kann, bedarf es einer gravierenden Veränderung, doch für den Moment deutet nur sehr wenig auf diese Veränderung hin, was die nachhaltige Zonalisierung wahrscheinlich macht.

Gleichwohl möchten wir auf die Möglichkeit eines Kippmusters kurz eingehen, da ihn die Kontrollläufe und die Wetterprognose des europäischen Wettermodells andeuten. Das Azorenhoch keilt zwischen dem 9. und 11. Februar auf dem Atlantik nach Norden auf und verpasst der Zonalisierung einen Störimpuls. Nach den gängigsten Varianten flacht sich das Hoch rasch nach Süden ab, oder kippt nach Osten weg, doch gibt es nach wie vor Berechnungen, die das Hoch über Island und Grönland in den Polarwirbel hinein aufsteigen lassen und so innerhalb des Polarwirbels für eine Veränderung der Achse sorgen kann.

Eine These, die man in den kommenden Tagen weiter beobachten kann. Fakt aber ist, dass eine überwältigende Mehrheit bis zum 20. Februar einen milden und unbeständigen Wettercharakter berechnet. Der Winter spielt dabei eine mehr als untergeordnete Rolle.

Ein Kippmuster, dass man in den kommenden Tagen weiter beobachten muss
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell (li.) dem Mittelwert aller Kontrollläufe (Mi.) und eines ausgesuchten Kontrolllaufes (re.): Ein Kippmuster, dass man in den kommenden Tagen weiter beobachten muss
© www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,3 +2,4 +1,2 355 l/m² - extrem zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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