Die atlantische Frontalzone formiert sich und möchte gerne mehr Einfluss auf das Wetter über Deutschland nehmen. Doch da gibt es noch die Hochdruckzone, welche erst einmal weggeräumt werden muss. Ob das so schnell gelingt?

Nicht selten wechselt im Verlauf des Septembers der Wettercharakter von Spätsommer auf Herbst und ebenso häufig sind ab der zweiten und letzten September-Dekade auch schon die ersten Nachtfröste möglich. Schaut man auf die aktuelle Wettervorhersage September, so ist der Temperaturcharakter bis in den Start der neuen Woche als spätsommerlich bis sommerlich warm zu bewerten, doch der Wettercharakter selbst neigt zur Unbeständigkeit. Von einem typischen Herbstwetter sind die Berechnungen der Wettermodelle aber man noch weit entfernt, doch eine mögliche Umstellung wird zunehmend plausibler.

Ob Spätsommer- oder Herbstwetter hängt von der Position der Wettersysteme ab

Die atlantische Frontalzone streckt ihre Fühler in den kommenden Tagen so langsam in Richtung Skandinavien aus. Die Tiefdruckrinne selbst verläuft von Neufundland über Island bis über das nördliche Europa. Gleichzeitig aber erstreckt sich über dem Süden eine Hochdruckzone von den Azoren bis über das östliche Europa. Je nachdem, wie sich die Wettersysteme nun zueinander Positionieren werden, wird der Wettercharakter in der zweiten September-Dekade zunehmend herbstlicher, oder bleibt spätsommerlich warm.

Spätsommerlich warmer, oder eher ein herbstlicher Wettercharakter?
Spätsommerlich warmer, oder eher ein herbstlicher Wettercharakter?

loading...
  Aktuell sind Wetterwarnungen aktiv
  Regenradar

Regenradar

Regenradar Deutschland
Regenradar mit erweiterten Funktionen
© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)
  Aktuelle Wetterkarten

Amerikanisches Prognosemodell: Umstellung in Richtung Herbst

Die Wetterprognosen des amerikanischen Wettermodells der letzten Tage sind in ihrem Ablauf sehr ähnlich. Zunächst dominiert mit Hilfe einer Hochdruckzone eine warme Südwestwetterlage das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum 12. September.

Zur gleichen Zeit aber kann sich die atlantische Frontalzone bis über den skandinavischen Raum durchsetzen und im Bereich von Neufundland, Island und dem nördlichen Europa die Tiefdruckrinne festigen. Zum 13. September verschiebt sich das Tiefdruckzentrum mehr in Richtung Skandinavien, doch das Hochdrucksystem kann - zumindest für den Süden von Deutschland - noch dagegenhalten.

So nimmt die Bewölkung und die Niederschlagsneigung über dem Norden zu und die Temperaturen können etwas zurückgehen, während der Süden noch mit warmen Temperaturen vom Hochdruckkeil profitieren kann.

Umschwung in Richtung Herbst?

Im Zeitraum vom 15. bis 19. September wird die Tiefdruckaktivität nach der Vorhersage des amerikanischen Wettermodells auf dem Atlantik dynamischer bewertet, was mit einer südwestlichen Grundströmung weiterhin warme Luftmassen nach Deutschland führen kann. Doch in Konstellation der Wettersysteme zueinander nimmt die Neigung zu Niederschlags- und Windereignissen zu. Zum Wechsel in die letzte September-Dekade zeigt sich ein über Deutschland, Österreich und der Schweiz ein meridional ausgerichtetes Strömungsmuster, was dann auch zu herbstlichen Temperaturen führen kann.

Anders formuliert berechnet das amerikanische Prognosemodell eine in der zweiten September-Dekade langsame Umstellung der Großwetterlage. Die Temperaturen aber bleiben für die Jahreszeit - zunächst - noch zu warm.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Eine Südwestwetterlage dominiert das Wetter in der zweiten Septemberdekade © www.meteociel.fr

Europäisches Wettermodell: Eine Südwestwetterlage klingt plausibel

Nach der Wettervorhersage des europäischen Prognosemodells möchte die atlantische Frontalzone mit einem kräftigen und gut strukturierten Tiefdrucksystem zum 10./11. September in Richtung Skandinavien vorstoßen und das Strömungsmuster über Mitteleuropa auf West bis Nordwest drehen.

Anzeige

Das könnte auch gelingen, doch hält zum aktuellen Stand die Hochdruckzone dagegen und heraus kommt eine über Deutschland, der Schweiz und Österreich dominierende Südwestwetterlage mit für die Jahreszeit - teils deutlich - zu warmen Temperaturen.

Zwar können Wind- und Niederschlagsereignisse zeitweilig zunehmen, doch erinnert der Wettercharakter nicht unbedingt an den Herbst.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Tiefdruckaktivität nimmt zu, doch das Strömungsmuster kommt aus südwestlichen Richtungen © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Das Septemberwetter bleibt zunächst zu warm

Die Kontrollläufe berechnen bis zur Monatsmitte einen klaren Wettertrend für zu warme Temperaturen. Der Mittelwert liegt um 1 bis 4 Grad gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert im zu warmen Bereich. Die Niederschlagsneigung ist bis zum 15. September über dem Süden als gering zu bewerten und steigt zum 8. und 13. September nach Norden kurzzeitig etwas an. Viel an Niederschlag ist aber nicht zu erwarten.

Die Temperaturkurve zeigt nach den Kontrollläufen nach der Monatsmitte aber nach unten und nähert sich zum 17. September so langsam dem vieljährigen Durchschnittswert. Anders formuliert unterstützt das die Berechnungen der letzten Tage die Umstellung der Großwetterlage von Spätsommer zumindest mal in Richtung Frühherbst.

Anzeige

Landregen? Nach der Septembermitte nicht auszuschließen

Die Niederschlagsneigung der Kontrollläufe nimmt über ganz Deutschland ab dem 15. September zu und ist als mäßig hoch zu bewerten. Je nachdem also, wie weit die Tiefdrucksysteme nach Süden vordringen können, sind auch länger andauernde Niederschlagsereignisse möglich.

Diagramm Temperaturen September 2018 vom 06.09.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell: Wettertrend für den Herbst und Winter 2018/2019

Keinerlei Veränderungen zeigt der Wettertrend der Langfristmodells. Kurz umrissen soll der September und Oktober 2018 mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad weitgehend normal und im Trend etwas und der November aber mit +0,5 bis +2 Grad schon deutlich zu warm ausfallen können. In der Niederschlagsbewertung ist der September etwas, der Oktober deutlich und der November leicht zu trocken einzustufen. In Summe ein etwas zu warmer und zu trockener Herbst 2018.

Der Winter soll mit Temperaturabweichungen von Dezember bis Februar 2019 mit +1 bis +3 Grad hingegen deutlich zu warm ausfallen. Entsprechend hoch ist auch die Niederschlagsneigung. Unter dem Strich ein deutlich zu warmer und zu nasser Winter 2018/19.

Wie wahrscheinlich sind die Berechnungen des Langfristmodells? Stark vereinfacht funktioniert das nur, wenn sich zum November die atlantischen Tiefdrucksysteme entsprechend positionieren und von Neufundland bis nach Skandinavien reichend eine Tiefdruckrinne etablieren können (West- bis Südwestwetterlage). Gelingt das nicht, so sind auch gemäßigt kühlere Varianten möglich. Sollte sich aber die Erhaltungsneigung mit einem Hochdrucksystem über Skandinavien bis dahin behaupten können, so wäre auch ein normaler bis zu kalter Winter möglich. Zum aktuellen Stand aber spricht einiges für einen milderen Verlauf des Winters. Warum? Die Hochdruckdominanz über Skandinavien war von Februar bis August dominierend und zieht sich seit Ende August mehr und mehr nach Süden zurück, während die Tiefdrucksysteme immer häufiger nach Skandinavien vordringen können. Das spricht nicht unbedingt für eine Erhaltungsneigung.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
Oktober 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: deutlich zu trocken
November 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: leicht zu trocken
Dezember 2018 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass
Januar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass
Februar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 06.09.2018

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen