Die Schneedecke über Sibirien kann mit entscheidenden, wie der Winter über Deutschland verlaufen wird. Die Schneedeckenausbildung ist aber kein allein entscheidender Faktor, aber wenn alle Parameter passen, kann die Schneedecke für den Hochwinter von großer Bedeutung sein.

Die ersten Schneeflocken gibt es am Wochenende zwischen dem 28./29. Oktober in höheren Lagen zu bestaunen und in den Alpen fällt sogar richtig viel Schnee (Schneeprognose). Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis sich die Schneeflocken auch bis auf tiefere Lagen vorwagen. Es gibt einige Randfaktoren, welche für einen kalten oder milden Verlauf des Winters verantwortlich sein können. Passen mehrere Randfaktoren gut zueinander, so erhöhen sich die Chancen für einen kalten Winter. Einer dieser Faktoren ist die frühe Ausbildung einer großflächigen Schneedecke über Sibirien.

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Welche Auswirkung hat die Schneedecke auf den Winter über Deutschland?

Wir möchten heute unsere mehrteilige Serie über die sog. Randfaktoren mit der Schneedeckenausbreitung über Sibirien fortführen. Warum ist früher Schnee über Sibirien für einen Hochwinter über Deutschland wichtig? Zum Beginn des Winters hat der Schneefall über Sibirien noch keine sonderlichen großen Auswirkungen, je früher er aber eintritt und je rascher die Schneedecke anwachsen kann, desto förderlicher ist das in der Theorie für winterliche Großwetterlagen, welche von Sibirien ausgehend meist mit dem sich in Richtung Nordeuropa ausdehnenden Kontinentalhoch zusammenhängen.

Liegt früh und reichlich viel Schnee über Sibirien, so könnte das für den Hochwinter entscheidend sein
Liegt früh und reichlich viel Schnee über Sibirien, so könnte das für den Hochwinter entscheidend sein

Eigenschaften einer Schneedecke

  • Schnee hat die Eigenschaft Sonnenstrahlen zu reflektieren und einen Großteil der Energie zurück zu werfen (hohe Albedo)
  • Schnee reflektiert ca. 90Prozent der Energie, dunkler Boden nimmt 70 bis 80 Prozent der Energie auf
  • Die Schneedecke hält Wärme auf dem Boden zurück, wirkt also wie eine isolierende Schicht
  • Generell wirkt Schnee hemmend für hohe Temperaturen - egal bei welcher Wetterlage
  • Schnee holt sich die Feuchtigkeit aus der Luft, was wiederum zur Abkühlung der Temperaturen führt
  • Bei Tauwetter verzögert eine Schneedecke den Temperaturanstieg, da Energie für den Tauprozess benötigt wird

Schnee entzieht der Luft Feuchtigkeit

Stark vereinfacht ausgedrückt: Schnee frisst Feuchtigkeit und sorgt für ein auskühlen der Temperaturen. Kalte Temperaturen gehen meist mit hohem Luftdruck einher, was wiederum die nächtliche Abstrahlung begünstigt und so setzt sich ein Prozess der langsam immer kälter werdenden Temperaturen in Gang - die Kälte produziert sich selbst.

Das geht so lange, bis die Sonne wieder einen Stand erreicht hat, wo die Temperaturen ins Gegenteil umschlagen. Sibirien ist somit das Land, bzw. die Region der krassen Temperaturgegensätze. Die durchschnittlichen Temperaturen liegen im Hochwinter im Januar tagsüber meist bei -16 Grad und gehen in den Nächten auf bis -25 Grad zurück.

Ist das Wetter extrem, so können die Temperaturen auch schon mal bis an die -50 Grad Grenze absinken. Im Sommer erreichen die Werte meist +20 bis +22 Grad, wobei hier die Extreme auch bis über +30 Grad betragen können. Das macht im Normalfall einen Temperaturunterschied von 30 bis 40 Grad aus.


In Sibirien bei -48 Grad unterwegs

Auswirkungen der Schneedecke über Sibirien

Liegt also reichlich Schnee über Sibirien, so ist das für das Kontinentalhoch förderlich. Je früher der Schnee fällt, desto ausgeprägter und stärker kann das Kontinentalhoch werden. Das kann zu zwei wesentlichen Wetterereignissen führen. Zum einen kann ein stark ausgeprägtes Kontinentalhoch den Polarwirbel schwächen und zum anderen begünstigt eine Ausdehnung des Kontinentalhochs in Richtung Nordeuropa auch den Hochwinter über Mitteleuropa, welcher meist ab Mitte Januar zu erwarten ist.

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Das Kontinentalhoch produziert also nicht nur Kälte, es exportiert diese auch in andere Regionen. Und sobald der Polarwirbel anfängt zu wackeln, wird noch mehr Energie aus der Troposphäre absorbiert und der Polarwirbel weiter geschwächt. Ein schwacher Polarwirbel neigt dazu zu mäandrieren, was warme Luftmassen aus den niederen Breiten nach Norden und kalte Luft arktischen Ursprungs nach Süden führt. Sind die Bedingungen perfekt, ist auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz tiefstes Winterwetter möglich.

Es ist aber nicht zwingend, dass mit einem starken Kontinentalhoch ein kalter Winter über Deutschland, Österreich und der Schweiz erfolgen wird. Es ist lediglich ein begünstigender Faktor. Bspw. im Jahr 2016 war die Schneedeckenausbreitung über Sibirien sehr früh außergewöhnlich weit fortgeschritten. Trotzdem war der Dezember viel zu warm. Erst im Januar sorgte die fast dreiwöchige Hochwinterphase für eine deutliche Abkühlung, welche auch im Februar über dem Norden noch für eisige Temperaturen sorgte. Zwar war es im Winter 2016/17 keine begünstigende Hochdruckausbildung über Skandinavien, aber dennoch reichte der Hochdruckkeil über Mitteleuropa bis zum Kontinentalhoch und sorgte somit für die Dauerfrostperiode.

Aktuelle Schneedeckenausbreitung über Sibirien

Im noch sehr frühen Winterstadium ist die Schneedecke über Sibirien nicht ganz so weit fortgeschritten wie im Vergleichszeitraum der letzten Jahre und lässt sich mit dem Stand aus dem Oktober 2011 vergleichen (Dezember zu warm, Januar zu warm, Februar deutlich zu kalt). Die Schneedecke ist auf den nördlichen Bereich begrenzt und reicht bis an den nördlichen Rand der Mongolei. Nach Westen reicht die Ausdehnung bis über das nördliche Skandinavien. Die Schneehöhe beträgt - wie in den Jahren zuvor auch - zwischen 5 bis 30 cm und zeigt somit keine sonderlichen Auffälligkeiten gegenüber den vergangenen Jahren.

Aktuelle Schneesituation Sibirien
Aktuelle Schneedeckenausbreitung Sibirien, Stand 28. Oktober 2018

Zusammenfassung / Fazit

  • Eine frühe Schneedeckenausbildung über Sibirien fördert ein starkes Kontinentalhoch
  • Ein sehr kräftiges Kontinentalhoch hat größeren Einfluss auf den Polarwirbel
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch hat bessere Chancen sich im Hochwinter weiter nach Westen in Richtung Europa auszudehnen
  • Ein kräftiges Kontinentalhoch ist nicht zwingend für einen kalten Winter verantwortlich. Maßgeblich muss die Großwetterlage passen
  • Aktuelle Ausbreitung der Schneedecke ist schwächer als in den Jahren zuvor und lässt sich mit dem Stand vom Oktober 2011 vergleichen

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