Blickt man auf die vergangenen Wintertage zurück, so war der Winter 2017/18 bisweilen um +3,1 Grad zu warm. Da braucht man kein Prophet zu sein um den Winter in die Kategorie viel zu warm zu stecken. Daran ändern auch die kommenden Tage nichts, welche über den Gebieten nördlich der Mittelgebirge mit Temperaturen um 0 Grad winterlich ausfallen können - doch vom Schnee in tieferen Lagen ist keine Spur und über dem Süden macht sich das Italientief mit etwas milderen Temperaturen bemerkbar. Das spiegelt den Winterverlauf ganz gut wieder: Wenn es darauf ankommt, kneift er. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage Februar 2018.

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Februar winterlich?

Aber einmal ganz abgesehen davon - rein mit dem was auf dem Papier steht, hat das erste Februar-Drittel weiterhin ein hohes Potential etwas zu kalt auszufallen. Nach dem Temperaturüberschuss von +4,2 Grad aus dem Januar ist das schon als eine kleine Sensation zu bewerten. Und auch das Langfristmodell berechnet in seiner aktuellen Wettervorhersage einen gegenüber dem langjährigen Mittelwert leicht zu kühlen Temperaturverlauf. Im Niederschlagstrend soll der Februar leicht zu trocken ausfallen. Schaut man auf Europa, so wird der gesamte Westen und Norden, sowie einige Teile des östlichen Europa und dem westlichen Russland zu kalt berechnet. Klarer wird die Verteilung der Großwetterlage, wenn man das Niederschlagsverhalten analysiert. Hier zeigt sich ein zu trockener Norden und eine deutlich zu nasse Mittelmeerregion.

Winterliches Kontinental- oder Skandinavienhoch?

Theoretische Annahme: Sollte sich die Wetterprognose des Langfristmodells bewahrheiten sollen, so wäre über dem nördlichen Europa ein Hochdruckgebiet zu positionieren, während die atlantischen Tiefdrucksysteme den Umweg über die Mittelmeerregion nehmen müssten. Deutschland läge somit zwischen den Fronten, was ab dem zweiten Februar-Drittel zu sog. Grenzwetterlagen führen kann. Was sind Grenzwetterlagen? Sie trennen kalte Luftmassen aus dem Norden von warmen aus dem Süden. Dort wo beide Luftmassen aufeinanderprallen ist mit viel Niederschlag zu rechnen - teils als Schnee, teils als Regen. Das lässt man nun einmal so stehen und die kommenden Tage werden zeigen müssen, ob die Theorie des Langfristmodells zu Tatsachen werden können.

Wettermodelle: wenig winterlich

Sowohl das amerikanische, als auch das europäische Wettermodell berechnen das zweite Februar-Drittel wenig winterlich, aber auch nicht wirklich mild. Die meiste Zeit über verbleibt Deutschland in einer Luftmasse, welche in tieferen Lagen die Temperaturen im nasskalten Bereich von +0 bis +5 Grad pendeln lässt. Weder Fisch noch Fleisch aber aus der Jahreszeit-typischen Betrachtungsweise her völlig normal. Die Großwetterlage zeigt sich aus einem aktiven Atlantikwetter, welches versucht, sich bis nach Skandinavien durchzusetzen. Gelingt das, so wäre nicht mehr allzu viel vom Winter zu erwarten. Baut sich aber entweder aus dem Atlantik ein Blockadehoch (wenig wahrscheinlich) oder ein Skandinavienhoch auf (etwas wahrscheinlicher), so sieht die weitere Wetterentwicklung schon wieder ganz anders aus.

Polarwirbelberechnung Februar

Berechnung Polarwirbel nach europäischen Wettermodell - Wenig winterliche Aussichten © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: zu kalt bis normal

Wenig Schwung auch bei den sog. Kontrollläufen. So zeigt sich auch hier eine hohe Wahrscheinlichkeit eines zu kalten ersten Februar-Drittels - vor allem über dem nördlichen und östlichen Regionen. Dieses Niveau hält sich bis zum 13. Februar mehrheitlich. Im Zeitraum vom 14. bis 20. Februar zeigt sich ein leicht ansteigendes und damit normalisierendes Temperaturniveau - von zu kalt auf normal. Interessant ist aber die Zunahme von kalten, wie auch warmen Varianten ab dem 14. Februar - das war in den letzten Tagen noch anders. Mit anderen Worten: da kommt etwas Schwung in die Wetterküche. So liegt das Temperaturspektrum am 10. Februar zwischen -2 bis +3 Grad (Mittelwert: +0 Grad über dem Norden und Osten, +1 Grad über dem Süden und +2 Grad über dem Westen) und am 19. Februar zwischen -4 bis +8 Grad (Mittelwert: +2 Grad über dem Norden und Osten und +3 Grad über dem Süden und Westen).

Diagramm Temperaturen im Februar 2018 vom 05.02.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Major-Warming: ein Randfaktor, welcher zu unerwarteten Wetterentwicklungen führen kann

Seit mehreren Tagen berechnet das amerikanische Wettermodell zunächst ein kräftiges Minor-Warming, was relativ rasch in ein Major-Warming übergeht. Aber auch das europäische Wettermodell berechnet diese Entwicklung zwischenzeitlich, was ein Eintreten des Phänomens wahrscheinlicher macht. Zudem wird das Ganze noch von einer Windumkehr entlang des 65. Breitengrades gestützt. Allerdings muss man hier noch weiter abwarten, wie nachhaltig die Windumkehr tatsächlich sein wird und welche Auswirkungen das zum einen auf den Polarwirbel und zum zweiten auf das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wird. In der Theorie ist im Falle eines Eintretens die Ausdehnung des Kontinentalhochs in Richtung Skandinavien eine sehr wahrscheinliche Variante, womit man wieder bei der Wetterentwicklung des Langfristmodells wäre. Nach den aktuellen Berechnungen erreicht das Warming in Stratosphärenhöhe zum 12. Februar seinen vorläufigen Höhepunkt.

Polarwirbelberechnung Februar

Welche Auswirkungen wird das Warming haben? © www.meteociel.fr

Was wäre wenn?

Ja, was wäre denn in dem Fall, als das sich das Major-Warming tatsächlich nachhaltig durchsetzen kann. Wäre dann mit Winterwetter in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu rechnen? Nein, zumindest nicht zwangsläufig, es erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit hierfür, da eine stringente West-Ost Zirkulation gestört wird. Kommt es zu einem Polarwirbelsplit, so ist zudem entscheidend, auf welcher Seite der Welle Deutschland liegen wird, denn es gibt auch die warme Variante. Sehr schön lässt sich das anhand eines Kontrolllaufes zeigen. Polarwirbelsplit mit fast kompletten Abbau des Wirbels über Kanada und Grönland und doch nur nasskaltes Wetter über Deutschland. Ideale Grundvoraussetzungen für Winterwetter, aber die Atlantikblockade fehlt.

Polarwirbelberechnung Februar

Berechnung Polarwirbel nach Kontrolllauf - Polarwirbelsplit mit nasskaltem Wetter über Deutschland © www.meteociel.fr

Die nächste Aktualisierung erfolgt an dieser Stelle heute Abend gegen 20:00 Uhr in kurzen Aktualisierung der Wettervorhersage Winter 2018.

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Update der Wetterprognose Winter von 20:03 Uhr
Eine weiße Überraschung könnte es morgen in Teilen vom Saarland und Rheinland-Pfalz geben. Nach den jüngsten Simulationen könnten dort Schneesummen von 0 bis 5 cm erwartet werden (mehr dazu in der aktuellen Prognose auf wetter-14-tage.de). Sonst waren die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells tagsüber für das zweite Februar-Drittel durchweg unterschiedlich, doch für Deutschland, Österreich und die Schweiz stets mit dem gleichen Ergebnis. So wandeln sich die Temperaturen von kalt zu nasskalt bis hin zu mild. Eine richtiger Wintereinbruch mit viel Schnee bis in tiefere Lagen ist in den Simulationen von heute nicht zu erkennen gewesen. Stattdessen ein gradientenschwaches Wetter mit diversen Störeinflüssen, was hin und wieder in der zweiten Februar-Dekade zu leichten Niederschlägen führen kann.

Polarwirbelberechnung Februar
Berechnung Polarwirbel im Februar nach dem amerikanischen Wettermodell - Gradientenschwache Wetterlage © www.meteociel.fr


Das europäische Wettermodell berechnet eine ganz ähnliche Variante. Zunächst kalt, ab dem 12. Februar zunehmend nasskalt und zur Monatsmitte hin etwas milder. Im Gegensatz aber zum amerikanischen Wettermodell rückt die atlantische Frontalzone bis nach Skandinavien vor, was eine West- bis Südwestwetterlage über Deutschland wahrscheinlicher macht.

Kontrollläufe: Trend zu Veränderungen
Die Kontrollläufe sind bis zum 1. Februar relativ einheitlich und bestätigen im Wesentlichen die Wetterprognosen der letzten Tage. Nasskaltes Winterwetter mit leichten bis mäßigen und örtlich auch strengem Nachtfrost. Ab dem 12. Februar aber nehmen die Differenzen zu und verstärken sich nach dem 14. Februar noch. War das amerikanische Wettermodell in den letzte Tagen noch gut in die Kontrollläufe eingebettet, so zeigt es sich heute Abend ab dem 14. Februar als eine der wärmsten Varianten. Der Mittelwert der Kontrollläufe liegt am 10. Februar zwischen +1 bis +2 Grad, am 15. Februar zwischen +1 bis +3 Grad und am 20. Februar bei +2 Grad. Betrachtet man das Temperaturspektrum am 20. Februar, so liegt dies zwischen -9 bis +8 Grad, wobei der Hauptlauf die +8 Grad repräsentiert. Mit Veränderungen ist in den kommenden Stunden zu rechnen, zeugt aber zum aktuellen Stand nicht gerade von einer durchgreifenden Milderung im zweiten Februar-Drittel.

Die nächste Aktualisierung der Wetterprognose Winter erfolgt an dieser Stelle am 6. Februar gegen 13:00 Uhr.

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