Spätsommer oder Herbst? Der sinkende Sonnenstand spricht klar für den Herbst, doch die Vorhersagen der Prognosemodelle sind sich alles andere als einig.

Mit Hilfe eines Tiefdrucksystems werden im Verlauf der Woche sehr warme - sommerlich warme - Luftmassen nach Deutschland, die Schweiz und auch Österreich geführt werden können. Vor allem über dem Südwesten sind Tageswerte von bis zu +30 Grad nicht auszuschließen. Ab Mittwoch setzt sich aber von Norden eine Luftmassengrenze durch, welche frühherbstliche Werte über dem Norden von spätsommerlichen Temperaturen über dem Süden trennt. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter September 2018.

Luftmassengrenze beendet den September-Sommer?

Um rund +3,5 Grad ist das Wetter im September gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm - viel zu warm. Im Niederschlagsverhalten zeigt sich ein leichtes Defizit, ist aber keineswegs deutlich zu trocken - also nichts, was im Verlauf des Monats noch ausgeglichen werden kann. Zudem sind im Wochenausklang von Nord nach Süd ziehende Niederschläge möglich.

Interessant ist aber am Donnerstag eine Luftmassengrenze. Hervorgerufen wird diese durch eine nach Osten abziehende Tiefdruckfront, welche zugleich die Hochdruckzone nach Süden abdrängt, aber nicht verdrängen kann. So liegt Deutschland genau zwischen den Fronten, was die Temperaturen bspw. am Donnerstag über dem Norden auf +14 bis +19 Grad zurückgehen lassen kann, während über dem Süden +24 bis +28 Grad und örtlich bis +30 Grad sommerlich bis hochsommerlich warme Werte erreicht werden können. Ob damit aber der September-Sommer beendet werden kann, bleibt aber in Frage zu stellen. Zu unterschiedlich sind noch die Berechnungen der Vorhersagemodelle.

Der Herbst 2018 erinnert bisweilen mehr an den Sommer
Der Herbst 2018 erinnert bisweilen mehr an den Sommer

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Amerikanisches Prognosemodell: Südwestlich orientiertes Zirkulationsmuster

Die atlantische Frontalzone möchte sich nur allzu gerne über Skandinavien festsetzen und somit auch das Wetter über Mitteleuropa nachhaltig verändern. Doch das gelingt nicht so recht. Zu hartnäckig bleibt die Hochdruckzone.

So auch nach der aktuellen Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells. Die Störung zum Wochenausklang verliert schon über das kommende Wochenende an Wirkung und wird von einem kräftigen Hoch über der Mittelmeerregion wieder nach Norden geschoben.

Die nachfolgenden Tiefdrucksysteme werden somit daran gehindert, sich bis über das nördliche Europa durchzusetzen. Die einzige Möglichkeit, welche nach dieser Prognose übrig bleibt, ist vor Mitteleuropa nach Süden abzutropfen. Im Verbund zwischen den beiden Wettersystemen entsteht im Zeitraum vom 15. bis 18. September eine warme Südwestwetterlage, bei der die Werte durchaus nochmals in den sommerlich warmen Bereich ansteigen können.

Herbst-Wetter?

Der Herbst bekommt nach den amerikanischen Prognosemodell seine Chance zum Beginn der letzten September-Dekade. Langsam aber stetig ziehen die Tiefdrucksysteme vom westlichen Europa weiter nach Osten und liegen zum 19. September zwischen England, Deutschland und Skandinavien. Die Hochdruckzone wird in diesem Prozess geteilt, was zu autarken Hochdruckgebieten über den Azoren und dem westlichen Russland führen kann.

Zwischen den Hochdrucksystemen entsteht eine Lücke, in welche die Tiefdrucksysteme vorstoßen und den Wettercharakter über Deutschland, der Schweiz und Österreich mit Wind, Regen und kühleren Temperaturen herbstlicher gestalten kann.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Herbstlicher Wettercharakter, aber bahnt sich da ein neuerliches Skandinavienhoch an? © www.meteociel.fr

Europäisches Wettermodell: Mehr in Richtung Herbst

Die Wetterprognose des europäischen Wettermodells geht aber in eine andere Richtung. Die Tiefdruckstörung der Woche zeigt eine nachhaltigere Wirkung, bei der das Hochdrucksystem weiter nach Süden zurückgedrängt werden und die atlantische Frontalzone sich bis über Skandinavien durchsetzen kann.

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In Folge daraus liegen Deutschland, Österreich und die Schweiz zunächst im Zustrom warmer Luftmassen aus südwestlichen Richtungen, welche ab dem 14. September allmählich durch frühherbstliche Werte (+15 bis +20 Grad) abgelöst werden können. Zudem steigt die Niederschlagswahrscheinlichkeit deutlich an.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Folgt nach dem Spätsommer eine herbstliche Großwetterlage nach? © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Der Herbst hat seine Chancen

Die Prognosen der Wettermodelle schwanken noch und um es gleich vorweg zu nehmen - die Hochdruckvariante des amerikanischen Vorhersagemodells ist in den Kontrollläufen ein warmer Ausreißer - Veränderungen sind zu erwarten.

Nichtsdestotrotz lässt sich in den Kontrollläufen - auch im Rückblick auf die letzten Tage - ein zunehmend deutlicher Wettertrend ablesen. Die Schwankungen in der Temperaturprognose nehmen zu, was auf ein Wechselspiel von Hoch- und Tiefdruckphasen hindeutet. Das Wetter hat eine hohe Wahrscheinlichkeit nach dem 15. September unbeständiger zu werden (über dem Norden schon ab dem 12. September).

Die Temperaturentwicklung ist aber als gemäßigt und im Trend etwas zu warm zu bewerten. So liegt das Temperaturspektrum am 17. September zwischen +15 bis +27 Grad (Mittelwert: +19 Grad über dem Norden, +22 Grad über dem Süden) und am 24. September zwischen +9 bis +27 Grad (Mittelwert: +17 bis +18 Grad).

Im Grunde aber bestätigen die Kontrollläufe den Übergang von Spätsommer/Sommer zu Frühherbst/Herbst im Verlauf der zweiten und dritten September-Dekade

Diagramm Temperaturen September 2018 vom 09.09.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell: Wettertrend für den Herbst und Winter 2018/2019

Die zweite September-Dekade hat nach den aktuellen Prognosen eine hohe Wahrscheinlichkeit gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm auszufallen. Damit der September also noch normal ausfallen kann, müsste die letzte September-Dekade um 3 bis 4 Grad zu kalt ausfallen. Das ist möglich, doch zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich.

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Eine Reaktion des Langfristmodells war aufgrund dieser Entwicklung in den letzten Tagen zu erwarten und die gibt es auch heute. Der Wettertrend für September wird zum aktuellen Stand mit einer Abweichung der Temperaturen von +0,5 bis +2 Grad zu warm simuliert. Das entspricht in etwa einer Korrektur von +1 Grad. Und dennoch - um eine Abweichung von +0,5 bis +2 Grad zu erreichen, müsste sich in der letzten September-Dekade eine herbstlich zu kühle Großwetterlage einstellen. Man wird sehen!

Unverändert bleiben die beiden letzten Herbstmonate Oktober und November. Der Oktober soll mit -0,5 bis +1 Grad normal bis leicht zu warm und der November 2018 mit +1 bis +2 Grad deutlich zu warm ausfallen.

In der Niederschlagsprognose sollen die Herbstmonate insgesamt leicht zu trocken ausfallen. Die deutlich zu trockene Prognose für den Oktober 2018 der letzten Tage wurde nun etwa abgemildert.

Der Dezember 2018 soll - zum aktuellen Stand - mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm ausfallen. Der Januar und Februar haben mit +1 bis +3 Grad einen ebenfalls deutlich zu warmen Trend. Zudem sollen die Wintermonate gegenüber dem langjährigen Sollwert etwas zu nass ausfallen.

Interessant sind die Berechnungen für den Januar 2019 für das östliche Europa und dem westlichen Russland. Die Abweichung der Temperaturen sollen demnach zwischen +3 bis +5 Grad betragen können. Schaut man sich die Entwicklung für Europa an, so wird der Januar mit einer Abweichung von +0,5 bis +5 Grad durchweg zu warm simuliert.

Möchte man die Großwetterlage interpretieren, so könnte sich über dem Mittelmeerraum - bzw. dem östlichen Mittelmeerraum - ein Hochdrucksystem positionieren. Gleichzeitig etabliert sich die atlantische Frontalzone von Neufundland bis nach England/Skandinavien, was aus südwestlichen Richtungen die warmen Luftmassen nach Norden führen kann.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: leicht zu trocken
Oktober 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: etwas zu trocken
November 2018 +1 bis +2 Grad Trend: leicht zu trocken
Dezember 2018 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass
Januar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass
Februar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 09.09.2018

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