Welche Auswirkungen hat La Niña auf den Winter in Deutschland?

| M. Hoffmann
Führt das Phänomen La Niña über Deutschland zu einem knackig kalten Winter? © Martin Bloch

La Niña ist spanisch und bedeutet kleines Mädchen. Es beschreibt ein Wetterereignis, dass häufig im Anschluss eines El-Niño Phänomens auftritt. Doch welchen Einfluss hat das La Niña Phänomen auf den Winter in Deutschland und sorgt es unter Umständen für einen knackig kalten Winter?

Wenn man so möchte, so ist La Niña exakt das Gegenteil von dem, was El-Niño ist. La Niña ist definiert als überdurchschnittlicher Luftdruckunterschied zwischen Südamerika und Indonesien. In Folge daraus kommt es zu starken Passatwinden, was das warme Oberflächenwasser vom Pazifik nach Südostasien transportiert und nachfolgend kühleres Wasser aus der Tiefe an die Oberfläche zieht. Die durchschnittliche Temperatur sinkt in diesem Prozess um bis zu 3 Grad ab.

Die Folgen können gravierend sein, reichen aber bei Weitem nicht an El-Niño heran. Häufig sind über der australischen Nordostküste heftige Niederschläge zu erwarten. Über Südostasien gibt es Starkniederschläge. Über Südamerika regnet es weniger und über Nordamerika kommt es häufiger zu Hurrikane.

Das La Niña Phänomen
Das La Niña Phänomen © www.nasa.gov

La Niña Bedingungen sind anhaltend
Die äquatorialen Meeresoberflächentemperaturen (SSTs) liegen in den meisten Fällen unter dem Durchschnitt der Pazifischen Ozeane. Die tropische pazifische Atmosphäre stimmt mit La Niña Bedingungen überein. La Niña wird im September und November mit einer Wahrscheinlichkeit von 91 Prozent und vom Dezember bis März mit einer Wahrscheinlichkeit von 54 Prozent im Winter 2022/23 auf der Nordhalbkugel fortgesetzt

Auszug aus dem ENSO Bericht vom 19. September 2022

Hat La Niña einen kalten Winter über Deutschland zur Folge?

Das werden wir mit den momentan anhaltenden La Niña Bedingungen immer wieder gefragt. Europa und insbesondere Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen nun nicht im unmittelbaren Einflussbereich von La Niña. Zudem ist der Effekt des Phänomens deutlich schwächer, als El-Niño. Gibt es denn überhaupt Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland?

Die NOAA hat sich der Sache einmal angenommen und die Auswirkungen La Niña - weltweit - untersucht. Deutschland, Österreich und der Schweiz ist davon nicht betroffen. Das kann man einmal so stehen lassen und stützt die These, dass La Niña überhaupt keinen Effekt auf das Winterwetter über Deutschland hat.

Das La Niña Phänomen und die Auswirkungen auf das Wetter
Das La Niña Phänomen und die Auswirkungen auf das Winterwetter © www.nasa.gov

La Niña und die warmen Winter

Wir möchten das aber genauer wissen und betrachten einmal die La Niña Jahre genauer. Die These lautet: La Niña hat auf dem Atlantik einen höheren Einfluss auf die Zonalisierung der Großwetterlage. Resultierend daraus, müsste es über Mitteleuropa deutlich zu warme Winter geben.

Untersucht wurden die La Niña Ereignisse mit moderater und starker Struktur. Entsprechend die Darstellung in der nachfolgenden Tabelle. Schwache La Niña Ereignisse wurden nicht berücksichtigt.

La Niña Jahre und Auswirkungen auf die Winter in Deutschland
La Niña Winter Deutschland Ab­weichung
1955-66 -2,22 Grad -2,0 Grad
1970-71 +0,3 Grad +0,1 Grad
1973-74 +2,5 Grad +2,2 Grad
1975-76 +0,96 Grad +0,76 Grad
1988-89 +3,1 Grad +2,9 Grad
1995-1996 -2,23 Grad -2,5 Grad
1998-99 +1,35 Grad +1,15 Grad
1999-00 +2,39 Grad +2,1 Grad
2007-08 +3,0 Grad +2,8 Grad
2010-11 -0,56 Grad -0,82 Grad
2011-12 +1,12 Grad +0,87 Grad
2020-21 +1,83 Grad +1,6 Grad
2021-22 +3,24 Grad +3,0 Grad

Keine Auswirkungen

Das, was sich auf der Karte der NOAA schon ableiten lässt, bestätigt sich nach genauerer Betrachtung. Von dreizehn La Niña Ereignissen waren über Deutschland neun Winter zu warm, einer normal und drei zu kalt. Ja, kalte - auch sehr kalte - Winter sind mit, aber nicht wegen La Niña möglich. Vielmehr zeigt sich in La Niña Jahren mit rund 69 Prozent eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter über Deutschland, Österreich und der Schweiz, was wohl mit der etwas erhöhten Neigung zu zonalen Großwetterlagen zusammenhängt.

Die Daten aber zeigen ein klares Ergebnis. Sind La Niña Bedingungen gegeben, so hat das über Deutschland, Österreich und der Schweiz überwiegend zu warme Winter zur Folge.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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