Der heftige Wintereinbruch über Kanada und Teilen der USA beschäftigt auch unsere Leser. Was ist der Grund hierfür und kommt das Wetter auch nach Deutschland? Der Grund sollte hinlänglich bekannt sein. Das Strömungsmuster ist optimal und führt arktische Kaltluftmassen über Kanada weit nach Süden dort treffen die Kaltluftmassen auf die relativ warmen Luftmassen auf dem Atlantik und entfachen eine rege Tiefdruckentwicklung, welche in Mitteleuropa mit einem wechselhaften und überwiegend milden Wetter einhergeht. Vereinfacht kann man es so ausdrücken: wenn es auf der einen Seite kalt wird, wird es auf der anderen Seite warm.

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Chancen auf Winterwetter in Deutschland

Kann man damit rechnen, dass die Kältewelle über den Atlantik nach Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangt? Nein, bzw. vorerst nicht. Die Kälte hat ein hohes Abstrahlungspotential und fühlt sich über den Schneebedeckten Landschaften wohl und produziert sich durch den Abstrahlungsprozess noch selbst. Wenn es aus Sicht der Winterfreunde ganz dumm läuft, erhält und stabilisiert sich der Kältepol dort weiter, was über Mitteleuropa einen weiter anhaltenden Westdrift (zyklonale Westwetterlage) zur Folge haben kann. Besser lässt sich das anhand der aktuellen Simulation des Jetstreams erklären. Bekommt eine lineare Linie einen Schubs, so kommt diese in Schwingung. Deutschland liegt Anfang Januar voll im Westdrift.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung des Jetstreams nach dem amerikanischen Wettermodell im Januar © www.meteociel.fr

Kommt das Winterwetter nach Europa?

Früher sagte man: es dauert 7 bis 14 Tage, bis das Wetter der USA nach Europa kommt. Ist da was dran? Das könnte nur dann der Fall sein, wenn sich die Schwingung des Jetstreams verändert, sprich der Wellentiefpunkt sich weiter nach Mitteleuropa verlagert. Dafür müsste aber über Kanada sich die Grundströmung verändern. Das hätte eine Grundlegende Veränderung der gesamten Zirkulationsstruktur zur Folge. Wie wahrscheinlich ist das im Moment?

Polarwirbel mit Veränderungen

In den letzten 48 Stunden gab es vermehrt Simulationen, welche den sog. AO-index in den negativen Bereich abrutschen lassen. Das bedeutet - stark vereinfacht - dass der Polarwirbel zur Instabilität neigt. Somit sind grundlegende Strukturelle Umschichtungen nicht unwahrscheinlich. Deutlicher zeigt sich das anhand der Simulation des Polarwirbels des amerikanischen Wettermodells.

Polarwirbelberechnung Januar

Intakter Polarwirbel nach dem amerikanischen Wettermodell im Januar © www.meteociel.fr

Die Simulation zeigt den aktuellen Zustand des Polarwirbels. Deutschland liegt am südöstlichen Rand der Tiefdruckzone, was eine sehr milde Südwestströmung zur Folge hat. Gleichzeitig sieht man sehr schön, wie über Kanada die Kaltluftmassen nach Süden transportiert werden.

Polarwirbelberechnung Januar

12 Tage später: Instabiler Polarwirbel nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodell im Januar © www.meteociel.fr

10 bis 12 Tage später dann die Veränderung. Wir sagen dazu gerne: eine Aktion hat immer eine Reaktion zur Folge. Ein heftiger Kaltluftausbruch hier, eine heftige Gegenreaktion dort.

Was bedeutet das für den Winter in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

Die Wettermodelle werden in den kommenden Stunden in die eine oder andere Richtung hin und herspringen und es spielt derzeit auch keine großartige Rolle, ob die aktuellen Simulationen Winterwetter oder sehr warme Temperaturen berechnen. Viel wichtiger ist es die Strömungsmuster zu beobachten. Erst wenn diese einigermaßen gesichert sind, lässt sich sagen, ob ein Hochwinter in der zweiten Januarhälfte bevorsteht, oder eben auch nicht.

Lässt sich ein Wettertrend erkennen?

Bis zum 5. Januar wird es mild und unbeständig bleiben - das ist weitgehend gesichert. Die Amplitudenvorgänge im Polarwirbel sind in beiden Wettermodellen zu beobachten. Der AO-Index ist entsprechend negativ, wenngleich der NAO-Index im positiven Bereich verbleibt. Ein kräftiges Minor- oder gar Major-Warming, welches den Polarwirbel weiter abschwächen könnten, ist zum heutigen Stand nicht zu erkennen. Die zonalen Winde entlang des 65 Breitengrades in Rund 30 km Höhe erreichen Anfang Januar mit rund 200 km/h ihren vorläufigen Höhepunkt und haben darüber hinaus mit 126 km/h eine normalisierende Tendenz. Auch das deutet nicht auf eine nachhaltige und tiefgreifende Störung des Polarwirbels hin.

Die Kontrollläufe aber zeigen ab dem 5. Januar ein breites Entwicklungsspektrum beim Wetter. So liegt das Temperaturspektrum am 6. Januar zwischen +0 bis +10 Grad (Mittelwert: +5 bis +6 Grad) und am 14. Januar zwischen -8 bis +6 Grad (Mittelwert: -1 bis +1 Grad). Der Wettertrend sollte damit klarer definiert sein.

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 30.12.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Die kommenden Simulationen werden wohl wieder spannend werden können. Aus diesem Grund erfolgt heute Abend an dieser Stelle gegen 20:00 Uhr ein Update der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose Winter von 21:04 Uhr
Das amerikanische Wettermodell berechnete heute Nachmittag und auch heute Abend die Ausbreitung eines Hochdrucksystems über dem skandinavischen Raum.

Winterwetter?
In den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag und des europäischen Wettermodells von heute Abend wurde das Hochdrucksystem von der atlantischen Frontalzone relativ rasch nach Osten weggedrückt. Hätte also allenfalls einen kurzen störenden Einfluss auf die Frontalzone gehabt. Heute Abend berechnet das amerikanische Wettermodell eine Variante, bei der sich das Hochdrucksystem über Skandinavien festigt und die atlantische Frontalzone nachhaltig und massiv stört. Sollte sich bspw. solch eine Variante durchsetzen können, so wäre im Zeitraum um, bzw. nach dem 6. Januar mit Winterwetter bis in tiefere Lagen zu rechnen.

Erste konkrete Ansätze eines Wetterumschwungs?
Wie bereits heute Nachmittag beschrieben ist es derzeit weniger relevant, was die Wettermodelle im Detail berechnen. Viel wichtiger sind die Strömungsmuster und die daraus folgenden Veränderungen. Und hier zeigt sich ein zunehmender Trend ab, welcher auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu Veränderung der Großwetterlage führen können. Ob das mild oder kalt sein wird, bleibt abzuwarten.

Polarwirbel neigt wieder zu einem instabilen Zustand
Auch das wurde heute tagsüber mehrheitlich berechnet. Der Polarwirbel fängt wieder zu "schwächeln" an. Interessant sind daher die Ansätze eines Skandinavienhochs allemal, vor allem auch deshalb, da sie sich von Simulation zu Simulation immer wieder zeigen. Entsprechend negativ wurde heute Nachmittag auch der AO-Index berechnet und auch der NAO-Index zeigt zwischenzeitlich eine neutrale Tendenz. Was das bedeutet? Polarwirbel schwächer, neigt zu mehr Wellenbewegungen entlang der Polarfront, meridionale Großwetterlagen werden wahrscheinlicher. Ob warm oder kalt bleibt - wie weiter oben bereits erwähnt - abzuwarten.

Kontrollläufe: noch etwas kühler
Ebenfalls auffällig ist der Temperaturtrend der Kontrollläufe, welcher von Mal zu Mal etwas kühler berechnet wird. So liegt das Temperaturspektrum am 6. Januar zwischen -1 bis +9 Grad (Mittelwert: +5 bis +6 Grad ) und am 14. Januar zwischen -10 bis +8 Grad (Mittelwert: -1 bis +1 Grad).

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