Wettertrend Winter 2022: Besteht für den Winter im Februar noch Hoffnung?

Trumpft der Winter im Februar auf?

Die atlantische Frontalzone steuert mit einem Sturmtief auf Deutschland zu und versucht mit allen Mitteln einen Wetterwechsel herbeizuführen. Ob das gelingt und ob der Winter eine Rolle spielen kann, hängt von einem Hochdrucksystem ab.

Ruhiges Wetter ist über Deutschland noch bis einschließlich Mittwoch zu erwarten. Über Baden-Württemberg und Bayern, sowie oberhalb etwa 800 Meter setzt sich die Sonne gegen den Nebel durch und die Temperaturen erreichen +2 bis +6 Grad. Sonst dominiert dichter Nebel und Hochnebel das Wetter und örtlich kann bei Werten um die Null-Grad-Grenze mit Sprühregen oder Schneegriesel gerechnet werden. Nach Norden können die Werte mit +1 bis +6 Grad etwas höher liegen. In den Nächten ist südlich der Linie von Münster und Berlin mit Frost zu rechnen.

Markanter Wetterwechsel bis Februar

Auf dem Atlantik geht es richtig zur Sache und erste Ausläufer der atlantische Frontalzone erreichen Deutschland am Donnerstag. Das Potential von Starkwindereignissen steigt an und kann zum Sonntag mit einem kleinräumigen Sturmtief über den Mittelgebirgen einen Höhepunkt erreichen. Nachfolgend ziehen die Tiefdrucksysteme nach Osten ab und leiten eine kühle Rückseitenströmung ein. Zum Wechsel in den Februar ist mit Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab zu rechnen. Ab den mittleren Lagen sind winterliche Wetterbedingungen möglich. Mehr dazu in der Wetterprognose zum Wetter Februar.

Erst ein Sturm, dann ein erkennbares Potential des Winters
Wetterprognose des europäischen Prognosemodells: erst ein Sturm, dann ein erkennbares Potential des Winters © www.meteociel.fr

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Winterwetter bis auf das Flachland herab?

Nein. Die Temperaturen bleiben über dem Flachland in den ersten Februar-Tagen zu mild. Zwar sind Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab möglich, doch werden diese erst oberhalb etwa 500 bis 700 Meter für die Ausbildung einer Schneedecke sorgen können. In den Nächten kann die Frostgrenze weiter absinken und in den Morgenstunden auf 100 bis 300 Meter herab für eine weiße Überraschung sorgen. Anders formuliert: nasskaltes Wetter mit winterlichen Ambitionen.

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Was macht das Hoch denn da?

Wie aber steht es um den Winter in der ersten Februar-Dekade - kommt da noch was? Da ist die Wetterkarte der Europäer zum 4. Februar sehr interessant. Das Hoch liegt westlich von Europa und keilt weit nach Norden auf und bringt sogar eine Verbindung zum Kontinentalhoch zustande. Spielt man diese Variante einmal durch, so wird die atlantische Frontalzone durch das Hoch vollständig blockiert.

Kalte Ostwetterlage mit hochwinterlichen Wetterbedingungen

Die Hochdruckverbindung zum Kontinentalhoch kapselt das Tiefdruckzentrum über der Barentssee, dem westlichen Russland und dem östlichen Europa ab und dehnt sich in Form eines Kaltlufttropfens nach Westen - und damit in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz - aus.

Das ist im Moment eine sehr hypothetische Annahme, doch zeigte sich in den letzten Tagen immer wieder die Möglichkeit einer vollständig gestörten Zirkulation, die noch in der ersten Februar-Dekade zu einer Ostwetterlage führen kann. Nachfolgend - zum besseren Verständnis - eine Gegenüberstellung des Hauptlaufes des europäischen Wettermodells mit ausgesuchten Kontrollläufen, die eine Nordost- oder Ostwetterlage berechnen.

Die im Ansatz befindliche Ostwetterlage
Wetterprognose des europäischen Prognosemodells (li.) im Vergleich zu ausgesuchten Kontrollläufen: Die im Ansatz befindliche Ostwetterlage © www.meteociel.fr

Wettertrend nach dem amerikanischen Wettermodell: Kein Winterwetter

Im Grunde genommen handelt es sich bei der Wetterprognose des amerikanischen Prognosemodells um eine fast identische Wetterentwicklung, wie sie die Europäer berechnen. Doch im Detail zeigt sich ein kleiner - aber gravierender - Unterschied.

Der Aufbau der Hochdruckzone

Im Zeitraum vom 1. bis 3. Februar verlagert sich das Hoch vom Atlantik in Richtung Mitteleuropa und beendet das winterliche Geplänkel zügig. Vom 3. bis 5. Februar dehnt sich das Hoch nach Norden aus und bildet zwischen Spanien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien eine Hochdruckzone zum Kontinentalhoch aus.

Der Unterschied zu den Europäern liegt darin, dass die Hochdruckzone südlicher verläuft und so der Kaltlufttropfen über dem östlichen Europa nicht wirklich wetterwirksam für Deutschland abgetrennt werden kann. Bis zum 10. Februar dehnt sich die Hochdruckzone weiter aus und dominiert das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei einem Wechselspiel aus Sonne, Wolken und Hochnebel erreichen die Temperaturen +4 bis +8 Grad. Mit einer längeren Sonnenscheindauer sind bis +10 Grad möglich und mit einer dichten Nebeldecke erreichen die Werte +0 bis +4 Grad. Winterwetter sieht anders aus und die Wetterprognose der Amerikaner ist im Vergleich zu gestern eine 180-Grad-Wende!

Die Hochdruckzone verläuft östlicher und macht den Winter über Deutschland unmöglich
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Hochdruckzone verläuft östlicher und minimiert die winterlichen Aussichten über Deutschland erheblich © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Wetterwechsel

Beide Vorhersage-Modelle berechnen zunächst die Starkwindphase Ende Januar und Anfang Februar mit winterlichen Wettererscheinungen bis auf das Flachland herab. Damit wird ein Wetterwechsel eine sehr wahrscheinliche Wetterentwicklung, die noch in dieser Woche beginnt. Das ruhige und trockene Wetter endet.

Fraglich bleibt, wie sich das Wetter nach dem Sturm entwickeln kann. Da gibt es unterschiedliche Auffassungen. Die Amerikaner berechnen einen Rückfall in die hochdruckdominierte und trockene Wetterlage. Die Kontrollläufe zeigen - recht deutlich - dass es sich bei dem Hauptlauf der Amerikaner um einen warmen Ausreißer handelt. Der Mittelwert der Kontrollläufe folgt dem Vorschlag der Amerikaner nicht und wendet sich mehr dem Wettertrend der Europäer zu.

Der Mittelwert der Temperaturen in 1.400 Meter Höhe sackt zum 1. Februar auf -7 bis -9 Grad ab, was die winterlichen Wettererscheinungen bis auf tiefere Lagen möglich macht. Nachfolgend pendeln sich die Höhenwerte auf -2 bis -4 Grad ein, was für den Flachlandwinter zu mild ist. Hierfür sind im Februar -6 bis -8 Grad in 1.400 Meter notwendig. Aber auch für die mittleren Lagen bedeutet das für den Winter nichts Gutes, denn hierfür werden -4 bis -6 Grad benötigt. Anders ausgedrückt verlagert sich der Winter nach dem Wettertrend der Kontrollläufe vom 3. bis 10. Februar auf Lagen oberhalb etwa 700 bis 900 Meter.

Kein nachhaltiger Wintereinbruch
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Kein nachhaltiger Wintereinbruch
© www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
31. Januar -1 bis
+6 Grad
+3 bis
+5 Grad
4. Februar -5 bis
+10 Grad
+3 bis
+6 Grad
9. Februar -5 bis
+13 Grad
+3 bis
+5 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Die Amerikaner bleiben in ihrer Wetterprognose von heute Nachmittag dem Winter über Deutschland gegenüber unfreundlich gestimmt.

Kein Winter im Flachland - allenfalls eine nasskalte Nordwestwetterlage mit winterlichen Möglichkeiten ab den mittleren Lagen
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell von heute Nachmittag: Kein Winter im Flachland - allenfalls eine nasskalte Nordwestwetterlage mit winterlichen Möglichkeiten ab den mittleren Lagen
© www.meteociel.fr

Nächste Aktualisierung

  • 20:15 Uhr: Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle

Update der Wetterprognose von 20:12 Uhr

Die Wetterprognose des amerikanischen Prognosemodells bleibt seiner Linie treu. Das aktuelle Hoch verlagert sich zum 30. Januar raus auf den Atlantik und ermöglicht so der atlantische Frontalzone eine größeren Einflussnahme auf das Wetter über Deutschland. Das Potential für Starkwindereignisse steigt zwischen dem 30. Januar und dem 1. Februar an.

Schnee- und Schneeregenschauer

In der Höhe werden am 1. Februar kältere Luftmassen zugeführt, was in einer labilen Luftschichtung zu zahlreichen Schauern führen wird, die örtlich mit Gewittern einhergehen können. Die Temperaturen sinken auf +0 bis +5 Grad ab und die Schauer sind bis auf tiefere Lagen als Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer zu erwarten. Oberhalb etwa 500 bis 700 Meter ist mit winterlichen Wetterbedingungen zu rechnen.

Das Hoch rückt nach

Im Zeitraum vom 2. bis 4. Februar rückt das Hoch auf dem Atlantik nach und positioniert sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gleichzeitig versucht sich die atlantische Frontalzone in Richtung Skandinavien durchzusetzen, was im Verbund mit dem Hoch zu einer westlichen Grundströmung mit südwestlicher Ausrichtung führt. Anders formuliert ist nach der Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells bis auf weiteres nicht mit einem nachhaltigen Winter über dem Flachland oder den mittleren Lagen zu rechnen. Stattdessen streben die Temperaturen mit +8 bis +12 Grad dem Frühling entgegen.

Dem Frühling näher als dem Winter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Dem Frühling näher als dem Winter
© www.meteociel.fr

Nur wenig Chancen auf Winterwetter

Die Europäer sind aber nicht viel besser. Es hat sich heute Morgen zwar eine Option für einen möglichen Wintereinbruch aufgetan, doch war das gesamte Konstrukt mehr hypothetischer Natur.

Heute Abend jedenfalls bleibt das Hoch zu nah an Europa und flacht Anfang Februar nach Süden ab, was die atlantische Frontalzone für sich zu nutzen weiß. Die Grundströmung verläuft aufgrund des nach Süden abflachenden Hoch mehr von Nordwest nach Südwest, sodass bei einem unbeständigen Wettercharakter eine nasskalte Witterung zu erwarten ist. Erst die - allerletzte - Wetterkarte zeigt noch einmal eine ähnliche Wetterentwicklung wie heute Morgen, doch im Gegensatz dazu liegt das Hoch zu nah an Deutschland. So kann das mit dem Winter nichts werden.

So wird das nichts mit dem Winter
Wetterprognose nach dem europäischen Prognosemodell: So wird das nichts mit dem Winter
© www.meteociel.fr

Nasskalt

Der Wettertrend ist wie in Stein gemeißelt. Die Kontrollläufe bestätigen einen im Zeitraum vom 2. bis 10. Februar zunehmend milder werdenden Temperaturtrend, bei dem sich die Höhenwerte in 1.400 Meter auf +0 bis -3 Grad einpendeln können. Damit schwindet die Chance für Winterwetter in tieferen und mittleren Lagen nachhaltig. Die eisig kalten Varianten, die heute Morgen noch vertreten waren, wurde heute Abend etwas zurückgenommen.

Das Temperaturspektrum schwankt in der ersten Februar-Dekade über dem Süden und Osten zwischen +2 bis +6 Grad und über dem Norden und Westen zwischen +4 bis +8 Grad. Die Niederschlagsprognose ist leicht erhöht und im Zeitraum vom 3. bis 6. Februar zeichnet sich nach den Kontrollläufen ein trockener Zeitraum ab (Hoch verlagert sich nach Europa).

Da bedarf es im Moment viel Phantasie, um eine winterliche Wetterlage zu erkennen
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Da bedarf es im Moment viel Fantasie, um eine winterliche Wetterlage zu erkennen
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Soweit der Stand

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +5,0 +2,4 +1,1 208,7 l/m² - zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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