Eine spannende Wetterentwicklung steht in den kommenden Tagen bevor. Zunächst führt der Trog über Mitteleuropa kalte Luftmassen nach Deutschland, was bei gelegentlichen Schneeschauern teils bis in tiefere Lagen herab oberhalb etwa 40 bis 600 Meter zu winterlichen Wetterverhältnissen führen kann. Anfang Dezember ist über dem Süden verbreitet mit Dauerfrost zu rechnen.

Milderung bis Nikolaus - nasskaltes Wetter

Am 1. Advent beginnen in der Höhe mildere Luftmassen nach Deutschland einzufließen und initialisieren am 4. Dezember über Island ein Wellentief, welches rasch nach Südosten weiterzieht um im Zeitraum vom 4. bis 6. Dezember über Deutschland für turbulente und teils unwetterartige Wetterereignisse sorgen kann. Zum Start in die neue Dezemberwoche ist über dem Süden noch mit kräftigen Schneefällen und winterlichen Straßenverhältnissen zu rechnen, doch mit Hilfe des Windes durchmischen sich die Luftmassen gut und die Temperaturen können bis zum Nikolaus mit +4 bis +8 Grad in den nasskalten und wenig winterlichen Bereich ansteigen.

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Anschließend Winterwetter?

Die Milderung hat auf der einen Seite das Potential nachhaltiger zu sein, was für den Dezember absolut typisch wäre. Andererseits sind die Berechnungen der Wettermodelle eher zaghaft. Zudem bleiben die Hochdrucksysteme über dem westlichen Russland und auf dem Atlantik intakt. Mit anderen Worten ausgedrückt, steht eine komplexe Wetterentwicklung bevor - Hop oder Top.

Das amerikanische Wettermodell berechnet eine Tiefdruckposition über dem skandinavischen Raum, gleichzeitig stabilisiert sich das Blockadehoch auf dem Atlantik und liegt einigermaßen stabil zwischen den Azoren, Island und Grönland. Das Hochdruckgebiet über dem westlichen Russland ist zudem gut ausgebildet. In Folge daraus erneuert sich der Trog über Mitteleuropa nach dem 6. Dezember. Im Zeitraum darüber hinaus schwächt sich der Trog über Mitteleuropa ab dem 10. Dezember ab und das Russlandhoch breitet sich bis über Skandinavien aus und versucht darüber hinaus auch den Brückenschlag zum Azorenhoch. In Folge daraus hätte eine milde Wetterlage kaum Chancen sich durchzusetzen. Vielmehr wäre ab dem 8./9. Dezember mit Winterwetter bis in tiefere Lagen zu rechnen. Soweit die eine Variante.

Etwas differenzierter sind da die Berechnungen des europäischen Wettermodells. Auch hier zeigt sich im Ansatz zum 7. Dezember eine Erhaltungsneigung des Troges, allerdings entsteht auf dem Atlantik ein kräftiges Tiefdrucksystem, welches sich bis zum 8. Dezember über England positionieren kann. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen somit auf die warme Vorderseitenanströmung des Tiefdruckgebietes. Anders formuliert Trog ja, aber Deutschland liegt auf der warmen Seite. Ob das Tiefdrucksystem im weiteren Verlauf nach Skandinavien abzieht und eine neuerliche Kaltluftzufuhr nach Deutschland ermöglicht, bleibt abzuwarten. Auszuschließen ist das nicht, da der Trend zum Blockadehoch auf dem Atlantik auch nach den Berechnungen des europäischen Wettermodells bestehen bleibt.

Winterprognose: Das wird spannend

Gestern haben wir es bereits angedeutet, dass die Wettermodelle in ihren Berechnungen über den 3. Dezember hinaus sprunghaft werden können. Das wird sich heute und wohl morgen auch noch nicht ändern. Warum? Die Kontrollläufe zeigen sehr deutlich, dass es sich bei der Berechnung des amerikanischen Wettermodells um einen winterlichen Ausreißer handelt. Die Mehrheit der Kontrollläufe ist milder, was für die Variante des europäischen Wettermodells spricht - zumindest für den Augenblick. So liegt das Temperaturspektrum am 6. Dezember zwischen -1 und 7 Grad (Mittelwert: +2 Grad über dem Süden und Osten und +4 Grad über dem Norden) und -5 bis +10 Grad am 12. Dezember (Mittelwert: +3 Grad über dem Süden und +4 Grad über dem Norden) . Das entspricht einer Temperaturspanne von 15 Grad und zeigt welche Wetterentwicklungen möglich sind. Hop oder Top auch hier. Der Mittelwert ist in diesem Falle weniger aussagekräftig.

Diagramm Temperaturen im Dezember 2017 vom 29.11.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im Dezember 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Polarwirbel mit Schwächen - Winterwetter ist nicht weit entfernt

Dieses Hop oder Top, warm oder kalt kommt auch vom Verhalten des Polarwirbels, welcher sich bis Mitte Dezember nach den Simulationen der Wettermodelle nicht stabilisieren kann und entlang seiner Polarfront zu Wellenbewegungen neigt. Je nachdem auf welcher Seite der Welle Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen wird es mild oder winterlich. Nun kann man sich vorstellen, was kleinräumige Veränderungen innerhalb des Polarwirbels weiter südlich für Auswirkungen haben können. Das macht die kommende Wetterentwicklung insgesamt komplex mit einem Hin und Her der Berechnungen der Wettermodelle ist zu rechnen.

Polarwirbel wenig stabilGestörter Polarwirbel nach dem europäischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Ein Indiz zum Zustand des Polarwirbels ist der AO-Index und ob eine Trogwetterlage mit höherer Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, darüber gibt der NAO-Index Aufschluss. Wie diese sich entwickeln, klären wir heute Abend gegen 20:00 Uhr in einem kurzen Update der Wetterprognose. Dann auch u.a. mit der Zusammenfassung der Simulationen vom Tage und der Wetterprognose zum Winter 2017/18 des Langfristmodells.

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Update der Wetterprognose Winter 2017/18 von 20:00 Uhr
In unserer Umfrage bzgl. des "Bauchgefühls", ob es bei der Trogwetterlage bleibt, oder ob es milder werden wird, gibt es eine Patt Situation! Gratulation an unsere Leser - ähnlich wie beim Wetter - keine eindeutige Richtung :-).

Umfrageergebnis


Stabilisiert sich der Trog?
Interessant war tagsüber in den Simulationen des amerikanischen Wettermodells zu beobachten, wie sich der Trog nach kurzen Milderungsphasen am 5./6. Dezember, 8. Dezember und 12. Dezember immer wieder erneuert und somit eine nachhaltige Milderung verhindert. So liegen nach den Berechnungen von heute Abend die Temperaturen an den wärmsten Tagen zwischen +2 bis +6 Grad und an den kältesten Tagen zwischen -6 bis +1 Grad. Als Fazit würde man die Wetterlage als Frühwinter bezeichnen. Etwas Schnee ab den mittleren Lagen, welcher auch liegen bleiben kann und nasskalt in tieferen Lagen. Aber auch dort sind Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer möglich. Eine nachhaltige Milderung mit Temperaturen über +10 Grad sieht definitiv anders aus.

Wie wahrscheinlich ist ein winterlicher Wettercharakter?
Die Kontrollläufe liegen mit den Mittelwert der Höhentemperaturen durchweg unter dem langjährigen Mittelwert, was in tieferen Lagen einen nasskalten und ab etwa 500 bis 700 Meter winterlichen Wettercharakter zur Folge haben kann. Die Kontrollläufe bestätigen dabei erneut, dass die Hauptvariante des amerikanischen Wettermodells eine zu kalte Variante ist. Veränderungen sind in den kommenden Tagen sehr wahrscheinlich - insbesondere in die milde Richtung.

Polarwirbel ist und bleibt der Taktgeber
Der AO-Index wird für den kommenden Zeitraum bis Mitte Dezember negativ bis stark negativ berechnet. Der Polarwirbel neigt also vermehrt zu Wellenbewegungen entlang seiner Polarfront, was über Mitteleuropa Trogwetterlagen (meridionale Strömungsmuster) wahrscheinlicher macht. Aber auch Trogwetterlagen können warm sein - daraus lässt sich nicht zwingend eine winterliche Wetterlage ableiten. Der NAO-Index wird neutral bis leicht negativ simuliert. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit für nasskalte und abwechslungsreiche Nordwestwetterlagen - ganz so, wie es die Kontrollläufe auch berechnen.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 29.11.2017


Wetter Winter 2017/18: Wetterprognose des Langfristmodells
Das erste Dezemberdrittel soll gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu kalt ausfallen - das ist zwischenzeitlich sehr wahrscheinlich geworden. Reagiert denn das Langfristmodell hierauf? Ja, das tut es. So wird der Dezember mit einer Abweichung von +0,5 bis +2 Grad zu warm berechnet (vormals +1 bis +2 Grad), während der Januar 2018 und Februar 2018 weiterhin mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad und teils bis +3 Grad zu warm berechnet werden. Sollten sich aber die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells behaupten können, so ist mit einer weiteren Korrektur des Langfristmodells zu rechnen.

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