Der Winter macht sich in den kommenden Stunden über Deutschland wieder bemerkbar. Doch wie nachhaltig ist diese Entwicklung und welche Optionen hat der Hochwinter?

Ein Sturmtief zieht aktuell über Deutschland hinweg und sorgt verbreitet für kräftige Winde. Kurzzeitig wird es etwas milder, doch der Sturm führt kältere Luftmassen nach Deutschland, was die Schneefallgrenze weiter bis in tiefer Lagen absinken lassen kann. Ab den mittleren Lagen ist mit der Ausbildung einer Schneedecke zu rechnen und über den Alpen kommen weiter ordentliche Neuschneemengen hinzu. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter Januar 2019 und der Schneeprognose.

Zwar sinken die Werte über dem Süden in den Dauerfrostbereich ab, doch so richtig winterlich wird sich die kommende Kaltluftphase nicht anfühlen. Vor allem über dem Norden, wo die Tageswerte bis auf +5 Grad ansteigen können und zum Wochenende naht schon das nächste Tief und sorgt mit einer Milderung für nasskalte Wetterverhältnisse und eine ansteigende Schneefallgrenze. Mehr ist im Moment mit der anhalten hohen Tiefdruckaktivität nicht möglich.

Wann kommt Schnee, der auch mal länger liegen bleibt?
Wann kommt Schnee, der auch mal länger liegen bleibt?

Wetterprognose amerikanisches Vorhersage-Modell: Nasskaltes Waschküchenwetter

Die Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells berechnet im Zeitraum vom 13. bis 20. Januar eine zwischen Neufundland und Skandinavien sehr aktive Tiefdruckrinne. Das Hochdrucksystem auf dem Atlantik verhält sich mäßig passiv und strebt immer wieder einmal nach Norden auf, was über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu einer Nordwestwetterlage führt.

Ein Sturmtief nach dem anderen

Die Wetterentwicklung ist im gesamten Zeitraum als aktiv-dynamisch zu bewerten. Deutschland gelangt immer wieder in den Einflussbereich der Sturmtiefsysteme, was zu einem sehr windigen - teils stürmischen - unbeständigen und nasskalten Wettercharakter führt. Entsprechend hoch ist das Potential für Unwetter.

Teils Schnee, teils Regen

Die Temperaturen pendeln sich über dem Norden zwischen +3 bis +7 Grad und über dem Süden zwischen +1 bis +5 Grad ein. Kurzzeitig kann es mal milder und auch mal etwas kälter werden. Die Schneefallgrenze schwankt häufig zwischen 500 und 800 Meter. Zwischendurch sind auch Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen möglich - doch winterliches Wetter sieht anders aus.

Nasskalte Nordwestwetterlage
Berechnung Großwetterlage des amerikanischen Vorhersage-Modells: Nasskalte Nordwestwetterlage © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Nasskaltes Januarwetter

Von einer hochwinterlichen Großwetterlage ist auch in der Wettervorhersage des europäischen Vorhersage-Modells nichts zu erkennen. Ein Tiefdrucksystem nach dem anderen nähert sich Mitteleuropa, doch im Unterschied zum amerikanischen Wettermodell ist das Strömungsmuster etwas anders konfiguriert.

Das Hochdrucksystem positioniert sich einen Tick nördlicher, was die Grundströmung mehr auf nordwestliche Richtungen verlagert. Bei Tageswerten von +3 bis +7 Grad ist im Zeitraum vom 12. bis 17. Januar immer wieder mit - zum teils kräftigen - Niederschlägen zu rechnen, welche über den mittleren Lagen teils als Schnee, teils als Regen niedergehen. In Lagen oberhalb etwa 800 bis 1.000 Meter ist durchweg mit Schneefall zu rechnen.

Weniger West, mehr Nordwest
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Weniger West, mehr Nordwest © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Zu kalt um warm zu sein, zu mild um kalt zu sein

Diesen Widerspruch berechnen die Kontrollläufe heute. Der Mittelwert in ca. 1.400 Meter Höhe schwankt im Zeitraum vom 12. bis 16. Januar zwischen -2 und -5 Grad. Das reicht für Winterwetter ab den höheren Lagen und teils bis auf die höheren mittleren Lagen absinkend. Der Rest verbleibt im nasskalten Wettersumpf. Und dennoch - die Durchschnittstemperatur ist mit +1 bis +3 Grad über dem Osten und Süden und +2 bis +4 Grad über dem Norden und Westen gegenüber dem langjährigen Mittelwert um knapp 1 Grad zu kalt.

Nachhaltige Veränderungen erst nach dem 15. Januar

Im Zeitraum vom 15. bis 23. Januar ist der Temperaturtrend negativ zu bewerten. Somit bestätigt sich der Wettertrend der letzten Tage. Der Mittelwert sinkt vom 17. Januar mit +1 bis +4 Grad zum 20. Januar auf -1 bis +1 Grad und bis zum 23. Januar auf -2 bis 0 Grad ab. Die Temperaturen in 1.400 Meter Höhe sinken ab dem 16. Januar auf -4 bis -6 Grad ab, was die Schneefallgrenze wieder näher an die 500 Meter Marke bringt.

Diagramm Temperaturen Januar 2019 vom 08.01.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Major-Warming - Keine Erholung des stratosphärischen Wirbels in Sicht

In Stratosphärenhöhe drehen sich die Winde bis zum 24. Januar entgegengesetzt der normalen West-Ost Richtung und haben auf die unteren Luftschichten eine schwächende Wirkung. Zum aktuellen Stand beträgt die Windgeschwindigkeit in Stratosphärenhöhe -36 km/h und sinkt zum 10. Januar auf -64 km/h ab. Bis zum 24. Januar steigt der Mittelwert der Winde auf -32 km/h an. Bleibt also negativ und mit weiteren Einwirkungen auf den Polarwirbel ist zu rechnen.

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Der Höhenwirbel teilt sich

In der Höhe von ca. 36 km kommt es aktuell zu einer Teilung des Polarwirbels, was auf die unteren Luftschichten zunächst noch wenig Auswirkungen hat. Interessant ist aber die Achse, wie der Split verläuft. Die Aktionszentren verlagern sich über Kanada und Sibirien, während von Aleuten bis zum europäischen Nordmeer die Hochdruckzentren liegen.

Polarwirbel stark geschwächt

Die Mehrheit der Kontrollläufe berechnet ab dem 15. Januar einen deutlich geschwächten Polarwirbel, welcher auch für das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz entscheidend einwirken kann. In den gängigsten Varianten zeigt sich ein Hochdruckeinschub von den Azoren über das europäische Nordmeer bis Alaska und dem östlichen Sibirien reichend. Der Polarwirbel wird demnach regelrecht auseinandergenommen. Aber wie gesagt, hierbei handelt es sich um einen Trend, welcher in den kommenden Stunden erst noch verifiziert und wiederholt berechnet werden muss.

Der Polarwirbel hat erhebliche Stabilitätsprobleme
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Der Polarwirbel hat erhebliche Stabilitätsprobleme © www.meteociel.fr

Polarhoch immer stärker

Das Polarhoch wird immer kräftiger berechnet und erreicht einen mittleren Kerndruck von 1038 hPa. Doch für Winterfreunde verläuft die Hochdruckachse in den kommenden 10 Tagen von Sibirien bis nach Kanada in einer ungünstigen Formation, was die Sturmwetterlage vom 8. bis 16. Januar über Mitteleuropa befeuern wird. Erst im nachfolgenden Zeitraum sind Veränderungen möglich. Das aufstrebende Hoch auf dem Atlantik verhindert im Übrigen eine milde Südwestwetterlage und drückt das Strömungsmuster über Mitteleuropa auf nordwestliche Richtungen.

Druckanomalie bis 18. Januar
Druckanomalie bis 18. Januar © climatereanalyzer.org

Wetterprognose Langfristmodell: Auf die aktuelle Wetterentwicklung erfolgt eine Reaktion

Die ersten Januartage waren gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um +2,8 Grad zu warm. Daran wird sich so schnell auch nichts verändern. Doch das Langfristmodell kommt rückt von einer deutlich zu warmen Januar- und Februarprognose ab.

  • Das Wetter im Januar 2019 wird gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit einer Abweichung von -0,5 bis +2 Grad verbreitet zu warm simuliert. Die Abweichungen sind mit 2 Grad über dem Norden höher zu bewerten. Über der Mitte wird ein Überschuss von +0,5 bis +1 Grad im leicht zu warmen und über dem Süden mit -0,5 bis +0,5 Grad im normalen Bereich berechnet. Die Niederschlagsleistung ist deutlich erhöht.
  • Der Februar 2019 wird mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad im Trend leicht zu mild bewertet. Gegenüber der Differenz von +1 bis +2 Grad der letzten Wochen ist das aber eine deutlich Abkühlung. Der Niederschlagstrend ist deutlich erhöht.
Abweichungen der Temperaturen im Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Dezember 2018 +3 Grad Viel zu nass
Januar 2019 -0,5 bis +2 Grad Trend: deutlich zu nass
Februar 2019 -0,5 bis +1 Grad Trend: deutlich zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 08.01.2019
Diagramm der Temperaturprognose Winter 2018/19

Das Major-Warming wird wohl nicht ohne Folgen bleiben. Was sich im Tagesverlauf alles verändert hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle in einer kurzen Aktualisierung der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose von 20:00 Uhr
Die Veränderungen der Wettervorhersage des amerikanischen Vorhersage-Modells sind minimal. Eine winterliche Wetterphase bis zum 11. Januar, anschließend stellt sich bis zum 15. Januar eine nasskalte, windige und regnerische Nordwestwetterlage ein. Schneefallgrenze zwischen 600 bis 1.000 Meter schwankend.

Ab dem 16. Januar aber kommt Bewegung in das Zirkulationsmuster. Das Polarhoch verlagert seine Achse von Alaska nach Grönland und drückt den aktiven Teil des Polarwirbels zwischen der Barentssee und Karasee nach Süden, was Deutschland, Österreich und die Schweiz in den nasskalten bis winterlichen Bereich bringt. Bei Tageswerten von -2 bis +4 Grad wären Schnee und Schneeregen bis in tiefere Lagen möglich. Die Ausbildung einer Schneedecke ab den mittleren Lagen wäre ab dem 16. Januar wieder zu diskutieren.

Stark verändertes Setup des Polarwirbels kann den Winter bringen
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Stark verändertes Setup des Polarwirbels kann den Winter bringen © www.meteociel.fr


Das europäische Vorhersage-Modell: Nasskalt
Auch die Wetterprognose des europäischen Vorhersage-Modells hat sich nicht verändert. Im Zeitraum vom 12. bis 16. Januar ist mit einer nasskalten, windigen und regnerischen Nordwestwetterlage vorlieb zu nehmen. Die Schneefallgrenze schwankt in diesem Zeitraum zwischen 500 bis 1.000 Meter.

Eine nasskalte Nordwestwetterlage - erst im darauffolgenden Zeitraum Optionen auf winterliche Wetterverhältnisse
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Eine nasskalte Nordwestwetterlage - erst im darauffolgenden Zeitraum Optionen auf winterliche Wetterverhältnisse © www.meteociel.fr


Polarwirbel geht "kaputt"
Im Detail geht es heute Abend aber gar nicht darum, wie sich die Großwetterlage entwickelt, sondern ob der Impuls im Polarwirbel ausreicht, um das grundsätzliche Setup zu verändern. Gelingt das, so wäre in der zweiten Hälfte des Winters tatsächlich auch mit winterlichen Wetterverhältnissen zu rechnen. Der Entscheidungszeitpunkt liegt um den 15. Januar herum.

Viele der Kontrollläufe berechnen einen stark deformierten Polarwirbel mit teils auch mit konkretem Ansatz zum Polarwirbelsplit. Auffällig ist, dass sich bei den meisten Kontrollläufen das Kältezentrum bei Kanada ansammelt, aber durch ein Hochdruckgebiet von den Azoren über Grönland bis nach Alaska verlaufend blockiert wird. Das ist für Freunde des Winterwetters ein sehr interessanter Ansatz.

Der Polarwirbel zerfällt in viele Aktionszentren
Berechnung der Großwetterlage nach Kontrolllauf: Der Polarwirbel zerfällt in viele Aktionszentren © www.meteociel.fr


Die Kontrollläufe sind etwas kälter geworden
Fasst man zusammen, so wird in den kommenden Tagen mit kräftigen Schwankungen in den Prognose-Modellen zu rechnen sein. Der Zeitraum aber vom 12. bis 16. Januar wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit windig, unbeständig und nasskalt ausfallen. Der Mittelwert des Temperaturspektrums erstreckt sich zwischen +2 Grad über dem Osten und +4 Grad über dem Westen.

Erst ab dem 16. Januar geht der Temperaturtrend deutlich nach unten und mit Beginn der letzten Januar-Dekade berechnen die Kontrollläufe auch in tieferen Lagen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Dauerfrost, Schneefall mit Ausbreitung einer Schneedecke. Winterwetter eben. Das ist zum aktuellen Stand aber nur eine Momentaufnahme. Warum? Die kommende Wetterentwicklung hängt sehr stark davon ab, was mit dem Polarwirbel passiert und das ist im Moment noch alles sehr vage.

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