Die teils unwetterartigen Schneefälle über dem Süden halten noch an, zudem sorgt zum Wochenstart ein kräftiger Sturm für ungemütliches Wetter. Welche Chancen hat der Winter bei solch einer Wetteraktivität?

Der Süden versinkt aktuell regelrecht im Schnee. Selbst bei Stuttgart sind in mittleren Lagen in den letzten 12 Stunden bis zu 10 cm zusammengekommen. Weiter nach Süden und über den Alpen sind es deutlich mehr - teilweise bis zu 80 cm wurden in der Zwischenzeit registriert. In den kommenden Stunden steigt die Schneefallgrenze auf die höheren mittleren Lagen an, während entlang der Alpen mit weiteren ergiebigen Schneefällen zu rechnen ist. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter Januar 2019 und der Schneeprognose.

Anders die Situation weiter nach Norden. Dort lassen die Niederschläge nach und bei +4 bis +8 Grad ist dort nicht an Winterwetter zu denken. Das könnte sich im Wochenverlauf ändern. Zum Dienstag erreicht ein Sturmtief Deutschland und sorgt auf seiner Rückseite für die Zufuhr kalter Luftmassen, was über dem Süden ab dem 9. Januar verbreitet für Dauerfrost und Schneefall und über dem Norden für Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen sorgen kann. Zwischen nasskalt und winterlichen Wetterverhältnissen - mehr ist momentan vom Winter nicht zu erwarten.

Aktuell viel Schnee über dem Süden
Aktuell viel Schnee über dem Süden

Wetterprognose amerikanisches Vorhersage-Modell: Nordwestwetterlage

Das amerikanische Vorhersage-Modell berechnet in seiner aktuellen Wetterprognose den Durchzug des Sturmtiefs bis zum 9. Januar. Im Zusammenspiel mit einem kräftigen Hoch auf dem Atlantik ein dem nach Osten abziehenden Tiefdrucksystem gelangen kältere Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Deutschland. Würde das Hoch sich nun auf dem Atlantik stabilisieren, wäre von einer winterlichen Wetterentwicklung auszugehen.

Das Hoch schwächt sich ab

Im Zeitraum vom 9. bis 10. Januar ist mit winterlichen Witterungsverhältnissen zu rechnen. Doch draußen auf dem Atlantik entsteht ein Tiefdrucksystem nach dem anderen und so etabliert sich eine stabile Tiefdruckrinne von Neufundland über Island bis nach Skandinavien. Dem Hoch bleibt nichts anderes übrig, als zunächst nach Osten wegzukippen und anschließend nach Süden zurückzuweichen.

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Windig, stürmisch und nasskalt

Das passive Verhalten des Hochdrucksystems macht den Weg für die atlantische Frontalzone bis nach Mitteleuropa frei. Ein Tiefdrucksystem nach dem anderen überquert Deutschland, Österreich und die Schweiz von Nordwest nach Südost und führt auf der Vorderseite mal mildere und auf der Rückseite kältere Luftmassen heran. Die Temperaturen pendeln sich im Zeitraum vom 11. bis 14. Januar über dem Norden und Westen auf +4 bis +8 Grad und über dem Süden und Osten auf +0 bis +5 Grad ein. Die Tiefdrucksysteme sorgen für kräftige Niederschläge und zeitweilig stürmischen Wind. Das Potential für Starkwindereignisse steigt an.

Nasskalt bis winterlich

Im weiteren Verlauf kippt die Grundströmung in ein meridionales Muster, was im Zeitraum vom 15. bis 21. Januar für winterliche Wetterverhältnisse ab den mittleren Lagen und für Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen sorgen kann. Die Tageswerte sinken auf -2 bis +4 Grad ab.

Der Winter bekommt seine Chance
Berechnung Großwetterlage des amerikanischen Vorhersage-Modells: Der Winter bekommt seine Chance © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Zwischen winterlichem und nasskaltem Wetter

Die Wettervorhersage des europäischen Prognose-Modells ist ähnlich. Das Sturmtief zieht bis zum 9. Januar über Deutschland hinweg und leitet kurzzeitig eine kühlere Wetterphase mit Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab ein.

Hochdruckachse kippt weg

Vom 10. bis 11. Januar zieht ein kräftiges Tiefdrucksystem nach Skandinavien und drückt die Hochdruckachse auf dem Atlantik von Süd-Nord auf West-Ost. So ist vom 11. bis 12. Januar über Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einer Milderung, kräftigen Niederschlagen und Starkwindereignissen zu rechnen.

Nasskalt

Im Zeitraum vom 13. bis 15. Januar ziehen weitere Tiefdrucksysteme nach und führen mit Tageswerten von +1 bis +5 Grad nasskalte Luftmassen nach Deutschland. Die Schneefallgrenze sinkt bis auf mittlere Lagen ab und die Neigung für Starkwindereignisse bleibt erhalten. Ab dem 15. Januar zeigt sich erneut der Trend einer sich meridionalisierendem Großwetterlage.

Der zonale Einfluss nimmt zu
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Der zonale Einfluss nimmt zu © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Kalter Temperaturtrend bleibt erhalten

Man muss in den kommenden Stunden noch differenzieren, ob sich eine Zonalisierung oder das Hochdrucksystem mit einer Blockadehaltung wird durchsetzen können. Die Kontrollläufe bestätigen, dass das amerikanische und auch europäische Vorhersage-Modell im Zeitraum vom 11. bis 15. Januar zu den wärmsten Varianten gehören. Mit Veränderungen ist zu rechnen.

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Kontrollläufe mit Dauerfrost über dem Süden und Osten

Gegenüber gestern ist der Mittelwert der Kontrollläufe noch etwas kälter berechnet worden und liegt mit einem Spektrum von -1 bis 0 Grad über dem Süden und Osten größtenteils im Dauerfrostbereich. Weiter nach Westen und Norden steigt der Mittelwert auf +1 bis +3 Grad an. Das bestätigt zum aktuellen Stand zwei wahrscheinliche Prognosen: Der Hochwinter wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bis zur Monatsmitte durchsetzen können. Eine nasskalte, windige und auch nasse Großwetterlage ist zu erwarten. Die Optionen auf winterliche Wetterverhältnisse sind über dem Süden und Osten gegeben.

Diagramm Temperaturen Januar 2019 vom 05.01.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Major-Warming - Erster Tiefpunkt der Windumkehr erreicht

Die aktuellen Windgeschwindigkeiten in Stratosphärenhöhe entlang des 65. Breitengrades betragen aktuell -50 km/h. Damit ist der erste Tiefpunkt erreicht. Der zweite zeigt sich mit rund -80 km/h am 9. Januar bleibt darüber hinaus bis zum 21. Januar mit einer gemittelten Windgeschwindigkeit von -36 km/h negativ.

Polarhoch wird stärker berechnet

Das Hoch über der Polarregion erreicht im Mittel einen Kerndruck von 1030 hPa. Gleichzeitig zeigt sich die Verlagerung der Tiefdruckaktivität über die Barentssee und Karasee. Strebt das Hoch auf dem Atlantik nicht nach Norden auf, so schlägt sich mit einem Zentraltief über Skandinavien die Zonalisierung durch. Gelingt aber die Blockadehaltung, ist über Mitteleuropa mit winterlichen Wetterverhältnissen zu rechnen. Und genau in diesem Spektrum bewegen sich aktuell die Prognose-Modelle und die Kontrollläufe.

Druckanomalie bis 15. Januar
Druckanomalie bis 15. Januar - das Hoch ist das Zünglein an der Waage © climatereanalyzer.org

Was sich im Tagesverlauf alles verändert hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle in einer kurzen Aktualisierung der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose von 20:00 Uhr
Das amerikanische Prognose-Modell berechnete heute Nachmittag und auch heute Abend im Zeitraum vom 13. bis 16. Januar eine Zonalisierung, welche im weiteren Verlauf erneut meridionalisiert. Winterliche Wetterverhältnisse wären nur kurzzeitig möglich. Überwiegend wäre ein nasskalter, windiger und auch nasser Wettercharakter zu erwarten. Der Winter hätte erst nach der Meridionalisierung ab dem 16./17. Januar wieder seine Chancen.

Der Flachlandwinter - oder gar Hochwinter - hat so keine Chancen
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Der Flachlandwinter - oder gar Hochwinter - hat so keine Chancen © www.meteociel.fr


Das europäische Vorhersage-Modell: Nasskalt mit anschließender Zonalisierung
Ob es zu einer Zonalisierung aber tatsächlich kommen mag, kann zum aktuellen Stand noch bezweifelt werden . Das europäische Vorhersage-Modell berechnet zum 13. Januar einen kräftigen Tiefdruckwirbel über Skandinavien, während sich das Hoch nach Westen auf den Atlantik über die Azoren verlagert. Da nun das stützende Hoch über der Mittelmeerregion fehlt, wird der Weg für eine Austrogung über Mitteleuropa frei - vorerst.

Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik aber bleibt bestehen und strebt in Richtung Skandinavien. Normalerweise hat das eine Zonalisierung zur Folge, doch nur dann, wenn sich das Hochdrucksystem entsprechend verhält. Tut es aber nicht. Stattdessen zeigen sich heute Abend Tendenzen, dass das Hoch eine Verbindung mit einem Hoch über dem östlichen Kanada eingeht. Eine meridionale - teils winterliche Wetterentwicklung - wäre ab dem 12. Januar die Folge hieraus. Das sah heute Morgen noch ganz anders aus.

Eine Zonalisierung kann weiterhin infrage gestellt werden
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Eine Zonalisierung kann weiterhin infrage gestellt werden © www.meteociel.fr


Die Kontrollläufe ziehen nicht mit
Auch das bleibt heute Abend unverändert. Die Kontrollläufe berechnen im Mittel eine Temperatur in 1.400 Meter im Zeitraum vom 9. bis 21. Januar, welche zwischen -4 und -7 Grad pendelt. Nasskalte Wetterbedingungen wären für die tieferen Lagen zu erwarten, bei der sich der eine oder andere Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer mitunter mischen kann. Für die mittleren Lagen - ab rund 400 bis 500 Meter - aber bedeuten Werte von -4 bis -6 Grad teils winterliche Wetterverhältnisse und ab den höheren mittleren Lagen - ab ca. 500 bis 700 Meter - fast schon gesichert winterliche Witterungsbedingungen. Anders formuliert ist mit Veränderungen zu rechnen. Entweder das Modell passt sich den Kontrollläufen an, oder die Kontrollläufe dem Modell. An der grundsätzlichen Wichtigkeit der Position des Hochdrucksystems auf dem Atlantik hat sich nichts verändert.

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