Wetter Winter 2019/2020 - Wetterprognose und Wettervorhersage

Wetter Winter 2019/2020: Hat die Schneedecke über Sibirien Auswirkungen auf den Winter in Deutschland?

Die Schneedecke über Sibirien kann mit entscheidend sein, wie der Winter über Deutschland verlaufen wird. Die Schneedeckenausbildung ist aber kein allein entscheidender Faktor, aber wenn alle Rahmenbedingungen passen, kann die Schneedecke für den Hochwinter über Deutschland von hoher Bedeutung sein.

Die ersten Schneeflocken gibt es am Wochenende Sonntag und Montag vor allem über dem Süden zu bestaunen. Örtlich ist auch mit der Ausbildung einer dünnen Schneedecke zu rechnen. Anschließend wird es wieder wärmer, doch so richtig durchsetzen kann sich die Zonalisierung wohl nicht. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die Schneeflocken auch bis auf tiefere Lagen vorwagen.

Es gibt einige Randfaktoren, welche für einen kalten oder milden Verlauf des Winters verantwortlich sein können. Passen mehrere Randfaktoren gut zueinander, so erhöhen sich die Chancen für einen kalten Winter. Einer dieser Faktoren ist die frühe Ausbildung einer großflächigen Schneedecke über Sibirien.

Welche Auswirkung hat die Schneedecke auf den Winter über Deutschland?

Wir möchten heute unsere mehrteilige Serie über die sog. Randfaktoren mit der Schneedeckenausbreitung über Sibirien fortführen. Warum ist früher Schnee über Sibirien für einen Hochwinter über Deutschland wichtig?

Zum Beginn des Winters hat der Schneefall über Sibirien noch keine sonderlichen großen Auswirkungen, je früher er aber eintritt und je rascher die Schneedecke anwachsen kann, desto förderlicher ist das in der Theorie für winterliche Großwetterlagen, welche von Sibirien ausgehend meist mit dem sich in Richtung Nordeuropa ausdehnenden Kontinentalhoch zusammenhängen.

Liegt früh und reichlich viel Schnee über Sibirien, so könnte das für den Hochwinter entscheidend sein
Liegt früh und reichlich viel Schnee über Sibirien, so könnte das für den Hochwinter entscheidend sein
© Martin Bloch

Eigenschaften einer Schneedecke

  • Schnee hat die Eigenschaft Sonnenstrahlen zu reflektieren und einen Großteil der Energie zurück zu werfen (hohe Albedo)
  • Schnee reflektiert ca. 90Prozent der Energie, dunkler Boden nimmt 70 bis 80 Prozent der Energie auf
  • Die Schneedecke hält Wärme auf dem Boden zurück, wirkt also wie eine isolierende Schicht
  • Generell wirkt Schnee hemmend für hohe Temperaturen - egal bei welcher Wetterlage
  • Schnee holt sich die Feuchtigkeit aus der Luft, was wiederum zur Abkühlung der Temperaturen führt
  • Bei Tauwetter verzögert eine Schneedecke den Temperaturanstieg, da Energie für den Tauprozess benötigt wird

Schnee entzieht der Luft Feuchtigkeit

Stark vereinfacht ausgedrückt: Schnee frisst Feuchtigkeit und sorgt für ein auskühlen der Temperaturen. Kalte Temperaturen gehen meist mit hohem Luftdruck einher, was wiederum die nächtliche Abstrahlung begünstigt und so setzt sich ein Prozess der langsam immer kälter werdenden Temperaturen in Gang - die Kälte produziert sich selbst.

Das geht so lange, bis die Sonne wieder einen Stand erreicht hat, bei der die Temperaturen ins Gegenteil umschlagen. Sibirien ist somit das Land, bzw. die Region der hohen Temperaturgegensätze. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Januar - im Hochwinter - tagsüber meist bei -16 Grad und gehen in den Nächten auf bis -25 Grad zurück.

Ist das Wetter extrem, so können die Temperaturen auch schon mal bis an die -50 Grad Grenze absinken. Im Sommer erreichen die Werte meist +20 bis +22 Grad, wobei hier die Extreme auch bis über +30 Grad betragen können. Das macht im Normalfall einen Temperaturunterschied von 30 bis 40 Grad aus.

In Sibirien bei -48 Grad unterwegs

Die Auswirkungen der Schneedecke über Sibirien

Liegt also reichlich Schnee über Sibirien, so ist das für das Kontinentalhoch förderlich. Je früher der Schnee fällt, desto ausgeprägter und stärker kann das Kontinentalhoch werden. Das kann zu zwei wesentlichen Wetterereignissen führen. Zum einen kann ein stark ausgeprägtes Kontinentalhoch den Polarwirbel schwächen, wie es im November schon einmal der Fall war und zum anderen begünstigt eine Ausdehnung des Kontinentalhochs in Richtung Nordeuropa auch den Hochwinter über Mitteleuropa, welcher meist ab Mitte Januar zu erwarten ist.

Das Kontinentalhoch produziert also nicht nur Kälte, es exportiert diese auch in andere Regionen. Und sobald der Polarwirbel anfängt zu wackeln, wird noch mehr Energie aus der Troposphäre absorbiert und der Polarwirbel weiter geschwächt. Ein schwacher Polarwirbel neigt dazu zu mäandrieren, was warme Luftmassen aus den niederen Breiten nach Norden und kalte Luft arktischen Ursprungs nach Süden führt. Sind die Bedingungen perfekt, ist auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz tiefstes Winterwetter möglich.

Es ist aber nicht zwingend, dass mit einem starken Kontinentalhoch ein kalter Winter über Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgen wird. Es ist lediglich ein begünstigender Faktor. Bspw. im Jahr 2016 war die Schneedeckenausbreitung über Sibirien sehr früh außergewöhnlich weit fortgeschritten. Trotzdem war der Dezember viel zu warm. Erst im Januar sorgte die fast dreiwöchige Hochwinterphase für eine deutliche Abkühlung, welche auch im Februar über dem Norden noch für eisige Temperaturen sorgte. Zwar gab es im Winter 2016/17 keine begünstigende Hochdruckausbildung über Skandinavien, aber dennoch reichte der Hochdruckkeil über Mitteleuropa bis zum Kontinentalhoch und sorgte somit für die Dauerfrostperiode.

Aktuelle Schneedeckenausbreitung über Sibirien

Die Schneedecke ist auf den nördlichen Bereich begrenzt und reicht bis an den nördlichen Rand der Mongolei und Kasachstan. Nach Westen reicht die Ausdehnung bis über das mittlere Skandinavien. Die Schneehöhe beträgt - wie in den Jahren zuvor auch - zwischen 30 bis 50 cm. Die Auffälligkeit zeigt sich in der frühen Ausbildung der dann doch nennenswerten Schneedecke über der Mitte von Skandinavien und auch weiter östlich ist eine gute Ausprägung erkennbar. Im Vergleich aber zum letzten Jahr Stockt die Schneedeckenausbreitung vor Moskau. Anders formuliert ist die Schneedecke über dem Norden gut ausgeprägt, lässt aber nach Westen zu wünschen übrig. Das hängt u.a. mit der frühen Hochdruckausdehnung nach Westen im November zusammen. Ein Hoch hat die Eigenschaft, dass kein Niederschlag fällt.

Zunächst noch ruhiges Dezember-Wetter
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Wettermodell: Zunächst noch ruhiges Dezember-Wetter
© www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht

Die Schneedeckenausbildung über Sibirien war schon mal besser, doch der aktuelle Zustand unterscheidet sich weniger gravierend von den letzten Jahren. Anders formuliert ist ein Hochwinter über Mitteleuropa - Aufgrund der Schneesituation über Sibirien - nicht in Gefahr. Das sind in der Wintersaison 2019/20 andere Rahmenbedingungen gewichtiger. Allen voran die Erhaltungsneigung rund um das meridionale Strömungsmuster und dem Gegenpol des Ausgleichsverhaltens in Form der Zonalisierung. Und die schwache Sonne hat da auch noch etwas mit zu entscheiden.

Zusammenfassung

  • Eine frühe Schneedeckenausbildung über Sibirien fördert ein starkes Kontinentalhoch
  • Ein sehr kräftiges Kontinentalhoch hat größeren Einfluss auf den Polarwirbel
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch hat bessere Chancen sich im Hochwinter weiter nach Westen in Richtung Europa auszudehnen
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch ist nicht zwingend für einen kalten Winter verantwortlich. Maßgeblich muss die Großwetterlage passen
  • Aktuelle Ausbreitung der Schneedecke ist schwächer als in den Jahren zuvor und lässt sich mit dem Stand vom Oktober 2011 vergleichen

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,37 +2,4 +1,56 510 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Winter

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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