Welche Hinweise gibt es nach der Statistik auf einen zu kalten Winter, wenn die Monate zuvor so verliefen wie in diesem Jahr? Wie wird der Winter 2018 / 2019 - lässt sich daraus etwas ableiten?

EEin Hochdrucksystem nach dem anderen. Zuerst der warme Januar, gefolgt von einem zu kalten Februar und März. Dann kamen die zwei Rekordmonate April und Mai, gefolgt von einem außergewöhnlich warmen Sommer 2018.
Kein Wunder, dass wir in den letzten Wochen immer wieder die Frage von unseren Lesern gestellt bekommen, ob das in der Vergangenheit schon einmal vorkam und welche Auswirkungen das auf den darauffolgenden Winter hatte. Lassen sich daraus Rückschlüsse für den Winter 2018/19 ziehen? Wir betrachten die Statistik in diesem Jahr in zwei Teilen. Im ersten Teil folgt die Betrachtung auf den Frühling und Sommer und im zweiten Teil die Betrachtung auf den Sommer und Herbst.

Grundlagen

Betrachtet werden die letzten 57 Jahre. Jeweils in Abhängigkeit der Abweichungen gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 bis 1990. Zu kalt wurde definiert, wenn die Abweichung <=0 und zu warm wenn die Bedingung >=0 zutraf. Betrachtet werden die zurückliegenden Monate, wenn die Bedingung von einem zu kalten März und jeweils von einem zu warmen April, Mai, Juni, Juli und August zutraf.

Wie wird der Winter 2018 / 19? Eine statistische Betrachtung
Wie wird der Winter 2018 / 19? Eine statistische Betrachtung

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Die Betrachtung der Einzelmonate

War der März zu kalt, so folgte in 18 Prozent ein zu kalter und 14 Prozent Fälle ein zu warmer Winter nach. Rein statistisch nicht relevant.
War der April zu warm, so gab es in 23 Prozent einen zu kalten und in 41 Prozent zu warmen Winter - das ist Relevant!
Ganz ähnlich sieht es beim Mai aus. War dieser zu warm, so war der Winter in 44 Prozent der Fälle zu warm.
Aber auch für den Juni zeigt sich eine Auffälligkeit. Wenn der erste Sommermonat zu warm ausfiel, so gab es mit einer Wahrscheinlichkeit von 44 Prozent einen zu warmen Winter. War der Juli zu warm, so gab es in 42 Prozent der Fälle einen zu warmen Winter, ganz ähnlich, wie wenn der August zu warm war (44 Prozent zu warm).

Wenn also die relevanten Monate zu warm waren, so war der darauffolgende Winter mit einer statistischen Häufung ebenfalls zu warm. Zählt man das zusammen, so ergibt sich in Betrachtung der Einzelmonate eine Wahrscheinlichkeit von rund 43 Prozent für eine zu warme Wintersaison.

Die Betrachtung der Monate von März bis August
Monat Winter kalt Winter warm
März zu kalt 18 % 14 %
April zu warm 23 % 41 %
Mai zu warm 21 % 44 %
Juni zu warm 16 % 44 %
Juli zu warm 21 % 42 %
August zu warm 16 % 44 %

Heraus kommt ein relativ eindeutiges Ergebnis einer erhöhten Wahrscheinlichkeit eines zu warmen Winters. Wer aber Wahrscheinlichkeitsrechnungen kennt, der weiß, dass es nicht auf die Betrachtung der einzelnen Monate ankommt.

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Ein zu warmer Frühling mit Auswirkungen auf den Winter?

Betrachten wir also die Jahreszeiten. Was, wenn der Frühling - wie in diesem Jahr - zu warm ausfällt, wie waren die Winter der Vergangenheit?

In 21 Prozent gab es einen zu kalten Winter und in 44 Prozent der Fälle einen zu warmen Winter.

Wenn der Frühling zu warm war, welche Auswirkungen hatte das auf den Winter?
Jahreszeit Winter kalt Winter warm
Frühling zu warm 21 % 44 %

Ein zu warmer Sommer mit Auswirkungen auf den Winter?

Auch hier zeichnet sich ein ganz ähnliches Bild wie zuvor ab. War der Sommer insgesamt zu warm, so ergab sich zu 21 Prozent ein zu kalter und zu 46 Prozent ein zu warmer Winter

Warmer Sommer mit Auswirkung auf den Winter
Jahreszeit Winter kalt Winter warm
Sommer zu warm 21 % 46 %

Juni, Juli und August zu warm

Ein zu warmer Sommer bedeutet nicht, dass auch alle drei Sommermonate zu warm waren. Wie also waren die Winter, wenn der Juni, Juli und August zu warm waren?

Auch hier ein eindeutiges Ergebnis. In 3 Prozent der Fälle folgte ein zu kalter und mit einer Wahrscheinlichkeit von 23 Prozent ein zu warmer Winter nach.

Juni, Juli und August mit Auswirkung auf den Winter
Monat Winter kalt Winter warm
Juni, Juli August zu warm 3 % 23 %

Fehlt noch der Frühling

Was, wenn wie in diesem Jahr der März zu kalt, der April und Mai zu warm ausfiel? Das gab es in dieser Konstellation im betrachteten Zeitraum noch nicht allzu oft, von daher ist mit 3 Prozent für einen zu kalten und 7 Prozent für einen zu warmen Winter die Relevanz zu gering.

Frühlingsmonate mit den Auswirkungen auf den Winter
Monat Winter kalt Winter warm
März kalt, April und Mai zu warm 3 % 7 %

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Frühling und Sommer

Natürlich fehlt noch die Konstellation aus einem zu warmen Frühling und zu warmen Sommer. Auch hier - und das überrascht wenig - zeigte sich in der Vergangenheit mit 32 Prozent eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen, als mit 16 Prozent für einen zu kalten Winter.

Frühling zu warm, Sommer zu warm, Winter zu warm?
Jahreszeit Winter kalt Winter warm
Frühling und Sommer zu warm 16 % 32 %

März bis August und die Auswirkungen auf den Winter?

Die Kombination aus einem zu kalten März und einem zu warmen Zeitraum vom April bis August gab es in dem betrachteten Zeitraum exakt 2 Mal. Hat also überhaupt keine Relevanz. Einen zu warmen Januar, zu kalten Februar und März und einen zu warmen Zeitraum von April bis August gab es übrigens gar nicht!

Und für den Winter 2018/19?

Egal, wie man es durchspielen mag, die höhere Wahrscheinlichkeit liegt bei einem zu warmen Winter. Warum das so sein mag/kann?

Damit die Temperaturen im Frühling und Sommer überhaupt zu warm ausfallen können, ist in den meisten Fällen hoher Luftdruck notwendig. Gut möglich also, dass in den darauffolgenden Wintern häufiger sich eine westlich bis südwestlich orientierte Großwetterlage hat durchsetzen können (Ausgleichsverhalten). Anders formuliert: statt Hochdruckeinfluss nahmen vermehrt Tiefdruckgebiete Kurs auf Mitteleuropa und sorgen für vermehrten Niederschlag und milde Temperaturen.

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Winter 2018/19 zu warm?

Das ist damit nicht gesagt. Erstens hält sich das Wetter nicht an die Statistik und zweitens gab es ja auch in der betrachteten Konstellation jeweils zu kalte Winter - nur die Wahrscheinlichkeit für einen zu kalten Winter scheint eben geringer.

Zusammenfassung

  • Datengrundlage der letzten 57 Jahre, verglichen mit dem langjährigen Mittelwert 1961-1990
  • Waren der März zu kalt, der April und Mai zu warm, war der Winter häufiger zu warm
  • War der Juni, Juli und August zu warm, so war auch der Winter häufiger zu warm
  • War der Frühling zu warm, folgte mit hoher Wahrscheinlichkeit ein zu warmer Winter
  • War der Sommer zu warm, zeigte sich eine ähnliches Bild - Winter zu warm
  • War der Frühling und Sommer zu warm, so war auch der Winter häufiger zu warm
  • Eine Konstellation von zu warmer Januar, zu kalten Februar und März, sowie zu warmen April bis August gab es im betrachteten Zeitraum noch nicht
  • Die höhere - statistische - Wahrscheinlichkeit liegt bei einem zu warmen Winter 2018/19

Ergänzung: Wetterprognose Winter 2018/19 nach dem Langfristmodell

Das Langfristmodell berechnet die Wintermonate Dezember 2018, Januar und Februar 2019 zum heutigen Stand mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad zu warm.

Im Niederschlagsverhalten wird der Dezember etwas zu nass, der Januar und Februar zu nass gegenüber dem Sollwert berechnet.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken über dem Westen, Süden und Norden
Oktober 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
November 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: normal
Dezember 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: etwas zu nass
Januar 2019 +1 bis +2 Grad Trend: zu nass
Februar 2019 +1 bis +3 Grad Trend: etwas zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 29.08.2018

Anmerkung: dieser statistische Vergleich beruht ausschließlich auf Temperaturwerten der Vergangenheit (Quelle: Deutscher Wetterdienst, DWD) und berücksichtigt ausschließlich die Monate von Januar bis August. Für die Statistik und die Wahrscheinlichkeit gehören aber auch noch ganz andere Faktoren, wie Niederschlag und Großwetterlagen dazu, so dass dies nur als eine Art von Datenspielerei darstellt und wissenschaftlich keine Relevanz hat. Diesen Anspruch hat diese Auswertung auch gar nicht, sondern geht lediglich auf eine Fragestellung der Leser ein.
Haben Sie Anregungen oder Ergänzungen hierzu? Gerne können Sie uns eine E-Mail schreiben.

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