Am kommenden Wochenende sinkt die Schneefallgrenze mit 400 bis 600 Meter wieder bis auf die mittleren Lagen ab und auch zum Start in die neue Novemberwoche zeigt sich noch der nasskalte Wettercharakter als dominierend. Sonnenschein ist nur von kurzer Dauer und die Temperaturen bewegen sich zumeist zwischen +2 bis +7 Grad und können über den Küstenregionen von Nord- und Ostsee mit bis +5 bis +10 Grad etwas wärmer ausfallen.

Mild oder doch winterlich?

Nach dem nasskalten Novemberwochenende mit einem neuerlichen Wintereinbruch ab ca. 600 bis 800 Meter Höhe lassen die Niederschläge allmählich nach und in der Höhe wird es langsam milder, was sich in tieferen Lagen etwa ab dem 22. November mit ansteigenden Temperaturen bemerkbar machen kann. So werden von beiden Wettermodellen bspw. am 24. November Tageswerte zwischen +7 bis +12 Grad berechnet, welche für die Jahreszeit etwas zu warm sind.

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Dabei sind sich die Wettermodelle noch gar nicht einig, wie stark und wie lange die Milderung einsetzen wird. Denn auch heute berechnen die Wettermodelle unterschiedliche Varianten, wenngleich sich ein Trend abzeichnet .

Wettermodelle mit neuen Varianten

Was gilt als weitgehend gesichert? Die Gemeinsamkeiten zwischen dem europäischen und amerikanischen Wettermodell liegen in einem Tiefdrucksystem zum 22. November über England, welches auf seiner Vorderseite sehr warme Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz pumpt.

Ab dem 23. November gibt es differenzierte Berechnungen. Das europäische Wettermodell lässt das Tief relativ rasch nach Skandinavien ziehen und ermöglicht der warmen Luft nur einen kurzen Zeitraum, sich über Mitteluropa auszubreiten. Denn schon zum 23. und 24. November gelangen Deutschland, die Schweiz und auch Österreich auf die kühle Rückseite, was winterliche Verhältnisse bis auf mittlere Lagen und eine nasskalte Witterung in tieferen Lagen zur Folge haben könnte.

Das amerikanische Wettermodell simuliert das Tiefdruckzentrum vehement bei England, so dass sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine sehr warme Anströmung der Luftmassen bis Ende November daraus ergeben kann. So wären in der Höhe von ca. 1.500 Meter Temperaturen von +6 bis +10 Grad und in tieferen Lagen von +7 bis +12 Grad zu erwarten.

Gravierender Unterschied: Polarwirbel instabil - Unsicherheiten bleiben bestehen

Ob die Milderung so kommt, bleibt dahingestellt, denn beide Wettermodelle berechnen ein Hochdruckzentrum über Grönland und gleichzeitig eine Tiefdruckaktivität über dem östlichen Kanada, was den Kaltluftzustrom in Richtung Neufundland zum Erliegen bringt. Diese Wetterentwicklung hat durchaus Potential, um das Wetter in der letzten Novemberdekade nachhaltig in die eine oder andere Richtung zu verändern. Warum? Die Ursache liegt im Polarwirbel begründet. Schaut man sich die aktuelle Berechnung an, so attackieren die Hochdrucksysteme weiterhin den Polarwirbel und stoßen dieses Mal von Europa in Richtung Polarregion vor und wagen den Brückenschlag bis nach Alaska hinüber. Mit anderen Worten kommt der Polarwirbel nicht in Schwung und bleibt erst einmal instabil.

Polarwirbel 15. November 2017Simulation eines instabilen Polarwirbels © www.meteociel.fr

Das spannende daran aber ist, dass es maßgeblich davon abhängt, ob und wo das Hochdrucksystem in Richtung Polregion vordringt. Und das ist noch äußerst variabel. Kurzes Beispiel: zum heutigen Stand schiebt sich der Hochdruckkeil über das östliche Europa nach Norden und blockiert die Tiefdrucksysteme zwischen Island und England, was Deutschland auf die warme Vorderseite bringt. Etwas anders die Berechnungen des europäischen Wettermodells - hier zeigt sich eine Hochdruckbrücke zwischen den sibirischen Hoch, dem Hoch über Grönland und dem über Kanada. So ist der Weg für die Tiefdrucksysteme bis nach Skandinavien frei, was Deutschland, die Schweiz und Österreich wieder auf die kühle Rückseite bringt. Ein kleiner, aber dennoch feiner Unterschied, welcher bei uns einen komplett anderen Wettercharakter zur Folge haben kann.

Warm gewinnt immer? Schauen wir mal!

Allein die Verschiebungen im Polarwirbel zeigen, wie komplex und unsicher die Wetterentwicklung bleibt. Doch was ist wahrscheinlicher - warm oder winterlich kalt? Die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells waren in den letzten Tagen stets die wärmsten Varianten und heute ziehen die Kontrollläufe nach. Das bedeutet für den Temperaturtrend im letzten November eine höhere Wahrscheinlichkeit für wärmere Temperaturen. So liegt das Temperaturspektrum bspw. am 27. November zwischen -4 und +14 Grad bei einem Mittelwert von +6 bis +8 Grad, welcher gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um 2 Grad zu warm ist.

Diagramm Temperaturen im November 2017 vom 15.11.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im November 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Gegen 17:00 Uhr erfolgt ein erster Wettertrend zum Wetter im Dezember 2017 und gegen 20:00 Uhr erfolgt heute Abend eine kurze Aktualisierung der Wetterprognose Winter an dieser Stelle.

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Update der Wetterprognose Winter 2017/18 von 20:03 Uhr
An Spannung ist die kommende Wetterentwicklung kaum mehr zu überbieten. Heute Nachmittag berechnete das amerikanische Wettermodell eine deutlich zu warme Wetterentwicklung, bei der die Temperaturen im letzten Novemberdrittel ohne Probleme in Richtung der +18 Grad hätten ansteigen können.

Amerikanisches Wettermodell berechnet den Winter
Heute Abend nun die Kehrtwende. Nach 8 teils deutlich zu warmen Simulationen hintereinander berechnet das amerikanische Wettermodell heute Abend erstmals wieder eine deutlich zu kalte Variante. Da wackelt der Schwanz mit dem Hund…oder war das umgekehrt? Jedenfalls lassen sich Parallelen zum amerikanischen Wettermodell durchaus herstellen, von einem Extrem in das Andere.

Was ist passiert? Die Ursache für den Warmluftschub war ein Tiefdrucksystem bei England, welches - aufgrund einer Hochdruckblockade - nicht weiter nach Osten vorankam und auf seiner Vorderseite sehr warme Luftmassen nach Norden beförderte. Dieses Tiefdrucksystem wird in den Berechnungen von heute Abend über den Azoren quasi abgeschnürt. Gleichzeitig entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen der herannahenden Kaltluft aus Skandinavien und der Warmluft über dem Süden ein Tiefdrucksystem kurz vor Skandinavien, welches als Initialzündung bezeichnet werden kann. Denn relativ rasch entsteht über der Ostsee ein Zentraltief auf dessen westlichen Gradienten Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen.

Im Verbund mit dem hohen Luftdruck zwischen Neufundland, Island und dem europäischen Nordmeer entsteht ein Zirkulationsmuster, welches von Nordost nach Südosten verlaufen und sehr kalte Luftmassen nach Deutschland führen kann. So wäre am kommenden Wochenende der Wintereinbruch bis auf mittlere Lagen herab eine länger andauernde Geschichte, bei der bis zum 25. November der Winter auch in tieferen Lagen Einzug halten könnte. Die Betonung liegt dabei auf könnte, denn die Variante muss sich in den kommenden Stunden erst noch verifizieren und behaupten.

Wie wahrscheinlich wäre solch ein Wintereinbruch?
Die winterliche Variante ist nur eine Bestätigung für eine völlig unsichere Wetterentwicklung im letzten Novemberdrittel, bei der von Frühling bis Winter so ziemlich alles möglich ist. Entscheidend ist und bleibt der Polarwirbel als Taktgeber. Um die Variante des amerikanischen Wettermodells aber einschätzen zu können, genügt ein Blick auf die Kontrollläufe - hier zeigt sich die Simulation als deutlich zu kalter Ausreißer. Man sollte also noch nicht zu viel darauf geben und es ist gut möglich, dass die Berechnungen morgen schon wieder ganz anders aussehen!

Polarwirbel 15. November 2017 AbendsSimulation des Polarwirbels © www.meteociel.fr


Auf die Entwicklung des Polarwirbels kommt es an
Apropos Polarwirbel - im Vergleich zu heute Nachmittag sieht man die Veränderung. Der Hochdruckverbund verläuft nun komplett anders, was dem Tiefdrucksystem die östlichere Positionierung und damit die Kaltluftzufuhr über Deutschland ermöglicht.

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