Die Berechnungen der Wettermodelle sind heute weitgehend übereinstimmend, was die Entwicklung der Großwetterlage nach Weihnachten angeht. So strömen kurz nach dem Weihnachtsfest am 27. und 28. Dezember wieder kühlere Luftmassen nach Deutschland , was Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen ermöglichen kann. Oberhalb etwa 400 bis 600 Meter ist auch die Ausbildung einer dünnen Schneedecke nicht auszuschließen. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage Dezember 2017.

Kurzes, nasskaltes Gastspiel

Mit einem Wintereinbruch ist das nicht gleichzusetzen, vielmehr als ein nasskaltes Zwischenspiel, welches einer Rückseite eines nach Osten abziehenden Tiefdrucksystems zu verdanken ist. Denn schon für den 29. und 30. Dezember berechnen die Wettermodelle eine neuerliche warme Vorderseitenanströmung der kommenden Tiefdrucksysteme, welche bis zum 30. Dezember den ruppigen Wind aufrecht erhalten und Starkwindereignisse nicht ausschließen.

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Winter auf dem Rückzug

Die Wettermodelle berechneten heute Nacht und auch heute Morgen keinerlei Ansätze an dieser Großwetterlage bis in den Januar hinein etwas zu verändern. So strömt über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland unentwegt die polare Kaltluft auf den Atlantik und sorgt dort - Aufgrund der Temperaturgegensätze - für eine hohe Tiefdruckdynamik. Diese Tiefdrucksysteme ziehen nach Osten und erreichen nur ein paar Stunden später schon Deutschland, Österreich und die Schweiz. Da sich die Tiefdrucksysteme aber gegen den Uhrzeigersinn drehen, liegt Deutschland zumeist auf der warmen Vorderseitenanströmung der Tiefdrucksysteme.

Nach kurzem nasskalten Intermezzo wieder Tauwetter
Nach kurzem nasskalten Intermezzo wieder Tauwetter bei wenig winterlichen Wetterverhältnissen

Tauwetter bis in höhere Lagen

Richtig warm könnte es an Silvester werden, dazu aber später mehr. In der Höhe von etwa 1.300 Meter werden zum Jahreswechsel nach den aktuellen Berechnungen der Wettermodelle Temperaturen von +4 bis +8 Grad herangeführt, was die tieferen Lagen mit +7 bis +12 Grad näher an den Frühling als an den Winter bringt.

Noch keine Einigkeit herrscht bei den Simulationen darüber, ob die milden Luftmassen in den ersten Januar-Tagen unter Hochdruck- oder Tiefdruckeinfluss geraten. Sollte es aber tiefer Luftdruck mit Wind und warmen Temperaturen sein, so kann sich das kräftige Tauwetter bis in Lagen von 1.300 Meter durchsetzen. Die Frostgrenze würde bei rund 1.700 Meter liegen. Bei hohem Luftdruck spielt der Taupunkt eine Rolle, was das Tauwetter eher beschränkt.

Kontrollläufe: Winter?

Die Kontrollläufe bestätigen den für die Jahreszeit viel zu warmen Temperaturtrend bis in das neue Jahr hinein. Zwar sollte der Höhepunkt am 1. Januar erreicht worden sein, sinkt darüber hinaus aber nur langsam ab und liegt im Mittel um 3 bis 6 Grad über dem langjährigen Durchschnittswert. Deutlicher zeigen sich die Wahrscheinlichkeiten im nachfolgenden Diagramm:

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 23.12.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Welchen Weg schlägt der Winter ein?

Ist nun mit einer dauerhaften Mildphase im Januar zu rechnen? Geht es nach dem Langfristmodell, so kann diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantwortet werden. Denn nach den aktuellen Berechnungen soll der Januar mit einer Abweichung +2 bis +4 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert sehr deutlich und der Februar 2018 mit einer Abweichung von +2 bis +3 Grad deutlich zu warm ausfallen. Daran hat sich gegenüber den letzten Wochen nichts geändert.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 23.12.2017

Die Berechnungen des Langfristmodells sind beeindruckend, ohne Frage. Aber welche Relevanz haben sie? Sie sind eben nur so genau, wie es die aktuelle Datengrundlage zulässt. Ab diesem Zeitpunkt wird in die Zukunft simuliert. Sollten sich die Parameter aber ändern, so schwenkt auch das Langfristmodell in die andere Richtung um, wie es bspw. im Januar 2017 passiert ist.

Welche Parameter sind das?

Als erstes sei der Zustand des Polarwirbels zu benennen. Er gibt den Takt vor und nach den Berechnungen beider Wettermodelle ist er im neuen Jahr weitgehend als intakt zu bewerten. Und so lange sich am Kaltluftzustrom über Kanada nach Neufundland nichts gravierendes Verändert, bleibt es über Mitteleuropa vorerst mild. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht das Dilemma des Winters.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung des Polarwirbels nach dem europäischen Wettermodell Anfang Januar © www.meteociel.fr

Nun ist für alle Freunde des Winterwetters Geduld gefordert. Verändert sich einer der Parameter, wie bspw. der AO-Index, NAO-Index, QBO oder das sog. SSW (sudden stratospheric warming), so ist das als Hinweis für eine Umkehr in die andere Richtung zu deuten. Wie die Parameter heute Nachmittag berechnet wurden, erläutern wir heute Abend gegen 20:00 Uhr in einem kurzen Update der Winterprognose an dieser Stelle. Heute Nachmittag erfolgt gegen 17:00 Uhr eine weitere Aktualisierung der Wetterprognose Silvester 2017.

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Update der Wetterprognose Winter 2017/18 von 20:00 Uhr
Puhh, dass was das amerikanische Wettermodell heute Abend berechnet, könnte für den Jahresausklang Ende Dezember und Silvester ein erhöhtes Unwetterpotential in Form von schweren Sturm, bis hin zu orkanartigen Windböen führen. Und auch sonst ist in den Berechnungen jede Menge Abwechslung geboten.

Dezember- oder Aprilwetter?
Kurz zusammengefasst: Weihnachten mild und über dem Norden windig, teils stürmisch. Anschließend wird es mit einer Nordwestströmung kühler, was in den mittleren Lagen oberhalb etwa 500 bis 600 Meter zu Dauerfrost und der Ausbreitung einer Schneedecke führen kann. Aber auch in tieferen Lagen sind Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer nicht auszuschließen. Der Wind bleibt kräftig. In den letzten drei Dezembertagen gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz an den südlichen Rand eines Tiefdruckkomplexes zwischen Island und Skandinavien, was zu sog. Schnellläufern führen kann. Extremwindereignisse sind zum heutigen Stand jedenfalls zum Jahreswechsel nicht auszuschließen. Die Temperaturen steigen mit einer strammen Westströmung selbstredend wieder an und erreichen Werte von +5 bis +10 Grad, örtlich auch noch darüber. Da ist also alles dabei: von Schnee über Regen, Wind und Sturm, Regenbögen und auch kurze Gewitter können nicht ausgeschlossen werden.

Wetterberuhigung im neuen Jahr?
Nee, nicht wirklich - zumindest nach dem amerikanischen Wettermodell. Ein Tiefdrucksystem nach dem anderen rauscht über Deutschland, Österreich und die Schweiz hinweg, was das Potential für Starkwindereignisse im neuen Jahr aufrecht erhält.

Die Chancen auf Winterwetter
Die erfreuliche Nachricht für alle Winterfans - zumindest für den Augenblick - es tut sich langsam was in der eingefahrenen Wetterküche. Und wie sagt man es so schön, wenn man es übertreibt, erreicht man meist das Gegenteil. Die Energie die in den kommenden Tagen bis in das neue Jahr freigesetzt wird, ist bemerkenswert und könnte zu einer sieben tägigen Sturmserie führen. Tja, und dann? Dann ist die Energie weg und die Gradienten kommen zur Ruhe. Ruhe bedeutet in diesem Fall Zeit für Abkühlung und die berechnet das amerikanische Wettermodell heute Abend im Zeitraum vom 3. bis 7. Januar, bei der das Temperaturspektrum langsam auf Normalniveau absinken kann. Mit Winterwetter ist das zum derzeitigen Stand aber noch nicht gleichzusetzen.

Hochdrucksystem zwischen Kanada und Grönland
Diese Position eines Hochdrucksystem hätte das Potential für durchgreifender Veränderungen. Besser lässt sich das auf der nachfolgenden Grafik darstellen.

Berechnung Polarwirbel Anfang Januar 2018Berechnung Polarwirbel Anfang Januar 2018 nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr


Was lässt sich erkennen? Eine Blockierung auf dem Atlantik und eine Verlagerung des aktiven Teil des Polarwirbels weiter nach Osten. Das alleine spricht noch nicht für ein Wintereinbruch, aber es zeigt, dass Veränderungen der Großwetterlage absolut möglich sind.

Betrachtung der Randfaktoren
Gibt es noch weitere Hinweise, welche für Winterwetter Anfang Januar sprechen? Der AO- und NAO Index werden weitgehend neutral berechnet, der AO-Index hat eine leicht positive Entwicklungstendenz. Als ein weder noch Trend. Die zonalen Winde werden extremst positiv berechnet und erreichen ihren Höhepunkt Anfang Januar mit rund 200 km/h (normal wären um diese Jahreszeit 126 km/h). Auch das ist kein Indiz für eine durchgreifende Veränderung. Hinsichtlich eines Major-Warmings gibt es keine Hinweise, noch nicht einmal ein ordentliches Minor-Warming ist in Sicht. In Summe sprechen die Randfaktoren also eine ganz andere Sprache, wie es das amerikanische Wettermodell heute Abend berechnet. Man darf gespannt sein, was sich in den kommenden Tagen daraus entwickeln mag.

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