Hoher Luftdruck dehnt sich in Richtung Mitteleuropa aus und bringt den Spätsommer nach Deutschland. Doch der Wettercharakter ist keineswegs ungetrübt und in Sachen der Stabilität gibt es auch noch die einen oder anderen Fragezeichen.

Die über dem Süden und Osten kräftigen Niederschläge der letzten Tage ziehen heute nach Norden ab. Häufiger kommt bei wechselnder Bewölkung die Sonne zum Vorschein und lässt die Temperaturen - vor allem über dem Süden - in den spätsommerlichen Bereich ansteigen.

So sind im Wochenverlauf über dem Norden Werte von +15 bis +20 Grad und über dem Süden von +18 bis +24 Grad und örtlich bis +26 Grad möglich. Zwischendurch sind aber auch kurze Abschnitte mit etwas Niederschlag zu erwarten, doch halten sich die Niederschlagsprognosen mit 0 bis 5 l/m² in Grenzen. Lediglich die heutigen Regenfälle über den Küstenregionen führen mit 15 bis 30 l/m² und örtlich bis 50 l/m² zu bemerkenswerten Niederschlagssummen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter September 2019.

Ein Hoch sorgt für einen spätsommerlichen Wettercharakter
Ein Hoch sorgt für einen spätsommerlichen Wettercharakter

Zwischen einem Hoch und einem Tief

Schaut man sich die dazugehörige Großwetterlage an, so erstreckt sich die atlantische Frontalzone von Neufundland über Island bis nach Skandinavien, während das Azorenhoch sich auf den Weg in Richtung Mitteleuropa aufmacht. Deutschland liegt zunächst zwischen den Fronten. Zwar dominiert das Hoch das Wettergeschehen, doch kann nicht verhindert werden, dass zeitweilige Wolkenfelder vorüberziehen.

Hoher Luftdruck sorgt für einen spätsommerlich warmen Wettercharakter
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Hoher Luftdruck sorgt für einen spätsommerlich warmen Wettercharakter © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Hochdruckdominanz

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells war in den letzten Tagen noch skeptisch bzgl. einer Hochdruckposition über Mitteleuropa. Das hat sich heute nun geändert.

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Warmes und trockenes Herbst-Wetter

Das Hochdrucksystem verlagert sich vom 13. bis 15. September vom Atlantik in Richtung Mitteleuropa und baut sich zum 16. September über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einem autarken Hochdruckgebiet aus. In der Übergangsphase können aus nördlichen Richtungen kurzzeitig kühlere Luftmassen vordringen, doch rasch sorgt die zunehmende Sonnenscheindauer für ansteigende Werte.

Stabiles Hochdruckwetter

In der zweiten und letzten September-Dekade dominieren - nach der Statistik - häufiger mal Tiefdruckgebiete das Wettergeschehen über Mitteleuropa. Das Wetter scheint sich in diesem Jahr an die Statistik zu halten - zumindest, wenn es nach der Wetterprognose des europäischen Wettermodells geht. Das Hoch verlagert sich nicht nur über Mitteleuropa, sondern baut seinen Kerndruck über Deutschland zentral aus und schwankt am 20. September zwischen 1030 hPa und 1033 hPa.

Keine Chance für die Tiefdruckgebiete

Die Tiefdrucksysteme werden in einem weiten Bogen um Mitteleuropa herumgeführt, was die Blockadesituation noch verstärkt. Zudem entsteht vor Portugal und Spanien ein schwachgradientiges Tiefdruckgebiet, welches im Verbund mit dem Hoch sehr warme Luftmassen nach Norden führt. So können die Tageswerte bis zum 20. September ohne weiteres auf +18 bis +24 Grad und örtlich bis +27 Grad ansteigen. Das ist für den Beginn der letzten September-Dekade etwa um 5 bis 10 Grad zu warm.

Spätsommerliche Großwetterlage - der Herbst kann sich nicht durchsetzen
Berechnung Großwetterlage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Spätsommerliche Großwetterlage - der Herbst kann sich nicht durchsetzen © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Mehr Herbst als Spätsommer

War das europäische Wettermodell in den letzten Tagen noch in Sachen Spätsommer skeptisch, so ist es heute das amerikanische Wettermodell. Die Bedingung für eine stabile Großwetterlage ist die Verlagerung des Hochdrucksystems in Richtung Mitteleuropa und hier gibt es noch ein paar Fragezeichen. Solange sich die Vorhersage-Modelle nicht einig sind, bleiben die Temperaturvariationen offen und zahlreich.

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Die warme Phase ist nur von kurzer Dauer

Das Hoch dehnt sich bis zum 15. September in Form eines Hochdruckkeils vom Atlantik bis nach Mitteleuropa aus. Gleichzeitig aber nimmt die Tiefdruckaktivität zwischen Neufundland und Island zu und steuert Skandinavien an. Der hohe Luftdruck versucht sich über Mitteleuropa zu behaupten, doch bis zum 16. September hat sich über Skandinavien ein beeindruckender Tiefdruckwirbel stabilisiert und pumpt auf seiner Rückseite kalte Luftmassen nach Süden. Die warme Temperaturphase kann sich mit Werten vom +18 bis +24 Grad etwa bis zum 17. September halten.

Das Hochdruckgebiet weicht aus

Der Tiefdruckwirbel über Skandinavien intensiviert sich weiter und erreicht zum 18. September einen Kerndruck von 970 hPa. Zur gleichen Zeit weicht das Hoch auf den Atlantik aus und baut einen Hochdruckkeil in Richtung Grönland auf.

Herbstlich

Damit wird das Zirkulationsmuster stark meridionalisiert und mit Werten von +10 bis +15 Grad und örtlich bis +18 Grad werden herbstlich frische Luftmassen zugeführt. Zudem ist bei starker bis wechselnder Bewölkung immer wieder mit etwas Niederschlag zu rechnen und ein kräftiger - über dem Norden in Böen auch stürmischer - Wind komplettiert den herbstlichen Wettercharakter.

Dem Hebst so nah, dem Spätsommer fern
Berechnung Großwetterlage nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Dem Hebst so nah, dem Spätsommer fern © www.meteociel.fr

Wettertrend der Kontrollläufe: Frühherbst oder Spätsommer?

Wir weisen in den letzten Tagen immer wieder einmal darauf hin, dass es in der kommenden Wetterentwicklung stark darauf ankommen wird - wo - sich das Hoch wird positionieren können. Da spielen wenige hundert Kilometer eine entscheidende Rolle, da es sich um eine Kippsystematik handelt. Man kann es auch Hop oder Top nennen.

Um das Ganze noch zu unterstreichen: die Wettervorhersage der Wettermodelle sind im Vergleich zu gestern nahezu identisch, nur eben mit dem Unterschied, dass das europäische Wettermodell die kühle und das amerikanische Wettermodell die warme Variante im Programm hatte. Heute nun umgekehrte Vorzeichen.

Schaut man sich die Kontrollläufe an, so bildete das amerikanische Vorhersage-Modell in den letzten Tagen die absolut wärmste Variante ab - heute ist es mit Abstand die kälteste. Doch die Wahrheit liegt keineswegs in der Mitte. Es wird wohl auf ein Showdown zwischen zu warm und zu kalt hinauslaufen.

Die bessere Optionen haben in den Kontrollläufen die wärmeren Varianten. Sind diese - zum aktuellen Stand - doch in der Mehrheit.

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Kaum Niederschlag

Die Kontrollläufe berechnen bis zum 20. September allgemein schwache bis sehr niedrige Niederschlagssignale und steigen zum 21. September über dem Süden etwas an. Von nennenswerten Niederschlagssummen kann aber nicht die Rede sein. Vielmehr deutet das auf eine bis in die letzte September-Dekade anhaltende Hochdruckdominanz hin.

Temperaturspektrum der Kontrollläufe
Tag Spektrum Mittelwert
16. September +14 bis
+26 Grad
+19 bis
+20 Grad
21. September +8 bis
+21 Grad
+17 bis
+19 Grad
25. September +9 bis
+24 Grad
+17 bis
+19 Grad
Diagramm Temperaturen September 2019 vom 10.09.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Auf den Punkt gebracht

Hop oder Top so lautet auch heute das Motto. Die Vorhersage-Modelle kehren ihre Wetterprognosen gegenüber gestern komplett um. Das eine dreht von zu kalt auf zu warm und das andere von zu warm auf zu kalt. Die Ursache liegt in der unklaren Hochdruckposition. Geht es nach der Statistik, so wird die zweite und letzte September-Dekade häufiger von hohem Luftdruck dominiert. Ein komplettes übergreifen der atlantischen Frontalzone ist zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich. Anders formuliert steht ein weitgehend trockener Wetterabschnitt bevor - ob der aber warm oder kühl ausfallen wird, bleibt abzuwarten.

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