Die Position eines Hochdrucksystems entscheidet über einen spätsommerlichen oder frühherbstlichen Verlauf des Septembers.

Zwar baut sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Hochdruckzone auf und bestimmt auch über weiter Teile von Norddeutschland das Wetter mit viel Sonnenschein und spätsommerlich warmen Temperaturen, doch nach Süden kann sich ein schwachgradientiges Italientief mit Wolkenfeldern und gelegentlichen Schauern und Gewittern bemerkbar machen. Entsprechend niedriger können dort die Temperaturwerte ausfallen. Mehr dazu in der aktuellen Vorhersage für den September 2018.

Auf die Hochdruckposition kommt es an

In den letzten Tagen haben wir mehrfach erläutert, dass beide Prognosemodelle den Aufbau von hohem Luftdruck über dem nördlichen Europa favorisieren, jedoch in einer unterschiedlichen Position. Und eben auf diese Position wird es ankommen, ob die Zeit nach dem 5. September größtenteils spätsommerlich, oder frühherbstlich ausfallen wird.

Zwischen Spätsommer und Frühherbst
Zwischen Spätsommer und Frühherbst

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Amerikanisches Prognosemodell: Kurs in Richtung Frühherbst

Stur wie ein Esel berechnete das amerikanische Vorhersagemodell seine Prognosen der letzten Tage mit einer ausgedehnten Hochdruckzone über Mitteleuropa mit Kern über Skandinavien. Ein spätsommerlicher und vor allem trockener Wettercharakter bis Mitte September wäre die Folge daraus gewesen.

Heute nun der erste Ansatz eines Umschwungs. Den atlantischen Tiefdrucksystemen gelingt zum 6. September der Vorstoß in Richtung Skandinavien und teilt die Hochdruckzone in zwei Teile auf. In die entstehende Lücke rückt das Tiefdrucksystem vor, während ein Hochdruckzentrum sich über England positionieren kann. Im Verbund der beiden Wettersysteme können im Zeitraum vom 7. bis 9. September aus nördlichen Richtungen relativ kühle und auch feuchte Luftmassen nach Deutschland, Österreich und der Schweiz geführt werden.

Bei Temperaturen von +14 bis +18 Grad ist man dem Herbst näher als dem Spätsommer.

Im nachfolgenden Zeitraum dehnt sich der hohe Luftdruck wieder über Skandinavien aus, zeigt aber Anzeichen von einer südlichen Unterwanderung. Anders formuliert kann das Wetter über Deutschland zwar als weitgehend hochdruckdominiert bewertet werden, doch eine stabile und trockene Wetterlage wäre nach dieser Vorhersage nicht zu erwarten - viel Regen aber auch nicht.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Frühherbstlicher Wettercharakter © www.meteociel.fr

Europäisches Wettermodell: Der Herbst rückt näher

Die Prognose des amerikanischen Wettermodells hatte das europäische Vorhersagemodell schon länger bevorzugt und wurde vom Langfristmodell auch weitgehend gestützt. Eine frühherbstliche Wetterentwicklung ist also eine nicht unwahrscheinliche Wetterentwicklung.

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Auch heute bleibt das europäische Wettermodell seiner Vorhersage treu und berechnet zum 7. September bei England einen Hochdruckkern, während über Skandinavien ein Tiefdrucksystem nach Süden abtropft und für einen unbeständigen und relativ kühlen Wettercharakter sorgen kann.

Nachfolgend zeigt sich aber auch nach dieser Prognose der neuerliche Aufbau von hohen Luftdruck über Mitteleuropa. Der Herbst macht sich so langsam bemerkbar - nicht nur kalendarisch.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Zwischen Spätsommer und Frühherbst © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Zu warm, dann normal

Das erste September-Drittel wird von den Kontrollläufen etwa um 1 bis 3 Grad zu warm berechnet. Ab der zweiten Septemberdekade nähern sich die Temperaturen dann dem Jahreszeit typischen Niveau.

Das Temperaturspektrum liegt am 7 September zwischen +16 bis +26 Grad (Mittelwert: +21 bis +22 Grad) und am 15. September zwischen +15 bis +29 Grad (Mittelwert: +19 bis +21 Grad).

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Unbeständiger Süden und Osten

In der Niederschlagsentwicklung zeigt sich ein ganz ähnliches Bild, wie in den letzten Tagen auch. Der Süden und Osten wird vom Regen etwas mehr begünstigt als das im Norden und Westen der Fall ist. Auch das spricht für ein Hochdruckzentrum über England mit nachfolgender Ausdehnung über Skandinavien.

Frühherbst ist noch in Frage zu stellen

Es kommt - wie oben schon beschrieben - entscheidend auf die Hochdruckposition an. Liegt das Hoch westlich, so ist ein frühherbstlicher Wettercharakter möglich, liegt es weiter östlich über Skandinavien, so ist ein spätsommerlicher Wettercharakter zu erwarten. Da das amerikanische Wettermodell nun aber - vorläufig - auf die Variante des europäischen Wettermodells umschwenkt, zeigt, dass eine frühherbstliche Großwetterlage nicht unwahrscheinlich geworden ist.
Im Vergleich aber zu den Kontrollläufen gibt es aber noch Spielraum. Zusammenfassend: der Spätsommer versucht es noch einmal, der Herbst aber liegt in Lauerstellung.

Diagramm Temperaturen September 2018 vom 01.09.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell: Wettertrend für den Herbst und Winter 2018/2019

Das Langfristmodell ist seit Wochen bereits ein Unterstützer von gemäßigten - ja fast normalen - Temperaturen im September und Oktober. Daran hat sich im heutigen Wettertrend nichts geändert und die Abweichung schwankt bei beiden Herbstmonaten zwischen -0,5 bis +1 Grad im normalen bis leicht zu warmen Bereich.

Der November soll mit einer Abweichung von -0,5 bis +2 Grad über dem Norden weitgehend normal und über dem Süden deutlich zu warm ausfallen können.

Für den Winter werden von Dezember bis Februar mit Abweichungen gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +1 bis +3 Grad viel zu warme Temperaturen in Aussicht gestellt.

Die Niederschlagsprognose des Langfristmodells zeigt einen trockenen September, deutlich zu trocken Oktober, einen leicht zu trockenen November und von Dezember bis Februar eine deutlich positive (zu nasse) Niederschlagsbilanz, was gleichzeitig auch die zu warme Abweichung erklären mag.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
Oktober 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: deutlich zu trocken
November 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: leicht zu trocken
Dezember 2018 +0,5 bis +3 Grad Trend: zu nass
Januar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass
Februar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 01.09.2018

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