In welche Richtung entwickelt sich der Winter? Ganz klar dominiert bis zum 5. Januar die atlantische Tiefdruckrinne das Wettergeschehen über Deutschland, Österreich und die Schweiz. Teils mit unwetterartigen Starkwindereignissen am 3. Januar (Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h). Anschließend beruhigt sich das Wetter wieder und die Grundströmung dreht auf östliche bis nordöstliche Richtungen.

Potential zur Veränderung der Großwetterlage

Aber nicht nur die Grundströmung ändert sich zum kommenden Januarwochenende, sondern auch die Temperaturen, welcher in weiten Teilen von Deutschland der 0 Grad Grenze näher als der 5 Grad Marke sein können. Der Grund hierfür ist ein Hochdrucksystem, welches sich von England nach Skandinavien verlagert und von dort aus kühlere Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden führen kann. Bis hier hin sind sich die Wettermodelle einig - darüber hinaus gibt es in den Simulationen gravierende Unterschiede.

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West- oder Ostdrift?

Das amerikanische Wettermodell berechnet die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik entsprechend hoch und das Hochdrucksystem kann dieser Aktivität nichts entgegensetzen. Nachfolgend geht das Hoch in einen osteuropäischen Hochdruckkomplex über und die Tiefdrucksysteme nehmen wieder mehr Einfluss auf das Wettergeschehen über Deutschland. In Folge daraus ist bis Mitte Januar mit einem wenig winterlichen Wettercharakter zu rechnen - allenfalls nasskalt, größtenteils aber überwiegen milde Temperaturen bei einem sehr abwechslungsreichen und auch windigen Wettercharakter.

Anders sind die Berechnungen des europäischen Wettermodells. Das Hochdrucksystem über Skandinavien stabilisiert sich und weitet sich mit seinem Achsverlauf weiter nach Westen in Richtung Island aus. Bleichzeitig entsteht von dort aus eine Hochdruckverbindung zum Azorenhoch. Somit wird die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik früh blockiert und driftet weit westlich von Europa nach Norden in Richtung Grönland auf. Binnen kürzester Zeit werden über Grönland die sehr kalten durch relativ milde Höhenluftmassen ersetzt. Das ist im Grunde der Impuls, welcher zu einer Veränderung der Großwetterlage führen kann, wenngleich das zum heutigen Stand noch nicht mit Winterwetter gleichzusetzen ist.
Warum? Zwar dreht die Strömung über Deutschland auf östliche Richtungen, aber durch den Westdrift der vergangenen Tage fehlt auf dem Kontinent die Kälte und wo nichts ist, kann auch nichts herangeführt werden. Nichtsdestotrotz wäre leichter Dauerfrost ab dem 7./8. Januar wieder ein Thema in Deutschland.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem europäischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Eine Entscheidung steht bevor

Ganz klar kristallisiert sich mit dem 6. Januar ein Stichtag heraus. Kippt die Großwetterlage, oder behält das amerikanische Wettermodell mit seinem anhaltend milden Westdrift recht? Die Kontrollläufe sind uneinheitlich, wenngleich der Mittelwert des Temperaturspektrum sich um den langjährigen Mittelwert bewegt. Der Hauptlauf des amerikanischen Wettermodells ist darin ganz gut eingebettet und doch klingt die Wetterprognose des europäischen Wettermodells plausibler.
Warum? Der Zyklus zur Veränderung der Großwetterlage rückt näher, ein Skandinavienhoch ist in der zweiten Januardekade - statistisch Betrachtet - wahrscheinlicher und beim amerikanischen Wettermodells beobachtet man oftmals die höhere Priorität für Westwetterlagen, während das europäische Wettermodell oftmals besser mit den gestörten Zirkulationsmustern zurechtkommt.

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 02.01.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Man wird sehen, wohin die Reise des Winters in den kommenden Stunden gehen wird. Aus diesem Grund erfolgt heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle ein Update der Wetterprognose Winter.

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Update der Wetterprognose Winter von 20:04 Uhr
Das amerikanische Wettermodell blieb seinen Berechnungen tagsüber treu und simuliert die Ausbildung des Hochdrucksystems zum 7. Januar über Skandinavien und Deutschland, welches darüber hinaus rasch in ein osteuropäisches Hochdruckkomplex übergeht. Somit wird der Kaltluftvorstoß aus nördlichen Richtungen nach Osten abgelenkt und im zweiten Januardrittel dominiert wider die atlantische Frontalzone das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die ganz milden Temperaturen sind aber auch dann nicht mehr zu erwarten und pendeln sich nach dem 12. Januar auf +2 bis +6 Grad in den nasskalten Bereich ein, wobei hin und wieder auch Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen herab möglich sind. Mit Winterwetter hat diese Wetterentwicklung aber wenig gemeinsam. Zu mächtig und zu kräftig ist nach diesen Berechnungen der Westdrift. Aber ganz so chancenlos ist der Winter nach diesen Berechnungen auch nicht, denn zur Monatsmitte zeigt sich über dem östlichen Kanada und Grönland ein Hochdruckkomplex, welcher den Kaltluftzustrom nach Süden verändern und damit ein anderes Strömungsmuster herbeiführen könnte.

Polarwirbelberechnung Januar
Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr


Berechnung des europäischen Wettermodells bleiben anders
Genauso stur wie das amerikanische Wettermodell, behält auch das europäische Wettermodell seine Variante bei. Das Hochdrucksystem über Skandinavien weicht nach diesen Berechnungen nicht nach Osten aus und kann sich über dem skandinavischen Raum behaupten. Sollte sich diese Variante durchsetzen, so bleibt Dauerfrost in einigen Teilen von Deutschland im Zeitraum vom 7. bis 12. Januar ein Thema. Zudem könnte die atlantische Frontalzone blockiert werden, was letztlich das Zirkulationsmuster nachhaltiger verändern. Es bleibt also spannend.



Polarwirbelberechnung Januar
Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem europäischen Wettermodell © www.meteociel.fr


Ein Blick auf die Randfaktoren
Der AO- und NAO-Index werden zum zweiten Januar-Drittel zunehmend positiver berechnet. Was das bedeutet? Grundsätzlich eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine West- bis Nordwestwetterlage. Im Grunde stützt das die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells. Die zonalen Winde in 30 km Höhe entlang des 65. Breitengrades bleiben bis auf weiteres Positiv. So wird eine QBO Ost-West Umkehr in diesem Winter zunehmend weniger wahrscheinlich. Ein kräftiges Minor-Warming, geschweige denn Major-Warming ist weiterhin nicht einmal im Ansatz zu erkennen.

Langfristmodell: Ein viel zu warmer Winter
Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wettervorhersage eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert im Januar von +2 bis +4 Grad und im Februar von +2 bis +3 Grad. Zusammen mit dem bereits schon viel zu warmen Dezember 2017 (+1,8 Grad) demnach - und zum heutigen Stand - ein viel zu warmer Winter. Bleibt für Freunde des Winterwetters zu hoffen, dass sich das Langfristmodell irrt.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018 vom 02.01.2018

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