Wir wird der Winter, kommt Schnee an Weihnachten - kommt überhaupt Schnee und wird es irgendwann auch mal wieder kälter? Viele dieser Fragen erreichen uns in letzter Zeit und ist auch hinsichtlich der auch aktuell noch Jahreszeitlich zu warmen Temperaturen und der lang anhaltenden Trockenheit nicht verwunderlich. Doch was lässt sich aus der aktuellen Entwicklung der Randfaktoren und der Setups für Rückschlüsse auf den Winter 2018/19 ziehen?

In unserer mehrteiligen Reihe über den Winter gehen wir näher auf die aktuelle Entwicklung der Randfaktoren ein. Im ersten Teil hatten wir die Statistik, den QBO, das Ausgleichsverhalten und die Erhaltungsneigung, sowie die Auswirkungen des Klimawandels betrachtet (Teil 1: Blick auf die Randfaktoren und Setup des Winters).

Heute nun folgt im zweiten Teil die Betrachtung der Meereisausdehnung der Arktis, den El Nino, die Sonnenaktivität und abschließend der Ausblick und Zusammenfassung für das Wetter im Winter 2018/19 anhand der Randfaktoren.

Der Einfluss der Randfaktoren auf den Winter
Der Einfluss der Randfaktoren auf den Winter

Meereisausdehnung Arktis

Indirekt mit dem Klimawandel zusammenhängend ist die Meereisausdehnung der Arktis. Kurz und knapp: viel, dickes und frühes Eis begünstigt einen stabilen und starken Polarwirbel, was eine kräftige West-Ost Wind-Zirkulation zur Folge haben kann. Wenig Eis und mehr zu erwärmende Wasserflächen begünstigen einen instabilen Polarwirbel, welcher entlang seiner Polarfront zu Wellenbewegungen neigt.

Trogwetterlagen und Polarwirbelsplitts sind dann eher wahrscheinlich. Aktuell zeigt sich eine leichte Erholung gegenüber dem Sommer und Frühherbst und pendelt sich zwischen den Zeiträumen von 2012 und 2017 ein. Nichtsdestotrotz liegt die Meereisausdehnung deutlich unter dem Mittel von 1981 bis 2010 und bewegt sich am unteren Rand der Schwankungsbreite.

Instabilitäten des Polarwirbels im Verlauf der Wintersaison sind nicht unwahrscheinlich. Weitere Informationen zur arktischen Meereisausdehnung und den Auswirkungen auf das Winterwetter.

Arktische Meereisausdehnung Stand 17. November 2018
Arktische Meereisausdehnung Stand 17. November 2018 © Alfred-Wegener-Institut

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El Niño und La Niña

War das El Niño Phänomen in den letzten Winter noch dominierend, so zeigen sich nach dem aktuellen ENSO-Bericht weitgehend neutrale Bedingungen. Für den Winter 2018/19 sehen die Prognosen wie folgt aus:

El Niño is expected to form and continue through the Northern Hemisphere winter 2018-19 (~80% chance) and into spring (55-60% chance).

Was sind die Auswirkungen? El Niño hat häufiger einen nassen Herbst und einen milderen Winter über West und Südeuropa zur Folge. Einen eindeutigen Trend für den Winter lässt sich anhand der El Niño Jahre nicht ablesen:

Starke El Niño Jahre - Winter in Deutschland
El Niño Winter in Deutschland
1997 - 98 zu warm
2002 - 03 zu kalt
2004 - 05 zu warm
2006 - 07 zu warm
2009 - 10 zu kalt
2015 -16 zu warm

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Sonnenaktivität

Kurz und stark vereinfacht umrissen:

Wenn Sonnenflecken im Minima sind, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung. Weniger Strahlung bedeutet geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, die eine Änderung in der Zirkulation der beiden niedrigsten Atmosphäre hervorruft, der Troposphäre und Stratosphäre…

Ja, die Sonne hat einen maßgeblichen Einfluss auf das Wetter auf der Erde und ja, die Sonne hat einen Zyklus von 11 Jahren und ja, wir befinden und derzeit in einem schwachen und absteigenden Maximum, dessen Minimum 2020 erreicht sein sollte.

Auch hier gibt es eine Auffälligkeit - und zwar immer dann, wenn die Sonne ihr Minimum erreicht, bzw. überschritten hatte, waren die Winter auffällig zu kalt. Aktuell ist das Minimum aber noch nicht erreicht und in den letzten Jahren waren die Winter kurz vor dem Erreichen des Minimums zu warm ausgefallen:

Temperaturabweichungen Winter zum Sonnenfleckminimum
Winter Tem­peratur Ab­weichung
93/94 +2 Grad +1,8 Grad
94/95 +2,8 Grad +2,6 Grad
95/96 -2,3 Grad -2,5 Grad
96/97 -0,3 Grad -0,5 Grad
06/07 +4,38 Grad +4,2 Grad
07/08 +3 Grad +2,8 Grad
08/09 -0,2 Grad -0,4 Grad
09/10 -1,3 Grad -1,5 Grad
10/11 -0,6 Grad -0,8 Grad

Aktueller Sonnenfleckenzyklus
Aktueller Sonnenfleckenzyklus 17. November 2018 © © www.Spaceweatherlive.com

Zusammenfassung:

Die Schwäche der Sonne, die mögliche Umkehrung der QBO und die weiterhin schwache Meereisausdehnung der Arktis spricht im Winter für instabile Wetterentwicklungen und eine höhere Wahrscheinlichkeit von gestörten Zirkulationsmustern. Der Klimawandel und das mögliche Ausgleichsverhalten aber spricht für einen milden Winter.

Als spannend sind die aktuellen Wetterprognosen der Wettermodelle zu bewerten. Warum? Ein Hochdrucksystem zwischen Island und Skandinavien hat durchaus das Zeug dazu, den Polarwirbel schon frühzeitig in seiner Entwicklung zu stören. Ein entscheidender Baustein in Richtung milder, normaler oder zu kalter Winter 2018/19 könnte also gesetzt werden. Zum aktuellen Stand ist noch abwarten angesagt. Gegen 20:00 Uhr erfolgt heute Abend eine Aktualisierung der Wettervorhersage für das Wetter Dezember.

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