Wetter Winter 2019/2020 - Wetterprognose und Wettervorhersage

Wetter Winter 2020 aktuelle Wetterprognose vom 21.01.2020 - Warum der Winter ist, wie er ist - ein Erklärungsversuch

Der Winter scheint derzeit über Mitteleuropa chancenlos zu sein - und das seit Jahren. Warum ist das so und vor allem - bleibt das so?

Die Wetterprognose Februar 2020 ist für alle die, die sich den Winter wünschen wenig erbauend. Allenfalls nasskalte Varianten offenbaren sich mit winterlichen Optionen ab den mittleren Lagen, doch bleibt der Trend - seit Dezember - unentwegt der Gleiche und lautet im Urteil: für die Jahreszeit zu mild.

Wer uns kennt, kennt auch unseren Spruch: Warm gewinnt zunehmend häufiger. Da mögen die Vorhersage-Modelle noch so tolle - teils auch winterliche - Konstrukte berechnen, doch kurz bevor es soweit ist, kommt der nächste Warmluftschwall nach Deutschland herein geschwappt.

Wo ist er, der Winter?
Wo ist er, der Winter?

Warum die Winter so warm sind!?

Diese Frage wurde uns in den letzten Tagen und Wochen häufiger gestellt und wir versuchen heute einmal zu erklären, woran das liegen mag.

Kaltluftvorstoß über dem östlichen Kanada

Freunde des Winterwetters bekommen rote Flecken im Gesicht, wenn sie lesen müssen, dass über dem östlichen Kanada kalte Luftmassen nach Süden in Richtung Neufundland strömen. Bedeutet das zugleich eine dortig ansteigende Tiefdruckaktivität. Nachfolgend ziehen die Tiefdruckgebiete in Richtung Island und Skandinavien und vereiteln dadurch eine winterliche Wetterlage und neigen eher zu zonalen Strömungsmuster, die nicht selten mit einer Südwestwetterlage besonders mild ausfallen.

Kalte Luft strömt über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Kalte Luft strömt über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland
© www.meteociel.fr

Besonders fies sind für Winterliebhaber aber dann die Situationen, wie sie im Januar schon zu sehen waren und den Temperaturüberschuss weiter in die Höhe treiben, wenn das Hoch über Mitteleuropa liegt und im Verbund mit der Tiefdruckaktivität aus südlichen Richtungen warme - nicht milde - Luftmassen nach Deutschland befördert.

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Was aber ist die Ursache?

Der Kaltluftvorstoß über Kanada ist aber nur das Resultat einer Ursache, die im Polarwirbel zu finden ist. Mag es im Sommer oder Herbst noch so schöne gestörte oder meridional verlaufende Zirkulationsmuster geben. Pünktlich mit dem Dezember geht das Spiel der Zonalisierung stets von neuem los. Was sich in den letzten Jahren aber beobachten ließ, war, dass das sibirische Hochdrucksystem - schon frühzeitig zum Winter - eine Hochdruckbrücke in Richtung Kanada und Alaska aufbauen konnte.

Die Hochdruckbrücke zwischen Sibirien und Kanada/Alaska führt kalte Luftmassen nach Kanada
Die Hochdruckbrücke zwischen Sibirien und Kanada/Alaska führt kalte Luftmassen nach Kanada
© www.meteociel.fr

Das alleine bedeutet noch nicht einen zu milden Winter, es legt aber den Grundstein hierfür frühzeitig fest. Wird dieser Zyklus nicht gestört, so festigt sich das Strömungsmuster und über Kanada wird es zunehmend kälter. Kälte und Landmassen bedeuten aber eine gute Grundlage für Hochdrucksysteme und da diese sich im Uhrzeigersinn drehen, verstärkt sich das Muster der ausströmenden Kaltluft über dem östlichen Kanada - aus die Maus für den Winter, was sich in den Druckanomalien bspw. vom 6. Dezember besonders gut widerspiegelt. Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt war klar, dass der Winter bis Weihnachten keine Chance haben wird.

Druckanomalie vom 6. Dezember
Druckanomalie vom 6. Dezember © climatereanalyzer.org

Hat die Meereisfläche der Arktis damit etwas zu tun?

Das ist eine These, an die wir glauben, wobei der Glaube - wie immer - nicht mit Wissen gleichzusetzen ist. Doch was Forscher feststellen, ist ein steter Rückgang der Meereisfläche in der Arktis - also dort wo im Winter der Polarwirbel wütet und das Wetter über Deutschland maßgeblich beeinflusst. Gut zu sehen ist das Defizit der letzten Jahre, dessen Rekord im Jahre 2012 aufgestellt wurde, auf der nachfolgenden Grafik.

Die Meereisausdehnung der Arktis liegt seit Jahren unter dem Mittel
Die Meereisausdehnung der Arktis liegt seit Jahren unter dem Mittel
© www.meereisportal.de/

Graue Theorie oder was ist da dran?

Es mag zunächst einmal abstrakt klingen, dass eine Eisfläche über der Arktis einen Einfluss auf unser Wetter haben kann. Dabei spielt weniger das Eis als Kältepol eine Rolle, sondern vielmehr dessen Reflektionsfähigkeit. Die Eisfläche sorgt mit ihrer sog. Eis-Albedo-Rückkopplung für eine polare Verstärkung und spielt damit eine wichtige Rolle im Klimasystem der Erde.

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Warum? Eis reflektiert die Sonnenstrahlen und weder Land- noch Wassermassen können sich entsprechend erwärmen - die Energie wird quasi zurückgeworfen. Fehlt nun das Eis, so ist ein gegenteiliger Effekt zu erwarten. Die Energie wird durch das Meer aufgenommen, gespeichert und beschleunigt im schlimmsten Fall noch den Rückgang des arktischen Eisschildes. So verwundert es nicht, dass sich die arktische Meereisausdehnung im September seit 1979 quasi fast halbiert hat! Im gleichen Zeitraum hat sich aber auch die Meereisdicke nahezu halbiert!

Dabei ist der Mechanismus, wie das arktische Meereis das Wetter und Klima über Europa beeinflussen kann noch nicht vollständig verstanden. Eine aber durchaus plausible Erklärung liefert das Alfred-Wegener Institut mit folgendem Zitat:

… als dass das arktische Meereis im Winter relativ warmes Wasser (circa 0 Grad Celsius) von sehr kalter Luft (bis zu −40 Grad Celsius) abschirmt. Mit einem Rückgang des Meereises wird die Atmosphäre deshalb von unten her stark vom Meer erwärmt. Durch eine großflächige Abnahme des Meereises wird sich deshalb der Temperaturunterschied zwischen den niederen und den hohen Breiten der Hauptantrieb für die atmosphärischen Windsysteme reduzieren. Der Rückzug der Meereiskante nach Norden hat auch einen Einfluss auf die Hauptzugbahnen der Tiefdruckgebiete, die von der Meereiskante beeinflusst werden, und damit auf die Großwetterlagen in den benachbarten Regionen…. Zitat: Alfred-Wegener Institut

Global umfassende Windsysteme

Das Problem sind also die Windströmungen, die sich mit einer rückgängigen Meereisfläche verändern können. Evtl. sind damit auch die meridional verlaufenden Strömungsmuster in den Sommermonaten 2018 und 2019 zu erklären, bzw. die Hochdruckbrücke in den Wintern zwischen Sibirien und Kanada/Alaska. Zudem wurde vom Alfred-Wegener-Institut (AWI - Dr. Ralf Jaiser) festgestellt, dass im letzten Jahrzehnt - vor allem im Herbst und Winter - deutlich erhöhte Temperaturen in den unteren Atmosphärenschichten der Arktis gemessen wurden, welche mit der geringeren Meereisausdehnung in Zusammenhang stehen.

Nun haben aber wärmere Temperaturen die Eigenschaft nach oben aufzusteigen, was wiederum die Stabilität der Atmosphäre beeinflusst. Daraus können sich an bestimmten Stellen dynamische Zyklone ausbilden und ihr Unwesen treiben. Auf der anderen Seite aber sorgt der hohe Luftdruck für den Ausgleich (Rotationsschema). Wie gesagt - es ist ein Erklärungsversuch.

Ein zweiter Ansatz könnte darin liegen, dass der Rückzug der Meereiskante nach Norden die Tiefdruckaktivität ebenfalls weiter nach Norden wandern lässt und damit das Azorenhoch weiter nach Norden verfrachtet. Anders formuliert: befanden sich die Tiefdrucksysteme früher auf einer südlicheren Bahn (West-, bis nasskalt Nordwest), so erreichen diese Mitteleuropa kaum mehr und laufen auf das nach Norden verschobene Hoch auf. Gut dargestellt wird das in den aktuellen Druckanomalien:

Eine nach Norden verschobene Tiefdruckzone
Druckanomalie bis zum 31. Januar - Eine nach Norden verschobene Tiefdruckzone © climatereanalyzer.org

Nie wieder Winter?

Hätten manche wohl gern, doch ist diese Frage ist mit einem klaren Nein zu beantworten. Ja, der Klimawandel beeinflusst das gesamte System. Und da dies in einem fortlaufenden Prozess geschieht, verändern sich auch die Parameter - permanent. Und damit ist keineswegs sichergestellt, dass diese Strömungsmuster, bzw. die globalen Winde immer die gleichen bleiben. Nichts bleibt gleich. Und aufgrund dieser Veränderungen sind auch wieder kältere Winter - auch in Zeiten des Klimawandels - nicht auszuschließen.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,37 +2,4 +1,56 510 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Winter

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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