Die Entwicklung des Januar-Wetters ist bis einschließlich Montag als ruhig zu bewerten. Zwar gibt es heute über den nördlichen Landesteilen noch etwas Regen, darüber hinaus bleibt es aber weitgehend trocken und die Temperaturen pendeln sich mit einer östlichen Grundströmung auf +1 bis +6 Grad ein und können über Mecklenburg-Vorpommern noch darunter liegen. Alles insgesamt wenig winterliche Wetterverhältnisse.

Wetterwechsel in Richtung Winter?

Ab dem 16. Januar ändert sich das Wetter aber grundlegend. So berechnet das amerikanische Wettermodell die Verlagerung der Hochdruckzone weiter nach Osten, während ein Tiefdrucksystem über Island mit einer nordwestlichen Grundströmung seinen Einfluss auf das Wetter über Deutschland, der Schweiz und auch Österreich ausweiten kann. So ist im Verlauf der kommenden Woche nicht nur mit einer zunehmenden Niederschlagsneigung zu rechnen, sondern auch mit Hilfe der nasskalten Luft sind Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen zu erwarten. Ab Lagen oberhalb etwa 300 bis 500 Meter ist auch die Ausbildung einer Schneedecke möglich. Der Winter kommt Deutschland nach diesen Berechnungen langsam wieder etwas näher.

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Nasskalt, Winter oder Vollwinter?

Das amerikanische Wettermodell weiß heute aber auch noch einen draufzusetzen. Das Tiefdrucksystem verlagert sich bis zum 20. Januar über die Mittelmeerregion, gleichzeitig setzt sich ein Hochdruckkeil vom Azorenhoch in Richtung europäisches Nordmeer durch, sodass im Verbund beider Wettersysteme Kaltluftmassen arktischen Ursprungs herangeführt werden können. So wären über den gesamten Zeitraum hinweg immer wieder Schneefälle möglich, welche zunehmend auch in tieferen Lagen zur Ausbreitung einer Schneedecke führen können. Die simulierten Tageshöchstwerte liegen bspw. am 22. Januar zwischen +2 Grad über dem Nordwesten und -6 Grad über dem Süden.

Das europäische Wettermodell zieht da aber - nicht ganz - mit. Das Tiefdrucksystem bei Irland leitet zwar auch nach diesen Berechnungen ab dem 17. Januar eine nordwestlich ausgerichtete Grundströmung ein, doch das Tiefdrucksystem verstärkt sich und kann zum 18. Januar über Deutschland für einen kräftigen Sturm sorgen. Anstatt das Tief nun in Richtung Mittelmeerregion abtropft, positioniert es sich mit seinem Kern zum 20. Januar über der Ostsee. In Folge daraus ist ein nasskalter Wettercharakter zu erwarten, welcher auch zu Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen sorgen kann, wirklich winterlich wird es aber wohl erst oberhalb etwa 500 Meter werden können. Ob nachfolgend kältere Luftmassen advehiert werden können, bleibt nach diesen Berechnungen fraglich.

Wettertrend: winterlich

Die Kontrollläufe berechnen nach dem 16. Januar in der Höhe Temperaturen von -5 bis -8 Grad. Das reicht für Schneefall bis in tiefere Lagen und der Ausbreitung einer Schneedecke ab 300 bis 500 Meter. Der Hauptlauf des amerikanischen Wettermodells ist anfänglich ganz gut in die Kontrollläufe eingebettet, ist aber nach dem 20. Januar hinaus einer der kältesten Varianten. Winterlich/nasskalt ja und ob ein Hochwinter daraus wird, bleibt zum heutigen Stand noch abzuwarten.

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 11.01.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Winter 2018: Hochdruckblockade auf dem Atlantik?

Nicht ganz uninteressant sind die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells hinsichtlich der Wetterentwicklung auf dem Atlantik. So kann sich im Zeitraum vom 20. bis 24. Januar eine Hochdruckzone auf dem Atlantik aufbauen, während ein Tiefdrucksystem sich abspaltet und in Richtung der Azoren wandert. Das zwingt das Azorenhoch dazu, sich weiter nördlich zu positionieren, was ein Blockadehoch auf dem Atlantik ermöglichen könnte. Was daran besonderes ist? Die atlantische Tiefdruckrinne kann Ihren Einfluss nicht mehr bis in Richtung Mitteleuropa ausweiten und so sind meridionale (Trog) Wetterlagen wahrscheinlicher.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Plötzliche Stratosphärenerwärmung

Der Fachbegriff lautet sudden stratospheric warming (SSW) und ist ein seit 1952 bekanntes Phänomen der Stratosphäre der Nordhalbkugel. Was aber passiert bei einem Major -Warming?

Zu Beginn kommt es immer zu einem Minor-Warming, dies spielt sich in der Stratosphäre zwischen dem Nordpol und dem 60. Breitengrad ab. Wenn in diesem Sektor an mindesten vier aufeinander folgenden Tagen die Temperaturen am Nordpol wärmer als am 60 Breitengrad sind, so sind die Bedingungen für ein Minor-Warming erfüllt.
Um die Bedingungen für ein Major-Warming zu erfüllen, muss der Temperatursprung während der Minor-Phase mindestens 50 Grad betragen und der Wind entlang des 60. Breitengrades in der Stratosphäre eine Ost-West Umkehr vollziehen. Tritt das Major-Warming ein, so ist in Folge der Ost-West Umkehr die Zirkulation gestört und der Polarwirbel "bricht" zusammen. An seiner Stelle positioniert sich ein Stratosphärenhoch. Den "krönenden Abschluss" bildet dann das sog. Final Warming, welches im Gegensatz zum Major-Warming nicht nur eine kurzfristige Erscheinung ist, sondern ein länger andauerndes gestörtes Muster des Polarwirbels wiedergibt. Mehr zum Thema Major-Warming inkl. Animation.

Aktuell berechnet das amerikanische Wettermodell folgende Entwicklung

Polarwirbelberechnung Januar

Stratosphärenentwicklung nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Das ist ein sehr kräftiges Minor-Warming mit Ansatz zum Major-Warming. Ob es so kommen mag, bleibt abzuwarten und ob der Sprung in Richtung Major-Warming vollzogen werden kann, steht auch noch nicht fest. Tatsächlich aber ist das eine interessante Entwicklung, welche wir in den kommenden Tagen häufiger mal betrachten werden.

Ob die Wettermodelle bis heute Abend eine einheitliche Richtung gefunden haben, klären wir heute Abend gegen 20:00 Uhr in einem kurzen Update der Wetterprognose Winter an dieser Stelle.

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Update der Wetterprognose Winter von 20:02 Uhr
Der Winter steht erneut am Scheideweg. Geht es nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells, so war heute Nachmittag kurzzeitig eine mildere Variante berechnet worden. Heute Abend ist es im Zeitraum vom 17. bis 21. Januar eine nasskalte und vom 21. bis 25. Januar eine winterliche Wetterlage. Vor allem ab den mittleren Lagen könnte einiges an Neuschnee zusammenkommen, sollten sich diese Berechnungen letzten Endes auch durchsetzen können.

Winter-Comeback wahrscheinlich
Das Tiefdrucksystem "dreht" sich zum 19. Januar über Deutschland ein und sorgt bei Temperaturen um den Gefrierpunkt immer wieder für Niederschlag, welcher teils bis in tiefere Lagen als Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer niedergehen kann. Das Geopotential liegt zwischen 125 und 130 und die Höhentemperaturen schwanken zwischen -4 bis -8 Grad. So liegt - rein rechnerisch - die Frostgrenze zwischen 100 und 700 Meter und die Schneefallgrenze zwischen dem Flachland und 400 Meter. So ist die Ausbildung einer Schneedecke ab 200 bis 400 Meter sehr wahrscheinlich. Unterstützt wird diese Wetterentwicklung auch weitgehend vom europäischen Wettermodell, wenngleich hier deutlicher hervorgeht, dass es im Flachland nasskalt bleiben kann.

Polarwirbel mit starken Wellenbewegungen
Unterstützt wird die möglich winterliche Wetterlage durch eine starke Wellenbewegung entlang der Polarfront, bei der sich über Mitteleuropa ein Trog ausbilden kann. Gestützt wird der Trog von Hochdrucksystemen westlich und östlich davon.

Polarwirbelberechnung Januar
Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr


Kontrollläufe gehen in Richtung winterliche Wetterverhältnisse
Die Kontrollläufe bestätigen auch heute nochmals die insgesamt nasskalte bis winterliche Wetterentwicklung im Zeitraum vom 17. bis 22. Januar. Darüber hinaus ist ein positiver Trend zu erkennen, welcher sich aber weitgehend am Jahreszeit-typischen Wert orientiert. Von Hochwinter ist aber in den Kontrollläufen (noch) nichts zu erkennen.

Randfaktoren:
Das kräftige Minor-Warming in Stratosphärenhöhe wurde auch tagsüber im Zeitraum vom 22. bis 27. Januar berechnet. Noch allerdings ohne großartigen Auswirkungen auf den Polarwirbel.

Zusammenfassend:
Ein für tiefere Lagen nasskalter und ab den mittleren Lagen winterlicher Wetterabschnitt wird im Zeitraum vom 17. bis 23. Januar zunehmend wahrscheinlicher.

Die nächste Aktualisierung der Wetterprognose Winter erfolgt an dieser Stelle am 12. Januar gegen 13:00 Uhr.

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