Der Hochsommer neigt sich mit einem Temperatursturz seinem Ende entgegen. Folgt nun ein kühler und nasser Herbst nach und sorgt somit für ein Ausgleichsverhalten?

Der Sommer 2018 nähert sich so langsam seinem meteorologischen Finale. Interessant ist, dass passend mit dem heutigen Ende der sog. Hundstage auch der hochsommerliche Wettercharakter endet. Ein Temperatursturz sorgt in den kommenden Tagen für einen unbeständigeren und auch deutlich kühleren Wettercharakter. Die Übergangsphase kann dabei unwetterartig ausfallen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter im August.

Die Wetterumstellung ist eigentlich schon seit der zweiten August-Dekade im vollen Gang und in Etappen wird nun versucht, ein anderes Strömungsmuster aufzubauen. Ob das gelingt, bleibt noch abzuwarten. Sollte es aber gelingen, so wäre der Herbst und vielleicht auch noch der Winter maßgeblich davon betroffen.

Skandinavienhoch war dominierend - Ursache Major-Warming?

Aber der Reihe nach. Im Februar gab es in der Stratosphäre eine Entwicklung, welche von Winterfans gerne gesehen wird. Ein Major Warming .
Warum? Häufiger dreht das Strömungsmuster nach einem Major-Warming über dem nördlichen Europa und bevorzugt gestört verlaufende Muster von Ost nach West. Somit gelangen kältere Luftmassen nach Deutschland, was die Temperaturen im Februar und März 2018 haben zu kalt ausfallen lassen.

Nun hielt sich das Skandinavienhoch sehr hartnäckig auch noch im April, Mai, Juni und Juli und sorgte für eine erstaunliche Erhaltungsneigung, welche so nicht vorhersehbar, aber theoretisch möglich war. Anders aber wie im Winter sorgt im Frühling und Sommer der zunehmend hohe Sonnenstand bei den Temperaturen und Niederschlägen für einen gegenteiligen Effekt. Die Temperaturen werden zu warm und die Niederschlagsneigung geht zurück.
Warum theoretisch möglich? Es gab solche Situationen in der Vergangenheit immer wieder einmal, bei der ein Major-Warming im Winter, bzw. Spätwinter auch Auswirkungen auf den Sommer hatte. Das geschieht nicht immer, aber eine Häufung von Hochdrucksystemen über Skandinavien in den Sommermonaten ist nach einem Major-Warming zu erkennen.

Nun kommen solche Major-Warming im Schnitt etwa alle 1 bis 3 Jahre einmal vor. So ist nicht davon auszugehen, dass dieses Phänomen sich im Winter 2018/19 wiederholen wird und es ist zudem davon auszugehen, dass der Sommer 2019 einen gänzlich anderen Charakter aufweisen wird, wie die diesjährige Sommersaison.

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Frühherbst oder Spätsommerwetter?

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Der Temperaturrückgang am kommenden Wochenende ist mit bis zu 12 Grad als markant zu bewerten. Ein Tiefdrucksystem über Skandinavien sorgt dafür, dass die Hochdruckzone über Mitteleuropa abgebaut wird und sich über dem westlichen Russland und den Azoren jeweils ein autarkes Hochdrucksystem ausbilden kann. In die entstehende Lücke über Mitteleuropa stoßen die Tiefdrucksysteme nach Deutschland, Österreich und die Schweiz vor. Der Wettercharakter ist mit Tageswerten von +16 bis +23 Grad und mit +12 bis +18 Grad bei Dauerregen am Wochenende als frühherbstlich zu bewerten.

Kurzzeitig frühherbstliches Wetter
Kurzzeitig frühherbstliches Wetter

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Viel Regen über dem Südosten und Nordwesten

Zumindest partiell fällt der lang ersehnte Niederschlag. Die aktuellen Wetterprognosen der Wettermodelle berechnen bis zum 29. August über dem Südosten Niederschlagssummen zwischen 30 bis 60 l/m² und im Stau der Alpen bis 100 l/m². Über den Küstenregionen von Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden 10 bis 25 l/m² berechnet, sonst sind mit 0 bis 10 l/m² nur wenige Niederschläge zu erwarten.

Amerikanisches Prognosemodell: Unbeständiges Wetter zum Herbstauftakt

Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik bleibt nach der aktuellen Wettervorhersage des amerikanischen Prognosemodells als hoch zu bewerten und so fehlt die Ruhe, den Trogansatz über Mitteleuropa wirken zu lassen. Anders formuliert konzentriert sich die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik zwischen Neufundland und Island. Es bleibt also bei einem Trogansatz, der schon im Verlauf der kommenden Woche weggeblasen werden kann.

Nachfolgend aber streben immer wieder Tiefdrucksysteme von Island in Richtung Skandinavien und versorgen Deutschland, die Schweiz und Österreich mal mit einer warmen Vorderseite und im Anschluss mit kühlem Rückseitenwetter. Mit der Vorderseite können Werte von +24 bis +28 Grad und örtlich bis +30 Grad und mit der Rückseite +17 bis +23 Grad erreicht werden. Ein stetes Auf und Ab der Temperaturen bis in den ersten Herbstmonat hinein. Die Niederschlagsleistung ist als mäßig zu bewerten - über dem Norden und Westen aber höher als über dem Süden und Osten einzustufen.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Vorhersagemodell: Spätsommerliche Wetterphasen sind zum Herbstauftakt möglich, doch zeigt sich die Umstrukturierung der Großwetterlage nachhaltig © www.meteociel.fr

Europäisches Wettermodell: normales Wetter zum Herbstbeginn

Eine ganz ähnliche Variante berechnet auch das europäische Vorhersagemodell in seiner aktuellen Wetterprognose. Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik ist als hoch zu bewerten und die Tiefdruckausläufer streben auch nach dieser Simulation bis zum September hinein immer wieder in Richtung Skandinavien.

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Ein Auf und Ab der Temperaturen bei einem unbeständigen Wettercharakter wird somit zunehmend wahrscheinlicher. Andere würden sagen, dass sich der Wettercharakter vom Hochsommer so langsam auf den Herbst umstellt. Hitzetage sind vereinzelt noch möglich, verlieren aber schon im Verlauf der kommenden Woche an Relevanz.

Polarwirbelberechnung September

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Vorhersagemodell: Ein Auf und Ab der Temperaturen © www.meteociel.fr

Schaut man etwas genauer auf die Berechnungen des europäischen Wettermodells, so erkennt man eine Hochdruckblase über dem europäischen Nordmeer. Zum aktuellen Stand ist diese noch schwach ausgebildet, doch sollte sich diese verstärken und auf Position bleiben können, so wäre im Verlauf des ersten September-Drittels mit kühleren Temperaturen zu rechnen. Verstärkt sie sich und verlagert sich über Skandinavien, so ist auch ein spätsommerlicher Wettercharakter in der ersten September-Dekade möglich. Das sind zum aktuellen Stand aber nur hypothetische Annahmen.

Kontrollläufe: Ein spätsommerlicher Herbstauftakt wird favorisiert

Die Überschrift hat sich gegenüber dem letzten Wettertrend nicht verändert. Das Temperaturniveau liegt Ende August deutlich über dem langjährigen Mittelwert, sinkt Anfang September kurzzeitig ab und steigt darüber hinaus in den etwas zu warmen Bereich an. Wenn man so möchte, stützen die Kontrollläufe das Auf und Ab.

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So liegt das Temperaturspektrum am 1. September zwischen +16 bis +28 Grad (Mittelwert: 20 bis +21 Grad) und am 7. September zwischen +14 bis +29 Grad (Mittelwert: +22 Grad). Gegenüber dem langjährigen Mittelwert liegt der Durchschnittswert in den ersten Septembertagen etwa um 1 bis 3 Grad im zu warmen Bereich.

Die Niederschlagsleistung ist über dem Norden etwas erhöht, sonst als schwach zu bewerten.

Diagramm Temperaturen September 2018 vom 23.08.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe September 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodell: Der Wettertrend für den Herbst und Winter 2018/2019

Das Langfristmodell bewertet in seinem aktuellen Wettertrend die ersten beiden Herbstmonate September und Oktober mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad normal und im Trend mit einer Abweichung von bis +1 Grad etwas zu warm.

Der letzte Herbstmonat November wird hingegen mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad deutlich warm simuliert.

Die Wintermonate Dezember und Januar werden mit einer Differenz von +0,5 bis +1 Grad und im Trend von bis +2 Grad zu mild und der Februar 2019 mit +1 bis +2 Grad zu warm berechnet.

Fasst man das auf die Jahreszeiten zusammen, so kann der Herbst 2018 zum aktuellen Stand um +0,5 Grad bis +1 Grad zu warm und der Winter 2018/2019 um +0,5 bis +2 Grad zu warm ausfallen. Gegenüber dem langjährigen Mittel sind die Winter der letzten 20 Jahre im Schnitt um +1,3 Grad zu warm ausgefallen. Somit orientieren sich die Berechnungen des Langfristmodells durchaus am Durchschnittswert der letzten 20 Jahre.

In der Niederschlagsberechnung werden der September und Oktober im Trend etwas zu trocken simuliert. Der November dafür deutlich zu nass. Der Dezember zeigt über dem Alpenraum eine deutlich positive Abweichung, sonst liegt alles im Bereich des Sollwertes. Der Januar soll demnach zu nass und der Februar 2019 etwas zu trocken ausfallen.

Summiert man die Niederschlagsprognosen, so könnte der Herbst und Winter 2018/19 normal ausfallen. Über den Alpen ist aber nach dieser Prognose mit einer erhöhten Niederschlagsneigung zu rechnen.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: etwas zu trocken
Oktober 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal
November 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: zu nass
Dezember 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: normal
Januar 2019 +0,5 bis +2 Grad Trend: deutlich zu nass
Februar 2019 +1 bis +2 Grad Trend: etwas zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 23.08.2018

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