Kommt der Winter bis ins Flachland, oder sorgt eine Nordwestwetterlage für nasskalte Witterungsverhältnisse? Der Wettertrend ist klar umrissen und warme Varianten haben kaum mehr Chancen sich durchzusetzen.

Das nächste Sturmtief erreicht Deutschland am Wochenende und sorgt für kräftige Winde, welche entlang der Küstenregionen und über exponierten Lagen auch zu schweren Sturmböen führen können. Mit dem Wind wird es kurzzeitig etwas milder, was die Schneefallgrenze bis zum Sonntag bis auf die höheren Lagen ansteigen lassen kann. Mit Abzug des Tiefdrucksystems wird es zum Start in die neue Woche wieder kälter, was Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen ermöglicht. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter Januar 2019.

Verantwortlich für den Wind und die Milderung ist ein Tiefdrucksystem über Skandinavien, welches an seinem südlichen Rand kleinere Tiefdruckentwicklungen ermöglicht. Vorderseitig führen diese milde und auf der Rückseite kältere Luftmassen nach Deutschland. Zum Start in die neue Woche verlagert sich das Hochdrucksystem weiter in Richtung der Azoren, während das Zirkulationsmuster über Mitteleuropa sich auf eine nasskalte Nordwestwetterlage einschwingt.

Der Flachlandwinter hat seine Chancen
Der Flachlandwinter hat seine Chancen

Wetterprognose amerikanisches Vorhersage-Modell: Winterliche Wetterverhältnisse auch im Flachland möglich

Der Wettertrend von winterlich kalten Temperaturen berechnet das amerikanische Vorhersage-Modell seit ein paar Tagen und bestätigt diesen Trend heute erneut. Somit erhöht sich die Eintreffwahrscheinlichkeit einer winterlichen Großwetterlage.

Eine meridionales Strömungsmuster sorgt für Winterwetter

Der Wettercharakter ist bis zum 18. Januar als nasskalt zu bewerten. Nach der Milderung von Wochenende gehen die Schauer wieder in Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer über und sorgen ab den mittleren Lagen für die Ausbildung einer Schneedecke. Über den höheren Lagen bleibt es tiefwinterlich.

Ab dem 17. Januar strebt ein Hochdruckkeil des Azorenhochs nach Norden auf und positioniert sich bis zum 20. Januar zwischen den Azoren und Skandinavien. Die atlantische Tiefdruckrinne wird unterbrochen und nachfolgend blockiert. Die Tiefdrucksysteme über Skandinavien und dem östlichen Europa führen aus nördlichen Richtungen kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Deutschland, Österreich und die Schweiz, was bis in tiefere Lagen herab für Dauerfrost und Schneefall sorgen kann. An dieser winterlichen Großwetterlage ändert sich im Zeitraum vom 20. bis 27. Januar kaum etwas.

Tiefwinterlich kalte Temperaturen

Sollte sich die Großwetterlage so einstellen, wie vom amerikanischen Prognose-Modell berechnet, dann könnten die Tageshöchstwerte in der letzten Januar-Dekade auf -9 bis -2 Grad absinken. In den Nächten wäre bei Werten von -15 bis -5 Grad mit strengem Frost zu rechnen.

Tiefwinterliche Wetterverhältnisse in der letzten Januar-Dekade
Berechnung Großwetterlage des amerikanischen Vorhersage-Modells: Tiefwinterliche Wetterverhältnisse in der letzten Januar-Dekade © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: teils winterlich

Die Wettervorhersage des europäischen Prognose-Modells folgt der Berechnung des amerikanischen Wettermodells nicht. Doch die Entwicklung selbst schließt winterliche Wetterverhältnisse nicht gänzlich aus.

Auf dem Atlantik geht es rund

Und darin mag auch die Schlüsselszene liegen. Die Kaltluftansammlung bei Kanada ist enorm und sorgt bei Neufundland für eine hohe Tiefdruckaktivität. An Nachschub soll es der Tiefdruckrinne nicht mangeln. Entscheidend für den Winter wird sein, ob die Tiefdruckrinne gestört, oder blockiert werden kann.

Am 16. Januar liegt ein kräftiger Tiefdruckwirbel zwischen Island und Skandinavien. Über der Mittelmeerregion bildet sich ein schwaches Hochdrucksystem aus, was die Tiefdruckgebiete an einem Abtropfvorgang nach Süden hindert. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen kurzzeitig in eine mildere Südwestanströmung der Luftmassen.

Am 17. Januar dehnt sich ein Hochdruckkeil des Azorenhochs nach Island auf und nimmt Kontakt mit dem Polarhoch auf. Das wäre ein Störimpuls, welcher die Tiefdruckrinne blockieren kann und tatsächlich berechnet das europäischen Wettermodell eine über Mitteleuropa meridionale Grundströmung, bei der es im Zeitraum vom 17. bis 20. Januar kälter werden kann. Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer wären bis in tiefere Lagen zu erwarten.

Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik zu hoch

Doch die winterliche Großwetterlage behauptet sich nicht. Stattdessen drücken sich die atlantischen Tiefdrucksysteme durch und beenden die Hochdruckblockade. Das Strömungsmuster bleibt weitgehend nordwestlich orientiert. Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen mit winterlichen Wetterbedingungen ab den mittleren Lagen (400 bis 600 Meter) wären die Folge aus dieser Prognose.

Zwischen den Stühlen - Auf den Hochdruckkeil kommt es an
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Zwischen den Stühlen - Auf den Hochdruckkeil kommt es an © www.meteociel.fr

Wie wahrscheinlich ist ein Flachlandwinter?

Gleich vorweg - die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells ist zum aktuellen Stand infrage zu stellen, da er in den Kontrollläufen zu den mit Abstand kältesten Varianten zählt. Der Mittelwert der Kontrollläufe schwankt in einem Grenzbereich.

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Winter oder nasskalt?

Die Frage nach einer Milderung stellt sich derzeit nicht. Der Wettertrend ist klar strukturiert und pendelt zwischen nasskalten und winterlichen Wetterbedingungen. Wie knapp das Ganze ist, zeigt sich anhand der Temperaturentwicklung in rund 1.400 Meter Höhe. Diese Werte schwanken im Zeitraum vom 15. bis 27. Januar zwischen -4 und -7 Grad. Für winterliche Wetterverhältnisse bis in tiefere Lagen sollten es schon -7 Grad sein. Für mittlere Lagen reichen -4 bis -5 Grad. Das amerikanischen Wettermodell berechnet Höhenwerte von -10 bis -15 Grad und das zeigt, wie weit diese Prognose vom Mittelwert der Kontrollläufe entfernt ist. Anders formuliert lässt sich die Frage nicht so einfach beantworten - der Winter wird für die tieferen Lagen definitiv eine knappe Kiste.

Hohe Niederschlagserwartung

Die Niederschlagsneigung wird von den Kontrollläufen im Zeitraum vom 16. bis 26. Januar als mäßig hoch bewertet. Passen die Temperaturen, wäre demnach viel Neuschnee zu rechnen - vor allem in den höheren Lagen.

Diagramm Temperaturen Januar 2019 vom 11.01.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Major-Warming

Die Windumkehr in Stratosphärenhöhe entlang des 65. Breitengrades erreicht heute mit einer Windgeschwindigkeit von -63 km/h ihren vorläufigen Höhepunkt. Darüber hinaus pendelt sich der Mittelwert auf -25 km/h ein. Das bedeutet, dass der stratosphärische Wirbel bis 27. Januar gestört wohl bleibt.

Polarwirbel mit Stabilitätsproblemen

Der stratosphärische Wirbel hat sich in den letzten Tagen geteilt. Ein aktives Zentrum liegt über Kanada, das zweite über Sibirien. Dazwischen schiebt sich das Hoch von den Aleuten bis weit über das europäische Nordmeer. Und da wären wir wieder bei der Schlüsselszene, denn genau in diesem Aktionszentrum strebt in den unteren Luftschichten - stark vereinfacht ausgedrückt - der Hochdruckkeil nach Norden. Dass das so kommt ist plausibel und wahrscheinlich, doch ob es den Winter nach Deutschland bringt, kann zum aktuellen Stand nicht beantwortet werden.

Auffällig aber ist die Anzahl der Kontrollläufe, welche den Polarwirbel in einem instabilen Zustand berechnen. Dreiviertel aller Simulationen haben die Instabilität berücksichtigt - in einigen Varianten zeigt sich auch ein kompletter Polarwirbelsplit. Viel auffälliger aber ist der Hochdruckkeil von den Azoren aus in Richtung Norden. Dieser wird mehrheitlich simuliert.

Auffällig das Blockadehoch auf dem Atlantik
Berechnung Großwetterlage nach Kontrolllauf: Auffällig das Blockadehoch auf dem Atlantik © www.meteociel.fr

NAO- und AO-Index wenig aussagekräftig

Der AO-Index hat einen klar negativen Entwicklungstrend, was für die Instabilität des Polarwirbels spricht. Der NAO-Index bleibt leicht positiv zu bewerten und erst in der letzten Januar-Dekade zeigt sich ein langsamer Abwärtstrend in die negative Richtung. Ob es zu einer Hochdruckblockade zwischen den Azoren, Island und Grönland kommt, ist zum aktuellen Stand noch fraglich.

Druckanomalie bis 21. Januar
Druckanomalie bis 21. Januar - Strebt das Hoch nach Norden auf, kommt der Winter © climatereanalyzer.org

Wetterprognose Langfristmodell: Weitere Korrekturen

Die ersten Januartage waren gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um +2,5 Grad zu warm. Daran wird sich bis zur Monatsmitte auch kaum etwas verändern. Dass die zweite Hälfte des Winters aber kälteres Wetter bringen kann, zeigen die Korrekturen des Langfristmodells.

  • Lange Zeit wurde der Januar 2019 mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert deutlich zu warm simuliert. Das hat sich in der Zwischenzeit geändert. Aktuell liegt die Abweichung mit -0,5 bis +0,5 Grad im normalen Bereich und kann mit einer Abweichung von bis +1 Grad im Trend leicht zu warm auszufallen. In der Niederschlagsprognose zeigt sich das Januarwetter gegenüber seinem Sollwert deutlich zu nass.
  • Ähnliches gilt auch für den Wettertrend vom Februar 2019, welcher mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad in den letzten Wochen stets zu warm berechnet wurde. Zwischenzeitlich wurden die Werte korrigiert und der Norden könnte mit einer Abweichung von -1 bis +0,5 Grad im Trend leicht zu kalt ausfallen. Der Süden hat mit einer Differenz von -0,5 bis +1 Grad einen normalen bis allenfalls leicht zu milden Trend. Der Niederschlagstrend ist nur noch leicht erhöht.
Abweichungen der Temperaturen im Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Dezember 2018 +3 Grad Viel zu nass
Januar 2019 -0,5 bis +1 Grad Trend: deutlich zu nass
Februar 2019 -1 bis +1 Grad Trend: etwas zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 11.01.2019
Diagramm der Temperaturprognose Winter 2018/19

Die Trendumkehr des Langfristmodells zeigt, dass an der aktuellen Entwicklung tatsächlich mehr dahintersteckt. Interessant ist das simulierte Niederschlagsdefizit über Skandinavien. Das Langfristmodell geht von einer Hochdruckdominanz über dem Norden aus, was über Deutschland eine östliche Strömungskomponente zur Folge haben kann. Spannend - in jeder Hinsicht. Was sich im Tagesverlauf alles verändert hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle in einer kurzen Aktualisierung der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose von 20:14 Uhr
Das amerikanische Vorhersage-Modell bestätig heute Abend im Zeitraum vom 16. bis 20. Januar eine mit Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer für die tieferen Lagen nasskalte Großwetterlage, welche über den mittleren Lagen den Winter zurückbringen kann. Ab dem 20. Januar kippt das Strömungsmuster auf nördliche Richtungen, was für Schneefall bis in die tieferen Lagen herab sorgen kann. Tiefwinterlich kann es nach dieser Prognose ab den mittleren Lagen werden und verbreitet ist auch mit Dauerfrost bis in tiefere Lagen zu rechnen. Ob es aber auch für Winterwetter in den westdeutschen Ballungsgebieten reicht, bleibt abzuwarten.

Der Flachlandwinter wird für die letzte Januar-Dekade erneut berechnet
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Der Flachlandwinter wird für die letzte Januar-Dekade erneut berechnet © www.meteociel.fr


Das europäische Vorhersage-Modell: Nasskalt mit winterlichen Optionen
Auch das europäische Vorhersage-Modell bleibt seiner Linie treu und berechnet in Zeitraum vom 17. bis 21. Januar eine nasskalte Wetterentwicklung mit Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen herab. Ab den mittleren Lagen besteht die Möglichkeit der Ausbildung einer Schneedecke. Das Zirkulationsmuster beginnt in der letzten Januar-Dekade zu mäandrieren (verschlungen), was die winterlichen Wetterentwicklungen bis in tieferen Lagen optional offen hält.

Winterliche Wetterentwicklung ab den mittleren Lagen
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Winterliche Wetterentwicklung ab den mittleren Lagen © www.meteociel.fr


Kontrollläufe: zunehmend winterlich
Auch daran hat sich nichts verändert. Die Höhentemperaturen schwanken zwischen -4 bis -8 Grad und offerieren für den Winter eine gute Chance sich über den mittleren Lagen nachhaltig festsetzen zu können. Fraglich bleibt es weiterhin für die tieferen Lagen. Das Temperaturspektrum erstreckt sich bspw. am 24. Januar zwischen -7 und +5 Grad bei einem Mittelwert von +0,5 Grad über dem Westen, -1 Grad über dem Norden und Süden und -2 Grad über dem Osten.

Milde Varianten haben wenig Relevanz.

Gestörter Polarwirbel
Auch das bestätigen die Kontrollläufe heute Abend. Die Mehrheit berechnet einen instabilen Polarwirbel. Auffällig dabei ist, dass sich in den meisten Berechnungen zwischen den Azoren und Island/Grönland ein Blockadehoch ausbildet.

Winterliche Wetterverhältnisse
Berechnung der Großwetterlage nach Kontrolllauf: Winterliche Wetterverhältnisse © www.meteociel.fr


Fazit: Ein nachhaltiger Wetterumschwung in Richtung Winter wird ab dem 16. Januar zunächst für die mittleren Lagen und ab dem 19./21. Januar für die tieferen Lagen wahrscheinlicher. Entscheidend aber wird sein, wie sich der Polarwirbel in den kommenden Tagen entwickeln wird.

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