Schaut man sich die Wetterprognosen Weihnachten, Dezember und Silvester genauer an, so stellt man fest, dass der Wettertrend bis zum Jahresende weitgehend mild bis allenfalls nasskalt ist. Mit Winterwetter hat das wenig zu tun und man stellt sich die Frage - wird das der fünfte Winter in Folge, welcher deutlich zu warm ausfällt?

Winter 2017/18 zu warm

Ja, das wird er wohl, daran besteht seit den Sommermonaten wenig Zweifel. Aber der Winter verläuft bisher anders wie die letzten Jahre. Es gibt mehr meridionale Großwetterlagen, es gab bislang viel mehr Schnee in tieferen und mittleren und insbesondere in den höheren Lagen. Gerne darf man sich das Bild der letzten Weihnachtszeit von Davos in rund 1.600 Meter Höhe in Erinnerung rufen und schaut sich anschließen die aktuell tief verschneiten Landschaften an. Anders formuliert: dieser Winter ist anders, auch wenn er am Ende zu warm ausfallen kann.

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Gestützt wird die Wetterprognose eines zu warmen Winters nicht nur durch die Klimaerwärmung, welche die Winter in den letzten 20 Jahre im Schnitt um +1 Grad wärmer hat ausfallen lassen, sondern auch durch die Langfristmodelle. Besonders auffällig die heutigen Berechnungen, welche die verbleibenden Wintermonate Januar und Februar 2018 mit einer Abweichung von +2 bis +3 Grad deutlich zu warm ausfallen lassen.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 21.12.2017

Zu warmer Winter - aber mit winterlichen Abschnitten!

Ein zu warmer Winter muss aber nicht gleichbedeutend damit sein, dass es kein Schnee und kein Frost gibt. Immerhin hat es in diesem Winter schon so viel Schnee gegeben, wie jeweils in den letzten vier Wintern zusammen. Die Frage also ist, wann kommt der nächste winterliche Abschnitt?

Das amerikanische Wettermodell stützte heute Nachmittag erneut die Berechnungen der letzten Tage, als dass es im Zeitraum zwischen Weihnachten und Silvester kühler werden kann, was Optionen auf Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis in tiefere Lagen und die Ausbreitung einer Schneedecke bis auf mittlere Lagen nicht ausschließt, ja zum aktuellen Stand sogar wahrscheinlich macht. Mit richtigem Winterwetter ist das aber nicht gleichzusetzen, vielmehr mit einem nasskalten Wettercharakter. Und darüber hinaus berechnet das amerikanische Wettermodell für alle Freunde des Winterwetters schon das nächste Fiasko. Das Hochdrucksystem auf dem Atlantik verlagert sich in Richtung Mitteleuropa und lässt die atlantische Frontalzone auflaufen. Ja, das wäre so ein Szenario, was zu einem +2 bis +3 Grad zu warmen Januar 2018 führen könnte.

Amerikanisches Wettermodell viel zu warm

Aber es relativiert sich recht schnell mit dem Blick auf die Kontrollläufe. Das amerikanische Wettermodell ist bei weitem die wärmste Berechnung aller Varianten. In Summe zeichnet sich aber auch nach den Kontrollläufen ein etwas zu warmer Temperaturtrend Anfang Januar 2018 ab. Nichtsdestotrotz - da ist noch Spielraum für andere Wetterentwicklungen vorhanden. Welche das sind?

Der Polarwirbel

Der Polarwirbel hat weiterhin seine Probleme sich zu stabilisieren. Im Grunde genommen gibt es nun zwei Möglichkeiten. Entweder er neigt zu Wellenbewegungen entlang seiner Polarfront, was meridionale Wetterlagen wahrscheinlicher macht, oder aber es kommt zum Polarwirbelsplit. Bei beiden Varianten haben aber sowohl sehr warme, als auch kalte Varianten zu bieten. Die aktuellen Hochdruckeinschübe sind aber meist an den Stellen, welche über Kanada und Grönland den Kältepol stützen, damit die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik dynamisch gestalten und in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu warmen Temperaturen führen.

Polarwirbelberechnung Dezember

Berechnung des Polarwirbels nach dem amerikanischen Wettermodell Ende Dezember © www.meteociel.fr

Der AO-Index

Indizien darauf, dass der Polarwirbel weiterhin zur Instabilität - ja vielleicht auch zu einem Polarwirbelsplitt neigt - zeigt der AO-Index, welcher Ende Dezember deutlich negativ berechnet wird. Aber eben Anfang Januar wieder eine Tendenz in die positive Richtung aufweist. Richtig eindeutig ist das nicht.

Der NAO-Index

Er beschreibt das Verhältnis von Azorenhoch zu Islandtief. Wäre er negativ, so hätte das - vereinfacht ausgedrückt - ein Hoch bei Island und ein Tief bei den Azoren zur Folge. Aktuell wird der NAO-Index leicht positiv berechnet. Eine West- bis Südwestwetterlage ist wahrscheinlicher, wenngleich auch eine nasskalte Nordwestvariante im Bereich des Möglichen bleibt, aber eine richtig winterliche Wetterlage weniger wahrscheinlich macht.

Minor-/ Major-Warming

Zu plötzlichen Veränderungen des Polarwirbels könnte die sog. plötzliche Stratosphärenerwärmung führen (Berliner Phänomen, oder einfach nur Major-Warming). Immerhin hat das auch einen Zyklus von 1 bis 3 Jahren und wäre in diesem Jahr überfällig. Aber nach den aktuellen Berechnungen der Wettermodelle gibt es lediglich einen Hinweis darauf, dass ein leichtes Minor-Warming Anfang Januar möglich sein könnte. Das hat aber weder Auswirkungen auf den Polarwirbel, geschweige denn auf das Winterwetter über Deutschland.

QBO

Ebenfalls Auswirkungen auf den Polarwirbel hat der sog. QBO (Quasi-Zweijährige-Schwingung). Auch dieser ist längst überfällig und es gab interessante Hinweise, dass sich die zonalen Winde entlang des 65. Breitengrades abschwächen. Um eine QBO-Ost Umkehr herbeizuführen müssten die Windgeschwindigkeiten deutlich negativ werden. Nach den aktuellen Berechnungen steuern die Werte mit 180 km/h Anfang Januar aber auf ein Maximum hin.

Zusammenfassung

Es spricht derzeit nicht viel für den Winter. Die voran genannten Parameter sind aber nur das Ergebnis der aktuellen Messungen. Sollte sich der Polarwirbel dazu entschließen, einen Splitt zu vollführen, sehen diese Parameter rasch ganz anders aus. Anders ausgedrückt: Den Winter mit seinem heutigen kalendarischen Winterbeginn bereits abzuschreiben, ist völlig fehl am Platze! Der Winter ist noch lang und wird anders verlaufen wie in den letzten Jahren.

Die nächste Aktualisierung erfolgt heute Abend gegen 20:00 Uhr in einem kurzen Update an dieser Stelle.

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Update der Wetterprognose Winter 2017/18 von 20:00 Uhr
In den Berechnungen von heute Abend bestätigt das amerikanische Wettermodell die positiven Berechnungen des AO-Index Wertes. Der Polarwirbel würde sich demnach Anfang Januar 2018 stabilisieren, bzw. auch seinem Schwerpunkt verlagern können.

Aktive Teil des Polarwirbels verschiebt sich
Der aktiv-dynamische Teil des Polarwirbels verlagert sich nach den jüngsten Berechnungen weiter in Richtung Sibirien. Zu Grundlegenden Veränderungen führt das praktisch aber nicht und sind vielmehr theoretischer Natur. Denn durch die Verlagerung hätte ein Hochdrucksystem, bzw. ein gradientenschwaches Umfeld deutlich mehr Chancen sich über dem östlichen Kanada und Grönland durchzusetzen, was wiederum das Wetter über Mitteleuropa mit beeinflussen kann.

Kontrollläufe: Kälter Ende Dezember
Man muss aber gar nicht so weit in die Ferne schauen. Denn bereits zum 27. Dezember sinken nach den Kontrollläufen die Höhentemperaturen (1.200 bis 1.400 Meter) auf durchschnittlich -3 bis -4 Grad ab. Das kann in den tieferen Lagen für Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer und ab den mittleren Lagen für die Ausbreitung einer Schneedecke sorgen Rein rechnerisch ermittelte Schneefallgrenzezwischen 300 bis 600 Meter). Zudem bestätigen die Wettermodelle heute Abend eine windige - teils stürmische - und wechselhafte Zeit zwischen Weihnachten und Silvester.

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