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Wetteraussichten Winter 2021/2022: Sturm und Hochwasser, gefolgt vom optionalem Winter

| M. Hoffmann
Der ewig optionale Winter © Martin Bloch

Wind und Sturm sorgen aktuell für turbulentes Wetter und ein Temperaturrückgang lässt die Schneefallgrenze in der zweiten Wochenhälfte bis auf die mittleren Lagen absinken. Der Winter wird wieder optional.

Nasskalt mit winterlichen Optionen. Mild - ungewöhnlich mild - startet die Woche über Deutschland, bevor sich am Dienstag von Norden kältere Luftmassen auf den Weg nach Süden machen und zu Wochenmitte die Alpen erreichen. Können am Dienstag über Baden-Württemberg und Bayern noch Temperaturen von +10 bis +14 Grad und örtlich bis +16 Grad möglich sein, so sorgt ein Temperatursturz bis zum Ende der Woche für einen Temperaturrückgang auf -2 bis +4 Grad. Über dem Westen und Nordwesten kann es mit bis +6 Grad milder bleiben, während sich über dem Süden oberhalb etwa 400 bis 600 Meter der Dauerfrost einschleichen kann.

Stürmische Winde und eine absinkende Schneefallgrenze

Der Wind kommt über der Nordhälfte heute, am Mittwoch und Freitag stürmisch aus westlichen Richtungen und kann über exponierten Lagen und den Küstenregionen von Nord- und Ostsee zu schweren Sturmböen führen (Windprognose). Am Dienstag ist mit dem Luftmassenwechsel über Baden-Württemberg und Bayern mit stürmischen Windböen zu rechnen, die ihren Höhepunkt am Dienstagnachmittag erreichen können. Ist die Kaltluft da, sinkt die Schneefallgrenze auf 300 bis 500 Meter ab und kann über dem Süden bis auf tiefere Lagen für Schneeschauer sorgen. Zum Ende der Woche steigt die Schneefallgrenze über dem Süden auf 400 bis 600 Meter und über dem Norden, Westen und Osten auf 500 bis 800 Meter an (Schneeprognose). Weitere Informationen: Wetter Januar 2022.

Erst stürmisch, dann kühler mit dem ab den mittleren Lagen optionalen Winter
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Erst stürmisch, dann kühler mit dem ab den mittleren Lagen optionalen Winter
© www.meteociel.fr

Reichlich Niederschlag hat ansteigende Flusspegel zur Folge

Südlich der Linie von Köln und Dresden ist in den kommenden Tagen mit reichlich Niederschlag zu rechnen, was bei Niederschlagsmengen von 15 bis 30 l/m² und örtlich bis 50 l/m² die Flusspegel ansteigen lassen wird. Regionales Hochwasser und örtliche Überflutungen sind nicht auszuschließen.

Links die Regenprognose der Europäer, in der MItte die der Amerikaner und rechts die der Deutschen bis zum 8. Januar
Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts die der Deutschen bis zum 8. Januar
© www.windy.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Ein Hoch zu nah an Deutschland

Ein schwaches Downstream Development erreicht nach der Wetterprognose der Europäer zum 10. Januar seinen Höhepunkt und sorgt über dem Süden für nasskalte Werte von +0 bis +4 Grad und über dem Norden und Osten bis +6 Grad. Über dem Westen können bis +8 Grad Zustandekommen. Das ist wenig winterlich.

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Hochdruckaufbau

Die Zonalisierung, die im Verlauf der Woche noch zu Höchstleistungen auffährt, stört sich in ihrer Nachhaltigkeit mit dem Downstream Development selbst und regt durch den Impuls das Azorenhoch auf dem Atlantik dazu an, sich nach Norden aufzuwölben. Doch findet dieser Prozess zu weit östlich statt, sodass Deutschland, Österreich und die Schweiz am östlichen Hochdruckgradienten liegen und da über Skandinavien die richtig kalte Luft fehlt, kann diese auch nur in abgeschwächter Form nach Deutschland geführt werden.

Die Temperaturen sinken über dem Süden auf -1 bis +2 Grad ab, während es nördlich der Linie von Köln und Berlin mit +4 bis +8 Grad milder werden kann. Ein Hauch von Winter ab den mittleren Lagen - mehr ist da nicht drin. Verbreitet wird mit einem nasskalten Wettercharakter zu rechnen sein.

Links das schwache Downstream Development, rechts der Aufbau des Hochdrucksystems
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Links das schwache Downstream Development, rechts der Aufbau des Hochdrucksystems
© www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Zwischen den Fronten und dem Winter nicht fern

Es ist symbolisch für den Winter. Die Wetterlage findet - auch in diesem Winter - nicht zur Zonalisierung zurück und eine nachhaltige Westwetterlage hat es in 22 Monaten infolge nicht mehr gegeben. Ansätze hierfür gab es zur Genüge, doch der wirkliche Durchbruch gelang nicht. Das ist bemerkenswert und auch der aktuelle Ansatz der Zonalisierung droht zu scheitern.

Meridionale Grundströmung

Und so erhält sich im Grunde das, worauf Freunde des Winterwetters setzen sollten - die meridional verlaufende Grundströmung. Diese hat zwar neben einer kalten Nord-Süd- auch eine warme Süd-Nord-Strömung zur Folge, doch erhöht diese die Chancen auf richtiges Winterwetter. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht in diesem Winter anders aus. Nasskaltes Mischmaschwetter. Die Grundlagen für einen Wintereinbruch waren bislang nicht so schlecht, nur gereicht hat es eben nicht. Der Klimawandel lässt grüßen. Man mag gar nicht daran denken, wenn man die Erwärmung im Winter von +1,2 Grad aufgrund des Klimawandels noch abziehen könnte (Zeitraum 61/90), was es dann an Möglichkeiten gegeben hätte.

Und eine aus Sicht des Winterwetters erneut vielversprechende Wetterprognose zeigt sich heute bei den Amerikanern, doch wie so häufig ist es eine knappe Kiste und wie knappe Kisten über Deutschland enden, brauchen wir nicht näher erläutern - oder doch … sie enden häufig in einer nasskalten Wetterlage mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen.

Das Hoch zu nah, der Ausbruch kalter Luftmassen zu weit östlich

Kommen wir auf die meridionale Grundströmung zurück. Die Westwetterlage endet mit dem Downstream Development am 10. Januar. Die atlantische Frontalzone bläst zwar nochmals zum Generalangriff, doch wölbt sich das Azorenhoch nach Norden auf und stemmt sich gegen die Tiefdrucksysteme, die da vom Atlantik kommen. Über Deutschland, Österreich und der Schweiz stellt sich bis zum 12. Januar eine nordwestlich orientierte Grundströmung ein, was Temperaturen von +4 bis +8 Grad zur Folge hat.

Im Zeitraum vom 12. bis 15. Januar intensiviert sich das Hoch mit seinem Kern zwischen England, Frankreich und Spanien und lenkt die atlantischen Tiefdrucksysteme über das europäische Nordmeer nach Skandinavien ab, was die Nordwestwetterlage über Deutschland erhält und die Temperaturen mit +4 bis +8 Grad im nasskalten Bereich schwanken lässt. An Winterwetter ist vorerst nicht zu denken.

Die Chance des Winters

Wie es mit dem Winter dennoch was werden kann, zeigt sich im Verlauf vom 15. bis 18. Januar, wenn sich das Hoch weiter nach Westen verlagert und die Grundströmung auf nördliche Richtungen kippen lässt. Zwar reicht es nach der Wetterprognose der Amerikaner bei Temperaturen von +1 bis +6 Grad weiterhin nicht zu einem Wintereinbruch, es zeigt aber die Chancen, die sich für den Winter bieten. Eine knappe Kiste eben…

Links und in der Mitte sieht man den Hauptlauf der Amerikaner. Knapp daneben ist eben daneben. Nur wenn das Hoch sich weiter nach Westen verlagert, wird es was mit dem Winter, wie man auf der rechten Seite eines exemplarischen Kontrolllaufes erkennen kann
Links und in der Mitte sieht man den Hauptlauf der Amerikaner. Knapp daneben ist eben daneben. Nur wenn das Hoch sich weiter nach Westen verlagert, wird es was mit dem Winter, wie man auf der rechten Seite eines exemplarischen Kontrolllaufes erkennen kann
© www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der ewig optionale Winter

Nein, ein nachhaltiger Wintereinbruch mit Schnee, Eis und Frost bis auf das Flachland herab ist bis Mitte Januar nicht zu erwarten. Dafür ist die Konstellation zu ungünstig. Was aber machbar ist, dass sich ein paar Schneeschauer bis auf die tieferen Lagen verirren und ab den mittleren Lagen für die Ausbildung einer Schneedecke sorgen können.

Die Schneeprognose

Schaut man sich die Schneeprognose vom europäischen, amerikanischen und deutschen Vorhersage-Modell bis zum 8. Januar an, so lässt sich unschwer das Potential des Winters ab den mittleren Lagen erkennen. Die Neuschneemengen sind als hypothetisch zu bewerten, zeigen aber gut, wo die Ausbildung einer Schneedecke wahrscheinlich ist.

Links die Schneeprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts die des deutschen Vorhersage-Modells
Links die Schneeprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts die des deutschen Vorhersage-Modells"
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Nasskalt

Auch wenn die Schneeprognose Ausschläge zeigt, so darf man skeptisch hinsichtlich eines Flachlandwinters bleiben. Warum das so ist, zeigt sich in den Temperaturen in 1.400 Meter Höhe, die über dem Süden von Deutschland zwischen -3 und -5 Grad und über dem Norden zwischen -2 und -4 Grad schwanken. Für den Flachlandwinter werden -5 bis -7 Grad und für die Einwinterung der mittleren Lagen werden -4 bis -6 Grad benötigt. Insgesamt aber sind die Kontrollläufe in den vergangenen 24 Stunden etwas kühler geworden. Eine knappe Kiste eben…

Anders sieht es für die Lagen oberhalb etwa 800 Meter aus - dort wird der Niederschlag der kommenden Tage durchweg als Schnee niedergehen und so für Neuschneemengen von 10 bis 30 cm und über den Staulagen bis 50 cm sorgen können.

Der Winter bleibt ab dem mittleren Lagen optional
Der Winter bleibt ab den mittleren Lagen optional
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Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
9. Januar -3 bis
+9 Grad
+1 bis
+4 Grad
13. Januar -5 bis
+8 Grad
+1 bis
+3 Grad
18. Januar -6 bis
+9 Grad
+0 bis
+3 Grad
Diagramm Temperaturen Januar 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Was sich im Tagesverlauf an Veränderungen ergeben hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:15 Uhr in einer Aktualisierung der Winterprognose an dieser Stelle.

Update der Wetterprognose von 20:02 Uhr

Der Winter bleibt nach der Wetterprognose der Amerikaner im Verlauf der zweiten Januardekade in Lauerstellung. Das bedeutet im Gegenzug, dass der Winter sich nur unter bestimmten Voraussetzungen bemerkbar machen kann, die im Moment theoretischer Natur und in der Prognose nicht zu erkennen sind.

Hochdruckblockade

Der Winter hatte heute Morgen und heute Nachmittag noch eine Chance, am östlichen Hochdruckgradienten über Deutschland zu einer nasskalten Witterung zu führen, bei der der Winter ab den mittleren Lagen optional blieb.

Heute Abend wird das Hoch auf dem Atlantik nicht nur östlicher berechnet, nein, es kippt gleich ganz über Europa ab, sodass Deutschland, die Schweiz und Österreich voll im Einflussbereich der Hochdruckzone liegen.

Sollte das der Fall sein, so ist im Zeitraum vom 12. bis 18. Januar mit einer abklingenden Niederschlagsneigung und einer zunehmenden Sonnenscheindauer zu rechnen. Am Tage erreichen die Temperaturen Werte von +2 bis +6 Grad und örtlich bis +8 Grad und können in der Nacht auf +0 bis +4 Grad und bei Aufklaren auf bis -3 Grad absinken. Das ist dann ziemlich weit vom Hochwinter entfernt.

So wird das nichts mit dem Winter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: So wird das nichts mit dem Winter
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Die Randfaktoren

Das kräftige Minor-Warming in Stratosphärenhöhe bleibt ohne Konsequenzen für das Wetter und die Windgeschwindigkeiten bleiben in Stratosphärenhöhe mit bis zu +200 km/h auf einem ungewöhnlich hohen Niveau. Normal wären Mitte Januar Windgeschwindigkeiten von +140 km/h und richtig interessant wird es erst, wenn sich die Winde in die negative Richtung entwickeln und damit die unteren Luftschichten ausbremsen. Das aber ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten.

Der NAO-Index - also der Wert, der vereinfacht ausgedrückt das Verhältnis zwischen dem Azorenhoch und dem Islandtief beschreibt - wird bis Mitte Januar positiv bewertet. Das ist als ein Fürsprecher der zonalen Grundströmung zu bewerten. Weite Teile des AO-Index - der vereinfacht den Zustand des Polarwirbels beschreibt, wird ebenfalls positiv bewertet. Das spricht für einen sich stabilisierenden Polarwirbel.

Die winterlichen Optionen

Es spricht nach wie vor einiges gegen einen Wintereinbruch und vieles für eine Fortschreibung der nasskalten Witterung. Was aber ist in Sachen Winterwetter möglich und was muss passieren, damit es zu einem Wintereinbruch kommen kann? Wir haben uns einmal die winterlichen Varianten der Kontrollläufe angeschaut und es ist hierfür immer eine Bedingung erforderlich: Das Hoch muss auf dem Atlantik bleiben und darf nicht nach Osten abkippen.

Nur auf diese Art und Weise kann der Winter über Deutschland eine Rolle spielen
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Nur auf diese Art und Weise kann der Winter über Deutschland eine Rolle spielen
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Die Wetterprognose der Europäer und der Kontrollläufe

Die Kontrollläufe bleiben ihrem Wettertrend der letzten Tage treu und berechnen - wie nicht anders zu erwarten ist - den nasskalten Witterungstrend, bei der eine winterliche Wetterlage oberhalb etwa 600 bis 700 Meter Einzug halten kann. Insbesondere im Zeitraum vom 5. bis 9. Januar können auch über tieferen Lagen Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer für Abwechslung sorgen und oberhalb etwa 400 bis 600 Meter kann mit der Ausbildung einer dünnen Schneedecke gerechnet werden.

Für die Jahreszeit zu mild

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells deutet das an, was die Folgen eines positiven AO- und NAO-Index wären. Das Azorenhoch flacht im Zeitraum vom 8. und 11. Januar nach Süden ab und die atlantische Frontalzone nimmt wieder an Fahrt auf und könnte sich mit der dritten Welle allmählich etablieren. Ob es so kommt, bleibt abzuwarten, denn der Trend zeigt bis zum 12. Januar das Aufwölben des Hochdrucksystems. Egal, aber wie man es dreht und wendet - so ist bis zum 13. Januar kein Winterwetter möglich.

Links die Wetterprognose der Europäer und rechts der Mittelwert der Kontrollläufe - mehr wie eine nasskalte Witterung nicht drin
Links die Wetterprognose der Europäer und rechts der Mittelwert der Kontrollläufe - mehr wie eine nasskalte Witterung ist derzeit nicht drin
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