Nach einem wechselhaften und zu Schauern neigenden Wettercharakter fließt ab Sonntag mit einer nordöstlichen Grundströmung kältere Luft arktischen Ursprungs nach Deutschland und sorgt für weiter zurückgehende Temperaturen. So wird aus einem nasskalten allmählich ein winterlicher Wettercharakter und die Schauer gehen ab dem Samstag zunehmend bis in tiefere Lagen in Schnee über. In den Nächten ist von Sonntag bis einschließlich Mittwoch mit teils strengem Nachtfrost zu rechnen. Mehr in der aktuellen Wettervorhersage Februar 2018.

Unsicherheiten in der Wetterentwicklung

In der gestrigen Wetterprognose wurde es kurz als Unsicherheitsfaktor beschrieben, heute zeigt es sich in den Simulationen beider Wettermodelle. Die Zugbahn des Italientiefs kann entscheiden über Vollwinter, winterlicher Kälte, nasskaltem oder gar auch mildem Winterwetter sein. Warum? Drückt sich das Italientief weiter westlich über die Alpen, so können aus südöstlichen Richtungen milde Luftmassen in der Höhe nach Deutschland geführt werden. Meist betrifft das die Gebiete südlich der Mittelgebirge. Starke Bewölkung verhindert in den Nächten den strengen Frost und die Niederschlagsneigung steigt an. Das amerikanische Wettermodell hat diese Milderung in seinen Berechnungen berücksichtigt, wenngleich der Einfluss nur mäßig stark ins Gewicht fällt. Niederschläge sind kaum zu erwarten und tagsüber pendeln sich die Temperaturen um die 0 Grad herum ein. Nachts ist mäßiger Frost von -9 bis -2 Grad zu erwarten. Insgesamt ein ruhiger und winterlicher Wettercharakter.

Anzeige

Das europäische Wettermodell berechnet die Zugbahn des Italientiefs anders, was die Frostgrenze über dem Süden bis zum 9. Februar auf 800 Meter ansteigen lassen kann. Über den Mittelgebirgen liegt die Dauerfrostgrenze bei 300 bis 500 Meter und über dem Norden ist bis in tiefere Lagen mit Dauerfrost zu rechnen.

Mit wie viel Schnee kann gerechnet werden?

Angenommen es bleibt bei einem mäßigen Einfluss des Italientiefs, welche Schneemengen wären bis zum 10. Februar zu erwarten? Über dem Norden werden 0 bis 2 cm, über den Mittelgebirgen 0 bis 5 cm und über dem Süden 0 bis 5 cm und in den Staulagen vom Schwarzwald sind auch bis 20 cm möglich. Allzu viel Schnee ist also nicht zu erwarten.

Bleibt der Winter auch im zweiten Februar-Drittel erhalten?

Da berechnen die Wettermodelle unterschiedliche Varianten. Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik wird in den Simulationen weiterhin als hoch eingestuft. In Folge können sich drei Wettervarianten daraus entwickeln.

  • In der ersten Variante verlagert sich das Hochdrucksystem auf dem Atlantik zwischen die Azoren und England und schnürt dabei den Trog über Mitteleuropa ab. Nachfolgend positioniert sich über Skandinavien ein Tiefdrucksystem und führt im Verbund mit dem Hoch zu einer nordwestlichen Grundströmung, was in tieferen Lagen zu nasskalten und ab den mittleren Lagen zu winterlichen Wetterverhältnissen führen kann.
  • In der zweiten Variante Verlagert sich die Tiefdruckaktivität rasch über Skandinavien und das Hochdrucksystem auf dem Atlantik keilt nach Norden auf. In Folge daraus bleibt das meridionale Strömungsmuster erhalten und eine Milderung wäre nur von kurzer Dauer.
  • In der dritten Variante kippt das Hoch auf dem Atlantik nach Osten über Mitteleuropa weg und eine milde Westwindwetterlage hätte wieder mehr Optionen das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu beeinflussen.

Polarwirbelberechnung Februar

Berechnung Polarwirbel nach europäischen Wettermodell - Milderung im zweiten Februar-Drittel? © www.meteociel.fr

Zuerst zu kalt, dann durchschnittliches Winterwetter

Die Wahrscheinlichkeit, dass das erste Februar-Drittel gegenüber seinem langjährigen Mittelwert zu kalt ausfallen wird, bleibt auch heute als hoch zu bewerten. Schaut man sich die Kontrollläufe an, so liegt der Mittelwert des Temperaturspektrums um 2 bis 5 Grad unter dem Wert, was für Jahreszeit-typisch wäre. Ab dem 8. Februar steigt der Temperaturtrend allmählich an und passt sich dem vieljährigen Mittelwert an. So liegt das Temperaturspektrum am kältesten Tag - dem 8. Februar - zwischen -6 bis +2 Grad (Mittelwert: -3 bis -2 Grad) und am 15. Februar zwischen -7 bis +7 Grad (Mittelwert: 0 Grad). Eine nasskalte Wetterentwicklung im zweiten Februar-Drittel mit winterlichen Optionen für die mittleren Lagen ist nicht abwegig.

Diagramm Temperaturen im Februar 2018 vom 02.02.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Major-Warming in Stratosphärenhöhe oder nicht?

Diese Frage haben wir gestern mehrfach per E-Mail erhalten. Dazu bleibt zu sagen, dass es simuliert wird, ob es letztlich im zweiten Februar-Drittel eintreten und welche Auswirkungen es im Detail haben wird, bleibt abzuwarten. Interessant ist aber den Vorgang an sich zu beobachten. Die zonalen Winde entlang des 65. Breitengrades zeigen - zum aktuellen Stand - nur einen kurzen Übergang in negative Windrichtungen. Anders formuliert keine signifikante zonale Windumkehr in rund 30 km Höhe. Das muss aber im derzeitig frühen Stadium nichts bedeuten. Beides ist möglich. Ob daraus Winterwetter entstehen kann? Ja, aber nicht zwischen, denn auch bei einem gestörten Polarwirbel oder dem Polarwirbelsplit gibt es auch immer eine warme und kalte Variante. Ein Polarwirbelsplit erhöht lediglich die Wahrscheinlichkeit einer Unterbrechung der milden Westwindzirkulation und schafft somit den Raum für meridionale oder gar gestörte Zirkulationsmuster. Das Phänomen bleibt weiterhin zu beobachten.

Polarwirbelberechnung Februar

Major-Warming oder nicht: man wird abwarten müssen © www.meteociel.fr

Der AO-Index wird deutlich negativ und der NAO-Index mit Trend zur Neutralität simuliert wird. Das spricht für das zweite Februar-Drittel im Moment für eine höhere Wahrscheinlichkeit einer nasskalten Nordwestwetterlage. Ob sich im Tagesverlauf daran etwas geändert hat, klären wir an dieser Stelle heute Abend gegen 20:00 Uhr in einer Aktualisierung der Wetterprognose Winter 2018.

Anzeige

Update der Wetterprognose Winter von 20:03 Uhr
Das amerikanische Wettermodell bestätigte heute Nachmittag und auch heute Abend im Zeitraum vom 4. bis 10. Februar eine überwiegend winterliche Wetterentwicklung, bei der die Temperaturen tagsüber um die 0 Grad und in den Nächten verbreitet um die -5 Grad Marke absinken können. Im gradientenschwachen Umfeld und auch mit Hilfe der trockenen Kaltluft sind aber nur vereinzelt ein paar Schneeschauer zu erwarten. Die Unsicherheiten für Süddeutschland bzgl. der Zugbahn des Italientiefs bleiben erhalten, was noch zu Veränderungen führen kann.

Amerikanisches Wettermodell schwankt
Heute Nachmittag berichteten wir über drei mögliche Wetterentwicklungen und das amerikanische Wettermodell hat heute im Tagesverlauf auch alle drei in seinem sog. Hauptlauf simuliert. Von der nasskalten Nordwestwetterlage über eine aufkeilendes Azorenhoch heute Nachmittag bis hin zu der Verlagerung des Hochdrucksystems über Mitteleuropa. Von nasskalten über kalte bis hin zu milden Varianten ist also alles dabei. Entsprechend unsicher bleibt der Wettertrend für das zweite Februar-Drittel.

Polarwirbelberechnung Februar
Berechnung Polarwirbel im Februar nach dem amerikanischen Wettermodell - Westwetterlage mit milden Tempertauren © www.meteociel.fr


Das europäische Wettermodell berechnet eine ganz ähnliche Wetterentwicklung, bei der sich über dem Süden - aufgrund der unsicheren Zugbahn des Italientiefs - vom 6. bis 10. Februar noch Veränderungen ergeben können. Darüber hinaus ist der Wettertrend im zweiten Februar-Drittel als nasskalt mit winterlichen Optionen für die mittleren Lagen zu bewerten.

Kontrollläufe: winterlich bis nasskalt
Zunächst stützen die Kontrollläufe im Zeitraum vom 6. bis 12. Februar weitgehend ein Temperaturniveau, welches um die 0 Grad herum schwankt. Darüber hinaus zeigt sich vom 12. bis 17. Februar eine nasskalte Temperaturentwicklung, bei der der Mittelwert über dem Osten bei 0 Grad über dem Süden bei +1 Grad und über dem Norden und Westen bei +2 Grad liegen kann. Die Niederschlagsneigung ist bis zum 10. Februar als gering zu bewerten und hat darüber hinaus eine ansteigende Tendenz.

Langfristmodell: Normaler Februar
Das erste Februar-Drittel hat ein sehr hohes Potential zu kalt auszufallen und für die zweite Februar-Dekade zeichnet sich - zumindest zum aktuellen Stand - keine signifikante und durchgreifende Milderung ab. Dementsprechend sind die Wettervorhersagen des Langfristmodells für das Wetter im Februar, welcher gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit einer Abweichung von -0.5 bis +0,5 Grad normal ausfallen könnte. Im Niederschlagsverhalten zeichnet sich eine leicht negative Entwicklung gegenüber dem Sollwert ab (zu trocken).

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018 vom 02.02.2018


Bzgl. des möglichen Major-Warming in Stratosphärenhöhe sind wir gefragt worden, welche Auswirkungen das auf das Wetter über Deutschland haben kann. Sollte es tatsächlich eintreten, so ist von "super mild" bis "eisig kalt" alles möglich. Es kommt darauf an, wie sich ein Polarwirbelsplit ausbilden und wie dessen Achsverlauf sein kann. Jedenfalls wäre mit einem Major-Warming eine sprunghafte Modellwelt zu erwarten. Warum? Weil auch hier sich die Parameter rasch verändern und da die Veränderung von der Polregion her kommen kann, machen sich Veränderungen weiter südlich stärker bemerkbar. Ist in etwa mit dem anstupsen eines Pendels vergleichbar - wer weiß, wohin er ausschlägt? Aber bis dahin ist noch viel Zeit und es muss abgewartet werden, ob es überhaupt zu einem Major-Warming kommen mag. Die nächste Aktualisierung der Wetterprognose Winter erfolgt an dieser Stelle am 3. Februar gegen 13:00 Uhr.

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen