Wie wird der Winter 2018/19? Noch ist es zu früh um ausführlich darüber zu spekulieren, aber was spricht für eine zu warme und was spricht für eine zu kalte Wintersaison?

Das Wetter im Frühjahr war außergewöhnlich. Der März noch zu kalt, dann folgten mit dem April und Mai zwei sehr warme Monate nach, welche zugleich auch einen neuen Wärmerekord aufstellten. Der Juni und Juli waren deutlich warm und bestachen durch eine langanhaltende Trockenheit. Der August ist bisweilen viel zu warm und so verwundert es nicht, dass wir derzeit sehr viele E-Mails erhalten, wie denn wohl der Herbst und Winter 2018/19 in Anbetracht dieser Abnormalitäten ausfallen wird.

Viele glauben, dass der Winter außergewöhnlich kalt wird, einige wiederum glauben, dass es einen Supermildwinter geben wird. Glauben heißt aber nicht wissen.

Winter 2018/19 zu warm?

Kommen wir zur ersten These. Was spricht für einen zu warmen Winterverlauf in der Wintersaison 2018/19? Da ist zum einen der Klimawandel zu erwähnen. Der letzte normale Winter stammte aus dem Jahre 2011/12. Die letzten fünf Winter waren teils deutlich zu warm ausgefallen. Im Schnitt waren die letzten 20 Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um +1,33 Grad zu warm. Wenn man behauptet, der Winter würde zu warm ausfallen, so hätte man nach der Statistik eine Trefferquote von 65 Prozent (zu kalt 20 Prozent)!

Eine schön verschneite Winterlandschaft - klappt das im Winter 2018/19?
Eine schön verschneite Winterlandschaft - klappt das im Winter 2018/19?

Ein weiterer stützender Faktor könnte auch das sog. Ausgleichsverhalten sein. Waren die Frühlings- und auch Sommermonate deutlich zu trocken und zu warm, so könnte das Wetter im Herbst und Winter kippen. Aber eben nicht in die zu kalte und zu nasse Richtung.

Warum? Verantwortlich für das trockene Wetter war ein Hochdrucksystem über Skandinavien, welches von Februar bis Juli für eine überwiegend östliche - und damit gestörte - Zirkulation über Deutschland, Österreich und der Schweiz sorgte. Hitze und Trockenheit mit Teils verheerenden Auswirkungen waren die Folge. Ein Ausgleichsverhalten könnte sich nun in Form einer ausgeprägten West- oder Südwestwindwetterlage zeigen. Viel Niederschlag und gemäßigte milde Temperaturen bei einem kräftigen Wind könnten dafür sorgen, dass der Winter 2018/2019 zu warm ausfallen kann.

Winter 2018/19 normal oder gar zu kalt?

Aber es gibt sie ja noch - die zu kalten Winter (letztmalig 2010/11). Der Frühling und Sommer 2018 waren geprägt durch eine Wetterlage, welche häufiger auch einmal im Winter auftritt und als gestörtes Zirkulationsmuster deklariert wird. Hervorgerufen wurde dieses von einem Phänomen der sog. plötzlichen Stratosphärenerwärmung (Major Warming) im Februar 2018, was nachfolgend häufiger zu langlebigen Hochdruckgebieten über Skandinavien führen kann. Doch in 2018 war das Skandinavienhoch extremst ausgeprägt!

Was im Sommer zu Trockenheit und Hitze führt, so kann eine Ostwetterlage im Herbst und Winter für empfindlich kaltes Wetter sorgen, vor allem wenn sich eine Schneedecke ausbilden und mit klaren Nächten die Temperaturen absinken lassen kann. Anders formuliert könnte sich die Erhaltungsneigung noch bis in den Winter fortsetzen und mit entscheidend wird sein, ob die Großwetterlage im September 2018 kippt, oder ob sich ein neuerliches Skandinavienhoch ausbilden kann.

Ein nicht ganz unwichtiger Randfaktor ist theoretischer Natur und betrifft die Winterzyklen. Häufig folgt einem warmen Winter ein weiterer warmer Winter nach. Oftmals sind es bis zu drei, seltener bis zu vier Winter hintereinander, bevor wieder eine Abfolge von normalen, bzw. kühleren Wintern nachfolgt. Nun waren die letzten fünf Winter zu warm, doch der letzte Winter zeigte mit einem zu kalten Februar eine deutliche Veränderung im Ablaufmuster.
Welche Veränderung? Sehr häufig zeigt sich ein deutlich zu warmer Winter mit einem Kaltluftvorstoß zwischen dem östlichen Kanada und Grönland. Geschieht das bereits zum Winterbeginn und hält sich für längere Zeit, so zeigt sich eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter. Im letzten Winter war das im Dezember und Januar der Fall, jedoch drehte das Zirkulationsmuster im Februar und verschaffte Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Hochwinter, welcher seinen Namen auch verdiente und sich zum Teil auch bis in den März hineinzog. Gut möglich, dass sich diese Veränderung im bevorstehenden Winter fortsetzen kann.

Letztmalig, als es fünf aufeinanderfolgende zu warme Winter gab, war im Zeitraum von 97/98 bis 01/02. Darauf folgten gemäßigte Winter, zwei zu kalt, zwei etwas zu mild. In den kommenden Tagen aber gehen wir nochmals genauer auf die Statistik ein. Kurzum ist es an der Zeit für einen - zumindest normalen - Winter!

Der Wettertrend für den Winter 2018/2019 der Langfristmodelle

  • Das Langfristmodell CFSv2 berechnet den Winter 2018/2019 deutlich zu warm. Der Dezember wird mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad noch als der kälteste Wintermonat berechnet. Der Januar und Februar 2019 haben in dieser Wetterprognose zum aktuellen Stand eine Abweichung von +1 bis +2 Grad vorzuweisen.
    In der Niederschlagsberechnung soll der Dezember und Februar unauffällig und der Januar gegenüber dem Sollwert etwas zu nass ausfallen.
  • Das Langfristmodell der NASA berechnet den Dezember 2018 mit einer Abweichung von bis zu +3 Grad deutlich zu warm und den Januar 2019 mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad weitgehend normal.
  • Das IRI-Modell berechnet im Ansatz einen normalen Temperaturverlauf in den Wintermonaten von Dezember bis Februar bei einer normalen Niederschlagsaktivität.
  • Das METOffice simuliert den Dezember und Januar mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 bis 60 Prozent zu warm, 20 bis 40 Prozent normal und 0 bis 40 Prozent zu kalt.

Sicherlich werden sich die Langfristmodelle in den kommenden Wochen noch mehrmals verändern, es zeigt aber auch, dass rein vom rechnerischen her die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen und normalen Winter höher. Ein zu kalter Winter ist im Wettertrend der Langfristmodelle gar nicht zu finden!

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 19.08.2018

Und was glauben wir, wie der Winter wird?

Man hat das Gefühl, dass das Wetter in den letzten Jahren außer Tritt gekommen ist, was sicherlich auch mit dem Klimawandel zusammenhängen mag. Trocken- und auch Hitzeperioden nehmen zu und die Jahreszeiten werden im 20-jährigen Mittelwert zunehmend wärmer. Man braucht kein Prophet zu sein, um die Jahreszeiten als zu warm auszurufen. So ist es allein schon bemerkenswert, dass die letzten 22 Sommer allesamt zu warm ausgefallen sind. Der Winter schafft es noch in Phasen sich durchzusetzen und so ist auch unsere Annahme für die Wintersaison 2018/19.

Wechselhaft und unbeständig in seiner Struktur, längere Kältephasen sind möglich. Am Ende aber könnte ein weiterer (leicht) zu milder Winter stehen. Sollte sich aber die sog. QBO (in den kommenden Tagen dazu mehr) aber mal dazu entscheiden, sich wieder durchzusetzen (sie ist längst überfällig und in diesem Winter zu erwarten), so sind meist Hochdrucksysteme über Skandinavien die Folge daraus. Die Erhaltungsneigung könnte sich also durchaus auch bis in den Winter fortsetzen, bzw. erneuern - dann wäre ein kalter Winter möglich. Soweit der aktuelle Stand.

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen